ANNALEN DES K. K. NATURHISTORISCHEN HOFMUSEUMS REDIGIRT VON D^- FRANZ RITTER VON HAUER. I. BAND — 1886 (MIT EINUNDZWANZIG TAFELN). WIEN, 1886. ALFRED HOLDER K. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER. Druck von ADOLF HOLZHAUSEN i.i Wien, INHALT. Seite Vorwort V Verzeichniss der Pränumeranten VII Schriftentausch IX Jahresbericht für i885 von Franz Ritter v. Hauer. (Mit i Tafel) l Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. Von Ernst Kittl. (Mit I Tafel) 47 Ueber neue und seltene Antilopen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. Von Fr. Fr. Kohl. (Mit 4 Tafeln) ^5 Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Von Prof. Dr. Fr. Brauer. (Mit 2 Tafeln) 87 Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. Von Dr. V. Goldschmidt . 127 Ueber die Krystallform des Tellurit. Von Dr. Ar. Brezina. (Mit -^ Figuren im Texte) 135 Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. Von J. Redte nbacher. (Mit 12 Tafeln) 163 Goldsand mit Demantoid vom alten Ekbatana und Hamadan. Von A. Gehmacher . . 233 Ueber ein neues Euklas-Vorkommen aus den österreichischen Tauern. Von R. Köchlin. (Mit I Tafel) 237 Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. Von A. V. Pelzeln und Dr. L. v. Lorenz. (1. Theil) 249 Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. Von Dr. Günther Beck. (I- Theil) .271 Notizen l, i5. 27 X O ^ ^ ^ VORWORT. Beim Abschluss des ersten Bandes unserer Annalen drängt es mich, dem Danke Ausdruck zu geben an alle Jene, durch deren Unterstützung und Mitwirkung die Durchführung des Planes, ein publicistisches Organ für das k. k. naturhistorische Hofmuseum zu schaffen, ermöglicht wurde. Nur einmal seit dem Bestände des Institutes, dessen Anfänge bis zu dem Jahre 1748 zurückdatiren, war der Versuch gemacht worden, ein analoges Unternehmen ins Leben zu rufen, als durch Stefan End- licher die Herausgabe der »Annalen des Wiener Museums der Natur- geschichte« angeregt und mit vielen Mühen und Opfern im Jahre i836 begonnen wurde. Bis zum Jahre 1840 erschienen zwei Quartbände mit hochwichtigen Abhandlungen von Diesing, Fenzl, Heckel, Kollar, Partsch, Kitzinger, Endlicher, Pocke, Gf. Marschall, Unger, Ben- tham und J. Natterer. Ungeachtet aller Anerkennung aber, welche diese Publication fand, ungeachtet aller Bedeutung, welche dieselbe nicht für das Museum allein, sondern für die Pflege der Naturwissenschaften im ganzen Reiche hatte, musste sie, da sie nur auf Privatmitteln fusste, nur zu bald wieder eingehen, und das Museum als solches blieb seither ohne Vertretung in der naturwissenschaftlichen Literatur. Mein innigster Dank gilt nun vor Allem der hohen Behörde, deren Chef, Sr. Majestät Erster Obersthofmeister Prinz zu Hohen lohe, in freund- licher Fürsorge für die wohlverstandenen Interessen des Museums, die zur YI Vorwort. Herausgabe unserer Annalen erforderlichen Beträge sofort bewilligte, weiter meinen thätigen und kenntnissreichen Freunden und Collegen, deren treff- liche Arbeiten den Inhalt des vorliegenden Bandes bilden, endlich all den in den nachstehenden Verzeichnissen genannten Freunden der Wissen- schaft und gelehrten Corporationen, welche, sei es durch Pränumeration, sei es durch Eingehen auf den von uns angebotenen Schriftentausch, unser Unternehmen förderten. Wien, im November 1886. HAUER. VERZEICHNISS der Pränumeranten auf den I. Band der Annalen. Aberle, Dr. Karl, k. k. Regierungsrath. Wien. Bäumler, Ernst, k. preuss. Oberbergrath a. D. Wien. Billitzer, Dr. Emmerich, k. k. Fregattenarzt. Dignano, Istrien. Böhm, Julius, Mineralienhändler. Wien. Burchard, Conrad, MitgHed des k. ungar. Oberhauses. Budapest. Coburg-Gotha, Prinz Ferdinand von Sachsen. Wien. Coburg-Gotha, Prinz Philipp von Sachsen. Wien. Cohn, Salo, ßanquier. Wien. Cumberland, Ernst August Herzog von. Penzing. Dechen, Dr. Heinrich v., k. preuss. Geheimrath, Ober-Berghauptmann a. D. Bonn. Doblhoff, Joseph Freiherr von. Salzburg. Erggelet, Max Freiherr von. Salzburg. Finger, Julius, Cassier der 1. österr. Sparcasse. Meldung. Fischer v. Ankern, Anton, Realitätenbesitzer. Wien. Fuchs, Gustav, Curator der evang. Gemeinde und Gemeinderath. Budapest. Ganglbauer, Cölestin, Cardinal und Fürst-Erzbischof von Wien. Gerstner, Anton, Hofzuckerbäcker. Wien. Grienauer, Ludwig. Perchtoldsdorf. Grötschel, E., Director der ungar. Landes-Centralsparcasse. Budapest. Gutmann, Max Ritter von. Wien. Hauer, Dr. Franz Ritter von, k. k. Hofrath und Intendant. Wien. Hauswirth, Dr. Ernst, Prälat des Stiftes zu den Schotten. Wien. Herz, Julius, Präsident der Direction der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Wien. Hofmann, Raphael, Bergdirector. Wien. Hopfen, Franz Freiherr von, Gutsbesitzer. Wien. Kämmerer v. Worms, Friedrich, Reichsfreiherr von und zu Dalberg. Wien. Kalchberg, Adolph Freiherr von, k. k. Landwehr-Rittmeister. Penzing. Kammel v. Hardegger, Dr., Gutsbesitzer. Grussbach, Mähren. Karrer, Felix. Ober-Döbling. Kraus, Franz. Wien. Kremsmünster, Sternwarte des Stiftes. Lanna, Adolph Ritter von. Prag. Latzel, Joseph, Gutsbesitzer. Wien. Marschall, Aug. Fr., Graf. Obermeidling. YIJJ \'erzeichniss der Pränumeranten. Mautner, Ad. Ign. Ritter von Markhof. Wien. Mayr, Dr. Gustav, Professor. Wien. Pelzein, Aug. v., k. k. Gustos. Wien. Rogenhofer, Alois, k. k. Gustos. Wien. Schwartz, Gust. Ritter von Mohrenstern. Wien. Schwartz, Dr. Julius Freiherr von. Wien. Semsey, Andor v. Budapest. Springer, Anton, Gutsbesitzer. Ober-Fucha. Stäche, Dr. Guido, k. k. Oberbergrath. Wien. Steindachner, Dr. Franz, k. k. Regierungsrath und Director. Wien. Travnik, Erzbischöfliches Gymnasium. Westenholz, Karl Freiherr von. Wien. Wien, Sr. k. und k. Majestät Obersthofmeisteramt. Wilczek, Hans, Graf, k. k. Geheimer Rath. Wien. Windisch-Grätz, Ernst F'ürst zu. Wien. Windisch-Grätz, Hugo Fürst zu, k. k. Geh. Rath, Gen.-Maj. a. D. Haasberg, Krain. Zugmayer, H. Wien. Ferner durch die Buchhandlungen: in Wien: Beck'sche Hof- und Univers. -Buchhandlung i Excmpl. Frick, Wilh., Hof-Buchhandlung . i „ Gerold & Comp 2 „ Lechner, R., Hof-Buchhandlung i ,, Sallmayer'schc Buchhandlung 1 in Prag: Calve'sche Hof-Buchhandlung i „ Dominicus, H i „ Rziwnatz, Fr. . 2 „ in Bielitz : Fröhlich, W 1 „ in Berlin: Asher & Comp i ,, in Moskau : Lang, Alex. . . i VERZEICHNISS der wissenschaftlichen Corporationen und Redactionen, mit welchen wir im Schriftentausche stehen. Agram: Croatischer Naturforscher -^'erein. Albany: New -York State Museum of nat. historv. Altenburg: Naturtorschende Gesellschaft a. d. Osterland. Amsterdam: Revue coloniale internationale. Annaberg-Buchholz: Verein für Naturkunde. Anvers: Societe Roy. de Geographie. Arnstadt: Deutsche botanische Monatsschrift. — >Jrmischia«, Botanischer Verein für Thüringen. Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. Baltimore: John Hopkins University. Bar-le-Duc: Societe des lettres, sciences et arts. Basel: Geographische Nachrichten. — Naturforschende Gesellschaft. Batavia : K. Natuurk. Tijdschrift voor Nederlandsch- Indic. Belgrad: Societe des sciences. Bergen: Museum. — Selskabet f. d. norske Fiskeriers Fremme. Berlin: Anthropologische Gesellschaft. — Deutscher Colonialverein. — Entomologische Nachrichten. — Entomologischer Verein. — Gesellschaft naturforschender Freunde. — Königl. botanischer Garten. — Königl. Geologische Landesanstalt. — Königl. Museen. — Märkisches Provinzial-xMuseum. — Naturae novitates. Bern: Allg. Schweizerische Gesellsch. f. d. gesamm- ten Naturwissenschaften. — Geographische Gesellschaft. — Naturforschende Gesellschaft. — Schweizerische entomologische Gesellschaft. Bologna: R. Accademia delle Scienze. Bonn: Naturhistor. Verein der preuss. Rheinlande. — \'erein von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Boston: American Academy of arts and sciences. — Appalachian mountain Club. Braunschweig: Herzogl. naturhistor. Museum. — Verein für Naturwissenschaft. Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. Breslau: Schlesische Gesellsch. f. vaterländische Cultur. — Verein f. schlesische Insectenkunde. Bristol: Naturalists Society. Brunn: Naturforschender Verein. Brüssel: Academie Roy. des sciences, des lettres et des beaux-arts. — Etat Independant du Congo. — Musee Roy. d'histoire naturelle. — Societe Roy. Beige de Geographie. — Societe Roy. de Botanique. — Societe Roy. malacologique. — Societe entomologique. — Societe Roy. Linneenne. Budapest: Akademie der Wissenschaften. — Königl. ungarische geolog. Anstalt. — Math. u. naturw. Ber. aus Ungarn. — Ung. Geologische Gesellschaft. — Ungarische geographische Gesellschaft. — Vierteljahrschrift f. Zoologie. Botanik, Mine- ralogie u. Geologie. Buenos- Ayres: Istituto geographico Argentino. — Sociedad cientifica Argentina. Buffalo: Society of natural sciences. Bukarest: Geographische Gesellschaft. Caen: Acad. nation. des sciences, arts et belies lettres. Cairo: Institut Egyptien. Calcutta: Asiatic society of Bengal. — Geological survey of India. — Indian Museum. Cambridge (Mass. U. S.): Entomological Club. — Peabody Museum. — (England): Woodwardian Museum. Cassel: Naturhistorischer Verein. — Verein für Naturkunde. X Schriftentausch. ehester: Society of natural history. Christiania: Archiv tbr Mathematik og Natur- videnskab. — Nyt Magazin tbr Naturvidenskabernes. — Universität. Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. Cincinnati: Society of natural history. Coimbra: O Instituto revista scientitica e litteraria. — Sociedade Broteriana. Colmar: Societe d'histoire naturelle. Cordoba: Republ. Argentina Acad. nac. d. ciencias. Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Provincialmuseum. Darmstadt: Grossh. hessische geolog. Landesan- stalt. — Mittelrheinisch, geolog. Verein. — Verein für Erdkunde. Dijon: Societe ßourguignonne de Geographie et d'Histoire. Douai: Union Geographique du Nord de la fVance. Dresden: Naturwissenschaftl. Gesellschaft »Isis«. — Verein für Erdkunde. Edinburgh: Roy. physical Society. — Scottish geographica! Society. Emden: Naturforschende Gesellschaft. Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. Florenz: Biblioteca nationale centrale. — Nuovo Giornale botanico Italiano. — Sezione fiorentina della Societä Africana dltalia. Frankfurt a. M.: Aerztlicher Verein, — Malakozoologische Gesellschaft. — Senckenbergische nalurforschende Gesellschaft. — • \^erein für Geographie und Statistik. — Zoologischer Garten. Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesell- schaft. Freiburg i. Breisgau: Naturforschende Gesellschaft. Genf: Institut national Genevois. — Societe de physique et d'histoire naturelle. — Societe botanique. Genua: Museo civico di storia naturale. Gera: Gesellschaftvon Freunden d.Naturwissensch. Giessen: Oberhessische Gesellsch. für Natur- und Heilkunde. Glasgow: Natural history Society. Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Oberlausitzische Gesellsch. d. Wissenschaften. Graz: Naturhistorischer Verein. Greifswald: Geographische Gesellschaft. — Naturwissensch. Verein v. Neu -Vorpommern unii Rügen. Güstrow: \'erein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. Halle: Kais. Leop. Carol. Akad. der Naturforscher. — Naturwissensch. Verein f. Sachsen U.Thüringen. — Verein für Erdkunde. Hamburg: Deutsche Seewarte. Hamburg: Geographische Gesellschaft. — Naturhistorisches Museum. — Naturwissenschaftlicher Verein. — Verein für naturwissensch. Unterhaltung. — Zoologische Gesellschaft. Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. Hanau: Wetterau'sche Gesellsch. f. d. gesammte Naturkunde. Harlem: Archives Neerland. d. scienccs exactes et naturelles. — Musee P. Teyler. Havre: Societe de Geographie commerciale. Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. Hermannstadt : Siebenbürgischer Karpathenverein. — Siebenb. Verein für Naturwissenschaften. — Verein für siebenb. Landeskunde. Irkutsk: Ostsibirische Section d. k. russ. geograph. Gesellsch. Jena: Geographische Gesellschaft für Thüringen. — Thüringer Fischerei -Verein. Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. Kasan: Naturhistor. Gesellsch. an der Universität. Kew: Rov. botan. Gardens. Kiel: Naturwissensch. Verein f. Schleswig-Holstein. — Zoologisches Institut. Kiew: Societe des Naturallstes. Klagenfurt: Kärntnerischer Geschieht -Verein. — Naturhistor. Landesmuseum v. Kärnten. Klausenburg: Siebenbürgisches Museum. — Ungar, botanische Zeitschrift. Klausthal: Berg- und hüttenm. Verein »Maja«. Klosterneuburg : Chemisch-physIk.Versuchsstation für Wein- und Obstbau. Köln: »Gäa«. Königsberg: Ostpreuss. physikal.-ökonomische Ge- sellschaft. Kopenhagen: Botanische Gesellschaft. — Danske Fiskeriselskab. — Universitetets Zoologiske Museum. — Kongl. Danske Videnskabernes Selskab. — Naturhistoriske Forening. j La Haye : K. Instituut v. d. Taal-, Land- en Volken- kunde van Neederlandsch-Indie. Landshut: Botanischer Verein. Leeds: Journal of Conchology. — Yorkshire geological and polytechnlc. Society. Leiden: Neederlandsche botanische Vereeniging. — Rijks Ethnographisch Museum. — Rijks Museum van natuurlijke Historie. Leipzig: Königl. sächsische Gesellsch. der Wissen- schaften. — Museum für Völkerkunde. — Naturforschende Gesellschaft. — ^'ercin für Erdkunde. Lemberg: »Kopernikus«, naturwissensch. \'erein. Liege: Societe geologique de Belgique. Lille: Societe geologique du Nord. Schriftentausch. XI Linz: Museum Francisco-Carolinum. Lissabon: Section des travaux geologiques. — Sociedad de Geographia. London: Geological Society. — Mineralogical Society. Lübeck: Geographische Gesellschaft. Lucca: R. Accademia I-ucchese. Lund: Botaniska notiser. Lüneburg: Jahrbuch des naturwissenscli. Vereins. Luxembourg: Societe botanique. Lyon: Musce d'histoire naturelle. — Societe botanique. Madrid: Revista minera y metalürgica. Magdeburg: Naturwissenscliaftlicher Verein. Mailand: Fondaz. Scientif. Cagnola. — Reale Istituto Lombardo. — Societä Italiana di Scienze naturali. Manchester: Geographical Society. Mannheim: \'erein für Naturkunde. Melbourne: Departement of mines and vvater supply. Metz: Verein für Erdkunde. Minneaopolis: Geological and natural history sur- vey of Minnesota. Modena: Societä d. naturalisti. Moskau: K. russ. Gesellschaft der Naturforscher. München: Deutscher und Oesterr. Alpenverein. — Geographische Gesellschaft. Münster: Pro vinzial -Verein für Wissensch. und Kunst. Nancy: Acadcmie de Stanislas. New-Haven: American Journal of science. New-York: American Museum of natural history. Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — ■ Germanisches Natlonal-Museum. Odessa: Neurussische Gesellschaft d. Naturforscher. Offenbach: Verein für Naturkunde. Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. Padua: R. Accad. di scienze, lettere e belle arti. Palermo: R. Accad. Palermitana di scienze, lettere e belle arti. Paris: Association francaise pour Tavancem. des Sciences. — Commission des Annales des Mines. — Feuille des jeunes naturalistes. — Revue scientitique. — Societe des Etudes Coloniales et Maritimes. — Societe de Geographie. — Societe philomathique. — Societe zoologique de France. Passau: Naturhistorischer ^'erein. Perpignan: Societe Agricole scientitique et litte- raire des Pyrences orientales. Philadelphia: American naturalis!. Numismatic and Antiquarian Society. Pisa: Istituto botanico della R. Universitä. — Societä Toscana di Scienze naturali. Poprad: Ungarischer Karpathenverein. Prag: K. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. — >J^otos« Jahrbuch für Naturwissenschaft. — Statistisches Bureau des Landesculturrathes für das Königreich Böhmen. Regensburg: Königl. bayr. Gesellschaft »Flora«. Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. Reichenberg: \'erein der Naturfreunde. Rio de Janeiro: Seccao d. Sociedade de Geo- graphia de Lisboa. Rom: Musei preistorico-etnografico e Kircheriano. — R. Accademia dei Lincei. — R. Giardino Botanico. Rotterdam: Societe Batave de philosophie experi- mentale. Roveredo: Accademia degli Agiati. Salem: American Association for the advancemeni of science. Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. St. Francisco: California Academy of sciences. St. Gallen: Ostschweizer, geograph.-commercielle Gesellschaft. St. John: Natural history Society. St. Louis: Academy of sciences. St. Petersburg: Academie imperiale des sciences. — Comite geologique. — Gesellschaft der Naturforscher. — Kaiserl. russische mineralog. Gesellschaft. — Oestliche Rundschau. — Physikalisch -chemische Gesellsch. an der k. Universität. Semur: Societe des sciences naturelles. Shanghai: China branch of the R. Asiatic Society. Sidney: Roy. Society of New South Wales. — Linnean Society. Spalato: Museo d'Antichitä. Stockholm: Geologiska Föreningens. — K. Mtterhets Historie och Antiquitets Aka- demien. Strassburg: Commission z. geolog. Erforsch, v. Elsass-Lothringen. Stuttgart: Verein für vaterl. Naturkunde in Würt- temberg. Tokio: Deutsche Gesellsch. für Natur- und Völker- kunde Ost-Asiens. Toronto : Canadian Institute. Tours: Societe de Geographie. Trenton: Natural history Society. Trentschin: Naturwissenscli. \'erein des Trcntsch. Comitates. Trient: Societä degli alpinisti Tridentini. — Societä adriatica di scienze naturali. — Museo civico. Tromsö: Museum. Troyes: Societe Acad. d'agriculture d. sciences, arts et belles-lettres de l'Aube. Truro: R. Institution of Cornwall. XII Schriftentausch. Tübingen: Der Naturforscher. Venedig: Ateneo Veneto. — »Notarisia.« — R. Istituto Veneto di scienze, lettere e arti. Washington: Smithsonian Institution. — United States Geological survey. Weimar: Botanischer Verein für Gesammt-Thü- ringen. Wien: III. Gruppe der kunsthistor. Sammlungen des AUerh. Kaiserhauses. — General-Direction der österr. Staatsbahnen. — Gesellschaft der Aerzte. — Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. — K. k. geographische Gesellschaft. Wien: K. k. geologische Reichsanstalt. — K. k. militär-geographisches Institut. — Orientalisches Museum. — Oesterr. Fischerei -Verein. — Oesterr. Touristenclub. — Oesterr. Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen. — Wissenschaftlicher Club. — Zoologisch-botanische Gesellschaft. Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. Winnipeg: Historical and scientific Society of Manitoba. Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. Zürich: Natur forschende Gesellschaft. . Zwickau: Verein für Naturkunde. ANNALEN DES K. K. NATURIIISTORISCHEN HOFMUSEUMS. Jahresbericht für i885 von Dr. Frani Ritter von Hauer. Einleitung. Oei dem lebhaften Interesse, welches allseitig der Entwicklung unseres grossen wissenschaftlichen Institutes entgegengebracht wird, hoffe ich dem Wunsche Vieler zu entsprechen, wenn ich in den nachstehenden Zeilen eine übersichtliche Zusammen- stellung der Ereignisse, welche uns im Laufe des letzten Jahres betrafen, sowie unserer Arbeiten und Erfolge, zur allgemeinen Kenntniss bringe. Da in früheren Jahren analoge Berichte niemals veröffentlicht wurden, sei es mir gestattet, mit einigen oricntirenden Worten über die allgemeinen Verhältnisse des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu beginnen. Dasselbe ist hervorgegangen aus der Vereinigung der früher getrennten und zeit- weilig von einander ganz unabhängigen k. k. Hofcabinete,*) und zwar des k. k. zoolo- gischen, des mineralogischen und des botanischen Hofcabinets, dann der prähistorischen, anthropologischen und ethnographischen Sammlungen des Allerhöchsten Hofes. Die ersten beiden dieser Cabincte waren in, für die reichen Sammlungen schon ganz und gar unzulänglich gewordenen Localitäten in der k. k. Hofburg untergebracht; das dritte befand sich, vereinigt mit den botanischen Sammlungen der k. k. Universität, in dem kleinen, der letzteren gehörigen Gebäude im k. k. botanischen Garten. Die anderen genannten Sammlungen, die theils älteren Erwerbungen ihren Ursprung ver- danken, zum grösseren Theile aber erst in neuester Zeit zusammengebracht wurden, waren niemals in ihrer Gänze zu einer Aufstellung gebracht, sondern wurden verpackt in Depots aufbewahrt. Der von dem Architekten Baron v. Hasenauer geleitete Bau des grossen für die Neuaufstellung aller dieser Sammlungen bestimmten Palastes begann im Jahre 1 872 und wurde im Jahre 1881 äusserlich vollendet. Die Vereinigung der getrennten Cabinete zu einem Gesanimtinstitute unter ein- heitlicher Leitung wurde durch die im Jahre 1876 erfolgte Allerhöchste Genehmigung *) Bezüglich der Geschichte dieser Institute verweise ich auf die »Geschichte des k. k. Hof-Naturalien- cahinetes in Wien« von L. Fitzinger (Sitzungsber. der matliem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. 21,57,58, 81 und 82), und auf die Arbeit von Hochstetter: »Das k. k. Hof-Mineralien- cabinet in Wien« (Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1884, p. 263). I r, Einleitung. eines von F. v. Hochstetter entworfenen Organisationsplancs und durch die Ernen- nung des Letzteren zum Intendanten des Museums angebahnt. Mit rastlosem Eifer arbeitete nun Hochstetter bis zu seinem am 1 8. Juli 1884 erfolgten Tode an seiner grossen Aufgabe. Er hat dieselbe so weit geführt, dass uns nichts Anderes mehr obliegt, als die von ihm nach weiten Gesichtspunkten gedachten und vorbereiteten Pliine, mit verhältnissmässig geringen Abänderungen, die sich seither als noth\vendig ergaben, im Detail zur Durchführung zu bringen. In Folge einer neucrhchen Allerhöchsten Entschliessung Sr. k. und k. Apostoli- schen Majestät vom 27. December i885 besteht das k. k. naturhistorische Hofmuseum aus fünf Abtheilungen, und zwar: 1. der zoologischen, 2. der botanischen, 3. der mineralogisch-petrographischen, 4. der geologisch-paläontologischen, 5. der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung. Das Neugebäude enthält, abgesehen von den Kellerräumen, welche grossentheils von den Anlagen zur Centralheizung eingenommen werden, vier Stockwerke. Das tieiste derselben, bezeichnet als Tiefparterre, ist theils zu Wohnungen für Beamte und Diener adaptirt, theils enthält es Präparir- und Packräume für die einzelnen Abtheilungen. Die oberen drei Stockw'erke, das Hochparterre, der erste und der zweite Stock, ent- halten je 19 grosse, 200 und (die Ecksäle) 260 Quadratmeter messende Säle an der Aussenseite gegen die Gassenfronten des freistehenden Gebäudes und je 20 bis 25 kleinere Säle, Zimmer und Nebengemächer an der Innenseite gegen die beiden grossen Hüte, welche durch den das Stiegenhaus enthaltenden und von der Kuppel gekrönten Mittel- tract getrennt werden. Die Säle und ein Theil der Nebenräurae des Hochparterres und des ersten Stockwerkes sind nun für die dem grossen Publicum zu öflhenden Schau- sammlungen gewidmet; alle übrigen Räume sind für ßureaux und Arbeitszimmer, für Bibliotheken, endlich zum grossen Theil für jene Theile der Sammlungen bestimmt, welche, in Schränken aufbewahrt, zwar der Benützung durch Fachgelehrte bereit gehalten, nicht aber zur Schau gestellt werden sollen. Ohne in weiteres Detail über die geplanten Aufstellungen einzugehen, füge ich nur noch bei, dass zugewiesen sind : 1. der zoologischen Abtheilung die sämmtlichen 19 Säle des ersten Stockwerkes sammt den zugehörigen Nebenräumen, dann () Reservesäle sammt Nebenräumen im zweiten Stockwerke und die nöthigen Präparirräume im Tiefparterre; 2. der botanischen Abtheilung, welche noch keine eigentliche Schausammlung be- sitzt, 4 Säle sammt Nehenräumen im zweiten Stocke; 3. der mineralogisch-petrographischen Abtheilung die ersten 5 Säle im Hoch- parterre sammt den anschliessenden Nebenräumen; für ein chemisches Laboratorium, dann für die Aufstellung von Schneide- und Schleifmaschinen u. s. w. sind entsprechende Localitäten im Tiefparterre bestimmt; 4. der geologisch-paläontologischen Abtheilung die nächsten 5 Säle im Hochparterre, 2 Reservesäle im zweiten Stocke und Präparir- und Packzimmer im Tiefparterre. 5. Die anthropologisch-ethnographische Abtheilung zerfällt in zwei Unterabthcilun- gen; von ihnen erhält a) die prähistorisch-anthropologische die an die geologische Abtheilung zunächst anschliessenden 3 Säle im Hochparterre, 1 Saal im zweiten Stocke und Präparirräume im Tiefparterre; , Einleitung. 3 b) die ethnographische die letzten 6 Säle im Hochparterre, 3 Reservesäle im zweiten Stocke und i Präparirraum im Tiefparterre. Was nun die nicht von der Verwaltung des Museums, sondern von der Bauleitung abhängigen Bauarbeiten und die Herstellung der Stellvorrichtungen und Einrichtungs- stücke für die Schausäle betrifft, so war schon mit Ende 1884 die architektonische Aus- stattung dieser Säle in der Hauptsache vollendet. Ueber die Arbeiten im Jahre i885 erhielt ich mit Zustimmung des bauleitenden Architekten Baron v. Hasen au er, für dessen freundliches Entgegenkommen bei jeder Gelegenheit ich mich zu dem wärmsten Danke verpflichtet fühle, von dem Ingenieur und Bauführer Herrn Felix v. Zamboni die folgenden näheren Nachweisungen: »Im Tiefparterrc wurden die zwei grossen Amtswohnungen fertiggestellt, so dass sie im Herbste bezogen werden konnten; in den Kellerräumen wurden Abtheilungen für die Wohnparteien geschaffen. »Im Hochparterre wurden die Thüreinfassungen (Chambranen aus Kunstmarmor) hergestellt, die Malerarbeit an den Wänden unterhalb des Kämpfergesimses vorgenommen, die Kariatyden in den Ecksälen und im Mittelsaale versetzt und polychromirt, die vor- handenen Oelgeniälde befestigt und mit Aufschrifttafeln versehen; weiters kam der Fuss- boden zur Vollendung und wurden sämmtliche Thüren für die Gassen- und Hoflocale fertiggestellt, die Eichenthüren gebeizt, die aus weichem Holze angestrichen; die Mon- tirung der Bronzebeschläge an sämmtlichen Thüren sowohl, als auch an sämmtlichen Fenstern des ganzen Geschosses kam auch zur Ausführung; ferners wurde die Aufstellung der Schaukästen im ganzen Geschosse begonnen und beinahe ganz zu Ende geführt. »Im ersten Stockwerke wurden die eisernen Thüren für jene Säle, welche die Sammlungen in Spiritus enthalten, aufgestellt, bronzirt und mit Beschlägen versehen, dann wurde die Aufstellung der zweiten Hälfte der Schaukästen, speciell der grossen Kästen für die Säugethiere, beendet; im zweiten Stockwerke wurden die Thüren und Fenster mit Bronzebeschlägen versehen und an der Aufstellung der Sammlungskästen gearbeitet. »Für einen Theil der Hof- und Gassenfenster im ganzen Gebäude wurden Rouleaux hergestellt. ^Nachdem im F'rühjahre die Versetzung und Vergoldung des Einfassungsgitters des Museumplatzes begonnen und durchgeführt worden war, wurde die Parkirung des Platzes in Angriff genommen, und zwar wurde die Terrainregulirung, die Herstellung der Wege, die Urbarmachung der Gartenplätze, die Canalisirung, die Gas- und Wasser- leitung fertiggestellt. »Endlich wurden die beiden Auffahrtsrampen zu den Museen mit den grossen Freitreppen ausgeführt.« Die Möblirung der Reservesäle im zweiten Stockwerke, sowie die der Bureaux und Arbeitslocalitäten erfolgt nur theilweise durch Neuanschaffungen; es werden nämlich für diese Räume sämmtliche in den früheren Hofcabineten in Verwendung gestamlene Aufstellungskästen und andere Einrichtungsstücke nach entsprechender Umgestaltung zur Verwendung kommen. Auch diese Arbeiten, welche nicht unter der Obsorge der Bauleitung, sondern unter jener der Musealverwaltung, welcher zu diesem Behufe lixe Pauschalbeträge zur Verfügung gestellt wurden, stehen, wurden im Laufe des Jahres so weit fertiggebracht, dass insbesondere die Bureaux und Arbeitszimmer vollkommen eingerichtet und von den betreffenden Beamten auch bereits bezogen sind. Noch möchte ich beifügen, dass im Laufe des Jahres das grosse Deckengemälde sowohl, welches ober der Stiege angebracht w'erden wird, wäe sechs von den acht kleineren 1* Das Personale. Bildern, welche die Lunetten im Stiegenhaus zu schmücken bestimmt sind, vollendet wurden. Der grosse Meister, der diese Werke schuf, Hans Canon, schied aus dem Leben, ohne Zeuge der vollen Wirkung geworden zu sein, welche dieselben an dem Platze, für welchen sie bestimmt sind, unzweifelhaft ausüben werden. I. Das Personale. Die Leitung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums wurde durch meine, mit Allerhöchster Entschliessung Sr. k. und k. Apostolischen Majestät vom 17. Februar i885 erfolgte Ernennung zum Intendanten mir anvertraut, nachdem die Geschäfte der Intendanz nach deniTode Hochstetter's interimistisch von Herrn Director Regierungs- rath Steindachner geführt worden waren. Der weitere Beamten- und Dienerstand des Museums hat der früher erwähnten Allerhöchsten Entschliessung vom 27. December i885 zufolge zu bestehen aus: 1 Director in der VI. Rangsclasse 8 Custoden „ VII. „ 5 Custos-Adjuncten ... „ VIII. „ 5 Assistenten „ X. „ 2 beeideten Hilfsarbeitern „ XI. „ 9 Präparatoren „ XI. Diätenclasse 14 Dienern „ XII. „ Alle diese Stellen, mit Ausnahme jener des fünften Custos-Adjuncten, welche vor- läufig unbesetzt blieb, wogegen nicht fünf, sondern sechs Assistenten ernannt wurden, erscheinen in Folge hohen Erlasses von Sr. k. und k. Majestät erstem Obersthofmeister Prinzen zu Hohenlohe vom 3o. December i885 theils durch Transferirung der Be- amten und Diener der früheren k. k. Hofcabinete, theils durch Neuernennungen besetzt, so dass der Personalstand des k. k. naturhistorischen Hofmuseums nebst mir nunmehr besteht aus den Herren : Dr. Franz Steindachner, k. k. Regierungsrath und Director, betraut mit der Leitung der zoologischen Abtheilung; den Custoden: August v. Pelzein, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Alois Rogenhof er, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Theodor Fuchs, betraut mit der Leitung der geologisch-paläontologischen Abtheilung, Dr. Aristides ßrezina, betraut mit der Leitung der mineralogisch -petrographischen Abtheilung, Dr. P'riedrich Brauer, k. k. Universitätsprofessor, mit der Dienstleistung in der zoo- logischen Abtheilung, Dr. Emil v. Marenzeller, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Franz Heger, betraut mit der Leitung der anthropologisch - ethnographischen Ab- theilung, Josef Szombathy, mit der Dienstleistung in der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung; Das Personale. den Gustos- Ad Juncten : Dr. Friedrich Berwerth, mit der Dienstleistung in der mineralogischen Abtheilung, Carl Koelhel, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Günther Beck, betraut mit der Leitung der botanischen Ahtheilung, Ludwig Ganglbauer, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung; den Assistenten: Ernst Kittl, mit der Dienstleistung in der geologisch -paläontologischen Abtheilung, Dr. Ludwig Lorenz Ritter v. Liburnau, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Nikolaus Wang, mit der Dienstleistung bei der Intendanz und in der anthropologisch- ethnographischen Abtheilung, Dr. Eduard Becher, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Michael Haberlandt, mit der Dienstleistung in der anthropologisch-ethnographi- schen Abtheilung, Dr. Fr. Wähncr, mit der Dienstleistung in der geologisch-paläontologischen Abtheilung; den beeideten Hilfsarbeitern: Franz Kohl, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Ignaz Ritter v. Szyszvlo vicz, mit der Dienstleistung in der botanischen Ab- theilung; den Präparatoren: Josef Mann, für die zoologische Abtheilung, Franz Brattina, für die geologisch-paläontologische Abtheilung, Rudolf Zelebor, für die zoologische Abtheilung. Theodor Werner, für die zoologische Abtheilung, Eduard Konopitzky, für die zoologische Abtheilung, Alois Scholtvs, für die botanische Abtheilung, Anton Samide, für die mineralogisch-petrographische Abtheilung, Franz Grössl, für die ethnographische Abtheilung; und den Hausdienern: Josef Holubiczka, für die zoologische Abtheilung, Carl Seemann, für die zoologische Abtheilung, Caspar Wann er, für die geologisch-paläontologische Abtheilung, Josef Konopitzky, für die zoologische Abtheilung, Johann Kai gl, für die zoologische Abtheilung, Franz Irmler, für die zoologische Abtheilung, Gustav Bräutigam, für die prähistorisch-anthropologische LIntcrabtheilung, Stefan Leiner, für die zoologische Abtheilung, Martin Hanig, für die zoologische Abtheilung, Michael Mikulofskv, für die ethnographische Unterabtheilung, Franz Brattina Jun., mit der Dienstleistung eines Präparators in der prähistorischen Unterabtheilung, Fabian Legradi, für die mineralogisch-petrographische Abtheilung. Herr Wenzel Wenisch steht als Diurnist in Verwendung. Der Portier Johann Trupp ist einstweilen der Intendanz zur Dienstleistung in der Kanzlei zugewiesen. Die Musealarbeiten. Nebst den Beamten und Dienern nehmen auch Volontäre mit specieller Bewilli- gung des hohen Obersthofmeisteramtes an den Arbeiten im Museum Antheil. Es sind theils unabhängige Gelehrte, wie Herr Felix Karr er, dessen schon seit Jahren andauernde, höchst erfolgreiche und dankenswerthe Thätigkeit im k. k. Hof-Mineraliencabinet fortan auch der mineralogischen und geologischen Abtheilung des Museums zu Gute kommen wird, theils jüngere Männer, welche, sei es um ihre Kenntnisse zu erweitern, sei es um eine etwaige Zwischenzeit bis zur Erlangung irgend einer von ihnen angestrebten wissen- schaftlichen Stellung nützlich auszufüllen, ohne Entlohnung und ohne dadurch einen Anspruch auf eine Anstellung im Museum zu erlangen, demselben ihre Dienste widmen. So die Herren Rudolph Much in der anthropologisch-prähistorischen Unterabtheilung, Dr. Moriz Hörn es, ebendaselbst, dann zu Anfang des Jahres 1886 eingetreten die Herren Dr. Anton Zahlbruckner in der botanischen Abtheilung, Friedrich Siebenrock, Demonstrator am zootomischen Universitäts-Tnstitut, in der zoologischen Abtheilung, Dr. Gottlieb Marktanner-Turncrctscher, ebendaselbst, Rudolf Köchlin in der mineralogisch-petrographischen Abtheilung. Eine nicht den Empfänger allein, sondern das ganze Institut erhebende Auszeich- nung ist Herrn Director Regierungsrath Dr. Franz Steindachner zu Theil geworden. Mit Allerhöchster Entschliessung vom 12. April i885 haben Se. k. und k. Aposto- lische Majestät demselben in neuerlicher Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienst- leistung den Orden der eisernen Krone U\. Classe taxfrei allergnädigst zu verleihen geruht. II. Die Musealarbeiten. Dieselben bestanden der Hauptsache nach aus den Vorbereitungen zum Transport der Sammlungen in das Neugebäude, diesem Transport selbst, der, wie noch weiter im Detail gezeigt wird, zmn weitaus grössten Theilc durchgeführt ist, und den Vorberei- tungen zur Neuaufstcllung. a. Zoologische Abtliciluug. Das k. k. zoologische Hofcabinet oder, wie es im Volksmunde genannt wurde, das »Naturalicncabinet«, wurde noch bis zum Schlüsse des Jahres i885 in jenen Theilen, welche noch niclit verpackt oder ausgeräumt \varen, also in successive immer kleinerem Umfange, dem Besuche des Publicums otlen gehalten. Der letzte Einlass fand Donnerstag den Si.Dccember statt. Obwohl an diesem Tage eben nichts Anderes mehr als einige der grossen Säugethicre zu sehen waren, so strömten doch die Besucher in ungewöhnlich grosser Zahl herbei, um zum letzten Male von der ihnen so lieb gewordenen Stätte Ab- schied zu nehmen, welche der Schaulust und Lernbegierde der ganzen Bevölkerung unserer Rcsidenzstailt ein volles Jahrhundert hindurch so reiche Befriedigung geboten hatte. Mit Schluss des Jahres waren die gesammten zoologischen Sammlungen mit Aus- Zooloaischc Abtheilunii. nähme von etwa 800 Gläsern der Fisch- und ReptiHcnsammlung und etwa dem dritten Theile der Säugethicrsammlung — darunter allerdings den grössten Arten, \vic Ele- phanten, Giraffen u. s. w. — in das Neugcbäudc übertragen. Obgleich die neuen Schaukästen und die Podien für die Säugethiere und Vögel leider noch nicht so weit vollendet sind, um die Objecte in denselben aufzustellen, war doch der Transport der letzteren und ihre nunmehr eine doppelte Arbeit erfordernde provisorische Unterbringung im Neugebäude unumgänglich nöthig, um rechtzeitig die Reparatur und Adaptirung der alten Schaukästen, welche in den Reservesälen im zweiten Stockwerke des Neugebäudes aufgestellt werden, vornehmen zu können. Diese Kästen, deren Umstaitung nach den Angaben und unter Leitung des Herrn Directors Stein- dachncr vorgenommen wurde, sind dazu bestimmt, tlie ganze wissenschaftliche Samm- lung der Mollusken, der Arachniden, Crustaceen und Mvriapoden, fast die Hälfte der Insectcnsammlung, die Sammlung der Vogel- und Säugethierskelete, einen Theil der Fisch- sammlung, endlich auch die Hauptbibliothek für Zoologie aufzunehmen. Auch die Verpackung und der Transport der sämmtlichen zoologischen Samm- lungen wurden unter der speciellen Leitung und Ueberwachung des Herrn Directors Steindachner vorgenommen. Einige weitere Details darüber werden gewiss vielen unserer Leser willkommen sein. Nur für die Uebertragung grösserer Objecte wurden Möbeltransportwagen ver- wendet; sämmtliche nach Hunderttausenden zählende kleinere Gegenstände, wie z. B. die ganze Insecten- und Molluskensammlung, die getrockneten Krebse und fast die Hälfte der Vogelsammlung wurden, um jede heftige Erschütterung hintanzuhalten, in Hand- tragen im Laufe des Jahres in das neue Museum gebracht. Die Weingeistsammlungen, ebenfalls in etwa loo.ooo Gläsern untergebracht, von denen ein grosser Theil per Stück ein Gewicht von 20 bis 40 Kilogramm zeigen, wurden einzeln mit Stroh überwickelt und, dank der guten Verpackung, um welche sich insbesondere der Diener Irmler, dann die Diener Kaigl und Konopitzky verdient machten, ging der ganze Transport ohne Schaden vor sich. Was nun die Arbeiten in den einzelnen Abtheilungen der zoologischen Sanmi- lungen betrifft, so vollendete Herr Gustos v. Pelzeln den Zettelkatalog der seiner Ob- sorge anvertrauten Säugethicrsammlung, von welchem die Ordnungen der Rodcntia, Ruminantia, Pachydermata imd Cetacea noch gefehlt hatte. Weiters wurde eine Re- vision der Sammlung vorgenommen, wobei diejenigen Stücke, welche von wissenschaft- lichem Interesse, aber nicht zur Aufstellung geeignet sind, für die Reservesammlung bestimmt und in einem besonderen Zettelkataloge verzeichnet, dann Doubletten zur Abgabe an Schulen u. s. w. ausgeschieden wurden. Von den Präparatoren wiu-de eine Anzahl Exemplare in wirklich kunstvoller Weise modellirt und aufgestellt, darunter besonders hervorzuheben ein indischer Tapir, ein russischer Windhund, ein Delphin (Delph. tiirsio), ein Axishirsch, ein Dingo und ein prächtiger Sundatiger. Auch eine Anzahl von Skeleten wurde theils fertig aufgestellt, wie Delpli. tiirsio, Rhinoceros sumatraniis, Antilope picta, Gaiclla dama u. s. w., theils nur erst roh ausgearbeitet oder in AngritT genommen. Auch die Vogelsammlung, die bei 20.000 ausgestopfte Exemplare zählt, steht unter der Obsorge des Herrn Gustos v. Pelzeln. Hier wurde eine separat zur Auf- stellung gelangende Ornis der österreichisch - ungarischen Monarchie, 340 Arten in 621 Stücken umfassend, aus der allgemeinen Sammlung ausgewählt, auf neue Postamente oder Naturäste gestellt und durchwegs neu etiquettirt; hierzu wurde ein für den Druck bestimmter Katalog verfasst, der auch Notizen über die geographische Verbreitung, Die Musealarbeiten. Häufigkeit u. s. w. enthält und den Lernbegierigen als Leitfaden heim Studium der Sammlung dienen soll. Eine Anzahl von Vogelfamilicn, welche noch ältere Aufschriften besassen, und zwar die Striithionidae, Otididae, Con'aciadae, Eurilasmidcxe, Trogonidae, Akcdini- dae, Meropidae und Upupidae, wurde dem jetzigen Stande der Wissenschaft ent- sprechend neu etiquettirt, die erstgenannten zwei Familien auch mit neuen Postamenten versehen, und eine von Herrn Consul Hütteroth in Triest gespendete Suite von loi ceylonischen Vögeln wurde bestimmt. Mehrere Vögel wurden ausgestopft, andere wurden präparirt oder skeletirt. Unter den so acquirirten Skeleten sind besonders hervorzuheben: Struthio camelus (Rohskelet), Goura coronata, G. Victoriae, Tliaumalia (Bastard aus Tli. Amherstiae und picta) und Lcptoptilus argala. Die reiche Sammlung der Vogelbälge wurde in den für sie bestimmten Laden der Aufstellungsschränke in systematischer Ordnung untergebracht, so dass diese der wissen- schaftlichen Benützung bereits vollkommen zugänglich sind. Die Eiersammlung endlich, welche für die Schaustellung bestimmt ist, wurde in zwei Pfeilerkästen im Saale XXXI aufgestellt, die übrigen Eier wurden in denselben Schränken in Laden systematisch eingeordnet. Die specielle Besorgung der Reptilien-, Amphibien- und Fischsammlungen hat sich Herr Director Steindachner selbst vorbehalten. Bis zum Schlüsse des Jahres i885 wurden circa 38.ooo Gläser mit Fischen und Reptilien und 1200 Skelete von solchen, dann bei 1000 ausgestopfte Fische in das neue Museum übertragen. Bei 20.000 dieser Gläser wurden aus Anlass der Neuaufstellung voll- ständig neu adjustirt und etiquettirt. Dieser Vorgang nahm volle sieben Jahre unaus- gesetzter Thätigkeit in Anspruch, indem in einem Jahre bei 3ooo Objecte wissenschaft- lich bestimmt, in die Gläser verschlossen und etiquettirt werden konnten. Alle diese Arbeiten führte Steindachner allein mit Hilfe eines Dieners, der das Reinigen und Verschliessen der Deckgläser zu besorgen hatte, durch. Für die Schaustellung der Batrachier wurden die schönsten Exemplare ausgewählt, auf weisse Glasplatten gebracht und auf diese theilweise angeklebt; bei grösseren Exem- plaren genügte das blosse Einstellen eines weissen Glases ohne besonderes Ankleben; es hat dies den grossen Vortheil für sich, dass ein nicht besonders starker Weingeist ange- wendet werden kann, was einerseits eine Ersparniss ist und anderseits das zu starke Ein- schrumpfen der Objecte verhütet. Die ichthyologischen und herpetologischen Sammlungen, von welchen die erstere allein über 40.000 Gläser füllt, wurden im Laufe der letzten fünfundzwanzig Jahre mehr als verdreifacht, und zwar hauptsächlich durch die Erwerbungen, welche Herr Director Steindachner während grosser Reisen, die er zum weitaus grössten Thcilc auf eigene Kosten machte, in Spanien, Grossbritannien, Afrika und Amerika zusammenbrachte und dem Museum widmete. Platzmangels wegen mussten diese neuerworbenen Schätze, ohne irgend eine wissenschaftliche Ordnung, in sieben finsteren Kammern im Gebäude des alten Museums in nicht nur neben-, sondern auch übereinander stehenden Reihen aufgespeichert werden, so dass sie bis jetzt so gut wie unzugänglich waren und erst durch die Aufstellung im neuen Museum zur Benützung gelangen werden. Bei der Aufstellung dieser Sammlungen wird Herr Director Steindachner der grossen Kosten wegen keine Postamente, wie solche z. B. bei den Säugethieren und Vögeln unentbehrlich sind, anbringen, auch wird er geschriebene und nicht gedruckte Etiquetten in Anwendung bringen, einerseits ebenfalls der Kosten \Negen, welche namentlich bei Zoologische Abtheilung. den Fischen sehr bedeutend sein würden, da es sich hier in erster Linie um ganz genaue Angabe des Fundortes, des Geschlechtes, der Zeit des Fanges (mit Rücksicht auf die Laichzeit) und des Sammlers handelt, so dass für Jedes Glas eine besondere Etiquette gedruckt werden müsste, andererseits aber auch der grösseren Leichtigkeit wegen, mit welcher geschriebene Etiquetten einzeln durch andere ersetzt werden können, und mit welcher demnach die Bezeichnung der Objecte in dem Museum den gerade seit den letzten zehn Jahren so raschen Aenderungen der w^issenschaftlichen Nomenclatur folgen kann. Auch von dem Ankleben farbiger Streifen auf den Etiquetten zur übersichtlichen Bezeichnung der Fundorte, wie sie mit Steindachner's Zustimmung bei zwei anderen Abtheilungen der zoologischen Sammlungen angebracht werden sollen, wird hier Um- gang genommen werden, einerseits weil der praktische Nutzen dieser Einrichtung erst erprobt werden soll, und andererseits weil durch die Aufstellung der Fische in Local- faunen, wie sie in den Wandschränken geplant ist, die Gebiete, aus welchen sie stammen, schon bezeichnet sind. Es sollen in dieser Weise die Fischfaunen der Hauptströme der Erde, wie der Donau, des Niles, des Ganges, des Mississippi, des Amazonenstromes u. s. w., ferner Jene des Mittelmeerbeckens, mit besonderer Berücksichtigung der Adria, Jene des atlantischen Oceans entlang den Küsten der Vereinigten Staaten, ferner ent- lang Jenen des tropischen Südamerika u. s. w., in abgesonderten Gruppen zur Aufstellung kommen. Eine systematische Sammlung der Fische werden dagegen die Mittclkästen enthalten. Die Sammlungen der Mollusken, Molluskoiden und Tunicaten sind Herrn Professor Dr. Brauer und Herrn Dr. Becher zur Besorgung anvertraut. Im Laufe des Jahres wurden noch im alten Museum von Herrn Dr. Becher die Heliceen nach Pfeiffer- Clessin 's »Nomenciator Heliceorum« geordnet, die Nach- träge, so weit der Raum es gestattete, eingereiht und zum Theile neu etiquettirt. Es füllt diese Familie 67 Laden. Weiters hat Herr Dr. Becher die in Alkohol aufbewahrten Objecte dieser ganzen Abtheilung der Sammlungen, bei 2000 Gläser, svstematisch geordnet und für sie einen besonderen Zettelkatalog angelegt. Mit der Umlegung der trocken aufbewahrten Hauptsammlung der Conchvlien und Einreihung der bedeutenden, früher schon von den Herren Professor Brauer, dem früheren, leider verstorbenen Hilfsarbeiter Wimmer und Dr. Becher bestimmten Nachträge, die bei 120 Laden umfassen, konnte, nachdem die neuen Schränke fertig- gestellt waren, Anfangs November begonnen werden, und wurden von Dr. Becher zu- nächst die Muscheln in Angriff genommen und gleichzeitig ein Zettelkatalog angelegt, der ungefähr bis zur Hälfte der Muschelsammlung vorgeschritten ist. Wesentlich erleich- tert wird diese Arbeit dadurch, dass die ganze Conchvliensammlung in früherer Zeit von Herrn Gustos Brauer bestimmt und nach Adams geordnet worden war, wozu zwölf Jahre (1861 bis iSyS) erforderlich waren. Bei der Umsiedlung, welche im Monate Februar begann, wurde die Hauptsamm- lung der Conchvlien in den Laden, 3 i 5 an der Zahl, übertragen, nur die in anderer Weise untergebrachten Nachträge wurden in Kisten verpackt. Die Wiederauspackung ist nahe vollendet. Die Hauptsammlung der Gastropoden wurde dabei, um sie möglichst rasch wieder benutzbar zu machen, vorläufig ohne Einreihung der Nachträge in der alten Ordnung belassen. Die bisher erwähnten Arbeiten — hinzuzufügen wäre noch, dass auch die neuen Acquisitionen aus West- und Ostafrika von Dr. Becher bestimmt wurden — bezichen sich alle auf die wissenschaftliche Hauptsammlung. Was nun die zur Aufstellung zu lO t)iii Musealarbeiten. bringende Schansammlung betrifft, so wurde von Herrn Dr. Becher der Rest der in Alkohol zu adjustirenden Objecte, 36 Gläser, fertiggestellt, wurden iioo Postamente und 400 Cartons zur Aufstellung der trockenen Conchylien etiquettirt, und wurde der Rest des Zettelkataloges für die gesammten Laraellibranchiaten und Scaphopoden, sowie Ergänzungen zu jenem der Gastropoden und Cephalopoden, 700 Nummern umfassend, zum Abschluss gebracht. Hiemit sind die Vorarbeiten für die neue Schausammlung so weit gediehen, dass nach Fertigstellung der inneren Einrichtung der Schränke jeden Tag mit der Aufstellung begonnen und diese ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden kann. Die Insectensammlungen werden, und zwar die Coleopteren und Orthopteren von Herrn Custos-Adjuncten L. Gangib au er, die Lepidopteren, Hymenopteren und Hemipteren von Herrn Gustos Rogenhof er und die Dipteren und Neuropteren von Herrn Gustos Brauer besorgt. Die Goleopteren- und Orthopterensammlung wurde im Octobcr in das Neugebäude übertragen. Im Laufe des Jahres hatte Herr Ganglbauer nicht weniger als 52 10 in der Sammlung befindliche Käfer, die 81 5 Arten aus 3o Gattungen angehören, neu be- stimmt oder ihre Bestimmung revidirt; ausserdem hat er ungefähr 70 Arten aus einer im Jahre 1878 von Herrn Appl gekauften und von Herrn Regierungsrath Steindachner dem Museum geschenkten Sammlung svrischer Käfer und 80 im Laufe des Jahres acqui- rirte Arten aus Greta, den Gvkladen, Sardinien und Syrien bestimmt. Die svstematische Schausammlung der Goleopteren wurde schon zu Beginn des Jahres abgeschlossen; sie enthält 2340 Arten in ungefähr 4600 Exemplaren und occupirt 28 Laden der neuen grossen Schaukästen, Für die Schausammlung der Fauna Vindo- bonensis wurden circa 1700 Goleopteren-Species in Gooo Exemplaren ausgewählt und davon bis jetzt etwa 1200 Species in die Schauladen eingeordnet. Die Schausammlung der Orthopteren, 160 Arten in mehr als 3oo Exemplaren, die sechs Schauläden füllen, war schon im Jahre i883 eingeordnet worden; es erübrigte daher nur mehr die Zusammenstellung für die Fauna Vindobonensis, für welche 98 Species in 3oo Exemplaren ausgewählt und in zwei Laden der Schaukästen eingeordnet wurden. Alle diese Arbeiten, die um so umständlicher waren, als fast sämmtliche für die Schau- stellung bestimmte Arten umpräparirt werden musslen, besorgte Herr Ganglbauer allein, ohne Hilfe eines Präparators. Für die Schausammlungcn der Lepidopteren, Hvmenopteren und Hemipteren wurde durch die Herren Gustos Rogenhofer und F. Kohl das Materiale ausgewählt und unter Beihilfe des Präparators J. Mann in die neuen Schauläden gesteckt; 156 der- selben wurden bis zum Schlüsse des Jahres fertiggestellt und damit der grösste Theil der Arbeit vollendet. In der Abtheilung der Dipteren und Neuropteren untersuchte und bestimmte Herr l^rof. Dr. Brauer 569 Exemplare aus Mexico, welche im Jahre i883 von Herrn Director Ijilimek angekauft worden waren; die in der Sammlung befindlichen 'Jabanus-Aiten aus Nordamerika (96 Arten in 210 Exemplaren nach Osten -Sacken 's neuen Arbeiten) und ebenso jene aus Südamerika (i3o Arten in circa 3oo Exemplaren); Neuropteren aus Madagaskar, welche das Museum durch gütige Vermittlung des Herrn Hofrathes Brunner V. Wattenwyl im Tausche erhalten hatte; es befindet sich unter denselben eine neue, sehr interessante Ascalaphiden-Gattung; 2()3 Exemplare Neuropteren aus Texas, die im Jahre 1875 von Boll angekauft worden waren; endlich 879 Exemplare Dipteren und 254 Neuropteren aus Norciamerika, angekauft im Jahre 1879 von Heri-n Zoologische Abtheilung. j i Morrison. Diese Arbeit, bereits früher beü;onnen, ^vurde im Laufe des Jahres zu Ende gebracht. Behufs der üebersiedlung in das neue Museum nahm Herr Dr. Brauer eine Re- vision der gesammten Neuropteren- und Dipteren-Sammlungen vor, um die Ueber- tragung ohne Gefahr einer Beschädigung durchführen zu können. Diese Arbeit, die er eben niemand Anderem anvertrauen konnte, war sehr zeitraubend, da Hunderte von Exemplaren, besonders die so gebrechlichen Pseudoncuropteren, zum Transporte be- sonders befestigt werden mussten. Die Sammlungen dieser Abtheilung füllten 43 i Laden; sie umfassen die systematische Hauptsammlung der Dipteren, die Diptera austriaca, die Winthem- und Wiedemann'sche Dipteren-Sammlung, dann die systematische Neuropteren- und Pseudoncuropteren-Sammlung; dieselben sind nunmehr bereits voll- ständig geordnet in die neuen Schränke eingereiht, so dass dieselben sofort benützt werden können. Zum Zwecke der Aufstellung einer systematischen Schausammlung, sowie jener der Fauna Vindobonensis, bei welcher Arbeit auch wieder die Herren F. Kohl und J. Mann mitwirkten, wurden i58 Neuropteren und 1190 Dipteren ausgewählt und in 16 der neuen Schauläden eingestellt. Die Sammlungen der C r ü s t a c e e n, P y c n o g o n i d e n, A r a c h n o i d e e n, O n y c h o- phoren und Mvriapoden stehen unter der Aufsicht des Herrn Custos-Adjuncten Carl Koelbel. Ich gebe hier im Wortlaute, was mir derselbe über die Musealarbeiten dieser Abtheilung mittheilte: ^^Die Fortsetzung der im Jahre 1882 begonnenen Vorbereitungen für die Schau- sammlung in dem neuen Museum, sowie die Uebersiedlung in dasselbe und die svste- matische Aufstellung der Hauptsammlung in dem zugewiesenen neuen Räume nahmen den grösseren Theil des Jahres für sich in Anspruch. Was den ersten Punkt betrifft, kann ich nicht umhin zu bemerken, dass in dieser Abtheilung, welche vorher nur unzureichende Beachtung fand und erst in den letzten Jahren durch Ankäufe imd ins- besondere durch wiederholte bedeutende Schenkungen des Herrn Regierungsrathes Dr. Steindachner imWerthe von mindestens i5oo Gulden gcwissermassen aus dem Status nascens herausgetreten ist, die Aufstellung (Montirung) der für das Publicum zu ex- ponirenden Objecte Schwierigkeiten begegnet und demgemäss nur allmählich vorwärts schreitet. Denn ich fand, als mir die Leitung der Sammlung der oben angeführten Arthropoden übertragen wurde, nicht nur ganze Gruppen und Ordnungen unter den Crustaceen und Arachnoideen, sondern auch das relativ umfangreiche Material aus der Classe der Myriapoden, mit Ausnahme einiger von Saussure in Genf herrührenden Bestimmungen, undeterminirt. Ueberdics erwiesen sich bei näherer Prüfung die vor- handenen Bestimmungen aus früherer Zeit, insoferne sie nicht von externen Fach- männern (Cam. Heller, Äusserer etc.) vorgenommen worden sind, meistens als unrichtig oder sogar als blosse Musealnamen ohne Jeglichen wissenschaftlichen Werth. Unter so bewandten Umständen erklärt es sich, dass mit der Montirung der Schau- objecte Bestimmungen ad hoc parallel einhergehen müssen. » In den Beginn dieses Jahres fällt noch die Bestimmung eines Theiles der von Dr. Fischer an der Küste von Jan Mayen gesammelten Crustaceen, Pycnogoniden und Arachnoideen. Hierauf wurden die zum grössten Theile unbestimmt gewesenen Sto- matopoden der Sammlung determinirt und die älteren Bestimmungen einer Revision unterzogen. Dasselbe geschah mit den übrigens nur in geringer Zahl vorhandenen Euphausiden, ferner mit den Loricaten, Astaciden, dem Genus Pcnciis und unter den Spinnen mit der Gattung Argiope. Aus diesen Gruppen wurde nun eine entsprechende Die Musealarbeiten. Auswahl von Arten für die Schausammlung getroffen und die Aufstellung sowohl dieser als auch einiger (29) Arten aus der schon in einem der vorangegangenen Jahre von mir bestimmten Ordnung der Scorpione und einer Anzahl von Spinnen aus verschiedenen Gattungen in i 5 i Gläsern vorgenommen. « Die Sammlungen der niedersten Ahtheilungen des Thierreichcs, also der Würmer, Echinodermen, Coelenteraten und Poriferen, unterstehen dem Gustos Herrn Dr. V. Marenzeller, dem für die Arbeiten in dieser Abtheilung der Assistent Dr. v. Lorenz beigegeben war. Dank dem Eifer dieser Herren werden auch diese Sammlungen, welche in dem alten Museum des Raummangels wegen in sehr ungenügender Weise, mehr aufge- speichert als svstematisch geordnet, aufgestellt waren, einestheils, so weit es die Natur der Gegenstände selbst erlaubt, in gefälliger und lehrreicher Weise zur Schau gebracht, und andererseits in den Hauptsammlungen geordnet und für den wissenschaftlichen Gebrauch zugänglich aufbewahrt werden. Bei der Wahl der Objectc für die Schau- sammlungen mussten selbstverständlich alle allzukleinen Formen, wie Infusorien, Fora- miniferen, Polycystinen, Rotatorien u. s. w., ausgeschlossen bleiben, weiter konnten in der Zahl jene sehr beschränkt werden, deren Körpergestalt eine einförmige ist und deren entscheidende Merkmale nur durch mikroskopische Beobachtungen erkannt wer- den können, wie viele Schwämme, die Hvdropolvpen, ein Theil der Würmer u. s. w. In grösserer Zahl wurden dagegen die Steinkorallen, die zu den anschaulichen Objecten gehören, die Echinodermen u. s. w. für die Aufstellung bestimmt. »Für die Aufstellung der Präparate lagen,« wäe Herr Gustos v. Marenzeller schreibt, »weder bestimmte Vorschläge, noch brauchbare Einrichtungen aus anderen Museen vor. Die Befestigung der Objecte auf hellen oder dunklen Unterlagen schien mir unerlässlich, allein die bis- lang in Anwendung gebrachten Verfahren waren sehr umständlich und unvollkommen. Ein glücklicher Zufall Hess mich die Verwendbarkeit der Klebs'schen Einbettungsmasse (Hausenblase und Glycerin) für Gewebe, welche behufs mikroskopischer Untersuchung in Schnitte gelegt werden sollen, auch zur Befestigung von Alkoholpräparaten auf Glas- unterlagen erkennen, und damit war die grösste Schwierigkeit beseitigt. « Die Bestimmung und Montirung der Objecte für die Schausammlung, an welcher seit 1880 gearbeitet worden war, wurde mit der Montirung von 216 Stücken im Jahre i885 zum Abschlüsse gebracht. Alle Vorbereitungen für die Aufstellung sind getroffen, so dass diese, sobald die Aufstellungsschränke vollkommen fertiggestellt sein werden, sofort begonnen und rasch zu Ende geführt werden kann. Auch Katalog und alphabeti- sches Register für diese Sammlung sind fertiggestellt; es geht aus denselben hervor, dass die Schausammlung 2166 Nummern mit 161 6 Arten umfasst, und zwar 520 Num- mern Vermes, 674 Echinodermata, 801 Coelenterata und i65 Poriferen. Was die Uebertragung in das Neugebäude betrifft, so war ein Theil der Schau- sammlung und ebenso die Hauptsammlung der Helminthen (circa 7000 Gläser) schon im Jahre 1884 dahin gebracht worden. Im vorigen Frühjahre wurde der Transport des ganzen Restes der Sammlungen, der Bibliothek u. s. w. besorgt; am i. April war die ganze Abtheilung installirt und einige Monate später die ganze Hauptsammlung definitiv eingetheilt. Seither wurde die Aufnahme eines genauen Inventares und die Abfassung von Specialkatalogen in Angriff genommen und von Herrn Gustos v. Maren- zeller für die Echinodermen, von Herrn Dr. v. Lorenz für die Vermes begonnen. Für die Benützung des Museums durch demselben nicht angehörige Fachmänner und den wissenschaftlichen Verkehr überhaupt war das abgelaufene Jahr der Uebersied- lung wegen nicht günstig, doch haben immerhin manche derselben für ihre Arbeiten aus Botanische Abtheilung. i 3 dem Siudiiim unserer Sammlungen Nutzen gezogen. Ohne irgend eine Vollständigkeit dabei auch nur anzustreben, erwähne ich darunter die Herren: Professor M. Ncumayr, Professor F. Toula, Professor Josef Mi k, Dr. F. Low, A. Handlirsch, Dr. V. Plason, .1. Kaufmann, Professor Claus, N. Andrussow, Professor Latzel, Dr. Ferdinand Fischer, Dr. F. Auch en thaler. Besonderen Dank für Arbeiten in dem Museum schulden wir den Herren Edmund Reitter in Modling und Dr. Franz Leuthner. Ersterer revidirte gelegentlich seiner Arbeiten über die europäischen Ptiniden, Silphiden und Stenorinen das in der Sammlung vorhandene Materiale der Familie Ptinidae (71 Arten in 3 19 Exemplaren), der Silphidengattungen/?a//zj'6YvV7 (43 Arten in 267 Exem- plaren), Cholcva (i5 Arten in 72 Exemplaren), Catops (33 Arten in 129 Exemplaren), Colon (18 Arten in 64 Exemplaren) und der Stenorincngattungen Stenoris (20 Arten in SC) Exemplaren) und Dichillus (10 Arten in 33 Exemplaren); und Herr Dr. Leuthner revidirte nach seiner Monographie der Odontolabinen die Gattungen Odoiüolabis(ß> Arien in 26 Exemplaren), A'^eo/z/c-tn/z/.y (4 Arten in i 3 Exemplaren) und Cladognathiis (i i Arten in 2 5 Exemplaren). Ausgeliehen zu Studien wurden Materialien aus dem Museum unter Anderen an die Herren: Dr. Hartlaub in Bremen, Graf Hans Berlcpsch in Hannover-Münden, Hofrath Dr. Mayer in Dresden, Dr. Reichenow in Berlin, Dr. F. Heynemann in Frankfurt am Main, A. Mocsary, Musealassistenten in Budapest, H. Cameron und H. Distant in London, Dr. Theel in Upsala u. s. w. b. Botanische Abtheilung. Früher als alle anderen Sammlungen wurden jene der botanischen Abtheilung in das Neugebäude übertragen; die Uebersiedlung war bereits im Jahre 1884 bewerkstelligt, und im Jahre i885 wurden die bis dahin verpackten Pflanzen vertheilt und der Benützung, welche durch eine provisorische Vorschrift geregelt wurde, zugänglich gemacht. Ausser der vollständigen (provisorischen) Aufstellung des Generalherbariums, welches durch zweckentsprechende Vertheilung und durch Anbringung aller nöthigen Ürientirungstäfelchen an den Kästen in Jeder Beziehung eine leichte Auffindung der Objecte gestattet, wurden sämmtliche Orobanchaceen, Malvaceen, Tiliaceen, Eichenen desselben kritisch durchgearbeitet, zum grossen Theile neu bestimmt und ein genaues Verzeichniss derselben angelegt. Ausserdem wurden die Moose neu geordnet und sämmt- liche bisher eingelaufene Samen in alphabetischer Reihenfolge in die für sie bestimmten Ladenkästen vertheilt, auch die grösste Anzahl der eingelaufenen Spenden an Pflanzen und ein beträchtlicher Theil des Pittoni'schen Herbares dem Hauptherbare einverleibt. Die interimistische Aufstellung der Sammlung von Hölzern und Stämmen, welche die Bestimmung, als Schauobjecte zu dienen, haben, gelangte zur Vollendung. In reichem Masse wurde von der hier gebotenen Gelegenheit zu Studien und Arbeiten Gebrauch gemacht. Von den zahlreichen Botanikern, welche theils in den Räumen des Museums die Sammlungen benützten, theils Partien derselben entlehnten, erwähnen wir die Herren: Prof. A. V. Kerner, A. v. Kornhuber, A. Heimerl; Director D. Stur, Dr. H. v. Wawra, Dr. E. v. Halacsy, F. Antoine, Dr. R. v. Wettstein, Dr. E. Woioszczak, H. Zukal und H. Braun in Wien; Prof. E. Rathay (Klosterneuburg); Prof. E. Hackel (St. Polten); A. Grunow (Berndorf); Prof. J. Rostafinski (Krakau) ; Dr. F. Hauck (Triest); Prof. J. Simkovic (Arad); Prof. V. v. Borbäs (Pest); Prof. A. Eichler, P. Ascherson und A. Garcke (Berlin); Prof. A. Engler (Breslau); Prof. j4 l^'*^ Muscalarhcitcn. R. Casparv (Königsberg); Prof. F. Körnicke (Bonn); Prof. G. Reichenhach (Ham- burg); Prof. Gh. Nägeli, L.Radlkofer und Dr. A.Peter (München); Prof. K. Prantl (Aschaftenburg); Prof. O. Drude (Dresden); Prof. E. Warming (Kopenhagen); Dr. F. K a mi e n s k i (Warschau) ; Prof. A. T o d a r o (Palermo) ; Prof. T h. v. H e 1 d r c i c h (Athen) ; Prof, J. Bommer und E. Marchai (Brüssel); Prof. E. Morren (Lüttich); Ritter v. Bosniaski (Bagni San Giuliano); Dr. E. Wainio (Helsingfors); Prof. H. Bai Hon (Paris); A. Bennet (London). c. Mineralogisch-petrographisch e Abtheilung. Der öifentliche Einlass in das k. k. Hof-Mincraliencabinet war schon im Jahre 1884 auf nur einen Tag in der Woche (Sonnabend) beschränkt worden; mit Anfang Februar i885 wurde er gänzlich eingestellt; zum letzten Male vor seiner Wiedererstehung war unser Gabinet, dessen ruhmreiche Geschichte ausführlicher zu erzählen mich hier zu weit führen würde, am 3i. Jänner i885 dem Besuche geöffnet. Zur bleibenden Erinne- rung an die Räume desselben veranlassten wir den Maler Herrn Ame seder, Aquarell- skizzen vom ersten und vierten Saale desselben herzustellen, nach welchen Oelgemälde zur Ausschmückung des Saales V in dem neuen Museum angefertigt werden sollen. Die Vorarbeiten für die Uebersiedlung und Neuaufstellung der mineralogischen Sammlungen begannen bereits im Jahre 1 874, indem damals die in den Sälen aufbe- wahrten Reservesammlungen mit der Handsammlung I vereinigt und die Doubletten ausgeschieden und zu einer eigenen Tauschsammlung geordnet wurden; die Handsamm- lung wurde sodann innerhalb der Species geographisch nach Fundorten geordnet. In den Jahren 187Q und 1880 wurde ein doppelter Zettelkatalog auf Gartonblättern für alle Mineralien angefertigt (80.000 Blätter) und bei dieser Gelegenheit eine durchlaufende Nummerirung aller Stücke vorgenommen, in der Weise, dass zuerst die bis etwa i865 reichenden Kataloge der Schau- und Ladensammlungen, sodann die Acquisitionsproto- kolle vom Jahre i865 angefangen durchnummerirt und die entsprechenden Nummern auf die zugehörigen Stücke aufgeklebt wurden. Die fortlaufenden Nummern bestehen bei den vor dem Jahre 1879 acquirirten Stücken aus einem kleinen Buchstaben und einer Zahl unter 10.000, welchen bei den Mineralien ein grosses A, bei den Gesteinen ein B vorgesetzt ist. Bei den Acquisitionen des Jahres 1879 beginnt die Nummerirung mit G i und reicht höchstens bis G 9999, wonach D i beginnt. Im Allgemeinen werden aber die Zahlen nicht bis 9999 aus- nummerirt, sondern es wird beim Beginne eines neuen Jahres ein neuer grosser Buch- stabe gewählt, falls voraussichtlich die in diesem Jahre zu erwartenden Zuwüchse über die Zahl 9999 hinausführen würden. Nachdem diese Vorarbeiten durchgeführt worden waren, bestanden die weiteren Vorbereitungen, an welchen nebst den Beamten auch Stud. philos. Herr Rudolph Köchlin eifrigen Antheil nahm, zunächst in der Vereinigung der verschiedenen Gruppen, in welche die Sammlungen getrennt waren, und der Umstellung derselben — sie waren nach dem Mohs'schen Systeme geordnet — nach dem für die Neuaufstellung adoptirten Systeme von Groth, dann in der Verpackung. Die kleinen und mittelgrossen Stücke wurden ilabei in <\cn Laden belassen und in denselben durch eine Lage Seidenpapier, darüber ein starker Einsatz von Watta, und endlich durch eine an den Ladenwänden festgenagelte Decke von Packpapier gegen das Schütteln versichert; die grossen Stücke wurden in Kisten verpackt. Der eigentliche Transport wurde grösstentheils in Möbelwagen in den Tagen vom 24. bis 3o. Juli Mineralogisch-petrographischc und geologisch-paläontologischc Ablhcilung. l5 bewerkstelligt. Die gebrechlichsten Objecte wurden auf Tragbahren in das Neugebäude geschaftt. Inzwischen hatte Herr Gustos Dr. ßrezina auch mit der Revision und Ueber- nahnie der für die Schausäle angefertigten Kästen und Einrichtungsstücke begonnen. Zum Theil in Folge des Unistandes, dass diese zum grossen Theile schon vor längerer Zeit angefertigt und in nicht ganz trockenen Räumen aufbewahrt wurden, zeigten sich bei denselben leider mehr, als sonst bei Neuanschaffungen erwartet werden darf, Mängel und Gebrechen. Die Beseitigung derselben, soweit sie möglich ist, wurde begonnen und grösstentheils auch vollendet. Die Mineralicnschränke des alten Mineraliencabinetes wurden meist zu Bibliotheks- schränken umgestaltet, in die Arbeitszimmer im Neugebäude aufgestellt und diese auch sonst vollständig eingerichtet. Seither wurde mit dem Auspacken der Sammlungen, der Rangirung derselben in die neuen Laden u. s. w. bereits begonnen und wurde namentlich von Herrn F. Karr er die ganze Sammlung von Baumaterialien bereits in die Laden des Saales VI cingetheilt. Die Benützung der Sammlungen und der Bibliothek der Abtheilung durch aus- wärtige Gäste konnte der Natur der Sache nach nur in weit geringcrem Masse als sonst stattfinden; doch haben immerhin die Herren Dr. Goldschniid, Baron v. Foullon, Hofrath Dr. Mayer in Dresden, Hofrath Dr. G. Tschermak, Prof. Dr. E. Reyer, Dr. V. Ebner in Graz, soweit es die Verhältnisse erlaubten, Studien in denselben gemacht oder Objecte zur Untersuchung geliehen erhalten. d. Geologisch-paläontologische Abtheilung. Die Ueberführung der der geologisch-paläontologischen Abtheilung zufallenden Sammlungen und Einrichtungsstücke der k. k. Hof-Mineraliensammlung in das Neu- gebäude wurde der Hauptsache nach in der ersten Hälfte August durchgeführt; sie erforderte zwei Wochen angestrengter Arbeit. Die tertiären Conchylien, welche den reichsten Theil dieser Sammlungen bilden, wurden, in den Laden sorgfältig verpackt, mit den Schränken selbst transportirt. Der übiige Theil der Sammlungen war zum grossen Theil schon früher in Kisten, 854 an der Zahl, verpackt und in das Depot gebracht worden. Mit Anfang September wurde die von Prof. Freiherrn v. Ettingshausen ange- kaufte grosse Sammlung fossiler Pflanzen zusammen mit den schon früher vorhan- denen hierher gehörigen Materialien ausgepackt und hierauf der für die Schausammlung bestimmte Theil derselben von Prof. v. Ettingshausen unter Beihilfe von Dr. ^^^ähner in drei grossen. Je acht Fensterbreiten fassenden Doppelschränken im Saale VI des Hoch- parterre zur Aufstellung gebracht, wozu, dank den umfassenden früher getroffenen Vor- bereitungen, die Zeit bis Ende October ausreichte. Diese Aufstellung, die erste, die im Neugebäude zur Vollendung gelangte, umfasst ungefähr 1700 Stücke. Der Rest der phytopaläontologischen Sammlungen wurde zunächst in den 236 Laden der gedachten drei Schaukästen, und da diese hierzu, ungeachtet der sorgfältigsten Ausnützung des l^aunies, weitaus nicht ausreichten, in iby weiteren Laden in den Kästen des anstossen- den Saales VII untergebracht. In den letzten Wochen des Jahres wurde mit dem Auspacken der grösseren Schau- stücke und insbesondere auch mit der Auspackung und Montirung der fossilen Säuge- thicrreste und der prachtvollen Moa-Skelete, welche das Museum besitzt, begonnen. Obgleich diese bisher nur zum kleineren Theile durchgeführt werden konnte, hat sich l6 Die Musealarbeiten. doch auch hier herausgestellt, dass der für diese Reste bestimmte Saal X für dieselben lange nicht genügenden Raum bietet, so dass ein grosser Theil derselben in dem anstossenden Saale IX wird untergebracht werden müssen. Auch die paläontologischen Sammlungen erfreuen sich eines regen Verkehres nach auswärts. Behufs wissenschaftlicher Arbeiten waren oder sind noch im Laufe des Jahres von denselben ausgeliehen an die Herren Director Stur und Prof. Freiherrn v. Ettings- hausen fossile Pflanzen, an Oberbergrath v. Mojsisovics Trias-Cephalopoden, Dr. F. Teller Trias-Gastropoden, Dr. A. Nehring in Wolfenbüttel und an Prof. Dr. Wol- di-ich in Wien diluviale Säugethierreste, Dr. V. Uhlig Neocom-Ammoniten, Oberberg- rath Dr. V. Gümbel in München Orbitoiden, Prof. Dr. Dam es in Breslau Culm- und Devonfossilien aus Mähren, Prof. Dr. Kramberger in Agram tertiäre Fische, Prof. Rzehak in Brunn Foraminiferen von Mährisch-Ostrau und von Bruderndorf und an Prof. Dr. M. Neumayr verschiedene Fossilien. e. Anthropologisch-ethnographische Abtheiliing. Die verschiedenen Sammlungen der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung waren, meist in Kisten verpackt, schon vor Beginn des Jahres i885 aus den Depots, in welchen dieselben bis dahin aufbewahrt worden waren, in das Neugebäude übertragen worden. Fiel aber in dieser Abtheilung die Arbeit der Uebersiedlung weg, so ist dagegen hier die grosse Aufgabe zu bewältigen, aus den einzelnen grösseren und kleineren Suiten und einzelnen Objecten eine geordnete Sammlung zum ersten Male herzustellen. Eine schon in den vorhergehenden Jahren durchgeführte, sehr wichtige Vorarbeit bestand darin, dass alle vorhandenen Vorräthe soweit als möglich inventarisirt und etiquettirt, dann aber wieder eingepackt und ins Depot gestellt wurden. Sobald nun entsprechende Räumlichkeiten in dem Neugebäude zur Verfügung standen, wurde zur Wiederauspackung und weiteren Rangirung der Sammlungen ge- schritten. Für die anthropologische Gruppe insbesondere, die in dem Saale Nr. L im zweiten Stockwerk, der vorläufig nur für Fachgelehrte, nicht aber für das grosse Publicum zu- gänglich sein wird, untergebracht ist, wurde die Präparation und Ordnung der seinerzeit von der k. k. Josephs-Akademie übernommenen ersten Weisbach'schen Sammlung von Schädeln österreichischer Völker durchgeführt. In den prähistorischen Sammlungen wurden namentlich die überaus zahlreichen Objecte aus der grossen Wankel'schen Sammlung, die seinei^zeit von Herrn Fei. Zwik- litz der anthropologischen Gesellschaft in Wien und von dieser wieder dem Hofmuseum geschenkt worden war, zum grössten Theile restaurirt und geordnet; und umfassende Restaurirungsarbeiten, um welche, sowie auch um analoge Arbeiten in den ethnographi- schen Sammlungen, sich insbesondere Herr AI. Sikora, k. k. Major i. d. A., grosse Ver- dienste erwarb, wurden auch bei anderen Funden aus älterer und neuerer Zeit durch- geführt. In grossen Gruppen sollen in dieser Abtheilung die Funde (aus Europa) der paläolithischen und der neolithischen Steinzeit, der Bronzezeit, der Hallstätter Periode, der La-Tene -Periode, dann der Merovingerzeit aufgestellt werden; innerhalb dieser Gruppen wird die Aufstellung eine geographische sein, so dass die Funde jeder Localität beisammen bleiben. Den Glanzpunkt dieser Sammlungen werden die Funde vom Hall- stätter Salzberg bilden, nicht minder aber werden jene aus den Höhlen von Mähren und Krain, jene aus den Ansiedlungen und Gräberfeldern in Krain und im nördlichen Böhmen u. s. w., das allgemeinste Interesse erregen. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. j -7 Die ethnographischen Sammlungen, welche bisher durchwegs nur aussereuropäische Gegenstände umfassen, mit welchen aber auch die prähistorischen Funde aus den anderen Welttheilen vereinigt werden, wurden vollständig ausgepackt und rangirt und zum Zwecke der Ausstellung Skizzen für die Austheilung der Objecte in den einzelnen Schränken an- gefertigt. Diese Arbeiten, mit welchen unter der Oberleitung des Herrn Gustos Heger insbesonders Herr Dr. Haherlandt eifrig beschäftigt ist, wurden so weit ins Detail voll- endet, dass, sobald die Schaukästen vollends feitiggestellt sein werden, die Aufstellung sofort begonnen und ununterbrochen zu Ende geführt werden kann. Auch hier wird die Aufstellung eine geographische sein, und zwar werden die ersten drei Säle XIV, XV und XVI Asien, XVII Australien und Oceanien, XVIII nebst einigen Nebenlocalitäten Amerika und XIX Afrika repräsentiren. Am reichhaltigsten in dieser Abtheilung sind die Samm- lungen aus Brasilien und jene aus den Gebieten am oberen weissen Nil und aus einigen Theilen des malaischen Archipels. Noch habe ich hier zu erwähnen, dass die im Hochparterre gelegenen Bureaux und Arbeitslocalitäten auch dieser Abtheilung, die früher provisorisch im Tiefparterre unter- gebracht war, gegen Ende des Jahres bezogen wurden. Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle schliesslich auch die Frage zu berühren: Wann wird das neue Museum eröffnet werden? Wird sie uns ja doch von allen Seiten täglich, fast möchte ich sagen stündlich gestellt. Eine bestimmte Antwort zu geben bin ich aber leider nicht in der Lage. Die Arbeiten in den Sammlungen sind, wie im Vorhergehenden dargestellt wurde, weit genug vorgeschritten, um mit der Aufstellung der Schauobjecte sofort zu beginnen und dieselbe binnen wenig Monaten durchzuführen, sobald erst die Schaukästen und andere Stellvorrichtungen vollends montirt, verglast, mit den nöthigen Stellvorrichtungen versehen und zum Gebrauche fertiggestellt sein werden. Auch diese Arbeiten können, so weit ich es zu beurtheilen vermag, in nicht allzulanger Frist bewältigt werden. Es würde dann die Erötfnung des Museums ledighch nur von der Vollendung der Bauarbeiten in dem die Haupttreppen umfassenden Mittel- tracte des Gebäudes abhängen. Wie viel Zeit aber diese noch erfordern wird, entzieht sich meiner Beurtheiluns. III. Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Da für directe Ankäufe zur Completirung und Ergänzung der Sammlungen dem naturhistorischen Hofmuseum nur verhältnissmässig geringe Beträge zur Verfügung stehen, so beruht der Fortschritt derselben zum allergrössten Theile auf der Liberalität wohlwollender Gönner und Freunde der Wissenschaft, welche dieselben mit Geschenken bereichern. Gerne ergreife ich die Gelegenheit, denselben hier ötfentlich den wärmsten Dank dai'zubringen, Namens unseres Institutes sowohl wie auch Namens der Wissen- schaft selbst, deren Pflegestätten zur höchsten Blüthe nur dort gelangen können, wo sie von der allgemeinen Theilnahme der Bevölkerung getragen werden. Nicht unerheblich ist übrigens auch die Vermehrung der Sammlungen durch Tausch und nicht minder durch Aufsammlungen, die von dem Museurn selbst oder von einzelnen Beamten desselben ver- anstaltet werden. a. Zoologische Abtheilung. I. Weitaus die bedeutendsten Bereicherungen, welche Jahr für Jahr als freie Ge- schenke den zoologischen Sammlungen des Museums zufliessen, sind jene, welche das- 2 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. seihe der Liebe zur Wissenschaft und der OpfenvilHgkeit des Directors, Regierungsrath Steindachner, verdankt. Auch im abgelaufenen Jahre blieb, wie das folgende Verzeichniss dieser Gaben zeigt, fast keine Abtheilung der Sammlungen von ihm unberücksichtigt. a) Ein Exemplar des Fuchses aus Sardinien. b) Zwei seltene Spechte aus Californien im Werthe von i 80 fl. ö. W. c) Eine Sammlung von i3oo Fischen im Werthe von 32bo fl. ö. W. aus verschie- denen Flüssen und Meeren, die meisten in Prachtexemplaren. d) Eine Sammlung von Reptilien aus Sardinien. e) Seltene Käfer aus Syrien, 3o Stücke, und eben solche aus dem westlichen Kau- kasus, 14 Stücke. f) Für die Orthopteren-Sammlung zwei Exemplare von Eurj'cautha horrida Boisd. aus Neu-Britannien. g) Crustaceen, 32 Arten in 140 Exemplaren; Arachniden, 2 Arten in 11 Exem- plaren und Mvriapoden, 3 Arten in 10 Exemplaren, aus den verschiedensten Theilen der Erde. 2. Eine Reihe wichtiger Bereicherungen verdankt unser Museum, und zwar, wie sich aus dem Folgenden ergibt, nicht allein die zoologische, sondern auch die anderen Abtheilungen desselben, der gütigen Fürsorge des Chefs der Marinesection des k. und k. Kriegsrainisteriums, Viceadmiral Max Freiherrn Daublebsky v. Sterneck, welcher Veranstaltung traf, dass bei den Uebungsfahrten der Schilfe der k. k. Kriegsmarine in den transoceanischen Gewässern Aufsammlungen von naturhistorischen und ethnographischen Objecten für das Museum gemacht werden. Im Jahre i885 waren bei derartigen Expeditionen in fremden Gebieten abwesend die Schilfe: Sr. Majestät Corvette »Frundsberg«, Commandant k. k. Linienschiffscapitän Stecher, welche die Küsten von Ostafrika besuchte und unter Anderem in Port Said, Suez, Dschidda, Massaua, Aden, Mombas, Sansibar, Mozambique und Comoro anlief; besonders verdient um die an diesen Orten gesammelten Objecte machte sich der k. k. Fregattenarzt Dr. Emerich Billitzer; Sr. Majestät Corvette »Aurora«, Commandant k. k. Fregattencapitan Victor Bousquet, besuchte die Ostküste von Südamerika, Bahia, Rio Janeiro und Montevideo; mit der Anlage von Sammlungen war betraut der k. k. Fregattenarzt Herr Dr. Melzer; Sr. Majestät Corvette »Helgoland«, Commandant k. k. Fregattencapitan Alni- stein, segelte entlang der Küste von Westafrika mit den Stationsplätzen Gibraltar, Mo- gador, St. Louis, Freetown, Fernando Po, Congo-Mündung und Loanda; hier besorgte der k. k. Schiffsarzt Herr Dr. Richard Lippe die sehr befriedigenden Aufsammlungen. Die von diesen drei Schilfen mit heimgebrachten Sammlungen sind bereits in unsere Hände gelangt. Es befinden sich unter denselben namentlich Objecte aus Ost- und West- afrika, nebst einigen aus dem Indischen Ocean, und zwar einige Säugethier-Schädel und -Bälge, zehn Vogelbälge und fünf Vogelnester, sehr reichhaltige und interessante Suiten von Reptilien und Fischen, über welche Herr Director Steindachner demnächst eine besondere Abhandlung zu veröffentlichen gedenkt, 179 Arten (722 Exemplare) von Mol- lusken, Molluskoiden und Tunicaten, darunter mehrere in Weingeist. Besonders die genauen P\mdortsangaben verleihen dieser Suite einen hohen Werth; 22 Coleopteren-, 8 Orthopteren-, 10 Hymenopteren- Nester, 104 Arten (960 Exemplare) Crustaceen, 20 Arten (69 Exemplare) Arachnoideen, 17 Arten (69 Exemplare) Myriapoden, 26 Arten (i65 Exemplare) Würmer, 28 Arten (107 Exemplare) Echinodermen, 10 Arten (36 Exem- Zoologische Abtheilung. j q plare) Polypomedusen, 21 Arten (Sy Exemplare) Anthozoen, 8 Arten (10 Exemplare) Poriferen und i Foraminifere. Aber noch ein viertes Schiff', Sr. Majestät Corvette »Saida«, Commandant Linien- schifFscapitän Heinrich Fayenz, war im Laufe des Jahres für unser Museum thätig. Dasselbe berührte zuerst Rio, dann die Capstadt, Sidney, Neuseeland, die Viti-Inseln und die Philippinen, Japan, Singapore, Ceylon und ist gegenwärtig über Aden und Suez auf dem Heimwege. Bereits liegen uns Nachrichten über reiche Sammlungen, die zusammen- gebracht wurden, vor; da dieselben aber noch nicht eingelangt sind, so kann ich auf nähere Details vorläufig nicht eingehen. 3. Auch die Sammlungsergebnisse der österreichischen arktischen Reobachtungs- station auf Jan Mayen, die bekanntlich unter der Leitung des Herrn k. k. Linienschiffs- lieutenants, gegenwärtig Corvettencapitäns, Em. v. Wolgemuth, vom Sommer 1882 bis zum Sommer i883 daselbst thätig war, kann ich hier anschliessen. Se. Excellenz Graf Hans-Wilczek, der in grossherzigster Weise diese Expedition auf seine eigenen Kosten ausgerüstet und ins Werk gesetzt hatte, widmete gütigst alle bei derselben gesammelten naturhistorischen Objecte dem Museum. Wir erhielten 5 Arten (10 Exemplare) Säugethiere, 42 Arten (loi Bälge, 6 Eier und I Nest) Vögel, 9 Arten (36 Exemplare) Fische, 40 Arten (414 Exemplare) Crustaceen, 6 Arten (62 Exemplare) Pycnogoniden, 3 Arten (8 Exemplare) Arachnoideen, 99 Arten (586 Exemplare) Vermes, Echinodermen, Coelenteraten und Poriferen, die von dem Arzte der Expedition Herrn Dr. Fischer zum weitaus grössten Theile in Jan Mayen — einzelne auch in Tromso — gesammelt worden waren. 4. Reichen Zuwachs verdanken die Sammlungen der Säugethiere und Vögel fort- dauernd der Direction der k. k. Menagerie in Schönbrunn, welche alle verendeten Thiere an das Museum abgibt. Im verflossenen Jahre erhielten wir auf diesem Wege 20 Arten (22 Exemplare) Säugethiere, unter welchen besonders ein Bastard von Fuchs und Hund, ein Samburhirsch (Rusa Aristotelis), ein Sundatiger und ein Cercopithecus cephus hervorzuheben sind; ferner 45 Arten (53 Exemplare) Vögel, darunter Eiiplo- comus lineatus, Deridrocj^gna vagans, Bastard von Thaiimalia Amherstiae und picta, Goura Victoriae und coronata u. s, w. 5. Eine ausserordentlich werthvolle Schenkung verdanken wir Herrn k. k. Hofrath und em. Professor Dr. Jos. Hyrtl. Sie umfasst 80 Nummern von Schädeln, Geweihen und Hörnern, darunter namentlich Rindern, Antilopen und Hirschen, dem indischen Nashorn, dem Capernbüffel u. s. w. Grössere Sammlungen mit Repräsentanten aus verschiedenen Classen des Thier- reiches erhielten wir ferner: 6. von Herrn Paul Riebeck, k. preussischem Lieutenant und Gutsbesitzer in Halle, aus dem Nachlasse des gefeierten Reisenden und Ethnographen E. Riebeck: sehr interessante Säugethiere aus Asien, und zwar das sibirische Reh, Cerviis pygargus PalL, Männchen und Weibchen, das so seltene Bergschaf vom Himalaya, Ovis burrhel, ein Pärchen der Tzeiran-Antilope, Ga:^ella siibgnttwosa, beide letztere Arten von Herrn Kerz in Stuttgart in mustergiltiger Weise modellirt und aufgestellt, ferner eine höchst werthvolle Sammlung von Reptilien und Fischen, meist aus Indien stammend, 19 Hyme- nopteren, 4 Arten (39 Exemplare) Crustaceen, 4 Arten (37 Exemplare) Arachnoideen, 10 Arten (70 Exemplare) Myriapoden, durchwegs aus Ceylon; 7. von Herrn Georg Hütteroth, japanischem Consul in Triest: 4 Säugethier- arten in 7 Exemplaren von Ceylon; für das Museum ist darunter neu der seltene Pteropiis medius; 40 Arten (120 Exemplare) Vögel, alle ausgezeichnet präparirt und zum Theile 2* 20 Dis Sammlungen und ihre \'ermehrung. sehr selten; dem Museum fehlten von denselben bislang Athene castanonota, Chaetura gigantea Tem,, Niltava sordida, Turdus Kinnisii, Pratincola bicolor, Kelaartia peni- cillata, Xantholaema riibricapilla, Chrj-socolaptes Stricklandi und Columba Torring- to)ücie. Sehr werthvoll ist, dass bei den einzelnen Arten Angaben über die geographische und verticale Verbreitung gemacht sind. Eine Sammlung prachtvoll conservirter Rep- tilien und ein schönes Exemplar von Aviphacantbus ; 8. von Herrn L. v. Ende, k. niederländischem Hauptmann, in Batavia". 5 Säuge- thierschädel, Reptilien aus dem indischen Archipel, g5 Arten (löo Exemplare) Con- chylien, i 5 Arten Würmer, Echinodermen etc. aus Java. Sehr zahlreich sind die Geschenke von grösseren und kleineren Sammlungen oder auch vereinzelten Stücken aus einzelnen Thierclassen oder Familien ; so verdanken wir von Säugethieren den Herren: 9. E. Kastner: eine Wanderratte mit monströsem Gebiss; 10. Gustos Dr. Brauer: einen Albino des europäischen Maulwurfes, und Gustos Rogenhof er: i Exemplar von Sorex vulgaris; 1 I. E. Reitter: i Exemplar von Rhinolophiis cUvosiis; von Vögeln, den Herren: 12. Oberstabsarzt Ghimani: 10 Bälge, 9 Arten angehörig, aus Bosnien; i3. Professor Wiesbauer in Mariaschein: 3 Arten aus Böhmen; 14. Sr. Durchlaucht dem Fürsten Golloredo-Mansfeld: einen Seetaucher, Co- Ij-vibus septentrionalis ; i5. Ladislaus v. Taczanowski, Gustos am zoologischen Museum zuW^arschau, dem das Museum seit Jahren schon die Zusendung höchst werthvoller Sammlungen, hauptsächlich aus Peru, verdankt: 2 Exemplare eines seltenen Golibri; 16. Hofrath Ghr. Ritter v. Pichler: 1 Eistaucher, Colj-mbus arcticiis; 17. Hermann Tschusi zu Schmidhoffen und 18. Gustos Rogenhof er: je einen Rackelhahn; 19. Professor G. Kolombatovic in Spalato: 3 Arten (7 Exemplare) aus Dal- matien ; 20. k. k. Regierungsrath Nik. Poliakovits: einen im Prater geschossenen Tannen- heher (Niicifraga caryocatactes) ; 21. F. Karrer: i Exemplar von Ephialtes scops) von Reptilien, den Herren: 22. Dr. Breiten st ein in Java: sumatranische Reptilien; 2 3. Maler H. Fischer: eine kleine Sammlung von Reptilien und Fischen von den jonischen Inseln; 24. E. Low in Managua: i Schlange und mehrere Schlangenhäute aus Nikaragua; von Fischen, den Herren: 2 5. Freiherrn v. Washington, auf Schloss Pols, und J. Schagl: Madüi-Maränen, in Steiermark gezogen und zur Laichreife gebracht; 26. Dr. Leitner: Lucioperca volgensis, iniAltwasser der Donau bei Tulln gefangen; 27. Professor Beneckc in Königsberg: Präparate von den Geschlechtsorganen der Aale; 28. Professor G. Kolombatovic: reiche Suiten seltener Arten aus der Umgegend von Spalato ; 29. Ein ungewöhnlich grosses Exemplar von Cyprinus carpio, aus den Teichen von Laxenburg, 80 Gentimeter lang, welches Se. k. und k. Hoheit Kronprinz Erz- herzog Rudolf bei der Fischerei im November für das Museum auswählte; Zoologische Abtheilung. von Coleopteren, den Herren: 3o. Custos-Adjunct L. Ganglhauer: 2019 Stücke von Kirchherg am Wechsel und aus der Umgebung von Wien; 3i. Dr. Victor Plason: 142 Stücke aus dem europäischen Faunengehiet und aus Persien ; von Orthopteren, dem Herrn: 32. Gustos Rogenhofer: 3i Stücke aus den Kev- und Aru-Inseln ; 33. 49 Stücke kleinere Geschenke von den Herren: Emin Bev, Hofrath Brunner V. Watten w vi und E. v. Oertzen; von Lepidopteren, Hymcnopteren und Hemipteren, den Herren: 34. Gustos Rogenhofer: 25 seltene Schmetterlinge aus Gentralasien, 160 solche, meist seihst gesammelt in Niederösterreich, 170 Hynienopteren und 52 Hemipteren, ebendaher ; 35. Dr. G. Beck: 5o Hynienopteren und 21 Hemipteren aus Bosnien; 36. Paul Low in Wien: 64 Hemipteren aus Oesterreich ; 37. Dr. Leo Moskowitz in Kaschau: 20 Hemipteren aus Java; von Dipteren und Neuro pteren, den Herren: 38. Gustos Friedrich Brauer: europäische Odonaten (18 Arten in 43 Exem- plaren) für die Schaustellung der Fauna Vindobonensis; 39. Professor Josef Mik in Wien: 10 Exemplare der seltenen Dipterenart Ceroxys parmense Rond. ; 40. Professor Oskar Simony: eine von ihm entdeckte neue Art Trichocera aus den österreichischen Hochalpen, die besonders durch ihr Vorkommen in bedeutender Höhe Interesse beansprucht ; 41. vereinzelte, aber darum nicht minder erwünschte Beiträge für die Insecten- sammlungen den Herren: Emin Bev, Hofrath v. Hauer, Gustos Rogenhofer, Dr. G. Beck, Gentrahnspector J. Garnoss, Victor Apfelbach, J. Müller, Nowack, Dr. Herznianovsky, P. v. Mouromzoff u. s. w.; von Grustaceen, Arachnoideen, Myriapoden u. s. w., den Herren: 42. Edm. Reitter in Mödling: Grustaceen 5 x\rten (21 Exemplare), Arachnoideen 8 Arten (75 Exemplare) und Myriapoden 10 Arten (70 Exemplare), meist aus Bosnien; 43. N. Andrussow: Grustaceen 2 Arten (21 Exemplare) und 3o mikroskopische Präparate von solchen aus dem Schwarzen Meere; 44. Fr. Kraus: 8 Exemplare von Astacusßuviatilis aus dem unterirdischen Laufe des Poikflusses in der Piuka Jama ; 45. Hofrath v. Hauer: Lithobiiis stvgiiis aus Krainer Höhlen; 46. Hofrath Brunner v. Watten wyl: 6 Arten (14 Exemplare) Arachnoideen aus Dalmatien ; von Würmern, Echinodermen, Korallen u. s. w.: 47. dem Museum of comparative Zoology in Gambridge: 14 Echinodermen in 49 Exemplaren und 4 Goelenteraten in 5 Exemplaren; 48. dem Herrn Dr. Richard Freiherrn v. Dräsche: 41 Glasmodelle von Polypo- medusen, ausgeführt von Rudolf ßlaschka in Dresden. Dieses höchst werthvolle Ge- schenk ist zur Aufstellung in der Schausammlung bestimmt. Ungleich geringer als durch Geschenke ist, wie schon erwähnt, der Zuwachs der zoologischen Sammlungen durch Ankäufe und Tausch geblieben. Wir haben durch solche erworben: 22 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. 1. einen Delphin, Delphi uns tiirsio; 2. einen weihlichen Dingo; 3. von Herrn J. M enges eine interessante Gazelle des Somalilandes, dann ein Ei des neuentdeckten Somalistrausses, Striithio molybdophanes; 4. 19 Arten (23 Bälge) Vögel von Lenkoran im Kaukasus, einem hochinter- essanten Gebiete, da sich in demselben die mitteleuropäische, mediterrane und indische Fauna an ihren Grenzen berühren ; 5. 10 Vogelbälge (ebenso viele Arten) aus Schoa, die von Marchese Antinori gesammelt wurden und Tvpcn zu Salvadori's Arbeit über die Vögel von Schoa bilden; 6. eine kleine Sammlung von Reptilien aus Paraguay und aus Svrien; 7. zwei Sammlungen von Reptilien und F"ischen aus der Gegend des oberen Ama- zonenstromes bei Iquitos und Pebas; 8. mehrere Prachtexemplare von seltenen Fischen der Adria, wie Luvarus imperialis und Coryphaena equisetis, ferner 2 Exemplare riesiger Grösse von Centrolophus pom- piliis und I Exemplar von Echinorhinus spinosus aus dem Mittelmeere bei Genua; 9. eine kleine Sammlung seltener Fische aus der Campeche-Bai ; 10. eine ebensolche aus dem La Plata; 11. 10 Arten (26 Exemplare) Mollusken und Tunicaten von der zoologischen Station in Neapel; 12. Coleoptercn 5i Exemplare aus dem europäischen Faunengebiete, 194 Exem- plare von Kreta und den Cvkladen, und i5 Exemplare aus Sardinien; i3, Schmetterlinge in verschiedenen Posten, und zwar 88 Stücke aus Brasilien, 48 Stücke aus Syrien, 210 Stücke Exoten aus verschiedenen Gebieten und 85 Stücke Europäer; 14. Ichneumoniden bei 1000 Stück, und zwar die von Herrn Professor A. Förster hinterlassene, aus 400 Arten, meist Typen bestehende Sammlung; i5. 260 Hymenopteren aus Südbrasilien; 16. 25 Hymenopteren und 62 Heniipteren aus Kreta; 17. 5o Hymenopteren im Tausche erhalten von Herrn H. Hälfe in in Aachen; 18. Neuropteren 25 Arten (54 Exemplare) aus Brasilien; 19. Neuropteren und Dipteren (circa 5oo Exemplare) aus Syrien, besonders werth- voll durch genaue Fundortsangaben; 20. Arachnoideen 2 5 Arten (112 Exemplare) von Hongkong, Aschanti, Corfu und Zante; 21. von der zoologischen Station in Neapel: 29 Arten Würmer, Echinoder- men und Coelenteraten, bestimmt für die Schausammlung, besonders bemerkenswerth darunter ist ein schöner Stock von Coralliiini rubrum mit ausgestreckten Polypen. b. Botanische Abthciliing. Das überaus reiche Herbar der botanischen Abtheilung, welches nach einer jeden- falls ganz nahe genauen Schätzung 340.000 Spannblätter umfasst, wurde im Jahre i885 um ungefähr 3400 Blätter bereichert; nur 263 derselben. Pflanzen aus Griechenland, wurden durch Ankauf erworben, alle übrigen sind Geschenke, und zwar: i. von dem k. botanischen Garten in München durch Herrn Hofrath Nägeli: Hieracia Naegeliana cxsiccata, 3oo Spannblätter; dann von den Herren: 2. H. Braun in Wien: eine grosse und reichhaltige Sammlung von Rosen, bei 2000 Nummern umfassend; Botanische und mineralogisch-petrographische Abtheilung. 2 3 3. P. A. Kniet, Pfarrer in Prinzelorf: bei 200 Pflanzen aus der Umgegend von Schemnitz; 4. Professor W. Voss in Laihach: 65 Pilze aus Krain; 5. Gustos H. W. Reichardt: bei 23o seltenere Pflanzen aus Oesterreich, dann ein aus dem Jahre i 599 stammendes »Kräuterbuch, zusammengetragen durch Hieronymum Harderum, Schuldiener an der lateinischen Schule zu Ulm«; dasselbe enthält 718 >^ unterschiedliche Kreuter«, ist den ältesten bekannten Herbarien beizuzählen und über- trifft die meisten derselben durch sorgfältige Präparation, durch genaue Bestimmung nach der damaligen Nomenclatur, sowie durch gute Erhaltung; 6. Professor E. Hackel in St. Polten: circa 200 französische Pflanzen; 7. Professor A. Kor nh über in Wien: 5o ostindischc Pflanzen; 8. Professor A. Heimerl in Penzing: eine Centurie persischer Compositen; dann einzelne interessante Pflanzen von den Herren Professor Markwart, Baron V. Schönberg er, Hofrath v. Hauer u. s. w. Ungleich ärmer als das Herbarium sind die Sammlungen von Hölzern, Samen, Früchten und Schauobjecten überhaupt, welche unsere Abtheilung bisher besass. Wir müssen es als eine unserer Hauptaufgaben betrachten, den Stand derselben nach dieser Richtung hin zu vermehren und die Vorbereitungen zu einer in einem der Säle aufzu- stellenden botanischen Schausammlung zu tretfen. 9. Eine überaus werthvolle Grundlage in dieser Beziehung bildet eine bei 1000 Stück zählende Sammlung von Stämmen und Hölzern, welche der Director der k. k. geolo- gischen Reichsanstalt Herr D, Stur zunächst behufs des Vergleiches bei seinen Studien über fossile Hölzer zusammengebracht hatte, und die er nun aus dem Eigenthum der genannten Anstalt an unser Museum übergab. Weiters verdanken wir 10. Herrn Magius in Wien", schöne Exemplare von Bambus, Gocosnüssen, eine Frucht der Seichellen-Palme, Luftwurzeln u. s. w. ; 11. Herrn Gustos Reichardt: verschiedene Hölzer, Samen und Früchte; 12. Herrn Dr. Pröll in Nizza: Früchte von Diospyros kaki Roxb. ; i3. Herrn J. Petersen in Nagasaki: i5 grosse Meerestange aus Japan; 14. Herrn A. Grunow in Berndorf: bei 100 Samen, Früchte, Rinden u. s. w., die derselbe auf seiner Reise um die Welt aufgesammelt hatte. c. Mineralogisch-petrographische Abtheilung. Die Sammlungen der mineralogisch -petrographischen Abtheilung zählten am Schlüsse des Jahres i885 über 108.000 Nummern. Es ist hier wohl nicht der Ort, näher auf einzelne altberühmte Stücke einzugehen, wie den Edelopal von Gzerwenitza, die geschliffenen Edelsteine u. s. w., welche dieser Abtheilung des Museums zur Zierde ge- reichen; erwähnen will ich hier nur, dass die in ihrer Art reichste Sammlung derselben jene der Meteoriten ist, in welcher bis zum Schlüsse des Jahres 365 Localitäten in 1207 Stücken mit einem Gesammtgewichte von 1,142.637 Gramm vertreten waren. Aus den Acquisitionen des Jahres 1884 wären die Aufsammlungen von Mineralien und Gesteinen von der Insel Jan Mayen zu erwähnen, welche von Herrn Dr. Fischer gesammelt und von Herrn Corvettencapitän v. Wolgemuth als Geschenk Sr. Excellenz des Grafen Hans Wilczek übergeben wurden. Bereichert wurden im Laufe des Jahres i885 die Sammlungen dieser Abtheilung durch Geschenke von ; 2A Die Sammlungen und ihre Vermehrung. 1. Herrn ungarischen Landtagsabgeordneten Wilh. v. Zsigmondy in Budapest, der als Präsident der Gruppe VI der Landesausstellung Herrn Gustos Brezina eine Reihe von mehr als 200 paragenetisch -hüttenmännischen Stufen für das Museum übergab, welche durch die freundliche Vermittlung des Gommissärs dieser Gruppe, kön. ungar. Bergcommissär Jos. Verress, zusammengestellt worden waren; 2. Herrn Bergdirector Felix Hofmann in Avala in Serbien durch freundliche Vermittlung des Herrn Rafael Hofmann inWien: 3i Stücke schön krystallisirte Queck- silbererze aus Avala; 3. Dr. Franz Dworsky inTrebitsch: eine grosse und lehrreiche Suite (i55 Stück) von Mineralien und Gesteinen aus der Umgebung dieses Ortes; 4. der k. k. Direction für Staatseisenbahnbetrieb: eine Sammlung von Ge- steinen des Arlbergtunnels (66 Stück), welche von den Ingenieuren mit genauer Bezug- nahme auf das Tunnelprofil gesammelt worden waren; 5. Herrn Baron Carl v. Babo: ein werthvolles neues Meteoreisen aus Südafrika, welches ganz neue Erscheinungen zeigt, über welche Herr Gustos Brezina in seiner letzten Meteoriten-Publication Näheres mittheilte; 6. Herrn k. k. Fregattencapitän Victor Bousquet: ungewöhnlich schöne Exem- plare der bekannten Enhydros von Uruguay, mitgebracht von der schon oben erwähnten Reise der von ihm befehligten Gorvette »Aurora«, darunter eine herrliche Schaustufe mit einem faustgrossen solchen Wassersteine, welcher zu etwa drei Viertheilen mit Flüssigkeit erfüllt ist. Einzelne von den Stücken sind geöffnet; diese Serie lässt in ausgezeichneter Weise alle Eigenthümlichkeiten dieser interessanten Gebilde erkennen, die knollige Aussenfläche, mit der dieselben an dem umgebenden augitporphyrähnlichen Gesteine an- liegen, die ins Innere hineinreichenden auskrystallisirten Spitzen des Quarzes, sowie die mehr oder weniger vollkommene Erfüllung dieser Mandeln mit Wasser, wodurch häufig Raum für eine Luftblase übrig bleibt, welche beim Hin- und Herbewegen des Stückes durch die durchscheinende Ghalcedonwand hindurch kenntHch ist; 7. dem k. k. Ackerbauministerium durch freundfiche Vermittlung des Herrn k. k. Ministerialrathes F"r. Ritter v. Friese: eine Reihe werth voller Mineralvorkomm- nisse aus österreichischen Aerarial-Bergbauen, darunter Stücke des kostbaren neuen Gronstedtit -Vorkommen von Pfibram; 8. Herrn k. k. Bergrath F. Seeland in Klagenfurt: eine sehr instructive Reihe von Erzen und Mineralien vom Hüttenberger Erzberg, die insbesondere werthvolle Belege über die genetischen Beziehungen derselben enthält; 9. Herrn Werksdirector Gajetan Schnablegger inRaibl: eine schöne Suite der dortigen Erze und Mineralien, zum Theil in grossen Schaustufen; 10. Herrn Edmund Makuc, Werksdirector der Bleiberger Bergwerksunion, eine eben solche Suite aus Bleiberg. Diese letzteren Suiten waren zum Theil auf der kärntnerischen Landesausstellung in Klagenfurt exponirt, wo ich sie zu sehen Gelegenheit hatte; sie wurden dann auf meine Bitte dem Museum übersendet. 11. Herrn Professor Dr. Fr idolin Sand berger in Würzburg: Uranpecherz führende Schiefergesteine von Pribram in Böhmen; 12. Herrn G. Herman: eine Sammlung chilenischer Mineralien; i3. einzelne Gesteins- und Mineralvorkommen überbrachten oder übersendeten dem Museum ferner die Herren Gustos Rogenhofer, P. Handtmann, Fr. Kraus, Grün er t, L. v. Ende in Batavia, J. Spöttl in Wien, Rud. Köchlin, Professor Dr. A. Mineralogisch-petrographische Abtheilung. 2 5 Pichlcr in Innsbruck, Director E. Doli in Wien, Dr. Fei. Luschan, gegenwärtig in Berlin, Fr. v. Hauer u. s.w.; 14. Herrn Inspector v. Eysank: eine sehr vollständige Reihe (-5 Stücke) Baumate- rialien von Bregenz; i5. Herrn Joseph Neuniüller: eine eigens im Format der Baumaterialien-Samm- lung gearbeitete Reihe von gemusterten Cementplatten, 67 Stücke; 16. verschiedene Muster für die Baumaterialien-Sammlung von den Herren Anton Sprung auf der Fucha bei Krems, Anton Detoraa, Professor Dr. Joh. Rumpf in Graz, L. Szepessy (durch Herrn Professor A. Koch), Professor Adolf Ritter v. Gut- tenberg, Director Ed. Doli, Dr. A. Rzehak in Brunn, Dr. Zelinka, Director Dr. Fr. Kenner, Professor Dr. Friedr. Becke in Czernowitz, A. Bielz in Hermannstadt, F. Karrer u. s. w. Weitere wichtige Bereicherungen wurden durch Aufsammlungen erzielt, und zwar: 17. begab sich über freundliche Einladung der Herren Gebrüder Egger in Buda- pest, der Besitzer der Czerwenitzaer Opalgruben, Herr Gustos Dr. Brezina in Begleitung des Herrn Gvula Egger zum Besuche dieser Gruben nach Dubnik. Unter freundlicher Beihilfe der Herren Verwalter Eduard Moser, Grubendirector Ignaz Starma, Gon- trolor Martin Salzer und Oberhutmann Jos. Diesner sammelte er hier eine ausser- ordentlich reiche Suite des Opalvorkommens in Bezug auf genetische Verhältnisse. 18. HerrGustos-Adjunct Dr. Fr. Berwerth sammelte gelegentlich einer Studienreise 76 Stücke Tiroler Gesteine und Mineralien, insbesondere aus der Gruppe des Serpentins und nephritähnlichen Schiefers. 19. Herr x^ssistent Ernst Kittl sammelte schlcsische Mineralvorkommnisse, dann Copalite von Lunz. Lebhafter als in anderen Abtheilungen des Museums wird von Herrn Gustos Brezina das Tauschgeschäft betrieben. Auf diesem Wege wurde erworben: 20. von Herrn F. A. Gcnth in Philadelphia: eine 92 Nummern zählende, höchst werthvolle Suite von Tellurmineralien, Vanadinerzen und Korundpseudomorphosen, Originalien zu den von demselben verötfentlichten Arbeiten. Unter den Pseudomorphosen gehören viele durch den Farbengegensatz zwischen dem noch ganz frischen Korundkern und der aus Magnetit, Ilmenit, Muscovit, Margarit, Plbrolit, Diaspor, Turmalin, Gyanit, Ripidolit, Willkoxit, Zoisit, Spinell, Culsageit oder Dudleyit bestehenden Rinde zu den schönsten, anziehendsten Vorkommnissen; 21. von der k. k. geologischen Reichsanstalt: eine grosse Reihe von öster- reichischen Gestein- und Mineralvorkommnissen; 22. vom Yale-Gollege durch Vermittlung des Herrn Professor E. S. Dana in New-Haven : höchst werthvolle amerikanische Mineralien und Pseudomorphosen, darunter herrliche, über halbfussgrosse umgewandelte Spodumenkrystalle, beschrieben von Brush und Dana; 23. von Herrn k. k. Ministerialrath Ritter v. Friese: eine Serie schöner öster- reichischer Mineralien von neueren Anbrüchen; 24. Meteoriten verschiedener Provenienz: von dem Hamburger Museum durch Herrn Professor Mügge, von Herrn S. G. H. Bailev in Gortlandt on Hudson, Professor C.W. Shepard jun. in Gharleston, der städtischen Sammlung in Bremen durch Herrn Director Dr. Spengel; 25. von Baron S. R. Paykull, Fabriksbesitzer in Stockholm: eine Schaustufe des neu aufgefundenen schwedischen Kugeldiorites mit 2 bis 3 Zoll grossen Kugeln; 26. von Herrn Professor P ichler in Innsbruck: Tiroler Gesteine. Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Durch Kauf endlich wurden erworben: 1. bis haselnussgrosse Herderitkrvstalle von Stoneham; 2. eine prachtvolle Euklasstufe dieser bisher nur aus Brasilien vertretenen Species mit zahlreichen bis halbzollgrossen Krvstallen, welche auf einer Gneissplatte aufgewachsen sind; das Stück stammt von einem nicht genau angegebenen Fundpunkte unserer Tauern- gruppe; 3. durch freundliche Vermittlung des Herrn Professors Friedrich Ulrich in Han- nover konnte eine Reihe herrlicher Antimonitkrvstalle des neuen japanischen Anbruches von einem eben von dort angekommenen Transporte ausgesucht werden, worunter sich ausser einzelnen kleinen Krystallen eine Gruppe bis halbfusslanger und ein fussgrosser loser Krystall befinden; 4. ein über acht Kilo schwerer, beim Auffallen in zwei Stücke zerborstener Meteor- stein von Mocs, mit blasiger Rinde auf der Rückseite; 5. eine Anzahl seltener ungarischer Mineralien, welche von Herrn Hauptmann Kutschera bei seinen Mappirungsarbeiten erworben worden waren; darunter der äusserst seltene Helvin auf Rhodochrosit, schöne Goldstufen mit grossen Krystallen, auch ein un- gewöhnlich grosser Krystall von gediegenem Silber vom oberen See in Michigan in Nordamerika; 6. von Einzelnheiten sind ferner noch zu erwähnen: Eine Argentitstufe mit zoll- grossen Zwillingen des Würfels, zweizöllige Forsteritkrystalle vom Ural, Vesuvian- krystalle von Oravitza mit 2 bis 3 Zoll grossen Krystallen, ausgezeichnete Magnetit- krystalle vom Binnenthal, ungewöhnliche Wiserinkrystalle mit skcletartigem Aufbau, ebendaher, grosse, prachtvoll ausgebildete Vesuviankrystalle von Zermatt u. s. w. d. Geologisch-paläontologische Abtheiliing. Von den Sammlungen der geologischen Abtheilung ist, wie schon früher erwähnt, jene der Tertiärconchylien, welcher der frühere Director des k. k. Hof-Mineraliencabinetes Herr Dr. M. Hörnes und seither Herr Gustos Th. Fuchs stets ihre besondere Vorsorge zugewendet hatten, weitaus am bedeutendsten; bis zum Schlüsse des Jahres i885 zählte dieselbe nahezu 60.000 Nummern, während beispielsweise ungefähr 3ooo Nummern aus der Ordnung der fossilen Säugethiere, 1200 aus jener der Fische, nahe i3.ooo aus jener der Pflanzen und 36oo aus jener der Foraminiferen vorhanden waren. Die Gesammtzahl der bis zum Schlüsse des Jahres i885 verbuchten Nummern, die bei der Trennung der Sammlungen des k. k. Hof-Mineraliencabinetes der geologisch- paläontologischen Abtheilung zufielen und seither noch zugewachsen sind, beträgt 129.708. Dazu kommen noch einige grössere Acquisitionsposten, welche in der letzten Zeit noch nicht im Einzelnen in den Acquisitionskatalog eingetragen werden konnten und die Herr Gustos Fuchs auf über 3 5 00 schätzt, so dass die Gesammtzahl der Nummern jedenfalls die Ziffer von 1 3 3. 000 bereits übersteigt. Unter den Erwerbungen des Jahres i885, bezüglich welcher ich grösstentheils wörtlich die von Herrn Assistenten Kittl gegebenen Mittheilungen reproducire, sind auch hier die wichtigsten Geschenke, und zwar haben wir I. in erster Linie ein solches von hohem wissenschaftlichen Werthe zu nennen, welches wir dem kaiserl. Rathe Herrn Heinrich Mattoni verdanken; es ist dies der schöne Dinotheriiim -Fund, welcher vor zwei Jahren in einem demselben gehörigen Kalksteinbruche bei Franzensbad in den miocänen Cvpridinenschiefcrn gemacht wurde. In Erkenntniss der grossen Bedeutung des F"undcs hat der Eigenthümer in liberalster Geologisch-paläontologische Abtheilung. 27 Weise zum Zwecke der Hebung des Schatzes die erforderlichen Geldmittel und Arbeits- kräfte dem Verwalter Herrn Josef Rödl angewiesen, üeberdies wurde der Professor am Olmützer Gymnasium HerrVincenz Bieber, der früher als Assistent der geolo- gischen Lehrkanzel der Präger Universität thätig war, als wissenschaftlicher Berather zugezogen. Nach dessen Anordnungen wurden die systematischen Ausgrabungen geführt. Es wurden die folgenden Skelettheile, welche augenscheinlich alle demselben Individuum angehörten, gewonnen: der Unterkiefer mit bis auf die Stosszähne vollstän- diger Bezahnung, von der Wirbelsäule der Atlas und Epistropheus, 8 Rückenwirbel, das ziemlich vollständige Kreuzbein und 6 Schwanzwirbel, beide, allerdings nicht ganz voll- ständige Schulterblätter, etwa ein Dutzend Rippen, ferner von den Extremitäten mehrere grosse Röhrenknochen; auch sind Fusswurzelknochen und Phalangen in grösserer An- zahl und in schöner Erhaltung vorhanden. Der ganze Fund ergibt daher ein, freilich noch immer lückenhaftes, doch in bisher unerreichter Vollständigkeit dastehendes Skelet eines Dinotheriiim. Das Thier dürfte sich, nach der Bezahnung zu urtheilen, mehr an Dinotherium bavaricum H. v. Meyer als an Dinotheriiim gigantemn Kaup. anschliessen. Die nothwendigen Restaurationsarbeiten, w^elche Herr Verwalter Rödl in Franzensbad schon in sehr umsichtiger Weise begonnen hatte, wurden in unserem Museum fort- gesetzt und hat hier an diesen Arbeiten Herr Michael Vacek, Geologe der k. k. geologischen Reichsanstalt, einen hervorragenden Antheil genommen. Es sollen diese Arbeiten im laufenden Jahre fortgesetzt werden, um die wissenschaftlich so werthvollen Restein geeignetster Weise zu conserviren und dann im Saale X unseres Museums zu einer würdigen Aufstellung zu bringen. 2. Eine weitere Bereicherung an Wirbelthierresten erhielten wir durch eine Reihe von Ausgrabungen, welche in dem Gebiete der westlich von der Stadt Wien gelegenen Vororte Währing und Ottakring in den die Reichshauptstadt mit Bausand versorgen- den Sandgruben vorgenommen werden konnten. Eine schöne und interessante Serie gewannen wir so aus Herrn Severin Schreiber's Sandgrube in Währing, welche sich auf der Türkenschanze nächst der Sternwarte befindet und der sarmatischen Stufe angehört. Wir verdanken der freundlichen Vermittelung des Herrn k. k. Polizeirathes Josef Richter in Währing, durch dessen Fürsorge unserem Museum schon mancher schöne Fossilfund zugekommen ist, die erste Nachricht von dem Vorkommen, sowie auch die sorgfältige Bewahrung der Fundstelle vor den Eingriffen Unberufener. Der Besitzer gestattete nicht nur die Vornahme der Ausgrabungen durch Organe des Museums, son- dern unterstützte auch die nothwendigen Arbeiten in liebenswürdigster Weise durch Rath und That. Es war daher möglich, eine Reihe von äusserst gebrechlichen Resten zu gewinnen und zu conserviren, welche vornehmlich den Gattungen Dinotheriiim (ein Unterkieferast, zwei Stosszähne mit interessanten Nutzflächen, verschiedene Knochen) und Rhinoceros (ein vollständiger Unterkiefer, diverse lose Molaren und einzelne Extremi- tätenknochen), sowie auch kleineren Wiederkäuern angehörten. Das unmittelbare Lie- gende der knochenführenden, drei bis vier Meter mächtigen Sande bildet eine etwa ein Meter mächtige Tegellage mit den charakteristischen sarmatischen Conchylien und mit Blattabdrücken von Landpflanzen. Die darunterhegenden sehr mächtigen Sandlagen führen noch zehn Meter tief unter der Tegellage Ostrea gingensis Schloth. var. sarma- tica, von welcher Herr S. Schreiber ebenfalls eine schöne Collection dem k. Museum übergab. 3. Andere schöne Funde wurden in Sandgruben von Ottakring gemacht, welche m den marinen Sauden angelegt sind, die dort in einer Mächtigkeit von etwa zehn Metern aufgeschlossen sind und ziemlich häufig Austern und Pecten, auch Anomien, sowie Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Steinkerne von den leichter zerstörbaren Meeresconchvlien führen. Besonders häutig sind Pecten Bessert Andrz., Ostrea dii^italina Dub., sehener, aber noch immer nicht selten erscheinen Pecten Leithajanus Partsch, Venus sp. etc. Diese Sandgruben liegen westlich von der Dornbacher Strasse, in der Nahe der Kainz 'sehen Sandgrube, in welcher im Jahre 1879 Herr Polizeirath J. Richter ein Säugethiervorkommen entdeckt hatte, das bei den durch den verewigten Hofrath Ferdinand v. Hochstetter geleiteten Aus- grabungen einen schönen Rest von Mastodon angiistidens Cuv. ergab, der nun eine Zierde unserer Sammlung bildet. Diesmal nun kamen in diesen Sanden zwei Skelete von Halitherien zum Vorscheine, welche eine sehr willkommene Ergänzung unserer Samm- lung fossiler Wirbelthiere bilden. — Der eine dieser Funde wurde uns Anfangs Septem- ber durch Vermittlung der k. k. Bezirkshauptmannschaft Hernais von dem Bürgermeister- amte Ottakring (Bürgermeister Herr Anton Zagorsky) angezeigt. Die Fundstelle lag in der Sandgrube des Herrn Josef Wolf. Der Besitzer derselben gestattete die Vor- nahme der Ausgrabungen, welche 12 Wirbel und 32 Rippen eines älteren Thieres, sowie ein gut erhaltenes Brustbein ergaben. Herr J. Wolf hat dem Museum die wissenschaft- lich sehr interessanten und werthvollen Skelettheile freundlichst überlassen. Bei den Ausgrabungen hat Herr Dr. Gustav Michael, Secretär des Ottakringer Bürgermeister- amtes, in zuvorkommendster Weise intervenirt. 4. An die Sandgrube, in welcher der eben erwähnte Fund gemacht wurde, grenzt eine andere, welche dem Wiener Advocaten Herrn Dr. Moriz Baumann gehört. Hier wurden in einer höheren Sandlage als in der Wolf 'sehen Sandgrube neuerdings gegen Ende September Rippenfragmente aufgefunden. Der Eigenthümer sandte uns eine dies- bezügliche Nachricht, worauf mit seiner Bewilligung die betreffende Stelle ausgebeutet wurde, welche die Reste eines sehr jungen Individuums von Halitheriiun lieferte. Ausser zahlreichen Rippen und Wirbeln fand sich auch ein rechter Unterkieferast; Herr Dr. Bau mann hat nicht nur diese wichtigen Knochenreste, sondern auch zahlreiche Con- chylien, welche in seiner Sandgrube aufgesammelt worden waren, unserem Museum zur Verfügung gestellt. Weiter verdanken wir den Herren : 5. N. Andrussow in Kiew", eine grosse und interessante Serie von sarmatischen Conchvlien aus der Krim; 6. Ferd. Backhaus, k. k. Hof-Anstreicher in Wien: Steinkohlenpflanzen von Eppinghofen in Rhein-Preussen; 7. Franz D'Elia, Domherrn und Pfarrer in Proniontore bei Pola: eine sehr reich- haltige und interessante Sammlung von Fossilien aus den Hippuritenkalken; 8. Bergwerksdircctor M. Draghicenu in Bukarest: eine Suite von Tertiärconchy- lien von Bahna in Rumänien; 9. Dr. J. Gnezda: einige Lithoglvphusformen aus den Congerienschichten von Gergeteg in Syrmien; 10. H. Grave in Wien: verkieselte Hölzer, die am Tiefen Graben gefunden wor- den waren; I I. Dr. Axel Goess, Physikus auf Gothland: eine schöne Sammlung von Fora- miniferen von den Bermudas-Inseln; 12. Sectionsrath Professor Max Hantken v. Prudnik in Budapest: einige Kalk- algen und 35 ausgesuchte Dünnschliffe sedimentärer Gesteine aus Ungarn; I 3. Michael Kaiser in Auersthal: einige Rhinocerosreste aus dem Löss; 14. der Gräflich Larisch - Mönnich'schcn Central -Direction in Karwin: Steinkohlenpflanzcn ; Geologisch-paläontologische Abtheilung. i5. dem Erzherzoglich A Ibrech t'schen Steinkohlenbergbau in Karwin: eine Collection von Pflanzenversteinerungen der dortigen Gruben; 16. Professor Charles Mayer-Eymar in Zürich : Tertiärsuiten aus Oberitalien, namentlich von Starzano und Serravalle di Scrivia; 17. Josef Megele, Forstwart in Vils: eine Serie von Versteinerungen aus der Umgebung von Vils; 18. Dr. H. Conwentz, Director des Ostpreussischen Provinzial- Museums in Danzig: eine ausgezeichnete Sammlung von ßernsteininsecten; 19. Professor Ph. Paulitschke in Wien: eine auf seiner Reise in Ostafrika ge- sammelte kleine Collection ; 20. F. Paulin y, Brunnenmeister in Ottakring: einen bei einer Brunnengrabung gefundenen Palaeomerj^x-Zahn ; 21. Heinrich Peschke, fürstbischöflicher Forstmeister in Buchbergsthal bei Würbenthai: schöne Fossilien aus den Quarziten des Dürrenberges; 22. Universitätsprofessor Dr. Adolf Pich 1er in Innsbruck: wiederholte Ein- sendungen interessanter und seltener Fossilien aus Nordtirol; 2 3. Dr. J. Pocta in Prag: eine Anzahl Spongien aus der böhmischen Kreide- formation ; 24. Dr. J. E. Polak: Echiniden aus der Umgebung von Teheran; 25. Dr. J. G. Bornemann in Eisenach: eine schöne Suite der von ihm beschrie- benen cambrischen Fossilien aus Sardinien; 26. der Portland-Cement-Gewerkschaft in Kitzbüchel (Perlmooser Actien- gesellschaft): eine reiche Sammlung von F'ossilien aus den Cementmergeln von Haering, sowie Proben der dortigen Kohlen; 27. Ch. Schlumberger in Paris: interessante Foraminiferen-Modelle; 28. R. Schneider, Schichtmeister in Segen-Gottes bei Rossitz: eine schöne Col- lection von Steinkohlenpflanzen; 29. J. Sikora in Wien: eine Anzahl interessanter Tertiärfossilien von Baden, Vöslau und Kalksburg, sowie jurassische Fossilien von St. Veit bei Wien; 30. k. k. Oberst Eduard Ritter v. Smalawski, Vorstand der I. Abtheilung des k. k. Reichs-Kriegsministeriums in Wien: einen Backenzahn von Elephas primigenius, welcher im Jahre 1884 bei Krakau, östlich von den fortiflcatorischen Thürmen »Krze- mianka« und »Benedikt«, beiden für die galizische Transversalbahn nothwendigen Erd- arbeiten gefunden worden war; 3i. Heinrich Keller, Adjunct der k. k. General-Inspection der österr. Eisen- bahnen: einige Petrefacten; 32. Professor Dr. G. Sandberger in Würzburg: einen schönen Stamm von Cala- mites areuaceiis aus dem Keupersandstein Frankens; 33. Ignaz Spöttl in Wien: eine Sammlung von Pflanzen aus Kalktutfen und ver- schiedene interessante Gipfelgesteine aus der Zips; 34. Professor J. M. Zujovic in Belgrad: Teriiärconchvlien aus Serbien; 35. Professor Dr. Rudolf Hörnes in Graz: interessante Gvpsabgüsse von in Steiermark aufgefundenen Wirbelthierresten. Eine weitere Reihe von Erwerbungen machten wir im Tauschwege, oder vielleicht besser gesagt mittelst Gabe und Gegengabe, da es Ja bei derartigen Transactionen nicht auf einen Ausgleich der materiellen Werthe der Objecte ankommt. Zu lebhaftem Danke sind wir für derartige Gaben verpflichtet den Herren: 3o l^ic Sammlungen unil ihre Vermehrung. 36. R. A. Philippi, Director des Nationalmuseums in Santiago (Chile): für Gyps- niodellc von Säugethierresten und Fossilien aus Chile; 37. Professor Jan Palacky in Prag: für grosse Schaustücke aus den silurischen Graptolithenschiefern und aus den Korycaner Schichten; 38. Ober-Bergverwalter Andreas Mi tt er er in Haering: für eine grosse und höchst werthvolle Collection von Fossilien aus den Cementmergeln von Haering. Manche werthvolle Bereicherungen erhielt unser Museum weiter durch Aufsamm- lungen, die wir theils selbst vornahmen, theils durch befreundete Forscher, die sich gütigst in unserem Interesse dieser Mühewaltung unterzogen, vornehmen Hessen. Es ge- hören dahin: 3q. Eine reiche Suite der merkwairdigen zerquetschten und verworfenen Geschiebe aus der Umgebung von Schleinz, über welche ich bei einer früheren Gelegenheit (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1878, S. 145) Nachricht gegeben hatte und von welchen ich nun eine grössere Partie für unser Museum einsammelte. 40. Suiten von Tertiärfossilien wurden von Herrn Assistenten Kittl in Währing, Ottakring, in Neudorf an der March und am Waschberg bei Stockerau aufgesammelt, weiter hat derselbe eine Serie von Devonversteinerungen in den Qiiarziten vom Dürrber- berge bei Würbenthai in Schlesien, dann Gesteine und Mineralvorkommnisse in der Um- gegend von Freiwaldau und Friedeberg, namentlich bei Kaltenstein gesammelt. 41. Herr Assistent Wähn er hat bei Gelegenheit einer Fortsetzung seiner Lias- studien am Sonnwendjoch im Unterinnthale Einiges für unser Museum erbeutet. 42. Eine sehr schöne Sammlung der merkwürdigen, der unteren Trias angehörigen Cephalopoden vom Han Bulog bei Sarajewo, die Herr diplomirter Ingenieur J. Kellner entdeckt und deren Fundstelle er früher schon für die k. k. geologische Reichsanstalt ausgebeutet hatte (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1884, S. 217). Auf meine Bitte besorgte er nun weitere Aufsammlungen, die eine überaus reiche Ausbeute lieferten und die ich dem Museum als Geschenk zu übergeben in der Lage war. 43. Schlierfossilien von Buje in Istrien, die Herr Professor Dr. K. Moser in Triest für uns freundlichst aufsammeln liess. 44. Hier endlich schliesse ich wohl am schicklichsten eine der wichtigsten Erwer- bungen an, welche die geologisch-paläontologische Abtheilung im Laufe des letzten Jahres machte und die ich ebenfalls als Geschenk dem Museum übergeben konnte. Es sind dies Knochenreste von Maragha in Persien, welche der um die Kenntniss dieses Landes so hochverdiente Dr. J. E. Polak durch Herrn F. Th. Strauss in Täbris besorgen liess und mir gegen Ersatz der Selbstkosten freundlichst für das Museums überliess. Die Samm- lung, welche zeitlich im Sommer hier eintraf, enthält höchst werthvolle Objecte, und zwar nach der Bestimmung von E. Kittl*) Hyaena cf. (?A-/?7naWagn., Mastodon Pen- telici Wagn., Rhinoceros Schleiennacheri Kaup (ein ganzer, ausgezeichnet erhaltener Schädel), Aceratherhim sp. (ein Schädel u. s. w.), Hippanon gracile Kaup (ein wohl- erhaltener Schädel), Hipparion n. f., Helladotho-inm Duvernoj^i Gaudr., Palaeoreas Lindermayeri Wagn., Antidorcas Rothi Wag., Tragocerus sp., kleinere Antilopen u. s. w. Dieselben deuten auf eine Fauna ganz analog jener von Pikermi in Griechenland hin; eine Fortsetzung der Ausbeutung und eine genauere wissenschaftliche Untersuchung des F'undortes erschien demnach in hohem Grade wünschenswerth, und zwar umsomehr, als ja Maragha durch seine intermediäre Lage zwischen den berühmten Fundstellen von Säugethierresten in den Siwalik-Gebirgen in Indien einerseits und Pikermi und anderen *) V'erhandlungen der k. k. geologischen Reichsanslalt 18S5, p. 397. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 3 europäischen Fundstellen andererseits eine ganz besondere Bedeutung für die Kenntniss der Entwicklung und der geographischen Verbreitung der jungtertiaren Säugethierfaunen überhaupt besitzt. Durch eine grossmüthige Spende des regierenden Fürsten Joh. Ad. zu Schwarzenberg, eine Subvention aus der Schlonbachstiftung, einen Beitrag von dem regierenden Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein, dann aber wieder durch die Opferwilligkeit des Herrn Dr. Polak, der den ganzen Rest der erforder- lichen Reisekosten vorschussweise bestritt, wurde es möglich, Herrn Dr. Alfred Rodler, gegenwärtig Assistenten an der geologischen Lehrkanzel der Wiener Universität, zu der gedachten Aufgabe nach Persien zu entsenden. Er hat dieselbe mit bestem Erfolge gelöst, da aber die von ihm gesammelten Materialien noch nicht in Wien eingetroffen sind, so kann ich in nähere Details darüber noch nicht eingehen, sondern will nur noch beifügen, dass er eine erste Notiz über die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise bereits in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt i885, S. 333 veröftentlicht hat. Einen relativ freilich sehr kleinen Zuwachs endlich haben unsere Sammlungen durch Ankäufe erhalten. Für freundliche Vermittlung von solchen haben sich um unser Mu- seum besonders verdient gemacht die Herren: Dr. Carl Ferd. Frauscher, Director Oberbergrath D. Stur und Professor Dr. Franz Toula. In dieser Weise haben wir erworben: 1 . eine Samrnlung von Tertiär- und Kreide-Fossilien aus Croatien und Dalmatien von Herrn Dr. J. Gnezda; 2. diluviale und tertiäre Wirbelthierreste von Minihof in Ungarn, Heiligenstadt, Meidhng und Altmannsdorf bei Wien; ferner ein Gypsmodell des Eggenburger Kro- kodilschädels; 3. tertiäre Pflanzen von Schüttenitz in Böhmen; 4. Miocän-Conchylien von Baden, Steinabrunn, Neudorf a. M., Walbersdorf und Ottakring; 5. Eocän-Conchylien vom Waschberg bei Stockerau und von Kosavin im croatischen Küstenlande; 6. Kreide-Fossilien von Muntigl bei Salzburg; 7. Jura-Fossilien von Adneth; 8. Trias-Fossilien aus dem Salzkammergute, ferner vom Schiern und von der Marmolatta in Südtirol, sowie von St. Cassian, ebendort; 9. eine sehr schöne Suite fossiler Pflanzen aus den berühmten, der oberen Trias angehörigen Fundstätten bei Lunz in Oesterreich. c. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. Von grösster Bedeutung für die Weiterentwicklung der anthropologisch-prähisto- risch-ethnographischen Abtheilung unseres Museums ist die innige Verbindung, in wel- cher dieselbe mit der anthropologischen Gesellschaft in Wien steht. Schon im Jahre 1877 hat diese Gesellschaft beschlossen, ihre gesammten Sammlungen und ihre Bibliothek dem k. k. naturhistorischen Hofmuseum zu übergeben, und in gleicher Weise wendet sie dem- selben seither alle Sammlungsgegenstände, die ihr zukommen, und insbesondere auch die Ergebnisse der mit relativ sehr bedeutenden Mitteln von ihr durchgeführten Aus- grabungen zu; was die Druckwerke betritft, so überlässt sie unserer Bibliothek gegen den Ersatz der Herstellungskosten für die Tauschexemplare nicht nur alle periodischen Publicationen, die sie im Tauschwege erhält, sondern auch alle selbstständigen Werke und Separatabdrücke, die ihr zugesendet werden. Lebhaften Dank schulden wir dafür 32 Diii Sammlungen und ihre ^'ermehrung. der ganzen Gesellschaft und insbesondere ihrem hochverdienten Präsidenten Hofrath Ferd. Freiherrn v. Andrian-Werhurg, der uns auch sonst bei jeder Gelegenheit seine thatkräftige Unterstützung zu Theil werden lässt. Selbstverständlich suchen anderseits auch wir nach besten Kräften die Zwecke der Gesellschaft zu fördern. Herr Gustos Szombathy besorgt ihre Secretariatsgeschäfte und redigirt ihre Mittheilungen, und besonders freue ich mich anzuzeigen, dass wir nun, nachdem die Arbeitszimmer im Neugebäude bezogen sind, auch in der Lage sind, den Mitgliedern der Gesellschaft die Bibliothek und die Sammlungen für ihre Studien zugänglich zu machen. Aber noch habe ich, bevor ich zu den Details übergehe, einer Institution zu ge- denken, die seit einer Reihe von Jahren die materiellen Früchte ihrer Arbeiten dem Museum zuwendet. Es ist die prähistorische Commission der kais. Akademie der Wissenschaften, die, von der ersten wissenschaftlichen Corporation des Reiches zur Förderung des jüngsten Zweiges unserer Wissenschaften eingesetzt, die Funde, die bei den theils mit den Mitteln der Akademie, theils mit fremder Beihilfe ins Werk ge- setzten Untersuchungen sich ergeben, regelmässig unserem Museum übergibt. Den Zuwachs, welchen die Sammlungen der in Rede stehenden Abtheilung im Laufe des Jahres erhielten, will ich gesondert nach den drei Gruppen, in welche dieselben zerfallen, aufführen. An prähistorischen Objecten erhielten wir: 1. von der prähistorischen Commission der mathematisch - natur- wisse n s c h a ft 1 i c h e n C 1 a s s e der k a i s e r 1. Akademie der W i s s e n s c h a f t e n : a) Funde aus der Vvpustekhöhle nächst Kiritein und der unteren Joachimshöhle nächst Josefsthal bei Adamsthal in Mähren, bestehend aus paläo- und neolithischen Arte- facten und Knochen diluvialer Säugethiere. Die Funde rühren von den durch J. Szom- bathv geleiteten und auf Kosten Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein durchgeführten Ausgrabungen, an welchen sich seit Jahren die Herren Forstmeister A. Zitny und Oberförster G. A. Heintz betheiligen, her; b) paläülithische Funde aus mehreren Höhlen des niederösterreichischen Krems- thalcs, ausgegraben von Herrn Ingenieur Ferdinand Brun; c) paläolithische Funde aus der auf fürstlich Hohenlohe'schem Besitze gelegenen Höhle bei Duino im Küstenlande, ausgegraben durch Herrn Professor Dr. K. L. Moser in Triest; d) Funde aus dreiTumulis der Hallstätter Periode nächst Gemeinlebarn bei Trais- mauer in Niederösterreich, ausgegraben durch den k. k. Conservator Herrn P. A d al- ber t D LI n g e I ; e) Funde von mehr als 8o aus der Periode der Römerherrschaft stammenden Tu- mulis in der Nähe von Kilb und Mank in Niederösterreich, ausgegraben durch P. Adal- bert Dungel; 2. von der anthropologischen Gesellschaft in Wien: a) Funde von der prähistorischen und römischen Ansiedlung auf der Gurina bei Dellach im oberen Gailthale in Kärnten. Ausgrabungen 1884 durch Herrn Hofrath Dr. A. B. Meyer aus Dresden und i885 durch die Herren J. Szombathy und Dr. F. Portheim aus Wien. Ausführliche Mittheilungen über seine im Auftrage und auf Kosten der Gesellschaft gemachten Ausgrabungen hat Herr Hofrath Meyer in seinem Pracht- werke »Gurina«, Dresden i885, gegeben; b) P'unde aus 28 Tumulis der Hallstätter Periode von Rosegg in Kärnten, ausge- graben durch die Herren J. Szombathy und N. Wang; Anthropologisch-ethnoi^rnphischc Abthcilung. 33 c) P\inde aus den, den Uebcrgang von der HalLstättcr zur La-Tene-Cultur mar- kirenden Flachgrähern von St. Michael bei Adelsberg in Krain, ausgegraben durch Herrn J. Szombathv; d) Funde aus der palaolithischcn Lagerstätte ini Loss bei Willendorf nächst Spitz in Niederösterreich, ausgegraben durch Herrn Ingenieur Ferdinand l^run; 3. von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Ernst zu Windischgrätz : Bronzen von Watsch und Glasperlen und Bronzefragmente von St. Michael bei Adelsberg in Krain; 4. von der löbl. Gemeindevertretung Gemeinlcbarn : Funde aus dem prä- historischen Gräberfelde nächst Gemeinlebarn bei Traismauer in Niederösterreich, gesam- melt durch die Herren Schulleiter Zündel, Oberingenieur Berger und P. Ad albert Du n gel; 5. von Herrn Historienmaler Ignaz Spöttl: Bronzen von Watsch in Krain, Schlacken vom Schlackenwalle in Kesmark in Ungarn und fünf Oelskizzen von Tumulis in Niederösterreich; 6. von Herrn Pfarrer Josef Schmidt in Winklarn: die Funde aus drei Tumulis bei Amstetten in Niederösterreich, gegen Ersatz der Selbstkosten; 7. von Herrn Emil Usquin in Nizza durch die Herren Dr. Pröhl und Regierungs- rath Dr. Aberle: Perlchen aus einem megalithischen Grabe bei St. Vallier (Alpes mari- times) in Frankreich ; 8. von Herrn Professor Dr. K. L. Moser in Triest: Fundstücke aus der Pieinahöhle bei Prosecco nächst Triest ; 9. von Herrn Bibliotheksscriptor Willibald Müller in Olniütz: einzelne prä- historische Fundstücke vom Baue des Postgebäudes in Olmütz und aus der Umgebung dieser Stadt; 10. von Herrn Dr. M. Hoerncs durch Herrn Gerichtsadjuncten Dr. Sachs: Funde von der Ruine Hinterhaus bei Spitz in Niederösterreich; 11. von Herrn Felix Zwiklitz: eine Sammlung von der jüngeren Steinzeit angehörigen Pfahlbaufunden von Font im Neufchätelcr See, die nebst Schädeln und Knochen von Säugethieren 285 Stücke Warfen und Werkzeuge aus Stein und Hirsch- horn, darunter besonders werthvolle Stücke aus Nephrit, Jadeit, Chloromelanit und Saussurit, enthält. Auch im Wege des Tausches erhielten die prähistorischen Sammlungen einigen Zuwachs, und zwar : 12. von Herrn A. Dillingcr: Bronzefunde aus Oberösterreich und aus der Gebend von Königgrätz in Böhmen; i3. von Herrn Stadtrath Leiner in Constanz: Nephritbeilchen aus dem Bodensee. Angekauft endlich wurden: 1. ein Steinbeil aus dem Bodensee; 2. Bronzeringgeld von Ungarisch-Hradisch; 3. Bronze- und Bleifunde von Rosegg in Kärnten; 4. prähistorische Funde von St. Michael bei Adelsberg in Krain. Die anthropologischen Sammlungen wurden nur durch Geschenke, aber in sehr reichem Masse, vermehrt. Wir verdanken: I. Herrn Bankier Salo Cohn in Wien: eine überaus werthvolle Gabe, die von Herrn Dr. A. Weisbach, Director des k. und k. österreichisch-ungarischen National- spitajes m Lonstantinopel, während seiner langjährigen Wirksamkeit daselbst zusammen- 34 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. gebrachte Sammlung von Racenschädeln, Racenbecken und einigen Skeleten, welche derselbe, um sie dem vaterländischen Museum zuzuwenden, nur gegen Ersatz der im Verhältnisse zum etlectiven Werthe geringen, an und für sich aber doch noch sehr nam- haften Selbstkosten abliess. Die Sammlung umfasst nicht weniger als 708 Schädel, deren Hauptwerth in der vollkommen sichergestellten Provenienz derselben liegt. Es befinden sich darunter iq5 Schädeln von Türken, i3i von Griechen, 96 von Serbocroaten, 43 von Armeniern, 48 von Negern, 49 von alten Byzantinern, 14 von orientalischen Juden u. s.w., ferner 21 Becken; auf die Stücke dieser Sammlung beziehen sich die Arbeiten von Weisbach über Türken- und Griechenschädel in den Mittheilungen der anthropologi- schen Gesellschaft in Wien, und über die Schädel der Südslaven in der Berhner ethno- logischen Zeitschrift; 3. Herrn k. k. Hofrath Ferdinand Freiherrn v. Andrian-Werburg: Schädel und Skelete aus bosnischen Bogumilengräbern; 3. Herrn Professor Dr. Paulitschke: Schädel von Somalis; 4. Herrn Hofrath Dr. A. B. Meyer in Dresden: Schädel aus einem Grabfelde bei Sterzing in Tirol und aus dem Beinhaus von Kötschach in Kärnten. Beschrieben in dem IV. Hefte der Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft vom Jahre 1884; 5. Herrn Generalconsul L. Schiffmann in Hamburg: 23 Schädel von den Philip- pinen, zum Theile deformirte Schädel aus alten Grabhöhlen, zum Theile solche von jetzigen Bewohnern. Auch die ethnographische Sammlung erhielt die wichtigsten Bereicherungen durch Geschenke. Solche haben wir erhalten: 1. von Herrn Regierungsrath Steindachner: i3 altjapanesische, zum grössten Theile vergoldete Bronzeringe, aus alten Gräbern stammend, aus dem Nachlasse des bekannten Japanforschers Dr. A. v. Roretz angekauft; 2. von Herrn Victor Schönberger, k. hawaischen Consul: einige Objecte aus den Südseeinseln und dem malayischen Archipel; • 3. von einem unserer Freunde in Prag: 92 Nummern ethnographischer Gegen- stände vom unteren Congo, gesammelt von Herrn Dr. Josef Chavanne; 4. von der k. k. geologischen Reichsanstalt: eine kleine Sammlung altmexi- kanischer Steinwerkzeuge und Thongefässe, welche Herr Dr. Hambach in St. Louis eingesendet hatte, und welche ich, noch als Director der genannten Anstalt, dem Museum übergab; 5. von Herrn Josef Haas, k. k. österreichisch-ungarischem Consul und Gcranten des Generalconsulates in Shanghai : eine grosse Sammlung verschiedener Objecte, darunter Porzellane und Bronzen aus China, Korea, Japan und Siam, Buddhahguren u. s. w. ; 6. von Herrn Hugo M. Müller, Gutsbesitzer in Wien: eine grosse und sehr inter- essante Sammlung indianischer Geräthe u. s. w., die derselbe während seiner im Jahre 1884 ausgeführten Reise nach dem britischen Nordamerika aufgesammelt hatte; 7. von Herrn Dr. Dominik Kammel v. Hardegger: 180 Stücke, welche der- selbe von seiner im Jahre i885 zusammen mitHerrn Professor Dr. Philipp Paulitschke ausgeführten Reise nach dem Somallande mitgebracht hat, und welche die erste, syste- matisch gesammelte Collection ethnographischer Gegenstände aus diesen Gebieten darstellt ; 8. von Herrn H. E. Low in Managua, Nicaragua: eine kleine Sammlung von in- dianischen Alterthümern aus Nicaragua und eine Anzahl grosser Platten aus einem tutf- arti^en Gestein vom See von Manat^ua, in welchen sich eine Reihe menschlicher Fuss- Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 35 abdrücke befinden; die Gesteinplatten lagen unter einer dreizehn Fuss mächtigen Schichte von geschichteten vulcanischen Aschen, Sand und Süsswasserbildungen, Dieses Vor- kommen ist beschrieben in den Proceedings der American antiquarian society April 1 884. 9. von Herrn Generalconsul Ludwig Schi ff mann in Hamburg: eine sehr inter- essante und wcrthvolle Collection von Alterthümern und menschlichen Schädeln von den Philippinen, welche der Reisende Dr. Alexander Schadenberg von dort mit- gebracht hat; 10. von Herrn L. van Ende, k. niederländischem Hauptmann a. D. in Batavia: eine grössere Sammlung ethnographischer Gegenstände aus dem malayischen Archipel; 1 1. von Herrn Dr. B. Hagen in Deli, Sumatra: eine Sammlung sehr seltener ethno- graphischer Gegenstände von den Batta's auf Sumatra, von ihm selbst gesammelt; 12. von Herrn W. Mesny, chinesischem General, in Shanghai: eine der seltenen hochinteressanten alten Bronzepauken aus dem südlichen China; i3. von Sr. Excellenz Herrn General Neriman Khan, persischem Gesandten in Wien: einen altpersischen Grabstein mit kutischer Inschrift; 14. von einem unserer Freunde in Prag: ein prachtvolles Chloromelanitbeil, angeb- lich aus der Wüste Atakama stammend; i5. vereinzelte werthvolle Gegenstände von den Herren Dr. P'riedrich S. Krauss aus Bosnien, Friedrich Bayern aus Tifhs und F. v. Magius aus Java und Borneo; 16. auch bei den Expeditionen der k. und k. Kriegsmarine wurden für die ethnographische Sammlung höchst werthvolle Beiträge gesammelt, und zwar: , a) durch Sr. Majestät Corvette ^> Helgoland« : 9 1 Stücke von den Localitäten Tanger, Mogador, Goree, Dakar, Sierra Leone, Monrovia, Cape Coast Castle, Lagos, Fernando- Po, dem unteren Congo und Loanda; b) durch Sr. Majestät Corvette »Frundsberg« : 27 Nummern von Berbera, der Co- moreninsel Johanna, von Mombas, von den Uanikas, Magosse, Norribe, von den Hovas und Sakalaven auf Madagaskar und von Mocambic]ue; 17. von der ehemaligen k. k. Forstakademie in Mariabrunn wurden einige ethno- graphische Gegenstände aus Ostasien übernommen; 18. von Herrn Professor A. R. Philippi in Santiago de Chile: im Tauschwege Gypsabgüsse altchinesischer und altjK'ruanischer Gegenstände. Angekauft endlich wurden: 1. aus dem Nachlasse des k. k. Admirals Friedrich F"reiherrn v. Pöck: 40 ethno- graphische Gegenstände, namentlich aus Südafrika, Asien und den Südseegebieten ; 2. 2 3 Stücke altamerikanische Steinw^erkzeuge; 3. eine Sammlung von 2 5 Stück Gypsabgüssen zumeist neuseeländischer Stein- und Holzgcräthe, welche auf Veranlassung des Herrn Dr. Otto Finch nach Rückkehr desselben von seiner vorletzten grossen P'orschungsrcise in die Südsee in Berlin angefer- tigt wurden. IV. Die Bibliotheken. Eine Frage von grosser Tragweite ist es, ob die reichen Bücherschätze, welche das k. k. naturhistorische Hofmuseum besitzt, zweckmässiger zu einer unter besonderer Leitung stehenden Bibliothek vereinigt, oder aber in Fachgruppen gesondert in den einzelnen Abtheilungen und Unterabtheilungen des Museums unter der Obsorge der betreffenden Beamten in den Arbeitsräumen aufgestellt werden sollen. Hochstetter, der, wie ich 35 Die Bibliotheken. aus älteren Schriftstücken entnehme, erst für die Concentrirung der Bibliothek gestimmt war, ist später, und zwar, wie mir scheint, mit vollem Rechte von dieser Anschauung abgegangen. Alle unsere Bücherschätze sind somit in jene Räume vertheilt untergebracht, in welchen sie unmittelbar zur Benützung gelangen. Nur bezüglich einer Reihe von periodischen, alle oder doch mehrere naturwissenschaftliche Fächer umfassenden Publi- cationen ist dabei eine Ausnahme gemacht; diese sind in einem der zoologischen Ab- theilung zugehörigen Saale des zweiten Stockes als allgemeine Bibliothek aufgestellt. a. Zoologische Abtheihing. Ueber die Bücherschätze der zoologischen Abtheilung sind wir, da die Rangirung derselben eben im Gange ist und auch in der Vertheilung der Werke an die einzelnen Unterabtheilungen eben manche Veränderungen vorgenommen werden, nicht in der Lage, gegenwärtig eine genauere Uebersicht zu geben. Indem ich mir vorbehalte, auf eine solche bei späterer Gelegenheit zurückzukommen, füge ich hier nur einige verein- zelte Notizen bei. Zugewachsen sind an zoologischen Druckschriften im Laufe des Jahres bbb Bücher durch Ankauf und 147 Werke in 166 Bänden als Geschenke. Für solche sind wir ins- besondere zu Dank verpflichtet den Herren Director Spencer Baird und Alexander Agassiz in Cambridge, Freiherrn v. Dräsche in Wien u. s. w., dann den meisten Beamten des Museums selbst. Die Bibliothek der Abtheilung der Tunicaten, Mollusken und Molluskoiden besteht aus 374 selbstständigen Werken in 876 Bänden, i83 Separatabdrücken und 6 Zeitschriften in 110 Bänden, die Literatur der Dipteren ist durch 82 selbstständige Schriften und Separatabdrücke in i3i Bänden und Heften, jene der Neuropteren durch 35 Werke in 43 Bänden vertreten. Die Abtheilung fürWürmer, Echinodermen, Coelenteraten u. s. w. zählt 858 Einzelwerke und Separata in 943 Bänden. b. Botanische Äbtheiliing. Durch die in den früheren .lahren bestandene räumliche und administrative Ver- einigung des k. k. botanischen Hofcabinetes mit den bctretfenden Sammlungen der k. k. Universität wurde es herbeigeführt, dass der Vermehrung der Bibliothek des ersteren geringere Mittel zugewendet wurden, als es sonst wohl der Fall gewesen wäre", leider ist demzufolge, nach nunmehr durchgeführter Trennung, unsere botanische Bibliothek sehr lückenhaft und ungenügend. Nach Kräften müssen wir bemüht sein, auch hier Ab- hilfe zu schaffen, und ich möchte diese Gelegenheit benützen, um so wie bezüglich natur- wissenschaftlicher Publicarionen überhaupt, ganz besonders solcher botanischen Inhaltes, an alle unsere P^reundc und Fachgenossen im In- und Auslande die Bitte zu richten, sie wollen uns durch gütige Widmung ihrer Publicationen oder von Doubletten aus ihren eigenen Bibliotheken in diesem Bestreben unterstützen. Nicht nur grössere Werke, sondern insbesondere auch Separatabdrücke, auch der kleinsten Arbeiten aus älterer und neuerer Zeit \\ erden uns zu dem lebhaftesten Danke verpflichten. Die Zahl der selbstständigen Werke und Separatabdrücke, welche die Bibliothek mit Schluss des .lahres besass, beträgt 3326 Nummern, davon wurden im Laufe des Jahres kx) diircli Kaul und 38() als Geschenke erworben. — Die Zahl der botanischen }icrio(.iisclien l'ublicalioncn, welche das Museum ix'gelmässig bezieht, betrage 25. Zoologische, botanische, mineralog.-petrograph. und geolog.-paläontolog. Ablhelliing. 37 Geschenke an Büchern erhielt die Bibliothek insbesondere von den Herren: Dr. G. Beck, H. Braun, Professor A. fescher v. Waldheim in Warschau, Hofrath V. Hauer, Professor A. Heimerl, A. Knapp, H. W. Reichardt und Dr. J. Ritter v. Szyszyiowicz. Als eine besonders werthvolle Bereicherung der Bibliothek darf es noch bezeichnet werden, dass derselben durch die Vermittlung der k. k. F'amilien-Fideicommiss-Bibliothek die Originalabbildungen zu Host's Icones Graminum, sowie Jene zu dem ersten Bande seiner Salices zukamen, c. Mineralogisch-petrographische Abiheilung. Die Trennung der mineralogischen von der geologischen Abtheilung brachte es mit sich, dass die für die älteren Zeiten sehr reichhaltige, in den letzteren Jahren aber in P'olge Mangels der erforderlichen Geldmittel nicht in gleichem Masse auf dem Laufen- den erhaltene Bibliothek des früheren k. k. Hof-Mineraliencabinetes in die zwei Abthei- lungen geschieden und neu geordnet werden musste. Der mineralogisch-petrographischen Abtheilung fielen dabei insbesondere auch die Werke über Berg- und Hüttenwesen zu. Für den Beginn des Jahres 1884 wurde die gemeinsame Bibliothek in runden Zahlen auf 1 2.800 Nummern in 9000 Bänden und 8000 Broschüren und Separatabdrücken, davon 4800 Nummern für die mineralogische und 8000 für die geologische Abtheilung, geschätzt. *) Nach einer neuerlichen Schätzung und theilweisen Zählung besitzt die minera- logisch -petrographische Abtheiking, mit Inbegriff des Zuwachses der beiden letzten Jahre, am Schlüsse des Jahres i885 i 25 Zeitschriften mit 2900 Bänden und 5()Oü Einzel- werke und Separatabdrücke in 63oo Bänden und Heften. Geschenke erhielt die Bibliothek im Laufe des Jahres von zahlreichen Instituten und Vereinen, von den Beamten des Museums, dann von den Herren: Director Ed. Doli, Baron Richard Dräsche -Wartinberg (die vollständige Reihe der Rivista minera vom I. bis XXX. Band), Baron Heinr. Foulion- Nor beck, Professor F. A. Genth in Philadelphia, Gerold & Cie., Dr. Vict. Goldschmidt, Dr. Häpke, Conrad v. John, Fei. Karrer, Professor v. Klipstein in Giesscn, General N. v. Kokscharow in St. Petersburg, H. Kunisch in Breslau, Professor Dr. Otto Luedecke in Halle, Jos. Neumüller, J. W. Powell in Washington, Professor AI. Schwarz, B. Stürtz in Bonn, Hofrath V. v. Zepharovich in Prag u. s. w. d. Geologisch-paläontologische Abtheilung. Die der geologisch-paläontologischen Abtheilung zugefallenen Bücher wurden in acht Gruppen gesondert, und zwar: 1. allgemeine Abtheilung, 2. Wirbelthiere, 3. niedere Thiere, 4. Pflanzen, 5. geologische Topographie, 6. officielle Landesaufnahmen, Hochstetter, »Das k. k. Hof-Mineraliencabinel^c (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstah 1884, S.263) 38 Die Bibliotheken. 7, Zeitschriften, 8. die auf Gebiete ausserhalb Europa und Asien bezüghchen Werke, also die Literatur von Amerika, Afrika, Australien und Neuseeland. Die Zeitschriften, sowie selbstverständlich auch die Publicationen der officiellen Landesaufnahmen wurden nach Ländern geordnet. In den übrigen Gruppen wurden zunächst gebundene Werke und Broschüren, dann weiter Octav, Quart und Folio unter- schieden und schliesslich in Jeder dieser Abtheilungen die vorhandenen Werke nach den Namen der Autoren alphabetisch geordnet. Diese etwas complicirte Anordnung wird man freilich nur für eine relativ kleine Fachbibliothek als zulässig betrachten können; sie ist aber insoferne dem Bedürfnisse beim Gebrauche gerade unter unseren Verhältnissen angepasst, als es sich ja hier in der Regel bei den Bestimmungen von Fossilien u, s. w. um die gleichzeitige Benützung mehrerer, ja vieler Werke handelt, die man nun auch räumlich nahe beisammen findet, was um so vortheilhafter erscheint, als ja die ganze Bibliothek nicht in einem Saale ver- einigt, sondern in Wandschränken und Bücherstellen in allen Arbeitszimmern vertheilt aufgestellt ist. Den Zuwachs der Bibliothek im Jahre i885 macht die folgende Tabelle ersichtlich. durcli Kauf als Geschenk Summe Einzelwerke .... 3 1 17 48 Separatabdrücke . . 3i 33 64 Lieferungswerke . . 17 (45 Lief.) 5 (5 Lief.) 22 (5o Lief.) Zeitschriften .... 27 23 5o Karten 70 Blätter 49 Blätter 1 1 9 Blätter Der Stand, den sie hierdurch erreichte, beträgt in runden Zahlen 160 Zeit- und Gesellschaftsschriften mit i5oo Bänden, 8000 Einzelwerke in 83oo Bänden und Heften und 400 Kartenwerke in 800 Blättern. Für Geschenke an Büchern und Karten sind wir zu bestem Danke verpflichtet den Herren Director E. Dupont in Brüssel, C. Freiherrn v. Ettingshausen in Graz, Prof. Dr. A. Fritsch in Prag, Gustos Th. Fuchs in Wien, Hofrath v. Hauer in Wien, Prof. R. Hörnes in Graz, Assistent E. Kittl in Wien, Prof. Gh. Mayer-Eymard in Zürich, Oberbergrath E. v. Mojsisovics in Wien, Prof. J. Niedzwiedzki in Lem- berg, Chefgeologe E. Tietze in Wien, Prof. F. Toula in Wien und Geologe M. Vacek in Wien. e. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. Auch die Bibliothek der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung, welche, der Trennung der Sammlungen entsprechend, in zwei Gruppen: die prähistorisch-anthro- pologische und die ethnographische getheilt ist, erhält in der Regel den grössten Zuwachs durch ihre schon früher erwähnte Verbindung mit der anthropologischen Gesell- schaft. Von dieser erhielten wir im Laufe des Jahres 71 Einzelwerke in 74 Bänden und Heften und in regelmässiger Folge die erschienenen Hefte und Blätter von 109 Zeit- und Gesellschaftsschriften. Als Geschenke direct an die Abtheilung liefen ein 16 Werke in 16 Bänden, und von anderen Abtheilungen des Museums wurden übernommen 29 Werke in 54 Bänden. B]in ausserordentlicher Zuwachs ergab sich aber durch den Ankauf eines Theiles der Bibliothek aus dem Nachlasse des verewigten F. v. Hochstetter. Es umfasst der- selbe 4i(j Werke in 567 Bänden und Heften, und weitere 93 Werke in ii3 Bänden wurden durch Ankauf im Buchhandel erworben. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 3q Im Ganzen betrügt somit der Zuwachs im Laufe des Jahres, abgesehen von den log Zeitschriften, 025 Werke in 824 Bänden und Heften, von welchen 274 mit 284 Bän- den der prähistorisch-anthropologischen und 35 i in 540 Bänden der ethnographischen Abtheilung zufallen. Der Gesammtbestand der ersteren Gruppe betrug mit Ende i885, immer mit Aus- schluss der Zeitschriften, 1 146 Werke in 2070 Bänden. Nebst Druckwerken ist Herr Gustos Heger eifrig bestrebt, auch Photographien und Abbildungen ethnographisch wichtiger Objecte für das Museum zu sammeln. Bis zum Schlüsse von 1884 waren von ersteren 1435 und von letzteren 292 Blätter vorhanden. Die wichtigste w^eitere Erwerbung im Laufe des Jahres bildet ein sehr schönes, 118 Folioblätter umfassendes Album von Photographien aus Härär von den Somali- und Gallaländern, ein Geschenk der Herren Dr. Kammel Ritter v. Hardegger und Professor Dr. Ph. Paulitschke, welches dieselben gelegentlich ihrer schon früher er- wähnten Forschungsreise zusammengebracht hatten. Eine sehr interessante Bereicherung der Photographien -Sammlung sind ferner Copien von 6 Personen- und Gruppenbildern verschiedener Prinzen aus Soerakarta (Java), welche Scenen aus dem »Wayang Orang« (Komödie, welche die Mvthen und Sagen Javas behandelt) mit Götter- und Helden-Figuren zur Darstellung bringen. Die Costüme, über 100 an der Zahl, wurden auf Befehl des jetzt regierenden Fürsten des Mangkunegoro'schen Hauses aus kostbaren mit Gold und echten Juwelen besetzten Stoifen angefertigt und sollen über 400.000 fl. gekostet haben. Die Negativplatten der Originalphotographien wurden nach Abzug einiger weniger Bilder vernichtet; Herr Jul. V. Magius, der sich im Besitze eines Exemplares dieser Bilder befindet, gestattete uns eine Copie derselben zu nehmen, welche Herr Dr. Hermann Bell trefflich aus- führte und uns freundlichst übergab. Weitere Geschenke an Photographien erhielten wir dann von den Herren: v. Ende: 4 Photographien Dayak'scher Costume, Dr. Roretz: 2 von Dayaks, Dr. A. Schaden- berg: 2 von Grabstätten auf der Insel Malipano; angekauft wurden 74 Blätter ver- schiedener Grösse aus den Südseegebieten, 3o Visitkarten-Photographien verschiedener Völkertypen freundlichst vermittelt durch Herrn Professor F. Müller und eine photo- graphische Copie des Oelgemäldes »Der Triumph« von Wereschagin. Der Zuwachs des Jahres beträgt somit 245 Blätter, und die Photographiensammlung ist auf 1672 Stück angewachsen. An anderen Abbildungen erhielten wir 24 Farbendrucktafeln zum Anschauungs- unterrichte an Javanischen Schulen, dazu eine ebensolche Tafel mit Wappen, Geschenk des Herrn J. v. Magius, 7 Blätter mit 20 Aquarell- und Tuschskizzen, gemalte Holz- schnitzereien aus der Tempelmoschee zu Kokand darstellend, angefertigt und geschenkt von H. W. Wereschagin, dann ein grosses ethnographisches Tableau in Lithographie. Die Sammlung derartiger Abbildungen hat sich damit auf 32 i Blätter erhöht. V. Die wissenschaftlichen Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. Wohl nur wer selbst durch eigene Arbeit an den Fortschritten der W^issenschaft fördernden Antheil nimmt oder genommen hat, kennt in vollem Umfange die Bedürf- nisse und die Anforderungen, welche an ein grosses naturhistorisches Museum gestellt werden müssen, wenn dasselbe seinen Platz unter den ersten analosen Instituten der 40 Die wissenschaftlichen Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. Grossstaaten behraiptcn soll. Eine rege literarische Thätigkcit der Muscalbearnten ver- dient daher schon darum in vollstem Masse Anerkennung und Forderung; sie ist aber auch von ganz dircctem, sozusagen materiellem Vortheil für das Museum selbst, da sie diesem sonst oft ganz verschlossene Wege zu Erwerbungen eröffnet und die vielen Ver- bindungen nutzbringend macht, welche der Fachschriftsteller allerorts im In- und Aus- lande anzuknüpfen pflegt. Nimmt nun auch die Zeit der Uebersiedlung und Neuaufstel- lung der Sammlungen unsere Arbeitskraft in ganz ungewöhnlicher Weise in Anspruch, so darf ich doch mit grosser Befriedigung auf eine lange Reihe von wissenschaftlichen Ar- beiten hinweisen, welche von den Musealbeamten im Laufe des Jahres ausgeführt wurden. Vor Allem sei es mir gestattet zu erwähnen, dass mir selbst die Auszeichnung zu Theil ward, in zweifacher Weise zur Mitarbeit an dem grossen Werke Sr. k. und k. Hoheit des Kronprinzen: »Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild« herangezogen zu werden. Nicht nur ward mir die Schilderung der geologischen Verhältnisse der Monarchie, die sich für den ersten Band des Werkes bereits im Drucke befindet, übertragen, sondern ich wurde auch zum Referenten für die naturwissenschaft- lichen Fächer und zusammen mit Herrn Hofrath v. Becker zu jenem für die landschaft- lichen Schilderungen bestellt. Für dasselbe Werk verfasste auch Herr Felix Karrer zusammen mit dern Assisten der k. k. geologischen Reichsanstalt Herrn Dr. A. Bittner die Schilderung des »Wiener Beckens«, und lieferten die Herren Steindachner, v. Pelzein, Rogenhofer, Kohl dem Verfasser des Abschnittes über die zoologischen Verhältnisse der Monarchie, Herrn Professor Dr. A. v. Mojsiso vics, zahlreiche Daten für diese Arbeit. Eine andere wichtige wissenschaftliche Unternehmung, an der ich theilzunehmen Gelegenheit hatte, ist die von dem Karstcomite des österreichischen Touristen- club ins Werk gesetzte Erforschung und Gangbarmachung der noch unbekannten Höhlen und Grotten unserer Karstländer und insbesondere die Verfolgung des unter- irdischen Laufes der Schlundflüsse. Dieses Comite, dessen Präsidium mir übertragen wurde, zählt noch einen zweiten Beamten, Herrn Gustos Szombathv, zu seinen Mit- gliedern; weiter gehören demselben an: Herr Franz Kraus, auf dessen Anregung das Comite ins Leben gerufen wurde, der Präsident und Vicepräsident des Touristenclub Herr A. Silberhuber und Herr E. Graf; die Reichsrathsabgeordneten Fürst Ernst Wind ischgr ätz, Professor E. Suess und A. Obresa, die Herren Ministerialräthe Chr. Lippert und J.Lorenz v.Liburnau und die Herren Fei. Hoffniann und Fr.Karrer. Ohne hier in weiteres Detail über die Ergebnisse der diesjährigen Arbeiten eingehen zu können, will ich nur kurz erwähnen, dass die Piuka Jama bei Adelsberg zugänglich und gangbar gemacht, und dass Vermessungen in dieser Höhle sowohl wie zwischen ihr und der Adelsberger Grotte vorgenornmen wurden, die zu sehr interessanten wissenschaft- lichen Ergebnissen führten. Auch für unser Museum wurde dabei Manches an Höhlen- thieren, Gesteinen u. s. w. gesammelt. Der Vollständigkeit wegen erlaube ich mir auch auf die Publicationen hinzuweisen, die ich, wenn auch noch in meiner früheren Eigenschaft als Director der k. k. geo- logischen Reichsanstalt, zu machen Gelegenheit hatte; es sind: der Jahresbericht für diese Anstalt für 1884 (Verhandl. i885, Nr. i), »Die Krausgrotte bei Gams« (Oesterr. Touristen- Zeitung i885, Nr. I und 2) und »Die Gypsbildung in der Krausgrotte« (Verhandl. d. k. k. gcol. Reichsanstalt i885, Nr. 2). Noch sei es mir gestattet zu erwähnen, dass ich zum Beginn der vorzunehmen- den Ausgrabungen die betreffenden Höhlen in Mähren sowohl, wie die P^undstelle in Gurina in Kärnten besichtigte; dass ich die Landesausstellung in Pest und jene in Klagenfurt besuchte und an ticr ausserordentlichen Versammlung unserer anthropo- Zoologische Abtheilung. 41 logischen Gesellschaft in letzterer Stadt Antheil nahm, endlich dass ich eine Reise nach Kirchhichl und Häring in Tirol behufs des Studiums des dortigen Vorkommens der alttertiären Cementmergel unternahm. Die Verbindungen, die ich dabei anzuküpfen in der Lage war, brachten unseren mineralogischen und paläontologischen Sammlungen reichen Gewinn, wie aus den früheren Mittheilungen über den Zuwachs derselben des Näheren erhellt. Durch das Zusammenwirken hauptsächlich von Beamten des Museums wurde die soeben erschienene »F'auna und ¥lori\ von Hernstein in Niederösterreich« als Theil des mit Unterstützung Sr. kais. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Leopold von Herrn Hofrath M. A. Becker herausgegebenen grossen Werkes »Hernstein« (kleine Ausgabe) verfasst. Herr Custos-Adjunct Dr. G. Beck redigirte diese Zusammenstellung; er selbst bearbeitete die Wirbelthiere, die Mollusken, zusammen mit L. Gangibauer die Coleopteren und zusammen mit Gustos Brauer die Orthopteren, sowie die ganze Flora. Weiter bearbeiteten die Herren Gustos Rogenhof er und Fr. Kohl die Hymenopteren, ersterer überdies die Lepidopteren und zusammen mit J, Mann die Mikrolepidopteren, Dr. E. Becher die Dipteren aus Kleinzell bei Hainfeld, Gustos F. Brauer die Neuropteren und Garl Koelbel die Arachnoiden. Eine weitere gemeinsame Arbeit der Beamten des Museums, die ihrer Vollendung entgegengeht, ist die naturwissenschaftliche Schilderung von Jan Mayen für die grosse, auf Kosten des Grafen H. Wilczek, der Marinesection des k. k. Reichskrie^s- min ister iu ms und der kais. Akademie der Wissenschaften herauszugebende Publication über die Arbeiten der österreichischen Beobachtungsstation daselbst; für die- selbe bearbeitet Herr Director Steindachner die Fische, Dr. Becher die Mollusken und Dipteren, C. Koelbel die Grustaceen, Pycnogoniden und Arachnoidecn, Herr Gustos v. Marenzeil er die Würmer, Ghcnophoren, Anthozoen und Poriferen, Herr Dr. v. Lo- renz die Polypomedusen und die Bryozoen, dann Dr. Ferdinand Fischer mit Beihilfe des Dr. Marenzcllcr die Echinodermen, — vollendete ferner Gustos Reichardt noch kurz vor seinem Tode die Flora und bearbeitet Herr Dr. Berwerth die Gesteine. Von weiteren vollendeten oder im Fortschreiten begriifenen Arbeiten sind zu erwähnen : a. Zoologische Abtheilung. A. V. Pelzeln, Studie über die Abstammung der Hunderacen (bestimmt für die von Dr. Spängl in Bremen redigirten zoologischen Jahrbücher). A. V. Pelzeln und Kohl, Ueber eine Sendung von Säugethieren und Vögeln aus Geylon. (Abhandl. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. i885.) Steindachner und Dr. Döderlein, Die Fische Japans, III. Theil. (Denkschr. d. kais. Akademie der Wissenschaften.) Ferner arbeitet Herr Director Steindachner an einem grossen Kataloge über die gesammten Fische und Reptilien des Wiener Museums nach dem neuesten Stande der Wissenschaft, ein Werk, dessen Vollendung bis zur Druckreife aber noch weitere drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen wird. L. Gangibauer, Goleoptera im Jahresbericht der zoologischen Station in Neapel für 1884, II. Abtheil., S. 227 bis 352. Auf Ersuchen der Station hat Herr Gangibauer seit 1881 das Referat für die Coleopteren übernommen und führt dasselbe seither regel- mässig fort. L. Gangibauer, Neue und weniger bekannte Longicornier der paläarktischen Faunengebiete. (Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Ges. i885, S. 5 i 5— 524.) 42 Die wissenschat'llichcn Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. L. Ganglbauer, Die Anthaxien der Cratomusgi-uppe in Deutschland. (Entoni. Zeitschr. i885, II. Heft.) L. Ganglbauer, Eine neue Anthaxia der Wiener Gegend. (Ebendas.) L. Ganglbauer, Eine neue Anthaxia aus Kurdistan. (Ebendas.) L. Ganglbauer, lieber Clytiis nigripes?A\ und die mit ihm verwandten Arten, (Ebendas.) Ausserdem bereitet Ganglbauer zwei grössere Arbeiten vor, eine Monographie der paläarktischen Proceriis, Procrustes, Carabus, Calosoma und Callisthene und Be- stimmungstabellen der paläarktischen Buprestiden, die im Laufe des Jahres erscheinen dürften. F. Kohl, Die Gattungen und Arten der Lariden. (Vcrhandl. d. zool.-bot. Ges. in Wien, Bd. XXXIV.) F. Kohl, Die Gattungen der Sphecinen und die paläarktischen Sphexarten (Termeszetrajzi Füzetek, Vol. IX, p. 2, Budapest.) F. Kohl, Zur Synonymie der Hymenoptera aciileata. (Entomol. Nachrichten, XI. Bd., i885, Berlin.)" Dr. Fr. Brauer, Systematisch-zoologische Studien. (Sitzungsber. d. k. Akad. der Wissenschaften, Bd. XCI.) Weiter hat Herr Gustos Brau er einengrossenZettelkatalog aller bekannten Dipteren, den Dr. R. Schiner angelegt und bis zum Jahre 1868 fortgeführt hatte, für die folgen- den zwölf Jahre bis 1 880 vollendet, eine höchst werthvolle Arbeit, da bisher keine Ge- sammtübersicht der Dipteren in der Literatur vorhanden ist. Auf Grundlage des Materiales in dem Museum verfasste Herr A. Schletterer seine Abhandlungen über die Hymenopterengattungen Gasterupia (Foeniis) und Evansia in den Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft. Noch ist endlich beizufügen, dass Herr Director Steindachner auf Wunsch des österreichischen Fischereivereines als Delegirter an dem deutschen Fischereitag in München theilnahm. Am Rückwege besuchte er den Tegernsee und Ammersee, wie auch den Gardasee, um die in dem Museum befindlichen Sammlungen der Salmoniden zu bereichern. Er constatirte dabei, dass die Carpione (Gardasee-Lachsforelle) in der That zweimal im Jahre irn See selbst in grossen Tiefen laicht, und dass sie von den übrigen Lachsforellen österreichischer Seen specifisch verschieden ist. b. Botanische Abtheilimg. Herr Dr. G. Beck veröffentlichte in den Schriften der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft die Abhandlungen »Zur Pilzflora Niederösterreichs«, III, — »Ueber die Ent- wicklungsgeschichte vom Ustilago Maydis\]\\2,.■> Mittheilungen« der anthropologischen Gesellschaft in Wien, die sich, eine .von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung in der Fachliteratur errungen haben. Vorträge in den Versammlungen und Notizen in den Mittheilungen der Gesellschaft gab er über prähistorische Funde bei Ruda Rozaniecka in Galizien, über Schädel aus Peru, über einen Bronzekelt aus Oberitalien, über einen Fund von Bronzeringgeld bei Ung.-Hradisch, über die Ausgrabungen bei Rosegg und über jene bei Gurina in Kärnten, über die La-Tene-Funde in den öster- reichischen Alpen und über die Technik prähistorischer Thongefässe. Ueber die Ausgrabungen in den Höhlen des oberen Kremsthaies berichtete er in einer Sitzung und in den Mittheilungen der Section für Höhlenkunde des österreichischen Touristenclub, und im österreichischen Ingenieur- und Architektenverein hielt er einen Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. ^5 Vortrag über die Massnahmen hei prähistorischen Funden, dessen wesentlicher Inhalt in der Zeitschrift dieses Vereines zum Abdruck kam. Beinahe an allen von der prähistorischen Commission der kais. Akademie der Wis- senschaften sowohl, wie von der anthropologischen Gesellschaft im Laufe des Jahres durchgeführten Ausgrabungen war derselbe betheiligt und unternahm zu diesem Zwecke zum Theil wiederholte Reisen und Ausflüge in das Höhlengebiet von Mähren, nach den Höhlen im Kremsthalc und den schon bei früherer Gelegenheit genannten prähisto- rischen Fundstellen in Niederösterreich, nach St. Michael bei Adelsberg, Gurina und Roscgg in Kärnten und recognoscirte im Spätherbstc noch die Gräberstätte von St. Lucia bei Tolmein. Einen sehr wesenthchen Antheil endlich nahm Herr Szombathy an den Arbeiten des Karstcomites des österreichischen Touristenclub. Inbesondere führte er für dieses die Vermessung und das Nivellement der merkwürdigen Piuka Jama-Höhle durch. Auf ethnographischem Gebiete endhch gab Herr Gustos Heger in den Schriften der anthropologischen Gesellschaft Mittheilungen »über die Steinzeit in Afrika« und »über die Tätowirung bei den Südsee-Insulanern«, und Herr Dr. Haberlandt in den- selben Schriften über die Frage: »Sind die Indogermanen in Europa eingewandert«, — »Ueber den dritten Acrama der Inder« und »Ueber Verbreitung und Sinn der Täto- wirung«; in Leipzig bei Liebeskind erschienen von ihm »Indische Legenden« XVI, 76 Seiten. Mit einer von dem hohen k. k. Obersthofmeisteramte erhaltenen Subvention unter- nahm Herr Gustos Heger eine scchswöchentliche Studienreise nach München, Paris, London, Brüssel und Antwerpen, zunächst zum Studium der Aufstellung der ethno- graphischen Sammlungen in den grossen Museen dieser Städte. Allerorts auf das Freund- lichste in seinen Bestrebungen gefördert, hat er dabei reiche Erfahrungen gesammelt und Verbindungen angeknüpft, die unserem Museum zu Gute kommen werden. Eine zweite Reise unternahm Herr Heger nach Budapest, hauptsächlich um die auf der dor- tigen Landesausstellung reich vertretenen ethnographischen Objecte aus dem Lande, die den noch erhaltenen, aber rasch verschwindenden volksthümlichen Typen angehören, kennen zu lernen und damit Vorstudien über die noch offene Frage einer Einbeziehung auch der europäischen Ethnographie in den Rahmen unserer Musealsammlungen zu machen. Schlusswort. Ein reiches Bild administrativer und wissenschaftlicher Thätigkeit entrollte sich unseren Augen, indem wir die letztjährige Geschichte des naturhistorischen Hofmuseums überblickten; mit pflichtgetreuem Eifer — es ist mir wohl gestattet es hier auszusprechen — ist jeder der bei demselben Bediensteten seinen Obliegenheiten nachgekommen und hat seine besten Kräfte eingesetzt, um den gesteigerten Anforderungen Genüge zu thun, welche in Folge der Uebersiedlung des Museums gestellt werden mussten. Dankbar durfte ich anerkennen die reiche Beihilfe, die uns von vielen Seiten her aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung von Gönnern und Freunden der Wissen- schaft im In- und Auslande zu Theil ward. — Die möglichste Förderung bei unseren Arbeiten und die wohlwollendste Unterstützung fanden wir jederzeit bei unserer vor- gesetzten Behörde, dem hohen k. k. Obersthofmeisteramte, und bei unserem obersten Ghef, dem ersten Obersthofmeister Prinzen Gons tantin zu Hohenlohe, welcher 46 Schlusswort. mit regstem Interesse für die Sache allen unseren Wünschen ein geneigtes Gehör ent- gegenbrachte. Mit dem Gefühle ehrfurchtsvollsten innigsten Dankes aber blicken wir empor zu Seiner k. und k. Apostolischen Majestät, unserem all ergnädigsten Kaiser und Herrn, welcher, den ruhmvollen Traditionen seines erhabenen Hauses folgend, der Pflege der Wissenschaft allerorts in dem weiten Reiche einen erhöhten Aufschwung verlieh und in dem Palaste, den wir soeben bezogen, der Naturkunde eine Heimstätte schuf, wie sie ihrer würdiger nicht gedacht werden kann. Druck von ADOLF HOLZHAUSEN in Wien, ifiiSiairfi!' iiiiiii «.,,„ --^' C - w P O d: u o H (/) IX D < Z w < Q Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich- Ungarn mit Bcrücksichtii^ung verwandter Vorkommnisse der Naclibarländer. Von Ernst Kiltl Mit einer lithogr. Tafel (Nr. II;. Uie Pteropoden des österreichisch-ungarischen Miocens wurden bisher nirgends ausführhcher behandelt. Kennt doch M. Hornes (i856) nur eine einzige Art aus dem Wiener Becken. Später hat Reuss einzehie Formen aus Wieliczka be- schrieben. Vereinzelte Angaben findet man in späteren Publicationen von Dr. A. Bittner, Makowskv und Rzehak, Prof. Ed. Suess.^) Unten werden wir die betreffenden ge- nauen Citate zu geben haben, welche sich auf die angeführten Arbeiten beziehen. Ent- sprechend der Seltenheit der fossilen Funde von Pteropoden in Oesterreich -Ungarn, muss man das uns vorliegende Material als ein ziemlich umfangreiches bezeichnen. Es schien uns angezeigt, so viel als möglich ausländisches Material theils zum Vergleiche mit unserem, theils, weil es uns neu erschien, mit zu berücksichtigen. Das inländische Material stammt nur geringen Theiles aus eigenen Aufsammlungen, dagegen bot sich erstlich ein werthvoller Stock in der Sammlung des k. k. mineralogischen Hof- c a b i n e t e s ( j e t z t i n d i e g e o I o g i s c h - p a 1 ä o n t o 1 o g i s c h e S a m m 1 u n g d e s ]<.. k. n a t u r- historischen Hofmuseums übergegangen) dar, sodann erhielt ich werth volles Material aus dem Ostrau-Karwiner Gebiete von Herrn Oberingenieur .T. Eric, Betriebsleiter der Kohlengruben iler Kaiser Eerdinand-Nordbahn in Polnisch-Ostrau, von dem erz- herzoglich Albrecht'schen Schichtmeister C. Fallaux in Karwin, sowie auch von dem Herrn Ingenieur K. Prausa der Alpinen Montangesellschaft in Orlau. Herrn Prof. Ant. Rzehak in Brunn verdanke ich mährische Fundstücke, Herrn Dr. A. Bittner in Wien die von Trifail. Ausländische Vorkommnisse fanden sich in der alten Samm- lung des k. k. Hofmuseums vereinzelt vor; italienische Vorkommen waren in den von Herrn Gustos Th. Fuchs seinerzeit zusammengebrachten Sammlungen gut vertreten. Eine schöne Serie aus den Pteropoden-Mergeln von Serravalle hat jüngst Herr Prof. G. Maver in Zürich an das kaiserliche Museum eingesendet, und endlich überliess mir Herr N. Andrussow in Odessa von ihm in der Krim jüngst entdeckte Pteropoden in freundlicher Weise zur Bearbeitung. Den Herren Prof. Dr. Fried r. Brauer und Dr. Em. Edlen von Maren zeller, sowie Herrn Dr. Ed. Becher verdanke ich die Benützung der Literatur, sowie des recenten Pteropoden-Materiales im k. k. zoologischen Hofcabincte. Der theil- nehmendsten Förderung meiner Arbeiten hatte ich mich von Seite des Herrn Gustos Th. Fuchs zu erfreuen. ') Das Antlitz der Erde, I. Theil, pag. 398. Aunalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Bd. I, Heft 2, 1886. 48 Ernst Kittl. Pteropoda Cuvier. Ihrer zarten, gebrechlichen Gehäuse wegen sind die Pteropoden fossil nur in selte- neren Fällen nachweisbar und ihrer geringen Grösse wegen werden die Gehäuse über- dies leicht übersehen, namentlich dann, wenn sie nicht in grösserer Menge vorkommen. Es sind bis jetzt fast nur mikroklastische Gesteine als solche bekannt, in welchen sich die Gehäuse der Pteropoden fossil erhalten haben. In feinen Sanden finden sie sich zu Saucats (und Leognan), Rebeschowitz, in feinen, zum Theile sandigen oder mergeligen Thonen treffen war sie an: in Baden bei Wien, im Gebiete von Mährisch-Ostrau, zu La- pugy und Kostej in Ungarn, bei Nusslau nächst Brunn, sehr häufig in Italien, so zu Serra- valle in Piemont, zu Orciano in Toscana, in den Mergeln des Monte Vaticano bei Rom etc.; mitunter in den Thonen verkiest (häufig in Mittelitalien), so auch in den Salzthonen von Ronaszek in Ungarn (Marmaroser Comitat) und bei Langenfelde. Bedeutsam ist auch das Vorkommen im Steinsalze oder Salzthone, so bei Wieliczka in Galizien (und Ronaszek). Seltener sind Pteropoden-Gehäuse so massenhaft angehäuft, dass sie gesteinsbildend werden, wie dieselben jüngst Herr N. Andrussow in Odessa am Ufer des Azow'schen Meeres aufgefunden hat.') Gar nirgends fand man sie bisher in ausgesprochenen Litoralbildungen, man wollte denn die Sande von Leognan und ähnliche dazu rechnen. Wenn auch das Vorkommen in Littoralablagerungen nicht als durchwegs ausgeschlossen zu betrachten sein wird, da einzelne Gehäuse immerhin durch Fluth oder Strömungen von ihrem eigentlichen Lebensgebiete, der hohen See, weggeführt und an den Strand geworfen werden konnten, so wird doch ihre Fossilisation durch das grobe Material der Litoralzone und die in derselben lange Zeit hindurch thä- tigen, bewegenden und zerstörenden Kräfte in besonders hohem Masse erschwert. So viel sei bezüglich der Art der fossilen Erhaltung der Pteropoden bemerkt. Was nun die Faunen betrifft, an deren Zusammensetzung sie Antheil nehmen, so sind es meist echt abyssale Faunen, häufig auch die Fauna der Pleurotomenthone (nach Fuchs-); selten sind jedenfalls sublitorale Faunen, wie bei Leognan und Saucats, vielleicht auch Rebeschowitz in Mähren. Die Faunen der Pleurotoraen-Thone führt in Baden, Lapugy und Ruditz^) Pteropoden, obwohl nur selten. Die Fauna des Tegels von Polnisch-Ostrau, Dombrau, Orlau, Peterswald und anderen Localitäten aus der Umgebung von Mährisch- Ostrau schliessen sich an die Fauna der echten Pleurotomen-Thone nahe an, wie wir an einem anderen Orte zu zeigen Gelegenheit haben werden. Entschieden abyssale Faunen scheinen uns dagegen jene zu sein, in welchen sich fast regelmässig die Pteropoden-Reste in grossen Mengen finden, ^) wie bei Serravalle di Scrivia,-'') am Monte Vaticano bei Orciano etc. (überhaupt sind die miocenen und pliocenen Pteropoden-Mergeln Italiens hieherzustellen), ferner der sogenannte »Schlier« von Nusslau in Mähren, sowie mehrere Localitäten bei Mährisch-Ostrau, sowie die Vorkommnisse am Azow'schen Meere. An einzelnen dieser Localitäten mit pelagischen Auslagerungen gewinnt es den Anschein, 1) N. A ndrussow, Ueher das Alter der unteren dunklen Schieferthnne auf iler Halbinsel Kcrtsch. Verhandlungen der k. k. geologischen Rcichsanstalt 1885, pag. 213 u. f. 2) Th. Fuchs, Welche Ablagerungen haben wir als Tierseeablagcrungcn zu betrachten r Neues Jahrb. f. Min. 1882, Beilage, Rand II, pag. 527. ^) Makowsky und Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Rriinn (N'crh. des naturf. Vereines in Brunn, XXII. Band, pag. 138.) ■)) Th. Fuchs, 1. c, pag. 508 und 525. ?) \'gl. auch Fischer, Manuel de Conchyliologie, pag. 187. Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. ^q als wenn ganze Pteropoden-Schwärme gleichzeitig den Tod gefunden hätten.') Vielleicht musste eine Strömung diese Schwärme fortrcissen und sich dann mit trüben, vom Ufer her kommenden Wässern mischen, um eine so massenhafte Vertilgung dieser Organis- men herbeizuführen. Die in dem Folgenden abgehandelten Pteropoden gehören jenen zwei Familien an, welche überhaupt fossil vertreten sind, nämlich den Hyalaeiden einerseits und den Spirialidcn (Limaciniden) andererseits. Zu den ersteren gehören alle geraden, in der Regel symmetrischen Gehäuseformen, zu den letzteren die linksgewundenen, spiral auf- gerollten Gehäuse. I. Hyalaeidae Mcnke. Die Gehäuse der hielicr gchöi-igen miocenen und pliocenen Gattungen: Ciivicria, Creseis, Vaginella, Balanthim, Diacria, Clcodora und Hyalaea (CavoUnia und Gamo- pleiira) haben einen symmetrischen Bau ; Abweichungen von dieser bilateralen Symmetrie kommen gleichwohl bei einzelnen Individuen in untergeordnetem Masse vor. Die Ge- Iiäuse sind gerade oder wenig gekrümmt; die Spitze, welche wir als Embryonaltheil be- zeichnen werden, ist nach hinten, seltener nach vorne aufgebogen. Dieser Embrvonal- theil ist entweder einfach konisch oder zugeschärft, oder aber mit einem Bläschen oder wenigstens einer Erweiterung endigend. Der Mundrand wird vorne und hinten oder nur hinten von je einer Lippe oder einem Lappen begrenzt; im letzteren Falle, wenn nämlich der vordere Lappen fehlt, ist der Vordertheil des Gehäuses schwach nach oben gekrümmt oder gerade abgeschnitten. Der hintere Lappen kann auch sehr weit aus- gezogen sein, ist dann aber in die Medianlinie zusammengedrängt. Selten ist der Mund- rand gerade abgeschnitten, einfach kreisrund oder queroval. Von den beiden Lappen des Mundrandes ist der hintere meist der höhere oder längere. Die Vorderseite des Ge- häuses, welches gewöhnlich von vorne nach hinten etwas zusammengedrückt ist, zeigt sich in der Regel stärker gewölbt als die hintere. In dem uns vorliegenden Materiale sind die folgenden Gattungen vertreten: Creseis, Vaginella, Balantium und Hyalaea. 1. Genus Creseis Rang. Gehäuse klein, langgestreckt konisch, von meist kreisförmigem Querschnitte, unten zugespitzt; die ganze Schale glatt oder fein quergestreift, ohne Seitenkanten, zuweilen mit I — 2 Längsfurchen. Mündung einfach weit, senkrecht oder schief zur Längsaxe, in der Regel mit hinterem Lappen versehen. Diese Gattung ist wohl mit Styliola idcnt. Lesueur's Begründung der Gattung Stjdiola-) war nicht mit Sicherheit zu eruiren. Rang's^) Aufstellung des Namens Creseis (1S28) ist jedenfalls ganz zutreffend und wird jetzt auch meist in dem von uns angenommenen Lhnfange acceptirt. Dagegen scheint uns der Unterschied, welchen •) Vgl. nuch E. Sil CSS, I.e. 2) Gcwrihnüch findet man »Annalcs Mus. sciences naturelles, tome XIII'< (oder XY) citirt, sowie die Jahreszahlen 1825? (1826?). — Nach Dcshaycs, Anim. sans verteb. vol. II, pag. 186, scheint über- haupt nur ein diesbezügliches Manuscript cxistirt zu haben. Dieser Autor schreibt: »Lesueur les avait c'galement observcs, et dans iin manuscrit communique ä Rlainville, il leur avait donne le nom de Styliola.'!: j) Annales Mus. sciences naturelles 1828, tome XIII, Rang, Notice sur quelques mollusques tenant au genre Cleodore etc. 5o Ernst Kittl. P. Fischer') wohl nach de Föhns zwischen Stj-Jiola und Creseis macht, hinfälHg zu sein. Styliola soll nämlich eine embryonale Erweiterung besitzen, die bei Crcseis fehle. Nach unseren Beobachtungen tritt diese Erweiterung schon bei derselben Art oder Form nicht ganz constant und in verschiedenem Grade auf und kann bei einer Art oder F'orni nur entweder als häuhg vorhanden oder als häufig fehlend angegeben werden. Aus diesen Gründen haben wir Rang's Namen vorziehen zu sollen geglaubt. Von älteren, ganz zweifelhaften Formen (in paläozoischen Ablagerungen) ab- gesehen, erscheint die Gattung Crcseis erst im Miocen. Während aus den italienischen Tertiärbildungen mehrere Formen bekannt sind, haben wir aus dem Miocen Oesterreich- Ungarns nur deren zwei anzuführen, wovon die eine überdies nur zweifelhaft ist. Creseis Fiichsi n. f. Taf. II, Fig. 1—3. Die Schale ist cylindrisch bis spitz konisch, in der oberen (der Mündung zu liegen- den) Hälfte etwas von vorne nach hinten zusammengedrückt; der Querschnitt ist in der unteren Hälfte der Schale nahezu oder ganz kreisförmig, in der oberen Hälfte quer ver- breitert. Die Mündung ist zur Axe schräg gestellt. Die vordere Seite des Mundrandes ist horizontal abgeschnitten, die hintere Seite zu einem Medianlappen ausgezogen. An der Schale sind aussen deutliche Anwachsstreifen bemerkbar, die von unten nach oben auf der Hinterseite allmälig mehr nach aufwärts gezogen sind, um bei der Mündung den schon erwähnten Lappen zu bilden. Innen ist die Schale glatt und glänzend, aussen dagegen matt. Das abgebildete Exemplar ist 9-5 Mm. lang und ro Mm. breit; von der Spitze aus in einer Entfernung von 4 Mm. macht sich die Zusammendrückung der Schale in der Weise bemerklich, dass das von vorne gesehene Gehäuse sich nach oben wenig konisch erweitert, die Seitenansicht aber diese konische Erweiterung von diesem Punkte an nicht mehr zeigt, sondern das Gehäuse von hier ab bis zur Mündung gleich breit verläuft. Auf diese Weise geht die Umwandlung des unteren kreisförmigen (Querschnittes in den oberen quer-ovalen vor sich. (Man vergleiche Figur i auf Tafel IL) Eine Contraction oder eine Erweiterung der Schale in der Nähe des Mundrandes ist nicht vorhanden. Die Spitze des abgebildeten Exemplares ist etwas seitlich gebogen, so dass die mediane Svmmetrie- ebene dadurch verschwindet. Es kann diese Eigenthümlichkeit jedoch nur als eine indi- viduelle betrachtet werden, da dieselbe oft bei einzelnen Individuen von sonst ganz symmetrisch ausgebildeten Pteropoden-Gehäusen auftritt. So findet man dies bei VcXi^i- nclla austriaca und Vaginella deprcssa, ferner bei manchen Balantien etc. Von den recenten F"ormen steht die in der zoologischen Abtheilung des k. k. natur- historischen Hofmuscums aufbewahrte und i\\s Styliola 7*ec/aLesueur bezeichnete Cre.vt'/.v aus dem atlantischen Ocean so nahe, dass Manche kaum angestanden hätten, beide als identisch aufzufassen; da jedoch die Bestimmung der recenten Form der nöthigen Authen- ticität entbehrt und deren Gehäuse noch etwas mehr langgestreckt sind als bei eler fos- silen, so habe ich es vorgezogen, für die fossilen, miocenen Schalen einen anderen Namen zu verwenden. Vorkommen: Zweite Mediterranstufe bei Forchtenau (3 Exemplare). 1) P. Fischer, Manuel de C(>nch}liologie 1881, png. 437. lieber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5 I Creseis (?) spiiia (Reuss). Clcf'dora {Crcseis) spina Reuss, Die fossile Fauna tici' Sicinsalzablai;cruni;cn \'on Wicliczi^a, Sitzungsber. der Wiener Ai (pag. 24 des Auszuges). -) Rang, Notice sur quelques moUusques tenant au genre Cleodore et monographie du sous- genre Creseis. Annales des sciences naturelles, tome XIII (1828). Man vergleiche auch Rang, Des- cription de cinq especes de coq. foss. Pteropodes in Annales des sciences naturelles, tome XVI (1829). 3) Michelotti, Description des fossiles des terrains miocenes de l'Italie septentrionale. Leyden 1847, pag. 147. 4) Ponzi, 1. c, tav. III, tig 7. ^) Bellardi, Molluschi terz. del Picmonte e della Liguria vol. I, 1872, pag. 35, tav. III, lig. 17. ö) Bellardi, 1. c, tav. III, tig. 18. 54 Ernst Kittl. und nimmt von der grössten Breite, welche etwa in der halben Länge liegt, gegen die Spitze zu langsam und regelmässig ab; es ist nie hauchig angeschwollen. Die Mündung, ist mit scharfen geraden Mundrändern versehen, die vorne und hinten stark ausgehogen sind; es senkt sich deshalb der Rand an den Seiten herab. Besonders charakteristisch für Vaginella teiiuistriata ist das Fehlen seitlicher Kanten, sowie das Auftreten einer äusserst feinen, nur unter der Lupe wahrnehmbaren Längsstrcifung. Durch dieses letztere, freilich nur auf der äussersten Schalenlage älterer Individuen erkennbare Merk- mal unterscheidet sich diese bisher nur aus dem sogenannten »Sternberger Gestein« Mecklenburgs bekannte Form von allen anderen ähnlichen Vaginellen, von welchen schon Semper die bereits oben erwähnte Vaginella Calandrellii Michti. hervorhebt.') Die Dimensionen des abgebildeten, aus der Wie ch mann 'sehen Sammlung in die des k. k. naturhistorischen Hofmuseums übergegangenen Exemplares sind: Länge 14 Mm., Breite 3-7 Mm., Dicke 3-o Mm. Vorkommen: Oligocenes Sternberger Gestein Mecklenburgs; es liegen uns i5 Exemplare vor. Nach Koch-) ist dieses einzige Vorkommen so charakteristisch und häufig, dass die Vaginella tenuistriata »recht eigentlich als eine Leitmuschel dieses (des Sternberger) Gesteins anzusehen ist«. VagineUa austriaca n. f. Taf. II, Fig. 8 — 12. 1851. Vaginella dcpressa (partim), M. Hörnes, Fossile Mollusken des Wiener Beckens I, Taf. 50, F"ig. 42 a, pag. 663. 1880. Vaginclla cf. dcpressa (partim), A. Rzehak, Die ältere Mediterranstute bei (jross -Seelowitz, \'erh. der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, Nr. 16. 1884. VagineUa cf. dcpressa (partim), A. Makowsky und A. Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Brunn, pag. 118. Die Schale ist zart, glatt, länglich-pfriemförmig, unten zugespitzt, in einen faden- förmigen, mit einer Erweiterung versehenen Embryonaltheil auslaufend, der nach vorne etwas aufgebogen ist. Die eigentliche Schale trägt zarte, nach oben gekrümmte An- wachsstreifen; die Mitte der Schale ist schwach bauchig aufgetrieben, die Vorderseite mehr gewölbt als die Hinterseite. Der QLierschnitt der Schale ist nur in dem, dem Embryonaltheile zunächst liegenden Theile, sowie in jenem selbst kreisförmig, weiter oben stets elliptisch; unterhalb der Mündung ist das Gehäuse in seitlicher Richtung fast gar nicht, von vorne nach hinten nur wenig contrahirt. Die Mündung selbst erscheint dagegen etwas zusammengedrückt; von oben gesehen ist sie länglich, schlitzförmig, an den Seiten abgerundet. Vorne und hinten wird der Mundrand von je einem breiten, ') In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums befinden sich auch die von F. v. Hochstetter auf der Nordinsel von Neu-Seeland in der Orakei-Bay gesammelten Vaginellen-Stein- kerne. Dieselben schliessen sich in Form und Grösse an Vaginella tenuistriata an. Es sind jedoch bei den meisten Exemplaren discontinuirliche Seitenkanten angedeutet; v. Hochstetter citirt diese Vaginellen-Steinkerne auch aus den Papakura-Bergen. An beiden Localitäten finden sie sich in ter- tiären Sandsteinen (Waitemata-Schichten). Man vergleiche: Reise der österreichischen Fregatte Novara, Geologischer Theil, I. Band, i. Abtheilung. F. v. Hochstetter: Geologie von Neu-Seeland, pag. 41 und 43. Ferner 2. Abtheilung: Paläontologie von Neu-Seeland: K. A. Zittel: Fossile Mol- lusken etc., pag. 23, Fig. i d auf Taf. IX. -) F. ¥]. Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklen- burg. — Archiv des Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Jahrg. 30, 1876, pag. 181. Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich- Ungarn. 55 meist geraden Lappen begrenzt, wovon der hintere in der Regel der höhere ist, selten sind sie in gleicher Höhe ausgebildet. Scharfe seitliche Kanten oder Leisten sind fast immer vorhanden, in der Mitte und im oberen Theile des Gehäuses verschwinden die- selben stellenweise oder ganz. In ihrer Fortsetzung findet man an den Seiten des Mund- randes an vollständig ausgebildeten Exemplaren kleine konische Erweiterungen oder Ausrandungen, welche niedriger als die erwähnten Medianlappen des Mundrandes sind und die von 'oben bemerkbaren seitlichen Abrundungen der Mundötfnung erzeugen. Auf diese Ausrandung pflegen sich die seitlichen Leisten nie zu erstrecken. Schon M. Hörnes') wies daraufhin, dass die österreichischen Exemplare derVagi- lu'Ila depressa schlanker geformt seien als die französischen; trotzdem nahm dieser Autor eine Abtrennung Jener von diesen nicht vor, wahrscheinlich lag damals noch nicht ge- nügendes Material vor. Auch v. Koenen-) gibt an, dass in dem ihm vorliegenden Ma- teriale aus dem norddeutschen Miocen mehrere Formen der »Vaginella depressa« zu unterscheiden seien; ob auch unsere Vaginella austriaca darunter sei, vermag man ohne Untersuchung der betreffenden Exemplare selbstverständlich nicht zu entscheiden. Die von Hörnes gegebene Abbildung eines Exemplares von Baden ist ziemlich richtig, nur ist die Schattirung nicht ganz entsprechend; diesem Exemplare fehlt auch der Embryonal- theil. Unter dem reichlich zu nennenden, uns vorliegenden Materiale fand sich nur das einzige, in Fig. 9 abgebildete, ganz vollständige Exemplar, bei welchem auch der so charakteristisch geformte, zarte Embryonaltheil erhalten ist. Fig. 10 ist dasselbe Exem- plar in doppelter Grösse, in Fig. 10 a dagegen ist der Embryonaltheil desselben in vier- facher Grösse dargestellt. Von der scharfen Spitze aus, die, wie schon oben bemerkt, etwas nach vorne gerichtet ist, erweitert sich der Embryonaltheil schwach konisch, ver- engt sich darauf wieder, um eine kurze, enge, cylindrische Röhre zu bilden, die sich erst weiter oben zu der eigentlichen Schale ganz allmälig zu erweitern beginnt. Da der Embryonaltheil nach vorne gebogen ist, so bildet dessen Axe mit derjenigen der eigent- lichen Schale einen stumpfen Winkel. Vaginella austriaca unterscheidet sich von der echten Vaginella depressa Daudin, mit welcher sie bisher verwechselt wurde, durch ihre schlankere Form, durch einen spitzeren Winkel der unteren Schalenhälfte, durch die Form des Embryonaltheiles, welcher bei Vaginella depressa in fast allen Fällen einfach konisch ist und direct in das eigentliche Gehäuse übergeht, endlich durch den viel weniger stark aufgetriebenen Mittel- theil des Gehäuses; auch ist die seitliche Contraction unterhalb der Mundöffhung eine geringere. Die schlanke, übrigens sehr seltene Varietät der Vaginella depressa (siehe F'ig. 20 und 21) steht in der allgemeinen Form unserer Vaginella austriaca noch am nächsten. Die unten zu beschreibende Vaginella Riehaki ist breiter und auch sonst in der Form von Vaginella austriaca verschieden. In den österreichisch-ungarischen Miocen- ablagerungen grösserer Tiefen ist die Vaginella austriaca gewiss sehr verbreitet und gelangt wahrscheinlich nur der grossen Gebrechlichkeit der zarten Schale wegen so selten in die Sammlungen. Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: Figur 8 und 12, von Baden; Länge 8-2 Mm., Breite 3-o Mm., Dicke 17 Mm. » 9 » 10, » Lapugy; » 5*2 » » 2*0 » » i-o » » II, » Baden; » 7-7 » » 2*8 » » i-6 » ') M. Hörnes, Fossile iMoUusken, pag. 664. 2) V. Koenen, Die Gasteropoda holostomata, Pteropoda und Ccphalnpoda des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 1882, Beilage-Band II, pag. 355 und 356. 56 Ernst Kitll. Als mittlere Dimension Nvürden diese Abmessungen ergehen: Liingc 7*7 Mm., Breite 2-6 Mm., Dicke 1-43 Mm. oder » 5 '4 » » i*8 » » i"oo » Vorkommen: In dem der zweiten Mediterranstufe angehörigen Pleurotomen- Tegel, und zwar von Baden (es liegen 11 Exemplare vor), Vöslau (i5 Exemplare), So OS (5 Exemplare), ferner aus den äquivalenten Bildungen Ungarns, und zwar von Forchtenau (i Exemplar), Kostej (i5 Exemplare), Lapugy (40 Exemplare, hier am besten erhalten), dann aus mährischen Localitäten, nämlich aus dem Tegel von Ruditz (4 Exemplare), D o m b r a u (7 Exemplare) und Po 1 n i s c h - O s t r a u, Josef-Schacht ( i i Exem- plare), endlich aus dem «Schlier» von Laa (i Exemplar) und Nusslau bei Seelowitz (16 Exemplare), Pratzer Berg bei Brunn (die von Herrn Professor A. Rzehak ein- gesendeten Exemplare von Vaginellcn-Steinkernen in einem Mergelknollen dürften am besten der Vaginella austriaca angeschlossen werden, wenngleich der Erhaltungszustand kaum eine sichere Bestimmung gestattet). Vaginella R{eha/d n. f. Tat". II, Fig. 13—10. 1880. Vaginclla ci. depressa (partim), A. Rzehak, Die ältere Mediterranstufe bei Gross -Seelowitz, Verli. der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, Nr. 16. 1884. \'agindla cf. depressa (partim), Makowsky und Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Brunn, Verh. des naturf. Vereines in Brunn, Band XXII, pag. 246. Die Schale ist in der oberen Hälfte (von der Mündung abgesehen) nahezu cylin- drisch, in der unteren Hälfte gleichmässig konisch unter einem Winkel von 3o bis 40" zugespitzt, die Spitze ist nur wenig ausgezogen. Der Querschnitt des Gehäuses ist ellip- tisch. Seitenkanten sind mehr oder minder deutlich ausgeprägt, aber stets vorhanden. Der Mundrand ist verbreitert. Die Mundöffnung ist länger und schmäler als der Qiier- schnitt. Ein uns von Herrn Prof. A. Rzehak mitgetheilter Abdruck von Seelowitz (siehe ■ Fig. 1 6) zeigt eine feine schüttere Längsstreifung angedeutet. Dieses Seelowitzer Exem- plar ist von besonderer Grösse, nähert sich in den Umrissen schon der Vaginclla au- striaca, während die besondere Grösse und die Längsstreifung an Vaginella tenuistriata erinnern. Möglicher Weise wird durch ein besseres Material eine genauere Bestimmung dieses Seelowitzer Exemplares ermöglicht werden. Die im Allgemeinen grosse Vaginella Riehaki ist breiter als V. austriaca und viel weniger bauchig als V. depressa, unterscheidet sich tüso hinlänglich von den beiden letztgenannten. Sie scheint für die älteren Mediterranbildungen Mährens und Schlesiens bezeichnend zu sein. Wahrscheinlich gehört ein Theil der von verschiedenen Autoren als Vaginella depressa aus oberitalienischen Tertiärablagerungen citirten Vaginellen hie- her; vielleicht auch sogar Vaginella Calandrellii und V. testudinaria Bellardi's.') Dass dessen Beschreibung nicht dafür spräche, wurde bereits oben erwähnt. Mir liegen jedoch einige, allerdings mangelhafte, Exeinplare vor, die ich an Vaginclla R:[ehaki -dnznschWQ^- sen keinen Anstand nehme. Wir hätten noch die von Speyer-) aus dem Casseler Oligocen beschriebene Vaginella depressa Spever (nee Daudin) als einer näher ver- wandten Form zu erwähnen. 1) Bellardi, 1. c. -) O.Speyer, Die Conchylien der Casseler Terliärbildungen, Cassel 1870, Fig. 11 und 12 Taf. 35, pag. 282. Lieber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5- Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: Figur i3 von Polnisch-Ostrau; Länge 9-0 Mm., Breite 3-6 Mm., Dicke ? Mm. » 14 » Poremba; » yo » » 2*2 » » ? » » i5 » Dombrau; » ? » » 3"o » » 2*0 » » 16 » Seelowitzj » 11 "5 » » 4*0 » » ? » Das Verhältniss der Dicke zur Breite wurde noch an anderen, nicht abgebildeten Exemplaren gemessen; es ergab sich darnach die mittlere Dimension mit einer: Länge 9-2 Mm., Breite 3-3 Mm., Dicke 2-3 Mm. oder bei einer Dicke = r. » 3-() » » 1-4 » » i-o » Vorkommen: Im Schherthon von Seelowitz (i Exemplar), im Tegel von Pol- nisch-Ostrau (Josef-Schacht), von wo 7 Exemplare vorliegen ; im Tegel von P o r e m b a, Bohrloch II der Alpinen Montangesellschaft (i Exemplar); von ebendort, Bohrloch III (4 Exemplare); im Eleonoren-Schacht zu Dombrau (5 Exemplare in Fragmenten); von oberitalienischen Miocen-Localitäten liegen vor, und zwar von Turin: i Exemplar, von Serravalle di Scrivia: 6 Exemplare. Das mir von Herrn Prof. A. Rzehak mitgetheilte Exemplar von Seelowitz be- findet sich in der geologischen Sammlung der k. k. technischen Hochschule in Brunn. Die Exemplare von Polnisch-Ostrau verdanke ich Herrn J. Eric in Polnisch- Ostrau, welcher dieselben bei der Abteufung des Josef-Schachtes mit grosser Sorgfalt gesammelt hatte, die von Poremba übergab mir Herr C. Prausa in Orlau. VagincUa dcprcssa Daudin. Taf. II, Fig. 17-22, 34. 1800. Vagbictla dcprcsxa Daiulin, BuUclin soc. philomalique, 110.43, pag. i. 1823. Cleodova strangiilata Deshayes, Dict. class. vol. IV, pag. 204. 1825. VagineUa dcprcssa ßasterot, Mcm. Bordeaux, pag. 19, tab. IV, lig. 16. 1828. Crescis vagbiclla Rang, Annales des sciences naturelles vol. 13, pag. 309, tab. 18, fig. 2. 1829. » » » » » » » >, l(,^ » ^Qy^ » I,J^ y, ^_ 1840. Cleodova stvangulata Grateloup, Atl. conch. foss. Adour, tav. 1, fig. 3 und 4. 1842. Vaginula Daudinii Sowerby, The genera of recent and fossil shells (Pteropoda). 1842 und 1847. Clcodora stvangulata E. Sismonda, Synops. method. anim. invert. Pedem. foss., pag. 57. 1847. Cleodova stvangulata Michclolti, Description des fossiles des lerrains miocenes de Tltalie septentrionale, pag. 146. 1851. Vaginella depvessa (partim) M. Hornes, Fossile Mollusken des Tertiärbeckens von Wien, I. Band, pag. 664. 1852. Wiginclla depvessa A. d'Orbigny, Prodrome de paleont. strat. univers. des anim. moU. et ray., vol. III, pag. 96. 1861. Vaginclla depvessa Semper im Archiv, Mecklenburg, Band XV, pag. 274. 1872. Vaginella depvessa Bellardi, Molluschi terz. del Piemonte e della Liguria vol. I, pag. 34 (partim). 1873. Vaginella depvessa R. Tournouer, Terr. mioc. de Sos et Gabaret; Actes soc. Lin. Bordeaux, tome XXIX, pag. 266. 1S7G. Vaginella depvessa F. F. Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des Sternberger Gesteins. Mecklenburger Archiv, XXX. Band, pag. 180 (partim). 1879. Vaginclla depvessa G. Seguenza, Le formazioni terziarie della Prov. di Reggio (Calabria), pag. 60. 1880. Vaginella depvessa N. Tiberi, Cefalopodi, Pteropodi, Eteropodi viventi nel Mediterraneo e fossili nel terr. terz. italiano; Bulletino Soc. Malacologica Italiana vol. VI, pag. 37. 1882. Vaginella depvessa v. Koenen, Die Gastevopoda etc. des norddeutschen Miocen; im Neuen Jahr- buch für Mineralogie etc., Beilage-Band II pro 1882, pag. 356. Viele zweifelhafte Synonyme und minder wichtige Citate, namentlich in Lehr- und Handbüchern, sind in dem vorstehenden Literaturverzeichnisse nicht ani^eführt. 58 Ernst Kittl. Davon manchen Autoren andere Vaginellen mit der Vaginella depressa verwech- selt, zum Theile auch absichtlich mit derselben vereinigt wurden, so sehen wir uns ver- anlasst, die Charakterisirung der echten Vaginclla depressa in dem Folgenden genauer zu fassen. Die Schale ist glatt, in der Mitte stark bauchig aufgetrieben, unten mehr oder weniger scharf zugespitzt. Der Querschnitt ist in der Mitte kreisförmig bis elliptisch, oben, bei der Mündung zusammengedrückt; unterhalb der Mündung ist die Schale meist schwach eingeschnürt. Die längliche, schlitzförmige Mündung ist von zwei geraden ( d. h. in axialer Richtung stehenden) breiten, ausgerundeten Lappen begrenzt, auf welchen nur in seltenen Fällen am Rande eine bis drei, meist unregelmässige, wellenförmige Falten bemerkbar werden. Von der Spitze laufen bei einigen Exemplaren schärfere Kanten an dQ.n Seiten bis zu den abgerundeten und etwas ausgerandeten Mündungs- winkeln. Diese Kanten sind bei anderen Exemplaren auf dem bauchigen Mitteltheile der Schale oft nur angedeutet oder verschwinden hier ganz, um mitunter in der Nähe der Mündungswinkeln wiedei^ zu erscheinen. Es ist klar, dass die Form des Gehäuses in den verschiedenen Alterstadien sehr verschieden aussehen wird. Die Form der Mün- dung namentlich ist gerade bei der Vaginella depressa im Verlaufe der Ausbildung jenen bedeutenden Veränderungen unterworfen, welche sich durch die verschiedenen Anwachszonen hindurch zu erkennen geben. Im Embryonalstadium kreisförmig mit geraden Rändern, später elliptisch mit stark ausgebildeten Lappen oder Lippen (die Schale erinnert in diesem Stadium an Balantiiiin), dann immer mehr in die Breite ge- zogen mit endlichem Üebergang in die Form eines geraden, mitunter unregelmässig gewundenen Schlitzes, dessen Enden abgerundet erscheinen. So sind wir bei dem oben bereits charakterisirten Mundrande ausgewachsener Exemplare angelangt. Bezüglich desselben wäre nur noch zu bemerken, dass die unter- halb des Mundrandes auftretende Contraction die Ränder etwas ausgebogen erscheinen lässt, namentlich an den Seiten. Von der Seite jedoch gesehen, stehen sie gerade in axialer Richtung. Selten findet man die Mundränder von allen Seiten aus gesehen ganz gerade, was darauf hindeutet, dass das betreffende Individuum den Höhepunkt seiner Entwicklung noch nicht erreicht hat. Die Anwachsstreifen sind schon unter dem bauchigen Schalentheile stark nach auf- wärts gebogen, hier sogar meist stärker, als weiter oben, wo diese Ausbiegung in der Regel verhältnissmässig schwächer ist. Auf einer Schmalseite des Gehäuses sieht man daher die Anwachsstreifen an der Seitenkante unter einem nach oben geöffneten Winkel zu- sammenlaufen, der in der Mitte etwa qo Grad beträgt, oben und unten jedoch grösser ist. Die Seitenkanten ergeben sich als durch die Zuschärfung oder Ausrandung der suc- cessiven Mundränder i^ebildet. Die Spitze der Schale ist einfach ausgezogen und zugeschärft und hat in der Regel keine embryonale Erweiterung, wenigstens haben wir bei den zahlreichen uns vorliegen- den Exemplaren nirgends eine bemerken können. Die weitaus meisten der uns vor- liegenden Gehäuse sind kurz und bauchig aufgetrieben, nur einzelne Exemplare sind schlank, es fehlt diesen letzteren aber nicht die bauchige Auftreibung, nur liegt sie etwas weiter unten. Die schlanken Exemplare haben gleichsam nur den über der bauchigen Erweiterung liegenden eingeschnürten Schalentheil cvlindrisch verlängert. Ob man es daher mit älteren Individuen oder mit einer besonderen Varietät zu thun habe, mag noch dahingestellt bleiben. Fig. 17 und 18 zeigen die Form der normal ausgebildeten Ge- häuse, Fig. IC) ist ein stark bauchiges Exemplar in zweifacher Grösse. Ein schlankes Exemplar ist in P"ig. 20 und 21 abgebildet. Wenn auch schon mehrfache Abbildungen Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5q dieser VagincUa existiren, so zeigen sie alle einige Mängel und erlauben kaum die feine- ren Eigenthümlichkeiten der Schale, sei es in Form oder in Sculptur, zu erkennen; wir haben uns deshalb entschlossen, die echte Vaginella depressa von Leognan in mehreren Varietäten abzubilden, um einerseits eine genaue Abgrenzung gegen andere Vaginellen hiedurch zu unterstützen und andererseits einen Vergleich derselben mit dem ebenfalls abgebildeten Exemplare von Forchtenau zu ermöglichen. Spever') hat aus dem Oligocen von Nieder-Kaufungen bei Cassel zwei Steinkerne als Vagjnella depressa abgebildet und beschrieben, was ich hier erwähne, ohne diese Bestimmung als ganz sicher zu betrachten; übrigens sagt auch Sempera) über diese Exemplare, dass sie »mehr konisch seien, vom Tvpus abweichen, die seitlichen Leisten aber besitzen«. Auch Spever selbst spiücht von einer mehr konischen und einer bauchi- gen Varietät der Vaginella depressa. Es wäre wohl wahrscheinlich, dass die »konischen« Exemplare einer bisher genauer nicht gekannten Vaginella angehören, welche unserer Vaginella Riehaki nahe stehen würde. Was von den aus oberitalienischen Tertiär- Localitäten als Vaginella depressa angeführten Exemplaren zu dieser Form in unserer engeren Fassung zu rechnen sei, lässt sich natürlich ohne Vergleichung der betreffenden Originalexemplare wohl kaum genau angeben, es liegt uns aber auch die echte Vaginella depressa von Turin (vermuthlich aus den Serpentinsanden) vor. Die Vaginellen aus dem Schlier dürften zum Theile zu Vaginella R:^ehaki zu stellen sein. Die Dimensionen der abgebildeten Originalexemplare sind: von Figur 17 (Leognan) Länge yb Mm., Breite 3-2 Mm., Dicke 2-8 Mm. » » 18 » » A'G » » 2 "4 » » 2 '2 » » » I f) » » S'ß » » 3'2 » » 2'Q » » » 20&2I » » 6"5 » » 2'0 » » 2'0 » » » 22 (Forchtenau) ■- 4-0 » » i'6 » » i-5 » Wir erhielten demnach daraus die mittleren Dimensionen mit: Länge 5-8 Mm., Breite 2*5 Mm., Dicke 2-3 Mm. oder bei einer Dicke =1: >■> 2'5 » » i'i » » i "o » Vorkommen: Häufig im unteren Miocen (erste Mediterranstufe, Langhien und Aquitanien in Frankreich und Italien), so bei Saucats (Leognan) und Dax nächst Bor- deaux, bei Reggio in Calabrien,-^) bei Turin. Seltener im obern Miocen (zweite Medi- terranstufe, Helvetien und Tortonien), so in Ungarn, in Belgien bei Edeghem im »Diestien«.!) Ferner selten im Miocen Norddeutschlands; v. Koenen-'') citirt von dort die Localitäten: »Holsteiner Gestein bei Stolpe (Reimers), Kiel, Ellerbeck, Rein- beck (Koch)«. In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu Wien liegen uns Exemplare vor von: Merignac (10 Exemplare), Saucats bei Leognan (circa i5o Exemplare), Turin (2 Exemplare), Kiel (2 Exemplare); endlich aus Ungarn: von Forchtenau (2 Exemplare) und von Oedenburg (4 Exemplare). ') O. Speyer, Die Conchylien der Casselcr Tcrtiärbildun^cn, I. Cassel, 1870, pag. 282, Fig. 11 und 12 auf Taf. 35. 2) Sem per, 1. c, pag. 276. 3) Seguenza, 1. c. 4) Nach einer von Nyst gegebenen Liste in G. Dewalque, Prodrome d'une description geol. de la Belgique 1868, pag. 426. — M. Mourlon nennt die betreffenden Ablagerungen »mio-pliocene«. (Geologie de la Belgique 1880.) ^) V. Koenen, 1. c. 6o Ernst Kiltl. Vaginella lanceolata v. Kocnen. Taf. II, Fig. 34. 1846. Bcicmuitcs lauccnlatiis F.. Roll, Gcognosie der Ostseeländer, pag. T76, Taf. II, Fig. 16. 1840. Crcsci^ Daiidinn:, Vagiiuila Dmidinii Sow? H. Karsten, Verzeichniss der im Rostocker aka- demischen Museum befindlichen Versteinerungen aus dem Sternberger Gestein, pag. 10. 1861. Vaginclla depressa J. O. Seniper (partim), Katalog einer Sammlung Petrefacten des Sternberger Gesteins; im Mecklenburger Archiv, Band XV, pag. 274. 1876. Vaf;iuclla depressa F.E.Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklenburg. — Mecklenburger Archiv, XXX. Band, pag. 180. 1882. Vaginella lanceolata v. Koenen, Die Gastcropoda. Cephalopoda und Pteropoda des nord- deutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc., Beilage-Band II pro 1882, pag. 356. Nach V. Koenen's Vorgange, welchem wir uns anschhessen, ist die Vaginella depressa aut. des Sternherger Gesteins nicht mit der echten V. depressa zusammen- zustellen. Die erste charakteristische Beschreibung lieferte ßoll; er hebt eine tiefe Mar- ginalfaltc hervor; aus der Abbildung scheint aber hervorzugehen, dass die andere, sym- metrisch dazu auf der andern Seite gelegene von ihm nur übersehen wurde. Karsten's Beschreibung dagegen ist vollkommen zutreffend; er schreibt: »Unsere Exemplare sind i'/o"' — 2'" lang, bauchig, mit kurzer, rasch abnehmender Spitze, die Oeffnung platt- gedrückt, mit zwei tiefen Falten, so dass sie dreilappig erscheint.« Koch verwechselt diese Form wieder mit der echten Vaginella depressa, wie dies vor ihm schon Sem per that, aber er führt an, dass ihm ein Stück vorgelegen habe, »welches ein deutliches Tröpf- chen ander Spitze zeigt.« Es weist diese Beobachtung auf eine Erweiterung des Embryonal- theilcs hin. Endlich hebt v. Koenen hervor: »Bei den Stücken aus dem Sternberger Gestein sind diese Einsenkungen (nämlich die submarginalen vom Mundrande abwärts laufenden) tiefer, rnehr furchenartig, länger nach unten fortgesetzt, weiter von der Seite entfernt und dieser ziernlich parallel. Diese Vorkommnisse, welche von Boll als Vagi- nella lanceolata ') beschrieben wurden, sind hiernach nicht mit V. depressa zu vereinigen.« In der Hauptform stimmt die Vaginella lanceolata mit schlanken Exemplaren der V. depressa überein. Der Unterschied von diesen liegt in den auf der Vorderseite-) ge- legenen, den Seiten parallelen, vom Mundrande abwärts laufenden, eingestülpten Falten, sowie in der dadurch bedingten drcilappigen Form der Mundöffnung. Eine Verbreite- rung des Mundrandes gegenüber dem unmittelbar darunter liegenden Schalentheile konnten wir an den uns vorliegenden Exemplaren nicht wahrnehmen. Die angeführten submarginalen Falten verschwinden vor der Ausbauchung in ein Drittel bis ein Viertel der Schalenlänge. Das Embryonalende würde nach der schon angeführten Beobachtung Koch 's eine Erweiterung zeigen. Das abgebildete Exemplar hat folgende Dimensionen: Länge 5-3 Mm., Breite 2-1 Mm., Dicke rq Mm. für eine Dicke = i sind: » 2*8 » » ri >■- > i "o » Vorkommen: Bisher mit Sicherheit nur aus dem oligocencn Sternberger Ge- stein Mecklenburgs bekannt; es liegen uns acht Exemplare vor. •) Boll hat, wie oben gezeigt, diese ["orm als ^^Bclcmnites lanccnlatus« angeführt, weshalb wir Koenen ilie Autorschaft zuschreiben. 2) V. Koenen (1. c.) nennt sie die »Dorsals'eite«. lieber die miocenen Pteropoden von Ocsterreich-Ungarn. 6i Ucbersicht der beschriebenen Formen von Vaginella und ihrer Dimensionen. Vaginella Lapiif^yensi.'^ « teniiistriata « austriaca . « R~ehaki . . « depressa . « laiicenlata Mittlere Dimensionen Dimensionen be Dicke = einer I Länge Breite Diclve Länge Breite Dicke Mm. Mm. Mm. Mm. Mm. Mm. 7-5 2-0 '•4 5-4 '■4 I -o 9" 5 2'2 I-Q 5'o I -I ro 77 2-6 '■4 5-4 1-8 i-o 0-2 3'3 2-3 3'9 '•4 I -o 5-8 2-5 2-3 2-5 1 -i ro 5-3 2-1 1-9 2-8 I • I lO 3. Genus Balanlium Adams.') Schale scheidenformig, mit scharfkantigen Seitenrändern,^) unten zugespitzt, ge- rade oder mit nach hinten aufgebogener Spitze, in der Regel mit einer embryonalen Erweiterung versehen. Vorder- und Hinterfläche gewölbt,^) quer gestreift, der obere Theil beider oder der Hinterfläche allein mit Längsrippen oder Längsrinnen versehen. Querschnitt länglich, beiderseits zugespitzt; die Mündung von derselben Form wie der Querschnitt, einfach weit, beiderseits abgestutzt. Der grösste Theil der hieher gehörigen recenten Formen ist nur wenig länger als breit, unter den tertiären Balanticn findet man dagegen häufig schmälere Formen neben breiten, den recenten ähnlichen. Man kann sämmtlichc Formen zuni Zwecke einer besseren Uebersicht in mehrere Gruppen thcilen und wollen wir die folgenden anführen: I. Mittclbreite und breite Formen, beiderseits mit Längsrinnen oder Leisten. Beispiele: Balantiiim deflexum v. Koenen,i) Balantium n. f.-'') 1) Adams, Genera of mollusca 1858, citiren »Leach« als Autor, Chenu im »Manuel de Con- chyüologic« dagegen: »Leach? 1833?« Woodward im »Manual of the mollusca«: »Leach M. S.«; aus diesem letzteren Citat scheint hervorzugehen, dass Leach eine Diagnose der Gattung Balantium niclit puhlicirt hat. 2) Sollte dies Merkmal an einer oder der anderen recenten Form von Balantium fehlen, so hätte es als Gattungsmerkmal zu entfallen. 3) Ausser den von uns als typisch betrachteten recenten Formen wie: Balantium rccurvum Child., B. balantium Ferussac wird in der Regel auch die Cleodora australis Rang et Soul, zu Ba- lantium gestellt. Bei dieser Form ist aber nicht nur die obere Hälfte der Vorderseite concav, sondern scheinen auch die Scilcnränder nicht scharfkantig, sondern abgerundet zu sein. Diese beiden Eigen- thümlichkeiten fehlen aber den anderen Balanticn ganz, weshalb wir die genannte P'orm nicht zu der Gattung Balantium, dagegen eher noch in die Nähe der Gattung Vagincila gestellt sehen möchten. ■1) A. V. Koenen, Die Gasteropoden des norddeutschen Miocens (1. c), pag. 253, Taf. \"11, Fig. a, b. ?) Es ist dies eine fossile Form, welche in sehr schöner Erhaltung ein mir in der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuscums vorliegendes Gesteinsstück ganz erfüllt. Als Fundortsangabe ist die Bezeichnung: »Nordamerika« freilich nur ungenügend. Das Stück stammt aus der Sammlung, welche im .lahrc 1852 von Sr. Excellenz Herrn .loscf Ritter von Hauer dem Hof-Mineraliencabinete überlassen wurde. 52 Ernst Kittl. 2. Typische, breite Formen, welche höchstens auf einer Seite eine Längs- sculptur tragen, wie". Balantiinn reciirrum Children, B. Fallauxi. 3. SchlankereFormen, beiderseits ohne Längsverzierung, wie". Balantium pede- montaijum Maver, B. acutissimuin Seguenza, B. Bittneri. Von der ersten Gruppe ^väre nur noch zu bemerken,') dass sie sich durch die reichere Längssculptur an die Gattung Cleodora anlehnt; man könnte sogar vermuthen, dass einige der vorläufig noch mit dieser Gruppe zu der Gattung Balantium gestellten Formen sich als unvollständige oder unausgebildete Exemplare von bisher vollständig nicht gekannten Formen von Cleodora, vielleicht auch von Diacria herausstellen werden. Aus den Miocenablagerungen Oesterreich-Ungarns beschreiben wir drei Formen, und zwar: 1. Balantium Fallauxi n. f. 2. Balantium Bittneri n. f. 3. Balantium pedemontanum (C. Mayer). Balantiinn Fallauxi n. f. Tiif. II, Fig. 23 — 36. Die flache Schale ist von vorne und hinten gesehen rundlich dreiseitig, in der Seitenansicht schmal-dutenförmig, mit nach hinten gebogener Spitze. Der Querschnitt des Gehäuses ist länglich, beiderseits zugespitzt und in scharfe Schneiden ausgezogen. Der Mundrand ist einfach, eher erweitert als verengt, die beiden denselben bildenden Schalenlippen bilden nach oben convexe Bögen, die vordere ist bei erwachsenen Exem- plaren etwas ausgebogen. Sehr zarte Querstreifen und gröbere Querrunzeln, welche beide den Anwachszonen entsprechen, bedecken fast die gönze Schale. Auf den ein- zelnen, von der Spitze wellenförmig auslaufenden Runzeln stehen zwei bis vier Streifen. Auf dem untersten Dritttheil des Gehäuses verlieren sich die Runzeln fast ganz. Von dieser Ornamentik sind nur schmale, die Schneiden der Seitenränder umsäumende Bänder frei. Die eben genannten Schneiden der Seitenränder erscheinen nach vorne etwas um- gebogen. Die Innenseite der Schale ist glatt. Das Ende der umgebogenen Spitze ist bei den vorliegenden Exemplaren nicht erhalten; es dürfte aber, analog den verwandten recenten Formen, von welchen wir Balantium recurvum Child. (= B. Chaptali Eyd. et Soul.) und B. balantium Rang anzuführen haben, eine embryonale Erweiterung vor- handen gewesen sein. Von den angeführten recenten Formen unterscheidet sich das Balantium recurvum von dem B. Fallauxi hauptsächlich durch die drei auf der Hinterseite der Schale auf- tretenden Längsfalten, welche bei der letztgenannten Form ganz zu fehlen scheinen. Es scheint daher das recente B. balantium unserer fossilen Form noch näher zu stehen, da demselben die Längsfalten ebenfalls fehlen. Wir glauben daher in dem B. balantium (Rang) den heute noch lebenden Nachkommen des miocenen B. Fallauxi ansprechen zu sollen. 1) Möglicher Weise gehört auch Balantium piilclicrriminn (C. Mayer) zu dieser Gruppe; die darüber von C. Mayer im Journal de Gonchyliologie 1868 (vol. X\'I). pag. 105 und Tat". II, Fig. 3 ge- machten Angaben, sowie diejenigen anderer Autoren, lassen jedoch nicht mit Wünschenswerther Sicher- heit erkennen, ob die Längssculptur thatsächlich auf beiden Seiten auftritt. Mir liegen nur Abdrücke einer Seite vor, welche das k. k. nalurhistorische Hofmuseum Herrn Prof. C. Mayer-E} mar in Zürich verdankt. Uebcr die miocencn Ptcropoden von Ocsterreich-Ungarn. 53 Ausgezeichnete Exemplare des/?. Fallauxi verdanke ich dem erzherzogHch Albrecht- schen Schichtmeister Herrn C. Fall au x in Karwin. Beide stammen von dem Albrecht- Schachte in Peterswald und zeigen die Hinterseite sehr schön und fast vollständig er- halten. Diese Exemplare repräsentiren den Typus der oben beschriebenen Form. Damit vollständig übereinstimmende fragmentarische Exemplare fanden sich in dem von Herrn Betriebsleiter Mladek im Eleonoren-Schachte in Dombrau aufgesammelten Materiale. Der Typus von B. Fallauxi ist in den Figuren 23, 24 und 2 5 dargestellt. Andere verdrückte Exemplare, welche Herr Oberingenieur J. Fric im Tegel des Josef- und des Jacob-Schachtes in Polnisch-Ostrau gesammelt und mir für das k. k. natur- liistorischc Hofmuseum freundlichst übergeben hat, weichen in untergeordneten Eigen- schaften von unserer typischen Form ab; wir sind daher geneigt, diese als eine Varietät des B. Fallauxi anzusehen. Das allerdings flachgedrückte Gehäuse hat weniger ge- krümmte Seitenkanten (dieselben könnten fast als geradlinig bezeichnet werden), ist unten weniger zugespitzt, die Vorder- und die Hinterfläche scheinen weniger gewölbt zu sein, die Sculptur der Schale ist weniger deutlich ausgeprägt. Da man wohl annehmen muss, dass ein grosser Theil dieser Eigenthümlichkeiten (vielleicht sogar alle) durch Ver- drückung der flach im Tegel liegenden zarten Gehäuse hervorgebracht sei, so erschien es uns angezeigt, auch die Exemplare von Polnisch-Ostrau an B. Fallauxi anzuschliessen. Sollte besseres Material ergeben, dass die angeführten Eigenschaften constant auftreten, so würde eine Abtrennung immerhin gerathen erscheinen. Diese Varietät von B. Fallauxi ist in Fig. 26 dargestellt. Ein uns vorliegendes Steinkernfragment (es fehlt das untere Drittel des Gehäuses) vom Pratzer Berg schliesst sich dieser Varietät ganz gut an, die Querriefung ist aber auf demselben besser ausgeprägt als bei den Exemplaren von Polnisch-Ostrau. Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: für Fig. 23 — 25 von Peterswald: Länge 13-7 Mm., Breite 10 Mm., Dicke 4? Mm. » » 26 » Poln.-Ostr. : » I2-0 » » 10 » » ? » Vorkommen: Die meisten der bisher bekannten Exemplare stammen aus dem miocenen Tegel des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers; es liegen uns vor: vom Albrecht-Schacht in Peterswald (2 Exemplare), vom Eleonoren-Schacht in Dombrau (3 Exemplare), von den Schächten Josefund Jacob in Polnisch-Ostrau (4 Exemplare). Das aus den Mergelknollen des Pratzer Berges bei Brunn stammende Fragment hat Herr Prof. A. Rzehak gesammelt und freundlichst zur Verfügung gestellt. Balantiiim Bittneri n. f. Taf. II, Fig. 27. Balantium spcc. A. ßittncr, Die Tertiärablagerungen von Tril'ail und Sagor. Jahrbuch der k. k. gcoL Reichsanstalt 1884, pag. 488. Die Schale ist flach zusammengedrückt, dreiseitig, oben wenig gewölbt, die Seiten- ränder vorne und hinten durch je eine seichte Furche zu einem schmalen scharfen Saum abgesetzt, der mehr oder weniger nach vorne umgebogen ist. Die Schale ist glatt, rnit meist in verschiedenen Distanzen, selten in gleichen Zwischenräumen auftretenden An- wachsstreifen geziert, so dass eine feine, quer verlaufende Ornamentik entsteht. Diese Form steht dem im oberitalienischen Miocen häufigen B. pedemoutanum C. Mayer jedenfalls nahe, unterscheidet sich jedoch von dem letzteren besonders durch das flachere Gehäuse und durch den grösseren Winkel, welchen die Seitenkanten cin- Aniialcn dos k. k. naturhistorisclien Hnimuscums, Hd. 1. Heft 2, i8Si">. ^ 64 Ernst Kittl. schliessen. Auch ist die Breite der glatten Seitenhänder bei B. Bittneri geringer als bei B. pedemontanum. Als mittlere Dimensionen möchten wir angeben: Länge 8 Mm., Breite 6 Mm., Dicke 2 Mm. Vorkommen: In zahlreichen Exemplaren ganze Bänke erfüllend in den miocenen Mergeln ober dem Tagbaue I in Trifail. Die von Herrn Dr. A. Bittner gesammelten und mir freundlichst mitgetheilten Exemplare befinden sich in der Sammlung der k. k. seolosischen Reichsanstalt. Balantium pedemontanum (Mayer). Taf. II, Fig. 28 und 33. 1868. Cleodora pedemontana C. Mayer, Description de coqu. fossiles des tcrr. tert. im Journal de Conchyliologie vol. XVI, pag. 104, pl. II, fig. 3. 1872. Balantium pedemontanum L. Bellardi, Molluschi terz. del Piemonte e della Liguria I, pag. 31, tav. III, hg. 10. 1884. Balantium sp. A. Makowsky und A. Rzehak, Die geologischen \'erhältnisse der Umgebung von Brunn. In den\'erhandlungcn des naturforschendenVcreines in Brunn, XXII. Bd., 1884, pag. 248. C. Maver gibt nach den von ihm im Schlier von Serravalle di Scrivia auf- gefundenen Exemplaren die folgende Diagnose: »Testa elongata-trigona, pyramidali, lateribus compressa, medio ventriuscula, apice acutissima, ad aperturam coarctata; sulculis transversis coarctatis, numerosis (circ. 3o) aequalibus ornata.« Von demselben an das k. k. naturhistorische Hofmuseum freundlichst eingesendete Exemplare des er- wähnten Fundortes gestatten mir, zu erkennen, dass B. pedemontanum auch in den österreichischen Miocenablagerungen, freilich als grosse Seltenheit, vorkommt. Behufs schärferer Abtrennung von anderen Balantienformen wäre der von Maver gegebenen Diagnose noch beizufügen, dass beiderseits der medianen Ausbauchung an den geraden Seitenkanten breite, ganz flache, nahezu glatte, gegen die Spitze zu verjüngte Bänder verlaufen; von diesen erwähnt Maver nichts,') auch sind sie in seiner Abbildung nur ungenügend angedeutet. Diese die Seitenkanten einsäumenden flachen Bänder sind bei den von Serravalle di Scrivia uns vorliegenden Exemplaren durchschnittlich etwas schmäler als bei dem leider bisher einzigen Exemplare aus Oesterreich. Die Breite des flachen Saumes zeigt sich als sehr variabel. Bei einigen der vorliegenden italienischen Exemplare kann man erkennen, dass die flachen Marginalbänder nicht durchwegs als ganz flach oder glatt bezeichnet werden dürfen, da namentlich auf der Hinterseite die Querrippen an den Marginalbändern in eine auch schon dem freien Auge erkennbare feine Querstreifung übergehen. Bezüglich des aus dem österreichischen Miocen vor- liegenden Exemplares wäre ausser der verhältnissmässig grossen Breite des Marginal- saumes die starke mediane Wölbung, sowie die schwächere Querornamentik der Schale als bemerkenswerth hervorzuheben. Wir glauben aber auch in diesem Falle einen guten Theil der individuellen Eigenthümlichkeiten auf Rechnung der mangelhaften Erhaltung und der Deformirung durch äussere Kräfte setzen zu sollen. Die Schale selbst ist über- dies verschwunden, die in Fig. 28 gegebene Abbildung daher nur ein Steinkern. Als grösste Dimensionen dürfen nach den vorliegenden Exemplaren gelten: eine Länge von 20 Mm., eine Breite von 10 Mm. und eine Dicke am Mundrandc von 4 — 5 Mm. Die ') Bellardi (I.e.) erwähnt \\'ohl auch die meiliane Ausbauchung der N'order- und Hinterseite, aber die glatten Marginalbänder ebenfalls nicht. Ueber die miocenen Pteropoden von Ocsterreich-Ungarn. 65 Ermittlung der Dicke begegnet grossen Sclnvierigkeitcn, da siimmtliche uns zugängliche Exemplare in grösserem oder geringerem Masse verdrückt sind. Vorkommen: Das einzige aus dem österreichischen Miocen bisher bekannte Exemplar wurde von Herrn Prof. A. Rzehak in einem Mergelknollcn eines der zweiten Mediterranstufe angehörigen Conglomerates ') zusammen mit zahlreichen anderen Pteropoden-Fragmenten am Pr atzer h er g bei Brunn gesammelt und mir von dem genannten Herrn zur Untersuchung freundlichst mitgetheilt. Von oberltahenischen Fund- orten gibt Ch. Maver=) Serravalle di Scrivia und Acqui an; Bellardi-'') fügte diesen noch die Localitäten: Pino Torinese und Valle dei Salici hinzu; nach diesem Ge- lehrten wären letztere Localitäten in das »Miocenico medio«, ersterc in das »Miocenico superiore« zu stellen, wogegen Prof. Ch. Maver nach freundlichen Mittheilungen^) Serravalle di Scrivia in das Langhien, Pino Torinese dagegen in das Hclvetien stellt. 4. Genus Hyalaea Lam. Diese Gattung zählt (ausschliesslich der zu Diacria gehörigen Formen) etwa ein Dutzend lebende Vertreter. Ebenso viele Formen mögen aus Tertiärablagerungen be- kannt sein. Besonders reich ist das Tertiär Italiens. Tiberi-'') citirt von dort 1 1 Formen, wovon 7 auf das Miocen, 4 auf das Pliocen entfallen, eine Form kennt man aus dem Miocen Frankreichs,") ebenso ist bisher nur eine einzige Form aus dem norddeutschen Miocen7) bekannt geworden. Aeltere als miocene Formen kennt man bisher nicht. Aus dem Miocen Oesterreich-Ungarns war bis nun gar keine Form beschrieben worden; auch uns liegt nur eine einzige vor, deren Beschreibung wir hiemit folgen lassen. Hyalaea bisulcata n. f. Taf. II, Fig. 29—32. Die sehr dünne Schale war sehr wahrscheinlich weniger kugelig, als man es bei Hyalaea zu finden gewohnt ist. Die Begrenzung der Seitentheilc unten ziemlich gerade, nur oben gegen die den Mundrand begrenzenden Medianlappen zugerundet. Der vordere Medianlappen ist halbkreisförmig, der hintere ebenfalls kreisförmig gebogen, etwa zwei Drittel eines Kreisbogens umfassend. Der oberste Theil scheint noch weiter ausgezogen gewesen zu sein. Auf der Vorderseite sind zwei, oben tiefere, nach unten allmälig seichter werdende Furchen, welche von den Seiten des Medianlappens gegen die Mitte des unteren Schalentheilcs radial zusammenlaufen. Die Rückseite scheint ähnlich geformt gewesen zu sein, war jedoch jedenfalls flacher und scheinen nicht zwei, sondern vier (nämlich beiderseits des Medianlappens je zwei) nach der unteren Schalenmitte convergirende 1) Nach Makowskv- Rzehak (1. c, pag. 243) daher wohl älter, etwa: >:-crste Medilerranstufe (Schlier).'c 2) c. Mayer, 1. c. 3) Bellardi, 1. c. •1) Man vergleiche auch Ch. Mayer, Sur la carte geol. de la Liguric centrale; im Bulletin de la Roc. gcologique de France 1876—1877, pag. 282 iV. 5) N. Tibcri, Ccfalopodi, Pieropodi, lüeropodi vivcnli nel Meiliterranco e fossili nel teri". terz. italiano; Bulletino Soc. Malacologica Italiana vol. \'I, 18^0. 6) Hyalaea acquoixis Grateloup, Conch\iiol. toss. des terr. lert. du bassin tle TAdour 1S40, pl. I, fig. I — 2. 7) Hyalaea pcrovalis v. Koenen, Die Ga^tcropoda etc. des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineraloc^ie etc. 188^, Beilage, Band II, pag. 354, Taf. \'I1, Fig. 15. 5* 65 Ernst Kittl. flache Furchen vorhanden i^ewesen zu sein. Unten ist die Schale last horizontal ab- geschnitten. Die Spitzen der beiderseits dadurch entstehenden rechten Winkel sind etwas ausgezogen. Der mittlere Theil der unteren Begrenzung, der Embryonaltheil, ist an unseren Exemplaren nicht erhalten. Die Schale zeigt auf der Aussenseite concentrische feine Anwachsstreifen. An den Rändern der Seitenflügel ist die Andeutung einer sehr schmalen saumartigen Zuschärfung erkennbar. Hyalaea bisulcata ist nach unseren bis- herigen Kenntnissen von allen beschriebenen rccenten und fossilen Hvalaeen verschieden. Während die gedrungene Hauptform mit den echten Hyalaeen gemeinsam ist, so wird durch die Furchung der Vorderseite eine Annäherung an der Gattung Diacria angehörige Formen gegeben. Die Dimensionen des abgebildeten Exemplarcs in dem zerdrückten Zustande sind: Länge g-o Mm., Breite 77 Mm., Dicke 2-2 Mm. Die Dimensionen des Fossiles in unzerdrücktem Zustande sind wohl andere ge- wesen, namentlich war die Breite wohl etwas geringer, die Dicke dagegen bedeutend grösser. Vor ko m m en : Dasselbe beschränkt sich auf den miocenen Tegel des Josef-Schachtes in Polnisch-Ostrau, in welchem Herr Oberingenieur J. Fric die vorliegenden zwei fast vollständigen Stücke und ein fragmentarisches Exemplar gesammelt hat. IL Spirialidae Chenu.') Die zu dieser Familie gehörigen fossilen Reste hat man bisher theils der Gattung Limacina, theils der Gattung Spirialis zugetheilt. Diese zwei, für recente Vorkommnisse aufgestellten Gattungen unterscheiden sich in den Harttheilen im Wesentlichen nur durch das Fehlen und das Vorhandensein eines Deckels. Bei fossilen Formen wird die auf einem solchen Merkmale beruhende Trennung derselben in zwei Gattungen um so weniger durchführbar erscheinen, je w^eniger auf die Fossilisation des Deckels überhaupt und besonders in situ zu rechnen ist; es wird sich daher vorerst empfehlen, die tertiären Spirialiden in eine einzige Gattung zusammenzufassen, der man den älteren Namen Limaciua Cuvier belassen könnte. Die meisten tertiären Formen schliessen sich aber sehr enge an lebende Spirialis- Arten an. Dieser Umstand, sowie die geringe Zahl sicherer Liviaci>ia-Ai'ien überhaupt scheinen denn auch in neuerer Zeit für die meisten Paläonto- logen, welche fossile Spirialiden beschrieben haben, die Beweggründe für die W^ahl des Gattungsnamens Spi?'ialis gewesen zu sein. Diesem Vorgange schliessen wir uns schon aus praktischen Gründen gerne an. Ebenso folgen wir nur einem jetzt allgemeiner ge- wordenen Gebrauche, wenn wir die planorboiden Formen der Spirialiden unter dem Gattungsnamen Embolus Jeffreys zusammengefasst wissen wollen und daher nicht in die Gattung Spirialis miteinbeziehen. 5. Genus Spirialis (Souleyet). Das dünnschalige Gehäuse ist linksgewunden, mit erhaben konischer, selten mit flacher Spira. Nabel fehlend oder sehr enge. Umgänge stark bauchig, weit übergreifend. Mundüffnung oben winklig, unten gerundet, oft gegen die Spindel schräg herabgezogen. ') Dieselben später anzuführenticn Gründe, welche uns veranlassen, den Gattungsnamen Spirialis dem alteren Namen Limaciua vorzu?ichen, bewogen uns auch, den von Chenu acceptirten Familien- namen: -^SpirialiJac'' anstatt des von Gray herrührenden Namens: -Limacinida/'K zu gebrauchen. Ueber die miocenen Pteropodcn von Oestcrreich-Ungarn. 67 Während man nach Adams') dreizehn lebende 6);z>/ci//6--Formcn kennt, sind bis- her aus den einzelnen Abtheilungen des Tertiär beschrieben worden: Aus dem Eocen: eine Form,^) aus dem Oligocen: eine Form,^) aus dem Miocen: eine Form,+) aus dem Pliocen: drei noch lebende Formen.-') Wir werden den miocenen Formen drei neue hinzuzufügen haben, und werden uns in dem Folgenden daher mit sechs Formen be- schäftigen, und zwar: Spirialis stenogyra Phil., Sp. Koeneni n. f., Sp. valvatina Reuss, Sp. hospes Rolle, Sp. Tarchanensis n. f., Sp. Andrussovi n. f. Mit Ausnahme der Sp. hospes, welche zuerst aus dem Oligocen beschrieben wurde, sind alle angeführten Formen im Miocen vertreten. — Sp. stenogyra war bisher aus dem Miocen nicht bekannt. Spirialis stenogyra (Philippi). 1844. Scaea stenogyra Philippi, Enumcratio Moll. Siciliae vol. II, pag. 164, tav. 25, tig. 20. 1855. Limacina stenogyra Pictet, Traitii de paleontologie tome III, pag. 317, tav. 70, lig. 13. 1859. Spirialis stenogyra Chenu, Manuel de Conchyliologie vol. I, pag. 113, fig. 499. 1862. Spirialis stenogyra Seguenza, Notizie succinte intorno alla costituzione dei terreni teiziarii del distretto di Messina. — Messina 1862, pag. 30. 1867. Spirialis stenogyra Seguenza, Paleontologia malacologica dei terreni terziarii del distretto di Messina (Pteropodi ed Eteropodi), Mem. Soc. Italiana di sc. nat. tomo II, no, 9, pag. 13, tig. 11. 1868. Spirialis trochiformis Weinkautf, Die Conchylien des Mittelmeeres, Band II, pag. 428. 1880. Spirialis retroversits N. Tiberi, Cefalopodi, Pteropodi, Eteropodi viventi nel Mediterraneo c fossili nel terreno terziario italiano etc.; Bulletino soc. malacolog. italiana vol. VI, pag. 38. Das Gehäuse ist bis auf zarte Anwachsstreifen ganz glatt, mit steil erhobener Spira, deren Spitze in der Regel flacher ist. Die Umgänge, deren Anzahl nie mehr als sieben beträgt, sind rund bauchig, durch tief eingesenkte Nähte gesondert. Die Jugendwindungen wachsen nur langsam an, die späteren dagegen rascher (sie erlangen etwas weniger als das Doppelte des Durchmessers). Die Jugendwindungen und die mittleren sind etwa fünfmal so breit als hoch, der letzte Umgang ausgewachsener Exemplare ist gross, mit erweiterter Mündung; das Peristom erscheint stets in der Richtung der Spindel nach unten ausgezogen. Bei ausgewachsenen Exemplaren ist die der Spindelaxe zunächst liegende Partie der Innenlippe etwas umgeschlagen, wodurch, aber eben nur bei älteren Exemplaren, ein Nabelspalt gebildet wird, der bei Jüngeren Exemplaren ganz fehlt. Der Gehäusewinkel jüngerer Exemplare ist anfangs ganz flach und stumpf (siehe Fig. 35), der älterer Exemplare kann bis 5o Grad herab betragen (siehe Fig. 36). Wein kau ff hält Spirialis stenogyra für ident mit Sp. trochiformis Orb., Jeffreys") und Tiberi identiflciren erstere mit der recenten Sp. retroversa (Fle- ming 7). Ohne grösseres Vergleichsmaterial an recenten Spirialiden können wir die Frage, ') H. und A. Adams, The Genera of the recent Mollusca, pag. 58 — 60 führen an: von Linia- cira I Art, von Spirialis 5 Arten, von Heterofusits ~ Arten. -) Ampullaria pygmaea Lamk. (Hist. nat. anim. sans vertebres 1822, tome VII, pag. 547) wurde nach Zittel (Handb. der Paläont. I, 2. Ablh., pag. 312, Fig. 459) von Deshayes zu Spirialis gestellt. ^) Limacina hospes Rolle. 4) Spirialis valvatina Reuss, ferner beschreibt v. Koenen zwei weitere miocene Formen, welche aber zu Embolus zu stellen sind. (Die Gasteropoda etc. des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie 1883, Beilage, Band II, pag. 358 und 359.) 5) Vgl. Tiberi, I.e. G) British Conchology vol. V, pag. 116. 7) Fiisus retroversits Fleming, On a reversed species of Fusus. Edinburgh, Mem. Wern. Soc. vol. IV, pag. 498 — 500, tab. XV, fig. 2. 68 Ernst Kittl. ob die fossile Sp.stenoizj^ra, welche von Philip pi ') zuerst für pleistocene Vorkommnisse aufgestellt worden ist, mit einer lebenden Form identisch sei, kaum entscheiden. Daher hielten ^vir es aus diesen und anderen Gründen für angezeigt, für die fossilen Formen Philippi's Namen festzuhalten, eventuell denselben auf diejenigen fossilen Exemplare zu übertragen, welche sich als von den lebenden abweichend erweisen sollten. Ausser den genannten lebenden Formen hat Seguenza-) noch Sp. australis Evd. et Soul, als eine der Sp. stenogyra ähnliche angeführt, was nach der von Rang und Souleyet^) gegebenen Abbildung als ganz zutreffend erscheint. Jedenfalls halten wir es demnach für erwiesen, dass der fossilen Sp. stenogyra sehr nahestehende lebende Formen existiren. An vorliegenden Exemplaren fand ich die folgenden Dimensionen: an einem Ge- häuse aus dem Pliocen von Palermo: eine Höhe von 2*2 Mm., eine Breite von i*6 Mm., an dem in Fig. 36 abgebildeten verkiesten Steinkerne aus dem Salzthon von Ronaszek in Ungarn (Mioccn) eine Höhe von rS Mm., eine Breite von 1*2 Mm. Dies sind aber Dimensionen besonders grosser, ausgewachsener Exemplare. Vorkommen: Wir kennen in der Österreichisch-ungarischen Monarchie bisher nur die eine Fundlocalität von Ronaszek in Ungarn, von wo uns verkieste Steinkerne von etwa 40 Individuen vorliegen. Diese Localität ist jedenfalls eine miocene. — Von auswärtigen Fundorten führte zuerst Philip pi an: Pezzo in Calabrien und Palermo in Sicilien; Seguenza nennt noch: Milazzo bei Messina, endlich Ponzi auch die Mergel des Monte Vaticano bei Rom. Uns liegen in der Sammlung des k. k. natur- historischen Hofmuseums vor: von Palermo 4 Exemplare, von Milazzo 4 Exemplare, endlich von der Insel Rhodus 5 Exemplare. Mit Ausnahme von Rhotlus gehören alle diese auswärtigen Fundorte dem Pliocen Italiens an. Auch auf Rhodus rindet man die Sp. stenogyra im Pliocen. Spirialis Kocncni n. f. Taf. II, Fig. 37- Der Gehäusewinkel schwankt um qo Grad, die Umgänge sind weit bauchig, ge- rundet, die Nähte tief; es ist ein verhältnissmässig weiter Nabel vorhanden. Durch den steilen Gehäusewinkel schliesst sich diese Form an Sp. steiiugjva an, durch das Vorhandensein eines Nabels und die geringere Steillieit des Gehäuses sind ge- nügende Unterscheidungsgründe gegeben. Von fossilen Formen schliesst sich diese Form enge an Sp. globulosa Seguenza an; da jedoch die davon gegebene Abbildung eine flachere Spira und eine in dem ohern Theile engere Mündung zeigt, so müssen wir vorläurig davon abstehen, diesen Namen auf unsere Exemplare zu übertragen. Unter den von v. Koenen als Sp. valvatina Reuss angeführten +) Exemplaren aus dem norddeutschen Miocen kann man hieher gehörige vermuthen, aber ohne Vergleichung der Fossilien selbst keines zu Sp. Koeneni stellen. Von recenten Formen steht Sp. trochiformis Evd. et Soul, sehr nahe, dürfte jedoch kaum ganz übereinstimmen. Das in eilffacher linearer Vergrösserung in Fig. 3- dargestellte Exemplar ist etwa 1-2 Mm. hoch und ebenso breit. Vorkommen: Die mir vorliegenden zwei Exemplare aus dem Miocen von Lange n- felde sind verkieste Steinkerne, die Mundränder derselben etwas defect. I) Philipp!, 1. c. 2) Seguenza, I. c. i) Histoire naturelle des mollusques pteropodes, pl. XIV, tig. 19 — 23. -t) v. Koenen, I.e. Ueber die miocenen Ptcropoden von Ocsterreich-Ungarn. 5q Spirialis valpatina Rcuss. Taf. II, Fig. 38. 1S67. A. E. Rcuss, Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wicliczka. Sitzungsber. der Wiener Akad., L\'. Band, 1. Ablh., pag. 146, Tab. VI, Fig. 11. 1876. Gü tische, Festschrift der 49. deutschen Naturforscherversammlung zu Hamburg, paij. 23. 1882. A. V. Koenen, Die Gastcropoda etc. des norddeutschen Miocen; im Neuen Jahrbuch für Minera- logie etc., Beilage-Band II, pag. 357. Den Angaben von Reuss und v. Koenen haben wir um so weniger beizufügen, als ja dieselben erschöpfend sind und uns auch kein neues Material zu Gebote steht. Die beiden genannten Autoren weisen darauf hin, dass Rolle's Limacina hospes sehr wahrscheinlich mit der Spirialis valvatina identisch sei; Koch') spricht sich unbedingt für diese Identität aus. Nach einer sorgfältigen Vergleichung der uns in der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums vorliegenden Originalexemplare von Rolle und Reuss glauben wir die zwei in Rede stehenden Formen allerdings als sehr nahe stehende, jedoch nicht als ganz identische betrachten zu sollen. Sp. hospes (Rolle) hat einen etwas flacheren Gehäusewinkel und zeigt ein rascheres Anwachsen der Windungen als Sp. val- vatina. Die Dimensionen der vorliegenden Exemplare von Wieliczka sind meist sehr ge- ringe; das von uns des besseren Vergleiches wegen nochmals in Fig. 38 abgebildete Originalexemplar von Reuss hat eine Hohe von 0-7 Mm. und eine Breite von o-8 Mm. Einzelne Fragmente lassen uns schliessen, dass bei ganz ausgewachsenen Exemplaren die Dimensionen drei- bis viermal so gross waren. Vorkommen: Irn Salzthon zu Wieliczka (8 Exemplare). — Nach v. Koenen-) dürften noch folgende, dem norddeutschen Miocen angehörige Fundorte zu nennen sein: Langenfelde, Gühlitz (r), Holsteiner Gestein bei Stolpe und Wendisch -Weh nin- gen; derselbe Autor nennt ferner Antwerpen als Fundort. — Anmerkungsweise sei hier noch erwähnt, dass mir Herr Prof, A. Rzehak ein Gesteinsstück aus dem Schlier von Nusslau bei Seelowitz eingesendet hat, aufweichen sich zahlreiche Steinkerne zerdrückter Spirialis-GohMXSQ.") erkennen lassen. Eine sichere Bestimmung derselben ist natürlich unmöglich; aber vermuthen könnte man, dass dieselben am ehesten noch Gehäusen angehört haben, die der Spirialis valvatina nahestehen. Spirialis hospes (Rolle). Taf. II, Fig. 39. 1861. Limacina hospes F. Rolle, Ueber einige neue oder wenig gekannte Mollusken-Arten aus Tertiär- ablagerungen. Sitzungsber. der Wiener Akad., XLIV. Band, pag. 205, Taf. I, Fig. 2. 1876. Limacina hospes F.E.Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklenburg. Archiv des \'ereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklen- burg, Jahrg. 30, pag. 181. Ueber die Beziehungen zu Sp. valvatina haben wir uns bereits oben ausgesprochen. Diesbezüglich hätten wir noch zu erwähnen, dass Koch (1. c.) das Folgende angibt: ') Archiv des\'ereins der F'reunde der Naturwissenschaften in Mecklenburg, Band 30, 1876, pag. 18: -) V. Koenen, 1. c. -') Auch planorboide Formen (Embolus) scheinen nicht ganz zu fehlen. -yo Ernst Kiul. »die Abbildung, die Herr Reuss von seiner Art gibt, stimmt sogar besser zu den mir vorliegenden Stücken der Sternberger Art als diejenige des Herrn Rolle, so dass eine Vergleichung der Abbildungen mit unserem Vorkommen mich veranlassen würde, dem- selben den von Reuss gegebenen Namen beizulegen, wenn nicht Herr Rolle seine Art speciell für das Sternberger Vorkommen aufgestellt hatte.« Auch v. Koenen') erwähnt, dass ihm ein Exemplar aus dem Sternberger Gestein vorliege, das eine erheblich niedri- gere Mündung als Rolle's Abbildung zeige. Wir können nur anführen, dass Rolle's Abbildung mit dem uns vorliegenden Originale vollkommen übereinstimmt. Wir halten dieses Original für ein vollständig ausgebildetes Gehäuse, bei welchem, wie überhaupt bei allen Spirialls-ForniQn, die Mündung unten schräg gegen die Spindel zu erweitert ist. Wenn demnach den Herren Koch und v. Koenen Exemplare mit niedrigerer Mündung vorgelegen haben, so möchten wir schliessen, dass dies unausgebildete Exem- plare gewesen seien. Das in Fig. 3 9 abgebildete Original Rolle's misst in der Höhe i'o Mm., in der Breite 1-2 Mm. Vorkommen: Die oligocene Sp. hospes kennt man bisher nur aus oberoligo- cenem Sternberger Gestein Mecklenburgs. Spirialis Tarchancnsis n. f. Taf. II, Fig. 40. Der Gehäusewinkel ist sehr flach (meist sogar flacher als bei Sp. hospes), die Um- gänge sind rund bauchig, etwas höher als breit, durch tiefe Nähte gesondert. Die meisten, namentlich der ausgewachsenen Exemplare sind enge genabelt, doch kommen unter den nicht ausgewachsenen Exemplaren auch ungenabclte vor. Die Mündung ist etwas schräg gestellt, länglich, etwa zweimal so lang als breit, unten gegen die Spindelaxe zu etwas ausgezogen. Diese Form ist mit Sp. hospes und mit Sp. globulosa Seg. verwandt; in einer Mittheilung des Herrn Andrussow-) sind unsere ersten Bestimmungen der Ptero- podengehäuse angeführt. Es wurden damals die Gehäuse von Sp. Tarchanensis von uns als Sp. globulosa Seg. und als Limacina hospes Rolle bestimmt. Wiederholtes ge- naueres Studium hat uns gelehrt, dass die von Andrussow entdeckten Spirialiden von Kertsch mit den zwei angeführten älteren Namen nicht zu identiflciren seien, wenn sie ihnen auch sehr ähnlich sind. Wir konnten nun erkennen, dass der Gehäusewinkel der Sp. Tarchanensis viel flacher ist als der von Sp. globulosa, ferner, dass die Umgänge der Spirialis aus der Krim bedeutend höher als bei Sp. hospes sind. Von recenten Formen scheint uns Sp. ventricosa Eyd. et Soul, am ähnlichsten zu sein. — Ausgewach- sene Gehäuse der Sp. Tarchanensis sind i -o — 1-3 Mm. hoch und 0-9 — 1-3 Mm. breit. Vorkommen: Nach den freundlichen Mittheilungen des Herrn Andrussow findet sich die Sp. 'Tarcha]iensis in sandigem, miocenem Thon an der Grenze zwischen dem Tschokrak-Kalkstein und den unteren, dunklen Thonen am Ufer des Azow'schen Meeres zwischen Gap Tarchan und Cap Chronevi in einem leichten, lockeren, fast nur aus Gehäusen dieser Form aufgebauten Gesteine. Ferner bei Cap Tarchan in einem ähn- lichen, aber zäheren Gesteine. Von beiden Fundorten der Halbinsel Kertsch liegen uns zahlreiche Exemplare vor. 1) V. Koenen , 1. c. 2) N. Ancli-ussow, Ucbcr das Aller der unteren, dunklen Schiel'erthone auf der Halbinsel Kertsch. Vcrh. der k. k. geol. Reichsanstalt 1884, pag. 213 u. f. Ueber die miocenen Pteropodcn von Ocslerrcich-Ungarn. n \ Spirialis Ändrussowi n. f. Taf. II, Fig. 41. Die Spira ist ganz flach, die oberen, runden Windungen erheben sich nicht über die letzte. In der Nähe der Mündung ist der Ohcrtheil etwas herabgesenkt. Diese Spirialis- Forni ist ganz ungenabelt. Die Mündung ist schräggestellt, an der Spindel nach unten ausgezogen. Diese Form, welche sich in manchen Beziehungen an Sp. l'archancnsis nahe anschliesst, unterscheidet sich jedoch von der letzteren durch die ganz flache Spira. Es wurde Sp. Andrussonn von der einzigen bisher bekannten Localität durch N. An- drussow') als Limacina hospes angeführt, mit welcher Art auch wir dieselbe in Be- ziehung brachten, von der sie sich aber ganz unterscheidet. Es sind namentlich die Beschaffenheit der Spira, die höheren Windungen, die Form und Stellung der Mund- Öffnung, welche sie von Sp. hospes unterscheiden. Diese, sowie die vorige Form hat uns Herr N. Andrussow zur Bearbeitung freundlichst überlassen. Das abgebildete Exemplar ist 0*9 Mm. hoch und 0'8 Mm. breit; die Dimensionen der meisten Gehäuse bleiben aber noch unter dieser Grösse. Vorkommen: Massenhaft in gypsführendem, sandigen Kalke, welchen Andrus- sow von einer Localität bei dem Dorfe Kop-Ko tschegen auf der Halbinsel Kcrtsch durch Herrn A. Herrmann in Kertsch erhalten hat. Schlüssbemcrkun; Aus der unten angeschlossenen Tabelle geht hervor, dass che oligocenen Formen in das Miocen nicht unverändert aufsteigen; die Vaginellen des Oligocen zeigen Eigen- thümlichkeiten, welche wir bei anderen Formen der Gattung bisher nicht kennen. F^ür das österrcichisch-ungarischeMiocen erscheinen Vaginella austriaca und Balan- tium Fallauxi als besonders bezeichnend, während andere Formen, wie V. depressa, V. R^ehaki und B. pedemoutanum eine grössere geographische Verbreitung aufweisen. Auffallend ist das häufige Vorkommen der Gattung Spirialis in Schichten, welche mit Steinsalzablagerungen verknüpft sind, wie in Wieliczka und Ronaszek. An diese Art des Vorkommens schliesst sich auch das Auftreten der Spirialis Ändrussowi in gyps- führenden Bänken bei Kop Kotschegen auf Kertsch insoferne an, als Ja Gyps mit Stein- salzlagern stets verbunden ist und wahrscheinlich unter ähnlichen Verhältnissen zum Absätze gelangte, wie Steinsalz. Die grosse Seltenheit der Gattung Hjalaea im Miocen, ihr häufigeres Auftreten im Pliocen und der grosse Formenreichthum in der Jetztzeit weisen auf eine fortschreitende Entwicklung dieser Gattung hin, wie umgekehrt die Gattung Vaginella den Höhepunkt ihrer Entwicklung im oberen Tertiär schon erreicht zu haben scheint. Auch ist für diese Gattung durch das oben erwähnte Vorkommen in Neu-Seeland eine bedeutende Ausdehnung ihres geographischen Verbreitungsgebietes zur Miocen-Zeit sichergestellt. Manche Pteropoden-Formen, wde Cleodora, Diacria etc. fehlen uns aus dem Miocen noch ganz. Die Spirialiden mögen aber aus dem unteren Tertiär bis in die Jetztzeit in wenig geänderter Formenzahl aufgestiegen sein. ') N. Andrussow, 1. c, pag. 314, Anmerkuns 72 Ernst Kitil. Es braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu ^Yerden, dass das vorliegende Pteropodcn-Material aus dem österreichisch-ungarischen Miocen zu einer Klärung der so vielfach discutirten und noch immer nicht endgiltig gelösten Frage über die Trenn- barkeit der marinen Miocen-Ablagerungen in Oesterreich-Ungarn in zwei Stufen oder sogar mehrere Horizonte keine bedeutenden Anhaltspunkte liefern kann; das Wenige, was diesbezüglich angeführt werden könnte, ist wohl leicht aus der folgenden Tabelle zu entnehmen; Einiges ist schon oben") bemerkt w^orden. Tabellarische Uebersicht der beschriebenen Pteropoden und ihres Vorkommens. Crcscis Fiiclisi n. f. Crcseis Spina (Rcuss) ^r Va- ginella Lapugycnsis .... Vaginella Lapugycnsis n. f. . . Vaginella tenuistviata Sempei" Vaginella austriaca n. f. ... Vaginella R:{ehaki n. f Vaginella lanceolata v. Koencn Vaginella dcpressa Daudin . . Balantium Fallauxi n. f. ... Balantium Bittneri n. f. . . . . Balantium pedemontaniim (Mayer) Hyalaea bisulcata n. i" Spirialis stenogyra Phil. . . . Spirialis Koencni n. f. Spirialis valvatina Rcuss . . . Spirialis hospcs (Rolle) .... Spirialis TarcJianensis n. f. . . Spirialis Andrussuwi n. t". . . . 13 _B "o 3 o ■n V o Z o o cc p O Miocen-Localitäten in Oesterreich-Ungarn Miocen ausserhalb Oesterr .-Ungarns 3 1« c CJ o o 3 3 o 5 « JE B o XI s CJ '_ o 72 3 o 'ö o ■5 3 o CJ XI « xi CE CJ CJ C3 ;3 o 3 ►3 3 C "p O 3 o 3 c3 :0 > "o 3 CJ i T3 T3 z 3 CJ U) CJ aa '3 2 3 XI O 'S "3 a -r} :3 t/2 15 8 + 40 5 8 . 7 5 3 ■ 5 II 7 4 3 3 i6 X 4 I X 3 • I I I pl. 15 3 40 3 I 2 4 ! 31 pl. pl. + X X + + -f + X f X + X X X X X X X X X In der Tabelle bedeuten: Die Zahlen: Die Anzahl der vorliegenden Exemplare. -\-: Das "S'orkommen überhaupt (derselben Eorm). X'- Das Vorkommen einer nahestehenden Form oder ein zweifelhaftes Vorkommen der- selben Form, pl. : Das massenhafte Vorkommen. ') Siehe Seite 51 und 56. Ucbcr die mioccnen Pteropoden von Oestcrreich-Ungarn. ^'X Tafel-Erklarung. Fig- I — 3- C:>'cseis Fuchst n. f. aus den miocenen Mediterranablayerungen von Forchtcnau (Oedenburgcr Comitat) in Ungarn. Fig. 2. Das Originalexemplar in natürlicher Grösse. Fig. I. Dasselbe in doppelter Grösse mit vier Querschnitten. Fig. 3. Der Mundrand in achtfacher Vcrgrösserung. Fig. 4 und 5. Vaginella Lapugyensis n. f. aus den Mediterranablagerungcn von Lapugy in Ungarn. Fig. 4. Vorderansicht, Seitenansicht und Querschnitt des Originals in natürlicher Grösse. Fig. 5. Embryonaltheil eines anderen Exemplars in natürlicher Grösse und in vierfacher linearer Vergrösserung. Fig. 6 und 7. Vaginella tenuistriata Semper aus dem oberoligocencn »Sternberger Gestein« Mecklenburgs; das abgebildete Originalexemplar kam aus der Wiechmann'schen Samm- lung in den Besitz des k. k. naturhistorischen liofmuseums. Fig. 6. Das Originalexemplar in natürlicher Grösse. Fig. 7. Dasselbe in doppelter linearer Vergrösserung. Flg. 8 — 12. Vaginella austriaca n. f. aus den miocenen Mediterranablagerungen von Oester- reich- Ungarn. Fig. 8. Das Originalexemplar von M. Hörnes" Vai^^iiiclla dcprcssa in doppelter Grösse In vier Ansichten; der Embryonaltheil ist nach dem in Fig. 9 und 10 abgebildeten Exemplar ergänzt. Dieses Gehäuse stammt aus dem Tegel von Baden. Fig. 9. Vollständiges Exemplar (mit erhaltenem Embryonaltheil) von Lapugy in Ungarn. Fig. IG. Dasselbe, in zweifacher Vergrösserung. Fig. 10a. Embryonaltheil in \ierfacher (linearer) Vergrösserung. Fig. II. Exemplar aus dem Tegel von Baden in natürlicher Grösse. Fig. 12. Das in Fig. 8 in zweifacher Vergrösserung abgebildete Originalexemplar von M. Hörnes in natürlicher Grösse. Fig. 13—16. Vaginella R:^ehaki n. L Fig. 13. Flachgedrücktes Exemplar aus dem Tegel von Polnisch-Ostrau (Josef-Schacht). Fig; 14. Etwas flachgedrücktes Exemplar, gefunden im Tegel des Bohrloches II der Alpinen Montan-Gesellschaft in Poremba (Oesterr.-Schlesien). Fig. 15. Fragmente unzerdrückter Individuen aus dem Tegel des Eleonoren-Schachtes in Dombrau (Oesterr.-Schlesien). Fig. 16. Flachgedrücktes Exemplar (zum Theile nur Abdruck) aus dem Schlierthon von Seelowitz. — Das Original befindet sich in der Sammlung der k. k. technischen Hochschule in Brunn. Fig- 17—20. Vaginella depressa Daudin aus dem Langhien von Leognan. Fig. 17. Grösseres Exemplar mit geradem Mundrande in natürlicher Grösse. Fig. 18, Kleineres bauchiges Exemplar mit ausgebogenem Mundrande in natürlicher Grösse. Flg. 19. Grosses, stark bauchiges Exemplar in doppelter natürlicher Grösse; überdies der Umriss in natürlicher Grösse. Fig. 20. Schlankes Exemplar in natürlicher Grösse. Fig. 21. Dasselbe, zweimal vergrössert, um die Fältelung des Mundrandes zu zeigen. Flg. 22. Vagmella depressa Daudin aus den Mediterranschichten von Forchtcnau in Ungarn; je zwei Ansichten in einfacher und in doppelter Grösse. Fig. 23 — 26. Ralantium Fallauxi n. f. Flg. 23. Hinterseite und grösstcr Querschnitt eines Exemplars vom Albrechl-Schacht in Peterswald aus dem miocenen Tegel in natürlicher Grösse. Fig. 24. Ideal ergänzte Seitenansicht desselben Exemplars. Flg. 25. Vierfach vergrösserter Längsschnitt durch die Schalenoberfläche der Hinterseite. Fig. 26. Flachgedrücktes Exemplar vom Josef-Schacht in Polnisch-Ostrau aus dem mio- cenen Tegel; Hinterseite und grösster Querschnitt in natürlicher Grösse. ji Ernst Kittl. lieber die miocenen Ptcropoden von Oesterreich-Ungarn. Fig. 27. Balantiuin IJittiieri n. f. aus Jen miocenen Mergeln vonTrifail in Steiermark; Vorder- ansicht, Seitenansicht und grösster Querschnitt (nach den in der k. k. geologischen Reichsanstalt befindlichen Exemplaren) in natürlicher Grösse. P'ig. 28 und ■3,2,. Balantium pedemontanum (Mayer). Fig. 28. Hinterseite, ergänzte Seitenansicht und Querschnitt in natürlicher Grösse eines Steinkernexemplars aus einem im miocenen Conglomerate des Pratzer Berges bei Brunn eingeschlossenen Mergelknollen. Das Exemplar lag bei Ausführung der Lithographie nicht vor, weshalb die Figur in der Ornamentik kleine Mängel zeigt. Die Furchen sind etwas weniger scharf eingeschnitten als in der Zeich- nung dargestellt ist, die Ornamentik ist undeutlicher als bei Fig. 33, nähert sich derselben aber mehr als aus der Zeichnung ersichtlich ist. Fig. 33. \^orderseite und restaurirte Seitenansicht nach Exemplaren aus den Schliermergeln (Langhien) von Serravalle di Scrivia bei Novi in Oberitalien in natürlicher Grösse. Fig. 29 — ■:^2. Hyalaea bisulcata n. f. aus dem miocenen Tegel des Josef-Schachtes in Polnisch- Ostrau, nach zwei, etwas verdrückten Exemplaren ergänzt. Fig. 29. \'orderansicht. Fig. 30. Hinterseite. Fig. 31. Seitenansicht. Fig. 32. Querschnitt in halber Höhe. Fig. 34. Vaginella lanceolata v. Koenen aus dem oberoligocenen Sternberger Gestein Mecklen- burgs in einfacher und doppelter Grösse. Fig. 35 und 36. Spirialis stenogyra (Philippi), verkieste Steinkerne aus dem miocenen Salz- thon von Ronaszek in Ungarn in zehnfacher linearer Vergrösserung. Fig. 37. Spirialis Koeneni n. f., verkiester Steinkern aus dem Miocen von Langenfelde in eilffacher linearer Vergrösserung. Fig. 38. Spirialis valvatina Reuss aus den miocenen Steinsalzablagerungen von Wieliczka in Galizien; nach den Originalen von Reuss in fünfzehnfacher linearer Vergrösserung. Fig. 39. Spirialis hospes (Rolle) aus dem oberoligocenen Sternberger Gestein Mecklenburgs in zwölffacher linearer Vergrösserung; nach dem Originalexemplar Rolle's. Fig. 40. Spirialis Tarchanensis n.f. aus sandigem miocenen Thone vom Ufer des Azow'schen Meeres zwischen Cap Tarchan und Gap Chronevi. Schalenexemplar in zehnfacher linearer Vergrösserung. F"ig. 41. Spirialis AiiJnissowi n. f. Steinkernexemplar von Kop-Kotschegen auf der Halbinsel Kertsch aus gypsführendem Thon in zehnfacher linearer Vergrösserung. Ueber neue und seltene Antilopen des k. k. naturhistorischen Hofmnseums. \'on Fran-{ Fricdr. Kohl. Mit vier lithogr. Tafeln (Nr. III— M). Das k. k. naturhistorische Hofmuseum erwarb vor Kurzem von dem Afrika- reisenden Herrn J. M enges einige interessante Säugethiere aus dem Somali-Lande, welche für dieses bisher noch sehr mangelhaft durchforschte Gebiet der äthiopischen Region eigenthümlich sind, und zwar: Gaiella Spekei ßlyth (mas ad.). Ga^ella Pel:[elnii n. sp. (mas ad.). Ga^ella Walleri Brooke (mas ad.). Tragelaphus imberbis Blyth (mas et fem. ad.). Asinus taeniopus var. somalica P. L. Sclater. Die Antilopen dieser Sendung schienen mir einer Abhandlung um so mehr werth, als sich dabei eine passende Gelegenheit darbot, neben anderen Notizen, welche zur Erweiterung der Kenntniss dieser Wiederkäuer beitragen sollten, auch noch die un- bekannten kraniologischen Verhältnisse bekannter Gazellen im Sinne der Systematik zu verwerthen. Um der etwaigen irrthümlichen Meinung, als handle es sich hier um eine erschöpfende vergleichende Untersuchung der Gazellenschädel, vorzubeugen, muss im Vorhinein auf die Einschränkung hingewiesen werden, welche mir durch das etwas spär- liche Materiale überhaupt, besonders aber durch den Mangel von Schädeln in jüngeren Altersstufen auferlegt wurde. Es kamen nur Schädel erwachsener Thiere, und diese mehr in Bezug auf peripherische Configuration als auf Eigenthümlichkeiten der Schädel- räume, zur Untersuchung. Auch schien es mir sehr wünschenswerth, dem Aufsatze einige Tafeln mit Abbildungen der Schädel folgen zu lassen, da ich die Anschauung gewonnen habe, dass bei der Gattung Gaiella Artbestimmungen nach dem Schädel in vielen Fällen in überzeugenderer Weise durchgeführt werden können als etwa nach Färbungsverhältnissen und anderen veränderlichen äusseren Merkmalen. Um die Abbildungen möglichst naturgetreu zu erhalten, wurden ihnen photogra- phische Aufnahmen zu Grunde gelegt, welche Herr J. Langl, Professor an der k. k. Ober- realschule des II. Bez. in Wien, unentgeltlich selbst besorgte.') Ich erachte es für eine angenehme Pflicht, diesem Herrn hiefür den wärmsten Dank auszudrücken. Zu grossem Danke fühle ich mich auch Herrn Gustos Aug. v. Pelz ein verpflichtet für die Liebens- würdigkeit, mit welcher er mich bei diesem Aufsatze durch Rath und That unterstützte. ') Die photographischen Platten weri-len im Museum (zool. Abth., Gruppe für \'ögel und Säuge- thiere) aufbewahrt. 76 Fi'anz Friedr. Kohl. Gazella Pelzelnii Kohl n. sp. (Taf. in, Fii,^ links). Eine kleine Notiz über diese schöne neue Gazelle habe ich in den Sitzungsberichten der zool.-bot. Gesellschaft in Wien (Jänner 1 886) veröti'entlicht und lasse hier eine ein- gehendere Beschreibung folgen. Mas ad. — Stria nasalis j'ufescenti isabellina, in basi obscurior utrinqiie Striae diiae contiguae: siipraocularis alba et ocularis obscure isabellina. Tcrgaeum ad caii- dam nsque rufescenti isabellinnv} , Stria lateralis paiilo obscurior. Ea pars, qiiae con- spicitur inter striam lateralem et tcrgaeum, colore pallidior, praeter tergaei et Striae lateralis colorem eminet. Gastraeum, crnrum superficies interna, nee non pygaeum alba; caiida nigra. Scopae carpi distinctae, in basi fuscae. Cornua capite multo longiora, gracilia, valde compressa, admodum annulata, apice laeva, tantummodo pauhim recurvata, quam in Ga^ella arabica evidenter plus divergentia. Hanc gazellam insignem in honorem Dom. Aug. de Pelzeln, custodis Musei imper. Vindobonensis, gratissimo animo denominare velim. Berberah (terra somallca) 21. Jänner i885. J. Menges legit. M a a s s e : Ganze Körperlänge (ohne Schwanz, am trockenen Balge gemessen) ... ^ .... 103 Cm. Körperlänge vom Ohre bis zur Schwanzwurzel 84 » Länge des Schwanzes mit dem Haarbüschel 13 >■ Abstand des oberen Randes des Foramen occipitale von dem vorderen Ende des Intermaxillare I7"2 Länge eines Hornes vorne, nach der Krümmung gemessen 27 >- Directer Abstand der Hornbasis von der Spitze (vorne) 25-5 >.^ Abstand der Hörner an der Basis i'Q " Abstand der Hörnerspitzen von einander I3*'J Umfang eines Hornes an der Wurzel 8*4 >^ Länge des glatten Spitzentheiles des Hornes 5*2 » Zahl der Ringe 21, die allerletzten nur vorne entwickelt. Pupille länglich, Iris tief dunkelblau (nach Menges). Als nächstverwandte Arten müssen zur Vergleichung G. arabica Ehrenb., Spekei Blyth und G. Granti Brooke herangezogen werden. G. arabica unterscheidet sich von G. Pel:[elnii durch die bedeutendere Grösse und die viel dunklere Tracht. Die Art der Färbung und Zeichnung ist zwar bei beiden Species dieselbe, nur zieht bei letzterer das Isabellfarbige des Körpers stark in einen rosthellen Ton. Viel wichtiger als die Färbung ist zur Erkennung die Bildung und Stellung der Hcirner (Taf. IL, Fig. la und ib); sie sind noch viel schlanker als bei arabica, seitlich stärker zusammengedrückt, verhältnissmässig auch etwas länger, ihre Divergenz und die Zahl der Ringe beträchtlicher. Nach Ehrenberg hat man bei G. arabica (mas) i3 — 17 Ringe beobachtet, unser Stück von Pelzelnii hat dagegen 21 Ringe.') In Folge der grösseren Divergenz bei G. Pelzelnii ist auch der Abstand der Hörner- spitzen voneinander grösser; bei dem vorliegenden Stücke beträgt sie 1 3-6 Cm. (3" 2'" Wiener Mass) gegenüber dem Abstände von 9-5 — 10-4 Cm. (3" 6'" — 3" 10'" Pariser Mass) bei arabica r) I) Im hiesigen Museum ist ein ausgestopftes männliches Exemplar von G. arabica, bei ilem die Zahl der Ringe an jedem Hörne 14 ist. Die Entfernung der Hörner an der Basis beträgt 2 Cm., die der Spitzen 8-8 Cm., die Länge der Ilörncr nach der vorderen Krümmung 25-5 Cm., der direcle Ab- stanil der Basis von der Spitze 24*^) Cm. -) Nach Messungen von FJirenberg (Svmb. pliys.) an Stücken, welche G. Pelzelnii an Grösse bcdeutenil übertrafen. Ueber neue und seltene Antilopen. nn Auf eine Eigcnthüi-iilichkeit des Schädels (Taf. IV, P'ig. f) glaube ich aufmerksam machen zu müssen. Die aufsteigenden Fortsätze der Zwischenkiefer erreichen die Nasen- beine eben noch, ohne sich mit ihrer Breite an sie anzulegen; auf diese Weise kommt es, dass der Oberkiefer zwischen dem Thränenbein und dem Zwischenkiefer eine so beträchtliche Ausdehnung erlangt, wie wir sie nur bei sehr wenigen Gazellen wieder finden; sie übertrifft die Breite des Intermaxillare ungefähr 2-5 mal, während sie bei G. arahica sowohl als Spekei, den nächststehenden Formen, der Breite des Intermaxil- lare ungefähr gleichkommt. Bei arahica ist überdies das Nasenbein viel länger und ge- wölbter; seine Länge entspricht fast dem Abstände der Spitzen seines Vorderrandes vom Zwischenkieferende, was bei G. Pel\elnü, übrigens auch Spekei nicht annähernd der Fall ist. Einsenkung im Thränenbeine wie bei arahica tief — aber nicht ganz in demselben Masse ausgedehnt; Thränenbein verhältnissmässig klein, in der Gesichtsfläche weniger weit nach vorne sich erstreckend. Mit G. Granu V. Brooke (Proc. Zool. Soc. 1872, 601, PL XLI. — Ibid. 1873, 55o. — Sclater, Ibid. 1875, 535. — Brooke, Ibid. 1878, 723) hat sie mehr die Form der Hörner, als die Grössen- und Färbungsverhältnisse gemein. Während G. Pel:[elnii etwa die Grösse eines kleinen Rehes (Schmalrehes) zu erreichen scheint, zeigt G. Granti die stattliche Gestalt der G. dama und dürfte mit dieser, der G. Soemmerringii, vielleicht auch euchore in eine Gruppe gehören, da sich auch bei ihr, ebenfalls zum Unterschiede von Pel:[elnii, das Weiss des Spiegels beträchtlich über den Schwanz hinauf erstreckt und beiderseits winklig in die isabelle Rückenfärbung hineindrängt. Die Hörner sind viel länger, nach Brooke (nach der Krümmung gemessen) beim erwachsenen Männ- chen 24 — 26, beim Weibchen i5 englische Zoll lang. In der Divergenz und den Krüm- mungsverhältnissen der Hörner gleichen sich G. Granti und Pel:{elnii fast vollständig, soweit es die Abbildungen Brooke's (Proc. Zool. Soc. 724 — 725, Fig. i, 2) zu be- urth eilen gestatten. Gazella Spekei Blyth (Taf. in, Fig. rechts). Diese Art wurde im Jahre i856 in Journ. Asiat. Bengal vol. XXIV, p. 296 von Blyth beschrieben. Blyth hatte zu seiner Beschreibung nur Kopf und Hals des Thieres vorliegen, musste sich daher auf Angaben über die Form der Hörner und die F'arbe einiger Kopftheile beschränken. Eine Wiederholung der Beschreibung gab derselbe Autor in Cat. Mamm. As. Soc. p. 172, i863. Später wird von G. Spekei erst wieder im .lahre 1870 Erwähnung gethan. W. T. Blanford liefert nämlich bei Gelegenheit einer Beschreibung der G. Dorcas Licht. (= Isahellae GrayJ in Observ. on the Geology and Zoology of Abyssinia p. 261. PI. I, Fig. 5 — 5 a eine gute Abbildung der Hörner des Männchens und Weibchens (Vorder- und Seitenansicht). In der Monographie der Gazellen von V. Brooke, »On the Antilopes of the Genus Gazella and their distribution« (Proc. Zool. Soc. Lond. p. 543, 1873) erfolgt keine Er- weiterung der Beschreibung, sondern nur eine Wiederholung der Originaldaten Blyth 's mit der ausdrücklichen Bemerkung: »Head and neck of male and female onlv known.« Brooke war von Blanford eine Photographie der Type verschafft worden, und fand, dass die Hörner denen der G. arahica Licht, sehr ähnlich seien, von welcher Art sich G. Spekei übrigens durch die Färbung des Gesichtes, Halses und der Ohren beträchtlich unterscheide. 78 Franz Friedr. Kohl. Das von unserem Museum erworbene Stück ist ein Männchen in vollkommenem Balge mit Schädel und Gehörn und ermöglicht die Vervollständigung der Artkenntniss. Stria nasalis riifescetiti-brunnea, maciila distincta nigrofusca ante nares. Vitta supraocularis alba, ocidaris i'iifesccnti-briinnea, aiires griseo-albidae. Tergaeiim a niicha ad caiidam usquc briinnescenti-isabcllinum. Stria lateralis lata (4-5 Cm.) nigro- fusca. Colins reliqniis et ea pars, qiiae conspicitnr inter striam lateralem et tergaenm, colore pallide-isabellino eminet. Gastracnm, criirnm superficies interna nee non py- gaenm alba. Cauda nigra. Scopae carpi distinctae, in basi fnscae. Ov-niia rnbiista, parum divergentia, quam in G.arabica plus ciirvata, apicibus laevis paiihim recurvatis. Mas. — Gerbati (terra somalica septentrionalis) 14. März i885. J. Mengcs legit. Maasse: Ganze Körperlänge (am trockenen Balge gemessen, ohne Schwanz) 112 Cm. Körperlänge vom Ohre bis zum Schwänze 93 » Länge des Schwanzes mit dem Haarbüschel 13 >■> Abstand des oberen Randes des Foramen occipitale von dem vorderen Ende des Zwischen- kiefers Ii5 » Länge eines Hornes vorne nach der Krümmung 25-5 » Directer Abstand der Basis eines Hornes von der Spitze (vorne) 23-5 » Abstand der Hörner an der Basis 1*2 » Abstand der Hörnerspitzen von einander . I3"6 » Umfang eines Hornes an der Wurzel I0'8 » Länge des glatten Spitzentheiles des Hornes 5'5 » Zahl der Ringe 15, die beiden letzten schwach, nur an der Vorderseite bemerkbar. Pupille länglich, Iris tief dunkelbau (nach Menges). G. Spekei hat sich meines Erachtens als nächste Verwandte an die Seite der G. ara- bica zu stellen. So gross wie diese, hat sie gleichfalls eine dunklere Tracht als G. dorcas oder Pel:{elnii ; nur sind die Randstreifen an den Seiten viel dunkler und auffälliger. Die Hörner (Taf. II, Fig. 3 a und 3 b), von denen Blanford (1. c.) eine ganz richtige Ab- bildung liefert, haben ebenfalls viel Aehnliches mit denen der verglichenen Art, sind aber ein wenig dicker, stärker divergent und erscheinen, von der Seite gesehen, mehr gebogen. Der Schädel von G. Spekei (Taf. IV, Fig. 3) hat grosse Aehnlichkeiten mit denen von G. arabica und G. Bennettii, nur finde ich die Concavität desThränenbeins nicht in demselben Masse ausgedehnt und vom Jochbein nur äusserst wenig an ihrer Bildung betheiligt. Auch bedingen die bedeutendere Dicke der Stirnzapfen, deren Basaltheil sich viel steiler erhebt, besonders aber der von G. arabica und G. Bennettii verschiedene Krümmungsgrad der Hörner ein etwas anderes Bild der vorderen Frontalregion. Gazella mhorr Benn. und Gazella addra Benn. Im Jänner des Jahres 1 872 kam aus der Schönbrunner Menagerie, wo schon seit längerer Zeit die G. addra gehalten worden war, ein verendetes männliches Thier dieser Antilope an das kaiscrl. Museum. Es stimmt mit der Bennett'schen Beschreibung der Mhorr-Antilope (Trans. Zool. Soc. I, t. 8) ausgezeichnet überein, nur möchte ich das Braun des Körpers kein dunkles, sondern ein Rostbraun nennen. Dieses Stück stammt aber aus Ost-Afrika und nicht, wie von G. mhorr angegeben wird, aus West-Afrika. Die übrigen von Ost-Afrika stammenden Exemplare von G. addra unseres Museurns zeigen der Hauptsache nach die Färbung der Rüppel'schen (Atl. Zool. t. 14) und Ehrenberg'schen (Svmb. Phvs.) Abbildung, wenn auch bei einem jungen Weibchen mit brauner Stirnc und einem alten Männchen sich das IsabclJbraun der Körperoberseite Ueber neue und seltene Antilopen. yq in einem breiten, nach hinten mehr verschwindenden Streifen quer über den Schenkel fortsetzt. Bei diesem letzterwähnten Männchen erscheint übrigens nicht nur die Rücken- schabracke mehr ausgebreitet, sondern das Rostbraun an der unteren Halsseite aus- gedehnter und der weisse Kehlfleck mehr ausgeprägt. Auch der Haarschopf auf der Stirne ist verschieden lang und dicht, am längsten bei dem erstgenannten Thiere mit der Mhorr-Färbung aus weissen, schwarzen und braunrothen Haaren gebildet, im Ganzen von grauem Aussehen; auch die Haare des übrigen Körpers sind bei diesen länger als bei allen anderen Stücken, so dass ich glaube, ein Thier im Winterkleid vor mir zu sehen. Da nun aber dieses Stück sich im Uebrigen von G. addra nicht unterscheidet, zwischen G. addra und G. mhon' der Autoren nur Färbungsunterschiede zu herrschen scheinen, und mir die genannten Zwischenfärbungen bekannt geworden sind, so trage ich kein Bedenken, G. mhorr Benn. und G. addra Benn. als zusammengehörig zu be- trachten, umsomehr, als die meisten afrikanischen Thiere über einen grossen Theil der äthiopischen Region, manche fast über deren ganzes Gebiet verbreitet sind. Freilich bleiben noch die Fragen offen, inwieweit die ümfärbung von Jahreszeiten, localen Verhältnissen, von Geschlecht und Altersstadien abhängig ist. Auffallend bleibt nur der Umstand, dass Ehrenberg die verschiedenen Alters- stadien und Geschlechter von G. dama in einem und demselben Kleide darstellt. InRücksicht auf die Priorität muss dieBennett'sche und Gray 'sehe Artbenennung vor der Pallas'schen (»dama«) zurücktreten. Der Schädel von G. dama (Taf. V, Fig. 2) ist sehr eigenartig und nicht leicht mit einer der in diesem Aufsatze berücksichtigten Schädelformen zu verwechseln. Der Gesichtstheil erscheint bei erwachsenen Stücken, wenigstens irn Vergleich zum Gehirn- schädel, aussergewöhnlich entwickelt, so zwar, dass der directe Abstand des Vorderendes des Zwischenkiefers von der Stelle, wo die Thränenbein-Jochbeinnaht über den Augen- rand setzt, grösser ist als die Entfernung dieser Stelle vom Oberrande des Hinterhaupt- loches; bei den übrigen Gazellen ist er etwa so gross als die Entfernung der genannten Stelle von der Hinterhauptschuppen-Schläfenbeinnaht. — Hinterhauptschuppe mit sehr kurzer Horizontalfläche. Backenzähne derb, hoch, die Reihen lang. Im Zusammenhange mit ihrer kräftigen Entwicklung steht die sehr bedeutende Auftreibung der Antlitzseiten (Oberkiefer) einer- seits, die Derbheit der Unterkiefer andererseits. Kronenfortsatz von der Länge des Augenhöhlendurchmessers, am Rande gemessen. Thränenbeine sehr weit, weiter als bei den anderen hier besprochenen Gazellen, ins Gesicht heraustretend und im Vergleich mit diesen ziemlich flach, was auch bewirkt, dass die Augenhöhlenränder weniger auf- fällig hervorragend erscheinen. Zwischenkiefer bis an die Nasenbeine hinaufreichend, mit ihrer Breite sich an sie anlehnend. Oberkiefertheil zwischen Thränenbein und Inter- maxillare, etwa von der Breite des letzteren oder ein w^enig breiter. Nasenbeine etwas kürzer als der Abstand ihrer Vorderspitzen vom vorderen Zwischenkieferende. Litocranius (Gazella) Walleri v. Brooke. Diese Antilope wurde in der Literatur erst zweimal besprochen, das erste Mal in den Proc. Zool. Soc. 1878, p. 929, PI. LVI, wo V. Brooke den durch viele Eigen- thümlichkeiten ausgezeichneten Schädel beschreibt und abbildet, das zweite Mal von P. L. Sclater im Jahre 1884 (Proc. Zool. Soc. p. 538, PI. XLIX). Sclater behandelt die äussere Erscheinung des Thieres, den taxidermischen Theil und liefert eine Ab- bildung des Felles und des Kopfes mit dem Gehörne. AiinaLn des k. U. naturliistorischen Hofmuseiims. 1;J. 1, Heft 2, 1886. 6 Franz Friedr. Kohl. Das Stück des Wiener Museums, ein Männchen, stimmt zwar der Hauptsache nach mit den Angaben Brooke's und Sclater's überein, weicht jedoch in einigen Details davon ab, so dass folgende vergleichende Zusammenstellung der Masse wünschenswerth erscheinen dürfte.') Länge des Körpers bis zum Schwänze (nach dem trockenen Balge) Länge des Körpers vom Ohre bis zum Schwänze Länge des Schwanzes Breite des braunen Rückenstreifens in der Mitte . . Länge eines Hornes nach der Krümmung (vorne) . Gerader Abstand der Hornspitze von der Hornbasis Abstand der Hörnerspitzen von einander Abstand der Hörner an der Basis Länge des glatten, nach vorne gekrümmten Spitzen- theiles der Hörner Umfang eines Hornes an der Basis Länge der Schädelaxe gezogen vom oberen Rande des Hinterhauptloches bis zur vorderen Spitze des Zwischenkiefers V. Brooke's (^ Cm. Wiener Maass 4 2-5 Sclater's cT Cm. 35-6 27-8 77 Wiener Maass 10 7 2" 10-8'" 4"8"' Hofmuseum (^' Cm. 131 20 22 32-5 27-2 13-5 3*9 9-5 1 2-2 Wiener Maass / / 8"4"' I2"4"' io"4"' 5"i-5"' i"6"' 3"7-5"' 4"7-5"' 9 1- Die Zahl der Hornringe wird weder von Brooke noch Sclater angegeben; unser Stück zählt 26 Hornringe. Somali-Land bei Gerbati, 14. März i885. — Pupille länglich, Iris grau (nach J. M enges). Es liegen die Schädel von folgenden Gazellen vor: G. arabica, G. Spekei, G. Pel- yelnii, G.dama, G. Soemmerringii(?), G.Bennettii, G.subgutturosa und G. Walleriyov. Die ersten sieben Arten bekunden, von weniger bedeutenden, nur in der artlichen Verschiedenheit begründeten Unterschieden abgesehen, in der Physiognomie des Schädels eine grosse Einförmigkeit, als Gewähr für ihre generelle Zusammengehörigkeit. Ganz anders verhält es sich mit dem Schädel von G. Walleri (Taf. V, Fig. 3 und Taf. VI, Fig. 2), auf dessen Eigenthümlichkeit bereits V. Brooke und Sclater hinge- wiesen haben. Vor Allem fällt an ihm die aussergewöhnliche Gestrecktheit aller seiner Theilc auf. Ein Axenstück, welches bei geschlossenen Kiefern vom Oberrande der Augenhöhle bis zum Unterrande des Unterkieferastes vertical gezogen wird, würde in anderer Lage etwa von der Ohröffnung bis zur Stelle reichen, wo die Jochbein-Thränen- beinnaht über den Augenhöhlenrand setzt. Von dem durch seine auffällige Abplattung ausgezeichneten Neuraldach zeigt besonders die Occipitalzone im Horizontaltheile der Squamnia occipitale eine so ungewöhnliche Längenentwicklung, dass sie Jener der Parie- talzone nur wenig nachsteht. Die horizontale Fläche der Schuppe verschmälert sich nach hinten stark und bildet hinten einen über den abfallenden Hinterhauptstheil hinaus- quellenden Höcker. Die Bulla ossea tritt zum Unterschied von den genannten Gazellen stark gegen die Mittelaxe zurück, so dass der hinter dem Gehörgange gelagerte Theil des Schläfenbeins und selbst noch das Paramastoideum besonders hervorgehoben erscheinen. An der Verlängerung des Gesichtsschädels betheiligt sicli in geringerem Masse das Thräncnbein als der Oberkiefer; dieser behält zwischen jenem und (.lern aufsteigenden Aste des Intermaxillarc eine Längenausdehnung, welche die Breite des letzteren drei- bis viermal übersteigt. Die englischen Maasse sind in ilas Meter- und Wiener Maass umgerechnet. Ueber neue und seltene Antilopen. Thränenheine vcrhältnissmässig tief ausgehöhlt, nur unter schwacher Betheiligung des Jochbeines die Thränengruben bildend. Thränenbein und Jochbein, an ihrem hintern oberen Theile mit der Bildung des Augenhöhlenrandes beschäftigt und fast vertical auf- gestellt, lassen diese besonders stark heraustreten. Der Zwischenkiefer erreicht, ähnlich wie bei Eleotragiis, Capricornis, Nemor- rhedus und anderen Gattungen, zum Unterschiede von den übrigen Gazellen die Nasen- beine nicht, sondern springt winklig in den Oberkiefer hinein. Dass diese Eigenthüm- lichkeit keine nur zufällige, individuelle ist, scheint mir die Brooke'sche Abbildung des Schädels zu beweisen, da sie genau das nämliche Verhältniss zeigt. Nasenbeine flach, lang, sehr viel länger als der Abstand ihrer mittleren Spitzen des Vorderrandes vom vorderen Zwischenkieferende, etwa dreimal so lang als in der Mitte breit. Ethmoidallücke vorhanden. Backenzähne vcrhältnissmässig sehr klein und ihre Reihen entsprechend kurz; Reihe im Oberkiefer viel kürzer als ihr Abstand vom Vorderende des Zwischenkiefers, jene im Unterkiefer etwas kürzer als ihr Abstand vom hintersten Schneidezahn. Unterkiefer in folgerechter Uebereinstimmung mit den Entwicklungsverhältnissen des Zahnsystems und der von dessen Function abhängigen Kaumuskulatur ungemein schmal und verlängert erscheinend. Seine Verlängerung prägt sich besonders darin aus, dass das Foramen mentale von dem vordersten Backenzahn ungefähr doppelt so weit entlegen erscheint als vom hintersten Schneidezahn. Kronenfortsatz stark verlängert, etwa so lang als der Durchmesser der Augenhöhle am Rande. Entfernung des vorderen Zwischenkieferrandes von der Stelle, wo die Thränen- bein-Jochbeinnaht über den Augenhöhlenrand setzt, grösser als der Abstand der Schläfen- beinschuppcn-Hinterhauptsschuppennaht von ebenderselben Stelle. Auch von oben gesehen bietet der Schädel dieser Antilope ein von den übrigen Gazellenschädeln wesentlich verschiedenes Bild. Abgesehen von der kegelförmig sich zuspitzenden, langen Supraoccipitalschuppe fällt sofort die im Zusammenhange mit dem aussergewöhnlich grossen Basalabstand der Hörner stehende Breite der Stirnzone auf, welche an der Basis der Nasenbeine sich rasch sehr stark verschmälernd in den schmalen Gesichtsschädel übergeht (Taf. VI, Fig. 2); an diesem fallen die verlängerten Nasalia auf. Länge des Gaumentheiles, der Zwischenkiefer und der Kinnsymphyse der übrigen Verlängerung des Gesichtsschädels entsprechend. Alle diese Auszeichnungen des Schädels bewirken nun im Ganzen eine Configu- ration, welche von der der übrigen Gazellenschädeln ganz bedeutend verschieden ist, und zwar nicht nur der Schädel von Gazellenarten im engsten Sinne, sondern auch von Arten jener Gattungen, welche jüngere Autoren aus der meiner Anschauung nach völlig unbegründeten Zersplitterung der natürlichen Gattung Gai^ella gewonnen haben, wie Iragopsis, Antidorcas, Leptoceros, Eudorcas, Antilope. Die Merkmale, auf welche hin die Abtrennung der genannten Gattungen erfolgte, sind doch gewiss zu unbedeutend, als dass sie ernstlich zur Auffassung natürlicher Gat- tungen' verwendet werden könnten; sie scheinen mir vielmehr die eigentlichen Art- charaktere bei der Gattung Gaiella zu sein. Hiefür spricht auch der Umstand, dass von den sechs losgetrennten Gattungen vier nur durch eine einzige, die zwei anderen durch je zwei Arten vertreten werden. Es scheint mir z. B. unlogisch, die Erscheinung der Hörner, die doch nach ihrer Anlage und ihrem physiologischen Werthe nicht verschieden sind, in Bezug auf den 6* Franz Friedr. Kohl. Grad und die Art der Krümmung in dem einen Falle als Art-, in dem andern als Gattungs- merkmal aufzufassen. So wurde Ga:[ella Cuvieri wegen des einzigen Umstandes, dass ihre Hörner ge- streckt sind, zur Gattung Leptocerus'^) gestempelt. Würde man consequenterWeise weiter fahren, Gattungen zu bilden, so müsste auch G. arahica Ehrenb., weil bei ihr die Hörner verhältnissmässig parallel und nur in geringem Masse gekrümmt verlaufen, von der Gruppe der G. dama mit stark gebogenen, leierförmigen Hörnern, G. Spekei wieder von G. arabica wegen des stärkeren Grades der Krümmung generisch geschieden wer- den u. s. w. Wo blieben dann die Arten? Ebensowenig kann ich in der spiraligen Drehung der Hörner bei Cervicapra be:{oartica Aldrov. (Antilope cervicapra) einen generischen W^erth, sondern eben nur einen Krümmungsgrad, der die Art kennzeichnet, erblicken. Sundevall bemerkt in seiner bekannten Arbeit über die Wiederkäuer sehr zutreffend: »Wir müssen nur nicht glauben, wie so oft geschieht, dass Jede kleine Abweichung in der Form der Hörner generischen Unterschied bedingt.« Freilich ist bei Cervicapra ausserdem das Weibchen ungehörnt; es mag aber der Nachweis, dass dieser Umstand hier als generisches Kriterium und nicht nur als art- beständige Aeusserung sexualer Verschiedenheit, welche Ja auch bei den übrigen Gazellen im schwächeren Gehörne der Weibchen Ausdruck erhält, zu betrachten sei, kaum ge- liefert werden können. In dieser Hinsicht äussert sich Sundevall: »Man hat es als von grosser Bedeutung für die Systematik angesehen, dass ein Theil Weibchen Hörner hat, andere nicht; ich kann aber darin nichts Anderes sehen als eine Wirkung derselben Ur- sachen, welche macht, dass Bart-, Haar- oder Federbüschel und andere Zierden oder Farben bei den Weibchen nicht entwickelt werden. Man hat Beispiele vom Auswachsen der Hörner bei alten, sterilen Hirschkühen, und im Fall man eine Rennthiersorte ent- decken sollte, deren Kühe immer hornlos wären, so würde ich nicht allein dieses Um- standes halber für nothwendig halten, diese Thiere als von den gewöhnhchen verschieden zu betrachten, wenigstens nicht als Gattung, gleichwie Antilope subgutturosa nicht um derselben Ursache willen von A. dorcas und den übrigen Gazellen wird getrennt werden können. Man erinnere sich nur der Leichtigkeit, womit hornlose Varietäten unter den Hausthieren entstehen, und dass im Norden alles Rindvieh hornlos wird.« Auch die Entwicklung der Haarbüschel an Hand- und Fusswurzel und die Grössenverhältnisse der Thränengruben scheinen mir nur Artkennzeichen zu bilden. Während nun nach meinem Dafürhalten die erwähnten Gattungen bei einer weiteren, natürlichen Auffassung der Gattung Ga:^ella, welche sich in ihren Arten durch grosse Einförmigkeit des Schädelplanes auszeichnet, werden verschwinden müssen, scheint es mir bei der früher besprochenen Eigcnthümlichkeit des Kopfskcletes noth- wendig, G. Walleri als Gattung oder zum Mindesten als Untergattung abzutrennen. Ich schlage dafür die Bezeichnung Lifocranius vor. TragelaphuS (Strepsiceros) imÖerÖis Blyth, Kleiner Kudu. Wurde zuerst von Blyth als neue Art erkannt und kenntlich beschrieben (Proc. Zool. Soc. i86g, p. 54 — 55, Fig. B). P. L. Sclater-) gab in derselben Zeitschrift (Jahrg. 1884, p. 45, Fig. I und PI. iV) eine erweiternde Beschreibung auf Grundlage neuen Ma- ') Ein in der Zoologie bereits mehrfach veri^ebencr Niime. 2) Die Sei ater'schen Stücke stammen, wie unserige, aus dem Somali-I.amie. Ueber neue und seltene Antilopen, 83 terials. Ebenfalls im Interesse einer nähern Kenntniss des noch sehr wenig bekannten Thieres folgen hier die Masse des von unserem Museum erworbenen Pärchens: Länge des Körpers (ohne Schwanz, am trockenen Balge gemessen) .... Länge des Schwanzes (ohne Haarpinsel) Länge der Hörner (directer Abstand ihrer Basis von der Spitze) Absland der Hörnerspitzen von einander Basalabstand der Hörner: a) an der Stelle, wo die vordere Längskante verläuft ....... b) hinten Gerader Abstand des Oberrandes des Hinterhauptloches vom Vorderende des Zwischenkiefers Zahl der weissen Querbinden Die Masse des Männchens verglichen mit denen Sclater's und Blyth's (i8-5 bis ig-5 engl. Zoll) lassen es als ein erwachsenes, ausserordentlich grosses Exemplar er- scheinen, das in der Entwicklung des Gehörnes dem grossen Kudu (Trag, strepsiceros Pall.) sehr wenig nachgibt, ohne Jedoch dessen Körpergrösse annähernd zu erreichen. Das Weibchen ist viel kleiner und dürfte möglicherweise ein noch nicht vollständig ausgewachsenes Thier sein; seine Rückenfarbe, die beim Männchen graubraun genannt werden könnte, sticht stark ins Rostrothe. Ueber den Hinterrücken zieht sich ein scharf- abgesetzter, linienartiger schwarzer Streifen, der auf dem Rücken in einen über dem Rückgrat bis zum Schwänze verlaufenden weissen übergeht. Beim Männchen wird dieser Streifen von i — 2-5 Zoll langen Haaren gebildet. Gerbati, 14. März i885. — Pupille länglich, Iris dunkelbraun (nach J. Menges). Männchen Weibchen 175 Cm. 130 Cm. 27 » 18 ,> 63 » — 34-5 " — 5 » — 3 » ■ — i 32-5 » 22 » 10 — II II — 12 Hippofragus leucophaeus Pallas. Die Antilope kucophaea Pall., der Blaubock der holländischen Colonisten, wie sie Pallas in seinen Mise. Zool. p. 4 und Spicil. Zool. Fsc. I, p. 1767 beschreibt, ist eine Art, über deren Werth die Meinungen trotz vielfacher Erörterungen noch irnmer sehr getheilt sind. Während sich ein Theil der Autoren (Sundevall, Laurillard, Fitzinger) deutlich gegen die Thunlichkeit einer Vereinigung mit Hippotragiis eqidniis Geoffr. (Rossantilope) ausspricht, wird der Blaubock von anderen (A. Srnith, J. E, Gray, Harris) als kleinere Varietät oder Jugenderscheinung als zu dieser Art gehörig betrachtet. L. Reiche nbach und Wagner enthalten sich eines Urtheils und behandeln die Frage als eine offene. Ein endgiltiges Urtheil hierüber scheint besonders in Folge eines Umstandes schwierig zu werden. Im Jahre 1799 ist näniHch das erinnerlich letzte Stück dieser in der Capcolonie lebenden, aber von jeher seltenen Antilope geschossen worden; seit dieser Zeit hat man von ihr keine sichere Kunde') mehr bekommen, und es scheint, dass man sie zu den vom Menschen in jüngster Zeit ausgerotteten Thieren rechnen kann. I) Nach einem Aufsatze Sclater's (»On the Mamm. coli, and obs. by Capt. J. Speke during the East-Afric. Exped.« — Proc. Zool. Soc. Lond. 503, 1864) soll Aegocerus leucophaeus von Speke bei Kazeh geschossen und ein Kopf mitgebracht worden sein. Da aber aus späteren Aufsätzen Sclater's, von dem die Bestimmung herrührte, hervorgeht, dass ihm der eigentliche Blaubock unbekannt war, muss die Speke 'sehe Notiz, auf den Hippotragus cqiiinus Geoftr. in Anwendung kommen. 84 Franz Fricdr. Kohl. Ausf^estopfte Stücke besitzen nur die Museen von Wien, Paris, Stockholm, Upsala und Leyden. Die einzige Aussicht auf Entscheidung der offenen Fragen kann daher am ehesten noch von diesen Instituten zu erwarten sein. Sowohl L. .1. Kitzinger als Laurillard, ersterer am Wiener, letzterer am Pariser Museum, haben ihrerzeit trotz der bekannten Anschauungen A. Sraith's nicht gezögert, A. leucophaea als selbständige Art zu erklären. Sundevall, der drei Stücke von H. leucophaeus (in Upsala, Stockholm, Paris) gesehen hatte, führt ihn gesondert neben H. equinus als eigene Art an und erklärt ausdrücklich: »Minime animal fictum ut cre- didit A. Smith, sed fere certe, ut docuit Lichtenstein, in fine saeculi prioris extinctum« (Pecora, 1848, p. 72). Das Exemplar des H. leucophaeus im Wiener Museum ist ein Weibchen; da wir auch ein Weibchen des H. equinus besitzen, so war es möglich, folgende Masse zu nehmen und zu vergleichen: H. equinus J. Geoftr. 9 H. leuco- phaeus Fall. 9 200 Cr 61 : 124 : 38 ■■ 33 13-5 16 188 Cm. 49 >> 102 » 51 >' 41 » 12-5 » 13-7 » Körperlänge ohne Schwanz (am ausgestopften Thiere gemessen) .... Länge des Schwanzes mit der Quaste SchuUerhöhe ... Länge eines Hornes vorne nach der Krümmung gemessen Gerader Abstand der Hornbasis (hinten) von der Spitze Umfang eines Hornes an der Basis Glatter Spitzentheil des Hornes Zahl der Ringe bei H. equinus 13, bei H. leucophaeus 26. Nasenrücken bei H. equinus bis über die Wangen herab braunschwarz; zwischen ihm und den Augen zieht sich beiderseits, ganz in der braunschwarzen Färbung liegend, ein weisshcher, fast ganz durch einen weissen Haarbüschel gebildeter Streifen schief in der Richtung gegen den Mundwinkel herab. Dem H. leucophaeus fehlt die schwarze Färbung des H. equinus ganzlich und der Haarbüschel ist nicht weiss, sondern blass- braun und auch schwächer. Da aus der Vergleichung obiger Notizen besonders hervorgeht, dass H. leucophaeus kleiner als H. equinus, die Länge seiner Hörner und die Zahl deren Ringe trotzdem eine sehr viel beträchtlichere ist, so wäre es doch gewiss ungereimt, den kleineren H. leucophaeus als Jugenderscheinung von H. equinus aufzufassen; denn wollte man dies in diesem Falle, dann müsste man auch in allen anderen Fällen, den Erfahrungen zuwider, es aufgeben, das Entwicklungsverhältniss der Hörner zur Beurtheilung des Alters der Individuen länger zu verwerthen. Bringt man zugleich in Anschlag, dass H. leucophaeus im Gesichte anders getäi-bt ist und keine Mähne auf dem Halse trägt wie H. equinus, so kann wohl von der Ver- einigung beider Formen in eine Art keine Rede sein.') Ich halte demnach den H. leucophaeus weder für eine kleinere Varietät, noch für eine Jugenderscheinung, sondern für eine selbständige Art, die nunmehr wahrscheinHch ausgerottet ist. Da von Jüngeren Autoren, wie J. E. Gray, Giebel und Anderen, denen H. leu- cophaeus nur aus Abbildungen und Werken, nicht aber aus eigener Anschauung bekannt war, beide Arten vereinigt werden, so schien mir diese Erörterung sowohl, als auch folgende genaue Sichtung der Synonyma nöthig: I) Ein Unterschied in der Grösse der Hufe, wie ihn Kitzinger angibt, besteht nur insoweit, als eben auch H. leucophaeus dem //. equinus an Grösse bedeutend nachsteht, also nicht absolut. Ucbcr neue und seltene Antilopen. 85 H. leucophaeus Paii. Capra coerulea Kolbc: Capcns. vol. I. ed. germ. 141, cd hclg. i(j(), 1741. Antilope leucophaea Pallas: Mise. Zool. 4, 1766, et Spicil. Zool. Fsc. I. 6, 1767. Blue Antelope Penn.: Syn. Quadrup. 24, Fig. capit. 3(j, 1771. A. leucophaea Erxl: Syst. regn. anirii. 371, 1777. A. leucophaea Zimmermann: Geogr. Gesch. II. lob, 1778 — 1783. Ga^elia l\eiran Buffon: Hist. nat. Suppl. t. VI. 168, 1782. A. leucophaea Gmel. : Syst. Nat. ed. XIII. t. I. 182, 1781). Blaauw bock in Verhandl. Batav. Genoot. 1792. A. leucophaea Shaw.: Gener. Zoology II. P. 2. 35 5, Tab. 195, 1801. ^4. leucophaea Lichtst.: Mag. d. Gesellsch. naturf. Freunde, Berlin, VI. 159, 1807. Blaubock Fichtst.: Reise II. 121, 181 1. A. leucophaea Thunbcrg: Mem. de l'Acad. Petersb. III. 314, 181 i. A. (Oryx) leucophaea Blainv.: Bull. Sc. Phil. 75, 1816. A. leucophaea Desmar. : Nouv. Dict. d'hist. nat. II. 204, 1 816 — 1819. A. leucophaea Cuv. : Regne, anim. I. 262, 1817. A. leucophaea Schreber: Säugeth., V. Abth. ii83, Taf. 278, 1817. A. leucophaea Schinz: Das Thierrcich von Cuvier 394, 1820. A. leucophaea Desmar.: Mammalogie 475, 1820 — 1822. Aegocerus Leucophaea Ham. Smith: Grit!. Anim. Kingd. V. 5io, 1827. A. leucophaea J. B. Fischer: Synops. Manim. 479, 1829. .4. leucophaea Smuts: Enum. Mamm. cap. 68, i832. ^1. leucophaea Ham. Smith: Gritf. Anim. Kingd. V. 817. A. leucophaea L. Reichenb. : Naturgesch. d. Säugeth., 3. Bd. i3o, Taf. XL, Fig. 2 35, 1845. Aigocerus leucophaeus Schinz: Synops. Mamm. 440, 1845. Hippotragus leucophaeus C. S u n d e v all : Meth. Uebers. d. wiederkäuend. Thierc (Linne's Pecora) (Uebersetzung von Dr. C. Fr. Hornschuch) 72, 1848. Aegocerus equinus J. E. Gray: Proc. Zool. Soc. P. XVIII. i33 (var.), i85o. Aegocerus leucophaeus J. E. Gray: Cat. Mamm. Brit. Mus. P. III. 104 (var.), i852. Antilope (Hippotragus) equina var. ß Wagner: Schrcber's Säugeth. Suppl. V. Abth. 436, i855. Aegocerus leucophaeus L. Fitzinger: Naturgesch. d. Säugeth., IV. 3 14, 1859. H. equinus J. Geoffr. Antilope equina J. Geoffr.: Cat. d' Musee. A. (Oryx) equina Blainv.: Bull. Sc. Phil. 75, 1816. A. equina Desmar.: Nouv. Dict. d'hist. nat. II. 204, 1816 — 181 9. A. equina Cuv.: Dict. scient. nat. II. 446, Fig., 1817. A. leucophaea Schreber: Säugeth., V. Abth. 1186, 1817 (ex parte). A. equina Cuv.: Regne anim. I. 203, 1817. A. equina Desmar.: Mamm. 476, 1820 — 1822. A. equina Schinz: Das Thierrcich von Cuvier 394, 1820. A. equina Schinz: Naturg. Abbild, d. Säugeth. 3o5, Taf. i 3o, 1827. A. equina Desmoul.: Dict. class. hist. nat. VI. 446, Fig., 1827. Aegocerus Equina Ham. Smith: Gritf. Anim. Kingd. IV. 177, t. V. 811, 1827. .4. equina .1. P. Fischer: Synops. Mamm. 480, 1829. 35 Franz Fricdr. Kohl. A. equina Smuts: Enuni. Mamm. cap. 69, i832. Aigocerus equinus Andr. Smith: Illustr. of the Zool. of South Africa, n. 12, Tab. 27, 1840 — 1845. A. equina Wagn.: Schreber's Säugeth. Suppl. IV. Abth. 482, 1844. A. equina Schinz: Synops. Mamm. 441, 1845. A. equina L. Reichenbach: Naturgesch. d. Säugeth. 3. Bd. 128, 1845. A. (Aigocerus) equina ?ic\-\inz: Monogr. d. Säugeth. i3, 14. Heft, 37, Taf. 42, 1846. Hippotragus equinus C. Sundcvall: Linne's Pecora, 72, 1848. Aegocerus equinus J. E. Gray: Proc. Zool. Soc. P. XVIII. i32 (excl. var.), i85o. Aegocerus leucophaeus J. E. Gray: Cat. Mamm. Brit. Mus. P. III. 102, i852. A. leucophaea Giebel: Die Säugethiere 296, i855. A. (Hippotragus) equina Wagn.: Schreber's Säugethiere, V. 435 (excl. var.), i855. Aegocerus equinus L. Kitzinger: Naturgesch. d. Säugeth., IV. 3 14, Fig. 2o3, 1859. Als zweifelhafte Synonyma dieser beiden Arten müssen gelten: Täkhit^e Fruter et Sommervillc in Geogr. Ephem. 274, 1807. Bastard Eland Lichten stein: Reise nach Afrika II. 262, 181 1. Bouquetin ä crinicre d' Afrique Cuv. : Regne anim. I. 266, 1817. Capra aeth.iopica Schinz: Das Thierreich von Cuvier I. 403, 1820. Takkai^e DanieU's Afric. Seen. n. XXIV, 1820. Zum Schlüsse sei bemerkt, dass die Arten dieser Gattung, wenigstens .1. leucophaea und A. equina nicht, wie Smuts (Enum. Mamm. cap. i832) zuerst berichtet und andere, besonders jüngere Autoren ihm nachschreiben, blos zwei, sondern vier Zitzen haben. Erklärung der Tafeln. Taf. III, Fig. rechts: Ga:^eUa Spekei B\yi\-i, altes Männchen. Fig. links: Ga:^eUa Peln^elnii n. sp., altes Männchen. Taf. IV, Fig. I : Ga:^ella Pel^elnii n. sp., altes Männchen. Schädel, {^/.y d. nat. Grösse.) Fig. la: Ga~elld Pel:^elnii n. sp., altes Männchen. Gehörn. (^ _- d. n. Gr.) Fig. ib: Ga-ella Pel:ielnii n. sp., altes Männchen. Hörn. Seitenansicht. ('4 ^- "• ^r. Fig. 2: Ga:^ella Bennettii Syk., altes Männchen. Schädel. ('/., d. n. Gr.) Fig. 3: Ga:^ella Spekei Blyth, altes Männchen. Schädel. ('/^ d. n. Gr.) Fig. 3a: Ga:^ella Spekei Blyth, altes Männchen. Gehörn. (\4 J- "• *Ji'-) Fig. 3b: Ga:^el!a Spekei Blyth, altes Männchen. Hörn. Seitenansicht. ('3 d. n. Gr. Taf. V, Fig. I : Ga-ella arabica Ehrenb., altes Männchen. Schädel, (i/.^ d. n. Gr.) Fig. 2: Ga:{^ella dama Fall., altes Männchen. Schädel. ('/,, d. n. Gr.) Fig. 3: Litocranius Walleri Brooke, altes Männchen. Schädel. ('A d. n. Gr.) Taf. VI, Fig. I : Ga^ella Spekei Blyth, Schädel, obere Ansicht. (' .^ d. n. Gr.) Fig. 2: Litocranius Walleri Brooke, Schädel, obere Ansicht. (' 2 ^- "• Gr.) Fig. 3: Tragelapluis imberbis Blyth, altes Männchen, Schädel. (',4 d. n. Gr.) Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Von Prof. Dr. Friedrich Brauer. Mit zwei photo-zinkogr. Tafeln (Nr. \\\ und VIII). Einleitung. IN och vor wenigen Jahren schrieb H. Credner (Elemente der Geologie 1872, p. 3 10): Es ist ein fremdartiger Anblick, welchen unser Planet während der Silurperiode dem Auge der Geologen bietet. Fast das ganze Erdenrund ist vom Wasser bedeckt, über dessen Spiegel sich nur einzelne felsige Inseln erheben. Sie entbehren noch des Schmuckes einer Pflanzendecke und des Lebens thierischer Bewohner, ■ — todt und starr stehen sie da! — Die Flora und Fauna des silurischen Zeitalters war ausschliesslich marin. Seither hat man Spuren von niederen Land pflanzen (Goss, Ent. m. mag. p. 126, Note, T. XV. Scoville, Rominger) und zweifellose Landthiere entdeckt. Vor zwei Jahren hat die Auffindung eines Scorpions (Palaeophoneus niincius Lindstr.j im oberen Silur allgemeines Aufsehen erregt, und noch überraschender war die Entdeckung eines Insectes im älteren mittleren Silur. Es wurde nämlich ein Flügelabdruck gefunden, der im Ver- gleiche mit jetzt lebenden Insecten mit Vorbehalt als solcher einer Schabe (Blattide) ge- deutet wurde (Brongniart). Gewiss ist, dass beide nicht die einzigen und ersten Formen luftathmender Glieder- füssler waren und dass sie das Vorjiandensein von Pflanzen bedingen. Beide Formen sind schon so weit in ihrer Organisation von den ausschliesslichen Wasserbewohnern und Wasserathmern entfernt, dass es gerechtfertigt erscheint, zahlreiche Zwischenformen und Vorläufer anzunehmen. Auch lassen sich nicht alle späteren luftathmenden Arthro- poden von diesen beiden Typen herleiten. Es scheint uns auch die Aeusserung Brongniart 's etwas voreilig, nach welcher durch die Entdeckung des ältesten Insectes die Ansichten der Biologen verdrängt und widerlegt werden sollten. Denn diese haben als Urtypus eines Insectes, in Uebereinstim- mung mit Fritz Müller 's Ansichten über die Verwandlung, eine Form angenommen, welche zumeist mit den heute lebenden Thysanuren, Machilis, Lepisma (Paul Mayer) oder Campodea (Brauer, Lubbock) verwandt sein sollte. Es ist aber ganz falsch und unwahr, was Scudder (Handbuch der Paläontologie von A. Zittel, p. 825, i885) sagt, dass die Biologen der Ansicht waren, die Hexapoden stammen von fusslosen Vorfahren ab, oder wie Scudder sich ausdrückt: von »fusslosen Hexapoden«. — In der That stellten die Systematiker bisher die Thysanuren in den Kreis der Orthopteren im weiteren Sinne und ganz nahe an die Blattiden, da die Mundwerkzeuge von Blattei und Friedrich Brauer. Z,e/'/5;?z<:z einander sehr ähnlich sehen (Ger st äck er). — Wir haben allerdings keinen Beleg dafür, dass vor den Schaben Lepismiden existirt hätten, da ihr ältester Repräsentant eben auch jetzt von Brongniart erst in der Kohlenperiode entdeckt wurde (Dasyleptus Lukasii Brgt.). Wir wissen aber, dass Formen, welche durch Rückbildung aus anderen ableitbar sind, oft eine Aehnlichkcit mit den Vorfahren vollkommener Formen zeigen können. — Aus Gründen, welche aus der Biologie und Morphologie hervorgehen, scheint es daher gerechtfertigt, die Formen der ersten Insecten so anzunehmen, dass sie eine gewisse Aehnlichkeit mit Thysanuren zeigen (Campodea), da viele Jugendformen der Insecten (Chloe) ganz gut einen Vergleich mit Thysanuren zulassen und diese Jugend- formen den sonst so verschiedenen vollkommenen Insecten aus ganz unähnlichen Ord- nungen gemeinsam sind. — Ebenso zeigt die Gruppe, in welche der Scorpion gehört, eine merkwürdige Beziehung zu den Gigantostraken, wohin Limulus und vielleicht die Trilobiten gehören. Die verschiedenen Forschungsrichtungen müssen sich unterstützen und ergänzen, niemals aber einander feindlich und schrotf gegenüberstellen. Es wird auch hervorgehoben, dass sich ein Vergleich der fossilen Insecten mit anderen fossilen Thiergruppen sehr sonderbar ausnimmt. Während in allen anderen Thiergruppen fast nur fremdartige Gestalten erscheinen, treffen wir in den paläozoischen und mesozoischen Schichten Insectenformen an, die man sofort in die betreffenden, jetzt lebenden Ordnungen oder Familien bisher einreihen konnte, und gar keine in dieser Hinsicht zweifelhafte Form erscheint uns in diesen Perio- den.') Die Classen und Ordnungen anderer Thiergruppen der Silurperiode erlöschen bis in die Jetztzeit fast vollständig, oder sie schmelzen auf wenige Formen zusammen, und diese sind oft so verändert, dass sie nur mit Mühe und spät als Abkömmlinge jener erkannt werden konnten (Limulus) ; nur die Classe der Insecten erscheint gleich vom Anbeginn in der Form eines Orthopteren, einer Blattide, und ist in der mesozoischen Zeit fast durch sämmtliche Ordnungen vertreten, ohne früher irgend welche Zwischen- formen oder Schalttypen gezeigt zu haben. — Ebensowenig kennt man Schalttypen zwischen den einzelnen Classen des Arthropoden-Kreises in den späteren Perioden, wäh- rend Schalttypen zwischen Amphibien und Reptilien, nämlich die Labyrinthe donten oder Froschsaurier, oder zwischenVögeln und Reptilien: dtr Archaeopteryx, Odonto- pteryx, Hesperornis, oder zwischen Reptilien, Fischen und Vögeln: der Ichthyornis, oder zwischen Reptilien und Vögeln: dQv Pterodactylus, zwischen Reptilien und carni- voren Säugethieren: die Theriodonten, oder zwischen den Ordnungen der W'iederkäuer, Dickhäuter und Schweine: die Anoplotherien bekannt wurden etc. Einige solcher Schalttypen leben heute noch, z. B. die einzige Art der Rhyncho- cephaliden, ein Reptil mit vielen Charakteren der Vögel; die Monotremen, eier- legende Säugethiere; die Dipnoi, lungenathmende Fische; die Beutelthiere, eine Schalttvpen-Gruppe zwischen Monotremen und placentalen Säugethieren; die Lepto- cardien, eine Schalttype zwischen Tunicaten und Wirbelthieren; die Placophoren, zwischen Würmern und Mollusken u. m. a. (Neoincnia, Chaetodenna und Placo- phoren, Chiton). Man hat zwar in neuester Zeit auch unter den fossilen Insecten ei^iige als Schalt- tvpen deuten wollen, aber diese bis jetzt nicht zweifellos feststellen können. Auch scheint man dieselben zwischen Insectenordnungen zu suchen, wo sie vielleicht nie gelegen waren. ') Goss gibt einen Vergleicli aus dem englischen I.ias. Man tritii dort nach Westwood Carabiden, Telephoriden, Elateriden, Curculioniden, Chrysomeüden, Blattiden, Gr}llidcn etc., dagegen von Vertebraten die Ilydro-Saurier, den Pterodactylus und gigantische Reptilien. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. 8q Will man die allmälige Entwicklung eines Thiergcschlechtes verfolgen, so scheint es, wie neuere Untersuchungen festgestellt haben, am zweckmässigsten, von der Jetztzeit auf die jüngsten geologischen Perioden zurückzugehen und die nächsten Schalttypen zuerst in der der gegenwärtigen zunächst liegenden Zeit zu suchen. Auf diese Weise ist man bei höheren Thieren im Stande gewesen, die isolirte Ord- nung der Einhufer von einer ganzen Reihe von Vorfahren abzuleiten, welche den Zu- sammenhang mit heute noch lebenden Unpaarzehern (Tapir, Rhinoceros) herstellt. Lässt sich daher bei Betrachtung der paläontologischen Funde vom Silur angefangen auch ein allmäliger Fortschritt in der Entwicklung der Thierformcn deutlich von nie- deren Typen zu höheren erkennen, so wird doch der genetische Zusammenhang der ver- schiedenen Formen durch morphologische Schalttypen noch weit mehr durch den um- gekehrten Weg veranschaulicht, weil weit mehr Formen erhalten geblieben sind, welche die zuletzt aufgetretenen Gattungen verbinden, als dies bei den höheren Kategorien des Systems der Fall ist, deren höherer systematischer Rang mit dem Alter ihres Ursprunges und der Mangelhaftigkeit ihrer Genealogie im geraden Verhältnisse steht. Mit der Beurtheilung der fossilen Insecten werden wir nicht weit kommen, w^enn wir so engherzig sind und die Formen dieser Classe immer in die wenigen sieben oder neun Ordnungen gruppiren. Unsere jetzt lebenden Insecten sind durch so allgemeine Cha- ractere in wenige Ordnungen untergebracht, dass eben diese auch noch die fossilen Formen ohne Widerspruch aufnehmen können. — Und das ist auch die eine Ursache, warum die fossilen Insecten sich in so auffallendem Widerspruch mit den übrigen Thier- formen befinden; von jenenhaben wir stets nur Orthopteren, Neuropteren, Hemipterenetc, von diesen aber Thiergruppen, die in der Jetztwelt nicht mehr vorkommen, in einzelnen Formationen auftauchen und wieder untergehen, z. B. die Labyrinthodonten, die Trilo- biten, Ammoniten etc. — Eine zweite Ursache liegt aber in dem uralten Ursprünge vieler Insectengruppen, welche wir als Ordnungen unterscheiden, und eine dritte Ursache in der mangelhaften Kenntniss jener Organtheile, welche uns in der Regel am besten er- halten worden sind — der Flügel — und deren Verhältniss zur Gesammtorganisation. Man beschreibt die Flügel nur stets zur Unterscheidung der nächsten verwandten Gattungen und Arten, vergleicht aber nicht die der Ordnungen. Es hat bis jetzt noch Niemand unternommen, eine Charakteristik eines Lepidopteren-, Dipteren-, Neuro- pteren-, Coleopteren-, Ephemeren- oder Orthopterenflügels zu geben, und es darf daher nicht überraschen, dass, als Brongniart zu den Flügeln der für ausgestorben erklärten Paläodictyopteren die Körper fand, diese Phasmiden angehörten, oder dass der Eine dieselben fossilen Flügelabdrücke für solche von Wasserwanzen oder von Cicaden, der Andere für solche von Lepidopteren oder Hymenopteren deutet. Eine vergleichend anatomische Untersuchung der vorzüglich erhalten gebliebenen Theile der Insecten fehlt fast vollständig, während diese bei Wirbelthieren zur Deutung der fossilen Reste selbstverständlich zuerst in Angriff genommen wurde. Ein vierter Grund liegt in der Mannigfaltigkeit der Verhältnisse, denen sich In- secten anpassen können, so dass es immerhin weit begreiflicher ist, wenn wir noch heute Insecten finden, welche mit den ältesten fossilen Formen in eine Ordnung gebracht werden können. Besitzen wir ja auch unter den Placophoren noch eine Form, welche im Silur schon vertreten war, z. B. die Gattung Chiton und unter den Brachiopoden die Gattung Lingula. Das Verzeichniss solcher Formen würde sich bedeutend verrnehren lassen, wenn wir, wie ich schon bemerkte, andere Thiergruppen nach denselben Principien auffassen wollten, wie sie für Insecten geläufig sind. So würden wir den Lunidus und die Trilobiten QQ Friedrich Brauer. in eine Ordnung der Crustaceen stellen, die Schalttypen der Amphibien und Reptilien verschwänden, wenn wir an der alten Classc der Amphibien festhielten, und ebenso die interessanten Zwischenformen, welche die Monotremen und Beutelthiere bilden, würden verloren gehen unter der unrichtigen systematischen Anschauung und durch die Un- kenntniss der Werthe systematischer Kategorien. Ebenso verhielte es sich mit den an- deren Schalttypen, die ich vorhin aufgezählt habe. Fassen wir die Classen und Ordnungen etc. subtiler auf und vereinigen wir • innerhalb der Classencharaktere etc. nicht die heterogensten Formen, zwischen denen gar keine morphologischen Bindeglieder liegen, so tritt die Verschiedenheit der Thier- formen früherer Erdperioden von den jetzt lebenden um so schärfer hervor, und, mit Rücksicht auf die lückenhafte Urkunde der paläontologischen Entwicklung des Thier- reiches, zeigt sich auch die Uebereinstimmung der biologischen Resultate mit den palä- ontologischen. Wir wundern uns allerdings, dass in den ältesten Zeiten schon Wirbel- thiere existirt haben, aber wir begreifen, dass dies Fische waren, und noch mehr begreifen wir, dass diese Fische nur zur Gruppe der Paläichthyes gehörten. Ebenso erregt das Er- scheinen eines Insectes im Silur Aufsehen, aber es erscheint uns sofort natürhch, dass dieses zu den Orthopteren gehört. Wenn von dem ersten Auftreten der Säugethiere ge- sprochen wird, und wir führen die mesozoische Zeit an, so linden wir als sofort bedingend, dass Amphibien und Reptilien diesen in der paläozoischen Zeit vorausgingen und jene Beutelthiere waren u. s. w. Hier ergänzen Paläontologie und Biologie sich durchaus und letztere füüt die leeren Blätter der lückenhaft überkommenen Urkunde. Eine geistige Reise in jene längst entschwundenen Länder zur Erforschung ihrer Fauna kann nur mit Hilfe verschiedener Forschungsrichtungen mit Erfolg gemacht werden, und zwar müssen die entwicklungsgeschichtliche Richtung, die vergleichend ana- tomische Richtung, die vergleichend morphologische Richtung, die zoobiographische Richtung, sowie Zoogeographie über die verschiedenen Hindernisse hinweghelfen, wie man sich auf einer weiten Reise verschiedener Verkehrsmittel bedienen muss, und schHess- lich müssen noch andere Wissenschaften zu Hilfe kommen, um uns über das uralte Vor- kommen von Organismen auf unserem Planeten aufzuklären, deren Formen durch die Zeit vollständig vernichtet wurden. So lehrt uns die Geologie, die Aehnlichkeit zwischen dem Auftreten der Graphitlager und dem jüngeren Kohlengestein, welche so gross ist, sagt Credner, dass die Versuchung nahe liegt, in dem Graphite das Endresultat des Ver- kohlungsprocesses zu erblicken, durch welchen die Holzfaser in Braunkohle, Steinkohle und Anthracit umgewandelt wurde. Damit ist die Andeutung organischen Lebens in der vorsilurischen Laurentischen Periode gegeben und anderseits das plötzliche Auftreten einer immerhin mannigfaltigen Pflanzen- und Thierwelt in der silurischen Periode ver- ständlich. Wenn wir uns an die früher erw^ähnte Mannigfaltigkeit und das Anpassungsver- mögen der Insecten erinnern, so wird es weniger merkwürdig erscheinen, dass uns aus den verschiedenen nacheinander aufgetretenen Gruppen und von den alten Geschlechtern dieser Classe mehr Formen bis in die Jetztzeit erhahen geblieben sind und wir heute viele derselben gleichzeitig nebeneinander sehen, während in anderen Thiergruppen zahl- reiche Geschlechter und Ordnungen ausgestorben sind. Theilweise jedoch ist das, wie erwähnt, eine Täuschung und sehen wir durch ein sehr gefärbtes Glas bei diesem Aus- spruche. Halten wir an den sieben lnseacn-Oi\\nu\vj,cn ( Orthopteni, Rhynchota, Neuro- ptera, Diptera, Lepidoptera,Coleoptera, Hymenoptera) fest und stellen sie in einen Kreis, so könnten sieben Zwischenglieder zu suchen sein; thcilen wir dieselben in zwei Classen Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. qi (Sj-naptera und Pterygogenea) und crstcrc in 2, letztere in 16 unvermittelte Ordnungen, so könnten wir glauben, wir hätten mehr als doppelt so viel verlorene Schalttypen, und zwar solche zwischen zwei Classen und zwischen 18 Ordnungen zu suchen. Doch wäre dies ein grosser Fehler; denn die Schalttvpen zeigen uns ja an, dass dereinst viel weniger Ordnungen existirt haben, indem sie die Charaktere mehrerer Ordnungen vereinigten. Wir haben daher zu erforschen, welche und w^ie viele jetzige Ordnungen auf eine Schalt- type zurückzuführen seien. Wir wissen auch nicht, wie die Abzweigungen der Ordnungen stattgefunden haben, ob 2 oder 3 oder mehrere jetzige Ordnungen einen bestimmten Ausgangspunkt gehabt haben, oder wie viele solche Punkte vorhanden sind. Durch ana- tomische und vergleichend morphologische Untersuchungen kommen wir, von den jetzigen Forrnen ausgehend, auf fünf oder sechs Typen, aufweiche die 16 Ordnungen der geflügelten Insecten zurückzuführen sind, und da die Flügel dieser sechs Typen, an denselben Segmenten liegend, einander homolog sind, so dürften die geflügelten Insecten (Pterj'gogenea) auf einen Ausgangspunkt hinweisen, der uns aber ganz unbekannt ist: 1. Orthoptera polynephria; 2. Orthoptera oligoncphria ; 3. Thysanoptera; 4. Rlij'n- chota; 5. Metabola oligonephria und 6. Metabola polynephria. Von diesen sechs Tvpen oder Phylen enthält das I. die Ordnungen: i. Dermaptera, 2. Ephemeridae, 3. Odonata, 4. Plecoptera, 5. Orthoptera gemiina; das II. Ordo G: Corrodentia ; das III. die 7. Ordo: Thj'sanoptera; das IV. die Ordo 8: Rhynchota ; das V. dieOrdines g: Neuropteras.siv.', 10: Panorpatae; 1 1 : Trichoptera; 12: Lepidoptera; i3: Diptera; 14: Siphonaptera; i5: Coleoptera und das VI. die Ordo 16: Hj-menoptcra. Confer. Syst. zool. Studien. Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., Wien, Bd. XCI., i885, p. 337. /. Ueber die Bestimmung fossiler Insecten im Allgemeinen. Bei Beurtheilung der mangelhaft erhaltenen fossilen Insecten muss in erster Linie die Kenntniss der lebenden Insecten in vergleichend anatomischer und morphologischer Richtung vorausgesetzt werden. Es niuss dem Beurtheiler bekannt sein, welche lebenden Formen, oder welche der unterschiedenen Ordnungen in diesen Richtungen mit einander zunächst systematisch, das ist auch genealogisch verwandt sind und welche einander hie und da sehr ähnlich sind, aber bei näherer Untersuchung ganz verschieden und gar nicht oder nur sehr entfernt verwandt erscheinen. — Von der Ana- tomie der fossilen Formen ist uns nichts bekannt und können wir dieselbe nur aus der Correlation gewisser Organe (Mundtheile und Darmcanal) erschliessen. — Wenn wir eine jetzt lebende Libelle anatomisch untersuchen, so gleicht ihr Darm jenem eines Heuschrecken viel mehr und ebenso ihre Mundtheile, als jenen des ihr äusserlich oberflächlich betrachtet so ähnlichen Ameisenlöwen, Hätten wir beide nur fossil und könnten über ihren inneren Bau und ihre Entwicklung nichts erfahren, so brächten w'ir sie vielleicht durch eine Menge äusserer, scheinbar verwandtschaftlicher Merkmale in Eine Ordnung. Damit sage ich keineswegs zu viel; denn bevor man ihre Anatomie genau kannte und auch noch später, als man wenig Werth auf diese und die Biologie legte, oder nur ein unnatürliches System auf einzelne Merkmale gründete — gehörten beide in Eine Ordnung, und zwar der Netz- flügler, Neuroptera Linne. Man hatte damals auch nicht darauf Rücksicht nehmen können, dass die reich genetzten Flügel in Bezug ihrer homologen Adern eine ganz verschiedene Vertheilunir zeiiren. 92 Friedrich Brauer. Wenn eine solche Systematik noch von Einigen heute cultivirt wird, so h eis st das auf alle weiteren enthüllten wissenschaftlichen Wahrheiten keine Rücksicht nehmen und seit Linne nicht fortgeschritten sein. — Die aus der Untersuchung hervorgegangene Kenntniss der grossen Verschiedenheit dieser beiden Formen zeigt aber sofort, dass zwischen beiden zunächst keine Schalttvpe zu suchen sei, und dass fossile Funde, wenn sie auch noch so sehr den Schein einer Schalttype gewähren sollten, niemals als solche schlechtweg erklärt werden können. — Die Aehn- lichkeiten beider Thiere beruhen in unserem Falle auf heterophyletischer, gleich reicher Entwicklung des Adernetzes der Flügel, welch' letztere beide von uns unbekannten ge- flügelten gemeinsamen Vorfahren, also homophyletisch, ererbt haben. Die vergleichende Morphologie und Anatomie kommen hier der Deutung zu Hilfe; denn man hat durch sie Anknüpfungspunkte von beiden an ganz andere Gruppen gefunden und die Libellen stellen sich sonach als das Ende einer Entwicklungsreihe dar, als einer Gruppe angehörend, die ihren Höhepunkt wahrscheinlich bereits über- schritten hat und deren Formenreichthum in der Abnahme begriffen ist. Der höher entwickelte Ameisenlöwe kann aber nicht mehr von hier seinen Ausgangspunkt genommen haben, da er, als Neuropteron, das Muskelsystem mit den wahren Orthopteren und den Vorgängern der Libellen, den Ephemeren, und nicht mit den Libellen gemeinsam hat und dessen Thoraxbau mit dem Segmentum mediale an die Hymenoptera erinnert. Nach Scudder sollen die Homothetiden aus dem Devon eine Schalttype zwischen Libelluliden (Odonata) und Neuro pteren (Sialiden) bilden, das nach obigem Beweis aber unmöglich ist. — Brongniart erklärt sie für Ephemeren, nach Hagen sind sie Neuropteren, und zwar echte Sialiden und gar keine Schalttype. Ebenso beweist die Biologie und Anatomie, dass die Ephemeren ein Bindeglied zwischen Libellen und Perliden (Plecopteren) bilden (Wolter), obschon uns eine Zwischenform nicht erhalten geblieben ist. Eine directe Schalttype aber zwischen Ephemeren einerseits und Sialiden (Sialis und Rhaphidia) und Megalopteren (Coniopteryx) andererseits ist weder aus der Biologie, noch aus der Anatomie und Morphologie zu erschliessen. Es können also Xenoneura oder die Xeno- neuriden aus dem Devon kaum als solche angesehen werden. Brongniart erklärt sie als besondere Neuropterenform, Hagen ebenfalls. Ebensowenig kann die Gattung Corydaloides aus der Steinkohle eine Schalttype von Pseudoneuropteren und Neu- ropteren bilden, wenn wir sie mit Brongniart zu den Pseudoneuropteren stellen, wozu Libelluliden, Ephemeren und Perliden gehören. Sie entfernt sich von allen diesen be- trächtlich und steht ganz nahe der Jetzt lebenden Neuropterengattung Sialis. Auch treten Pseudoneuropteren und Neuropteren vollständig nebeneinander im Devon und in der Kohle ohne Vermittlung auf, so dass sie schon damals einander nur durch die genetzten Flügel ähnlich, aber stets nach einem differenten Schema gebaut waren, gerade wie in der Jetztwclt. Die Zurückführung auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt ist daher nicht möglich. Sind die Schwanzfäden und die Tracheenkiemen bei Corydaloides richtig ge- deutet, so hat die Gattung doch sonst nichts mit VtrY\den[Pteronarcys u, a.) und Euphaea unter den Odonaten (abdominale Tracheenkiemen) gemeinsam, wohl aber das für Sialis typische Flügelnetz und die Abdominalkiemen entsprechen jenen der jetzt lebenden Sialis- Larve. Wir hätten daher eine Sialide, bei welcher die Tracheenkiemen der Larve per- sistent geblieben wären, wodurch aber noch nicht die Verwandtschaft mit den genannten Pseudoneuropteren erwiesen ist, da derartige Bildungen heterophyletisch entstehen können. — Würden zum Sialidcn-Flügclnetz, die Mundthcile nach Art der Perliden etc. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. q3 gebildet sein, und wären sie im Fossil erhalten, dann würden die Verhältnisse erst zu Gunsten für Brongniart's Ansicht einer Schalttype sein. Mit Rücksicht auf die Wirbelthiere müssen wir einsehen, dass uns die paläozoi- schen Formen der Insecten in einer Weise erhalten worden sind, dass wir mehr Anhalts- punkte zur Erkenntniss der Classe und zur Unterscheidung von Arten und Gattungen, vielleicht auch Familien haben als zur Feststellung der Ordnung; denn gerade die für diese nothwendigen Merkmale sind ungenügend erhalten geblieben oder können über- haupt nicht ohne Beobachtung lebender Thiere oder anatomische Untersuchung erkannt werden. Auch noch lebende Insecten blieben in Bezug ihrer systematischen Stellung ein Räthsel, so lange ihre Biologie und Anatomie nicht bekannt war, und wurden sie in irgend eine Ordnung, ihrer anderen Merkmale und Erscheinung wegen, gebracht, so war das sehr oft fehlerhaft. — Die Körperform, der Habitus des Thieres, ja selbst das Ver- hältniss einzelner Körpertheile sind nicht massgebend (wie Brongniart irrthümlich meint) und somit sind auch diese Momente nicht mehr werth als der Bau der Flügel und nur secundäre Anhaltspunkte in solchen Fällen, wo war zufällig ein ähnliches lebendes Insect genau kennen. Wäre uns die Gattung Mantispa unbekannt und fänden wir sie im fossilen Zustande so gut erhalten, dass wir den Körper und die Flügel genau verstehen könnten, so würden war sie mit Mantis zusammenstellen, deren Körperbau sie besitzt, und die neuropterenartigen Flügel dürften, ihres verschiedenen Geäders wegen, nicht in Betracht kommen, da nach Brongniart die Verhältnisse der Körper- abschnitte etc. das Wichtigste zur Bestimmung der Ordnung sind. — - Ebenso erging es aber auch den Systematikern bei Entdeckung der lebenden Mantispa, sie wurde für ein Orthopteron gehalten und in die Gattung Mantis gestellt und blieb darin so lange, bis Erichson die für die Ordnungsbestimmung massgebenden Mundtheile untersuchte und sofort die Gattung zu den Neuropteren brachte. Lange nachher bestätigte auch die vom Verfasser entdeckte Verwandlung und Larvenforrn die volle Richtigkeit von Erichson 's Ansicht. — Hier waren also die Mundtheile, die Verwandlung und Larve und ferner auch gerade das Flügelgeäder wichtigere Merkmale als der allge- meine Körperbau. Bei dem fingirten Fossil, an dem man aber weder die Mundtheile erkennen konnte, noch von der Larve etwas waisste, wären also gerade die Flügel das richtige Merkmal zur Erkenntniss der Ordnung gewesen. Wie weit aber durch ähnliche Körperverhältnisse die Aehnlichkeit von zwei, ganz verschiedenen Ordnungen angehörenden, Insecten gehen kann, lehrt uns die Mimicry lebender Formen, aus deren Erscheinung wir doch weit früher die ditferenten Ordnungen erkennen sollten, als aus den Abdrücken und Resten fossiler Thiere. Bei Wirbelthieren sind gerade die zur Erkenntniss der Classe und Ordnung wichtigen Skelettheile, Kiefer, Gliedmassen, am besten erhalten und weit besser, als Gattungs- und Artmerkmale, über welche oft sehr getheilte Ansichten herrschen. Dadurch wird es hier möglich, wirkliche Schalttypen festzustellen. Ist es uns bei einem Insecte der paläozoischen Zeit nicht möglich die Ordnung zu erkennen, weil aus den Resten keine besonders hervorragende Aehnlichkeit mit einem bekannten lebenden Insecte zu entdecken ist, so können wir dessen systematische Stellung ebensowenig feststellen, als bei einem abnorm aussehenden lebenden Insecte, wenn uns die Zergliederung des letzteren nicht gestattet wird. Es bleibt da nur noch der eine Weg, und zwar abzuwarten, ob nicht später Formenreihen gefunden werden, welche allmälig Uebergänge zu gewissen bekannten Formen anbahnen {^Strepsipteren, Tliysa- nopiera). Finden wir aber an den fossilen Fragmenten eines Insectes eine so grosse 94 Friedrich Brauer. Achnlichkeit mit denselben Theilen einer jetzt lebenden Insectengruppe, dass wir jenes in diese stellen können, dann setzen wir auch voraus, dass in den uns unbekannten primären Ordnungscharakteren, zwischen dem ausgestorbenen und den lebenden Repräsentanten dieser Gruppe, kein für die Ordnung etc. wesentlicher Unterschied bestehen darf. Da man nun von den fossilen Insecten der paläozoischen Zeit die Ordnung nur nach secundären Merkmalen und daher zuweilen gar nicht bestimmen kann, so wird man auch nicht im Stande sein, mit Sicherheit eine neue Ordnung aufzustellen, welche in den uns nicht sichtbaren Theilen (Mundtheile, Darm etc.) die Charaktere zweier Ordnungen verbinden soll; denn der allgemeine Körperbau und die Flügel, als secundäre Merkmale, sind schon nicht mehr massgebend gewesen, um diese Insecten irgend einer bekannten lebenden Form anzureihen. Wollten wir bei höheren Thieren nach dieser Methode, ohne Rücksicht auf Ana- tomie und Biologie, nach einzelnen secundären Merkmalen Schalttypen aufstellen, so könnte es geschehen, dass, wenn von allen Nagethieren nur das Eichhörnchen und von den Insectivoren nur der Igel bekannt wären, bei Entdeckung des Stachelschweines dieses, der mit dem Igel gemeinsamen Stacheln wegen, für deren svnthetische Tvpe er- klärt würde. — Genuine Orthopteren, Pseudoneuropteren und genuine Neuropteren stehen aber anatomisch in einem noch entfernteren Verhältnisse, als die Ordnungen der Nagethiere und Insectenfresser, denn die Pseudoneuropteren bilden drei ganz gute Ord- nungen, welche anatomisch weit verschiedener sind als jene Ordnungen der Säuge- thiere. Eine ebensolche Unsicherheit in der Aufstellung von Schalttypen Hesse sich aus ähnlichen Ursachen für den Kreis der Mollusken beweisen, von denen auch nur ein Theil^ des Thieres (die Schale) erhalten geblieben ist. Man vergleiche, was unmittelbar vor Scudder (Zittel, p. 328 a) Ihering über die paläozoischen Prosobranchier sagt und das mit unserer Ansicht ganz übereinstimmt. Sind daher zur Erkennt niss fossiler Formen in erster Linie morpho- logische Studien von gros st er Wichtigkeit, ferner eine umfassende Kennt- niss der lebenden Familien, Gattungen und Arten und ist deshalb gerade bei Insecten, Mollusken und anderen Gruppen die Beherrschung der niederen svste- matischen Kategorien eine Hauptbedingung, weil die fossilen Reste wegen mangelhaft erhaltenen Charakteren zuerst als bestimmten Gattungen angehörend erkannt werden oder mit diesen verglichen werden müssen; so treten Anatomie und Biologie sofort in ihre Rechte, wenn es sich um die Beurth eilung eines Fossils handelt, das scheinbar in keine bekannte Ordnung, Familie oder Gattung passt. — Die Stellung einer solchen Form wird oft nicht von den Paläontologen durch Vergleich mit anderen fossilen Formen, sondern von dem Zoologen aus der Biologie und Anatomie ganz different erscheinender lebender Formen erkannt (Trilobiten-Limulus, Chiton- Würmer) und die S c h a 1 1 1 y p e n k ö n n e n d u r c h d i e U n t e r s u c h u n g 1 e b e n d e r T h i e r c vorhergesagt werden, d. h. man kann gewisse verwandtschaftliche Annäherungen nachweisen und daraus eine einstige Verbindung erschliessen. Die allgemeine Körpcr- gestalt einer Schalttype las st sich aber nicht bestimmen, d. h. ob die Ver- einigung der primären Charaktere zweier Ordnungen auch gerade in der G e s a m m t e r s c h e i n u n g eines Thieres dieser S c h a 1 1 g r u p p e zum Ausdrucke kommt, — und das soll nun gerade bei den Schalttypen der Insecten- ordnungen der Hauptgrund ihrer Aufstellung sein, bei welcher das Vorhanden- sein der combinirten primären Charaktere, die unbekannt sind, nur angenommen wurde; denn Körperform und Flügel sind ja nui" erhalten. • — • Dohrn allein suchte den Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. q5 als Schalttype aufgestellten Eiigereoii auch durch den Bau der Mundtheile zu charakte- risiren, die jedoch von Brongniart und vom Verfasser angezweifelt und anders ge- deutet wurden. Weit bessere Anhaltspunkte für die Verwandtschaft der Jetzigen Insectenordnungen erhält man daher durch morphologische, anatomische und biologische Untersuchungen der lebenden Insecten, und sie werden als Schutz dienen müssen gegen die Ausbrüche der Phantasie. Im gleichen Sinne müssen wir die Schaltordnungen Brongniart's betrachten, da derselbe von der Ansicht Packard's beeinflusst ist, dass Pseudoneuropteren und Neuro- pteren direct von einander abzuleiten seien, und bei seinen Neurorthopteren nicht zu ersehen ist, ob sie nur eine Schaltgruppe zwischen Pseudoneuropteren und genuinen Orthopteren, oder zwischen letzteren und den Neuropteren im weiteren Sinne seien (Neiiroptcra et Pseiidoneuroptera). In der That scheint uns bei Brongniart das Letztere der Fall zu sein, da wir unter seinen Pseudoneuropteren nebst Corydaloides noch als 6. Familie auch die Protomyrmeleoniden mit der Gattung Protascalaphiis Brgt. finden. Einstweilen haben auch Packard und Scudder keine so kräftigen Beweise für die Wiedervereinigung der Neuropteren mit den Libellen, Ephemeren und Perliden ge- bracht, wie jene seinerzeit von Erichson für deren Trennung waren. W^ir halten die Vereinigung daher für einen Rückschritt. Scudder sagt (in Zittel p. 771): »Erichson betrachtet die Pseiidoneuroptera als eine LInterordnung der Orthoptera, während viele (.•') neuere Autoren ohne genügenden Grund (!) eine selbstständige Ordnung dafür errichten etc.« Das Erste dieses Satzes ist richtig, das Zweite aber ganz falsch. Die neueren Autoren betrachten aber die wahren metabolen Neuropteren als gar nicht verwandt mit den Pseudoneuropteren und haben dafür ganz genügende Gründe, die weder Scudder noch Packard verstehen wollen. Die Gruppen der Pseudoneuropteren wurden längst als Zünfte betrachtet und das beweist ihre Selbst- ständigkeit, so dass der Verfasser keinen Anstand genommen hat, sie aus diesen ganz genü- genden Gründen als eigene Ordnungen (nicht als Eine Ordnung) anzusehen. — Wenn man sich zur Charakteristik der Ordnungen so wenig Mühe nimmt, wie das bei den Neuro- pteren und Paläodictvopteren, Paläoblattarien u. a. m. der Fall ist, dass man gar kein bestimmtes, (siehe weiter unten) oder nur sehr oberflächliche Merkmale herausfindet, so ziemt es sich nicht, über wohlbegründete systematische Ansichten Anderer ohne alle Rück- sicht abzusprechen. — Da Unwahrheiten sehr schwer aus der Wissenschaft zu entfernen sind und sich in Handbüchern für Decennien festsetzen, so können wir nur bedauern, dass Wahrheiten, welche deutscher Fleiss festgestellt hat, ohne wissenschaftliche Begründung amerikanischen Ansichten geopfert wurden. — Möge uns doch Herr Scudder die paläontologischen That Sachen nennen, welche für eine so unnatürliche Verbindung der Pseudoneuropteren mit den Netzflüglern bestehen. Wir erfahren in dieser Richtung von demselben aus Zittel's Handbuch ( p. 822): »Einzelne Entdeckungen, wie die der Gattungen Eugereon und Protophasma, haben wichtige Aufschlüsse über die Natur der paläozoischen Insecten geboten. Eugereon besass . . . vier gleichartige, grosse, häutige, nach Art der Libellen (!) netz- förmig geäderte Flügel . . .; auch Protophasma vereinigt mit tvpischen Neuropterenflügeln einen Leib, welcher ... an Orthopteren (Phasmiden) erinnert.« — Da nun aber weder Eugereon noch Protophasma tvpische Neuro- pteren- oder Pseudoneuropterenflügel, sondern ganz solche wie Orthopte- ren zeigen (Mantiden und Phasmiden), so sehen wir einfach, dass Scudder gar nicht berücksichtigt, wodurch sich die Flügel der Insecten unterscheiden und charakterisiren Annalen ües k. k. natarliistorisclicn Hofmuseums, Bd. I, Heft 2, i88ü. 7 96 Friedrich Brauer. lassen. — Warum eine Trennung der wahren Neuropteren und Pseudoneuropteren von dem Erscheinen der Ordnung Hemiptera abhängig gemacht wird, wollen wir nicht weiter verfolgen; denn die Basis bilden zu diesem Dogma alle jene Familien, deren Natur und Existenz gleich problematisch sind (cfr. p. 82 3). Ich meine die Homothetiden, Paläo- pteriden, Xenoneuriden und Gerarinen. DieVerwirrung erreicht durch die Annahme der Palaeodictyoptera ihren Höhepunkt damit, dass die Heuschrecken von den Protophasmiden, also von zweifellosen Heuschrecken, die Homopteren von Fulgorinen, also zweifellosen Homopteren abstammen sollen, was gewiss niemand bezweifeln wird; wie aber die Eintagsfliegen von der gemischten Gruppe der Platephemeriden und die Sialiden von den, mit Mantiden und anderen Orthopteren verwandten, Hemeristinen abstammen sollen, während sie anderseits mit den, von den Platephemeren herkommenden, Pseudoneuropteren (Ephemeren) eine Ordnung Neuroptera bilden müssen, insolange die Welt noch keine Hemipteren ditferenzirt hat, kann schwerlich jemand beweisen. Damit hätte Scudder wohl bewiesen, dass die Ordo Neuroptera s. lat. aus zwei heterophvletischen Reihen, das ist zwei Ordnungen besteht. Nehmen wir eine Sichtung der von Brongniart aufgestellten Schalttypen vor, so können wir die Verdienste dieses Forschers nicht genug hervorheben und würden voll- ständig die Errichtung von neuen Insectenordnungen billigen, nur hätte derselbe zuerst an die Vermehrung der bisher angenommenen Ordnungen der lebenden Insecten gehen müssen, wie wir dies bereits im Vorjahre gethan haben, wodurch wahre Schalttypen unter den neuen Ordnungen erscheinen. Schon aus den früheren Auseinandersetzungen geht hervor, wie die Untersuchung lebender Formen') auf die Verbindung derselben weit besser schliessen lässt und wie vergleichend-morphologische Studien die natürliche Ver- wandtschaft deutlich machen, indem sich die von uns als Ordnungen angenommenen Plecopteren, Ephemeriden und Odonaten von einander ableiten Hessen. Die Plecopteren aber sind anatomisch ebenso verwandt mit den Forficuliden (Ordo Dermapterd) und auch in einer anderen Richtung die Verbindung zu den wahren Orthopteren, in welcher Ordnung wir wieder eine anerkannte Verwandtschaft der niederen Blattiden mit den höheren Mantiden und Phasmiden, sowie Saltatorien finden, während eine andere Linie von den Blattiden zu den damit gewiss nahe verwandten Embiden und Termiten in die Ordo Corrodentia führt. Wir unterlassen nicht zu bemerken, dass unter den homomorphen Insecten mit beissenden Mundtheilen die Corrodentien die einzigen sind, deren Anatomie mit den metabolen Neuropteren eine wirkliche Aehnlichkeit zeigt, während abgesehen von den Mundtheilen die Rhynchoten ebenso viele Beziehungen zu den Dipteren, Orthopteren und Neuropteren zeigen. Die Rhynchoten sind auch die einzige Ordnung der homomorphen Insecten, in welcher wir den Uebergang zu einem ruhenden Nymphenstadium verfolgen können (Cocciden). Die Herkunft der Hymeno- pteren ist wohl ganz in Dunkel gehüllt, aber es scheinen zwei Momente beachtenswerth : I. die zahlreichen Harngefässe, wie bei Orthopteren, und 2. die mit letzteren ganz gleiche Anlage der weiblichen Legeapparate und desBiencnstachels(Dewitz). Natürlicher verwandt scheinen die Ordnungen der Dipteren und Lepidopteren durch die bei beiden auftretende Mumienpuppe und die grosse Aehnlichkeit des Plügelgeäders. Wenn neuester Zeit als eine Zwischenform von Lepidopteren undHymenopteren fossile Formen aus der mesozoischen Zeit aufgeführt werden, die in ihrer Erscheinung weit mehr Aehnlichkeit mit Siriciden (Oryssiis, Tremex) besitzen, namentlich durch die Flügelzellen, welche bei Lepidopteren ') Lange vor Enlilcckung des Archacoptcvyx liat die Untcrsucliung der \'ögel und Reptilien eine solche Schalttype vermuthen lassen und die Kntiieckung war nur der Beweis der richtigen Untersuchung. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. n-y nicht in dieser Form auftreten (Oppenheim, Die Rhipidorhahdi und Fabellovenae. Berl. Ent. Ztg. i885), so wäre damit nur eine Bestätigung von Walter 's Ansicht gegeben, welcher die Mikropterygiden- Mundtheile (Lepidoptera) mit jenen der Tenthrediniden (Hymenoptera) vergleicht und aus vergleichend-anatomischen Gründen beide Ordnungen von einander ableitet, so dass die Hymenopteren den Lepidopteren vorausgingen. In den niedersten Formen der ersteren (Tenthrediniden, Phytophagen, Symphyta) wären uns die Reste einer Schaltordnung übrig geblieben. Doch erscheint uns diese Ansicht durch- aus noch nicht zweifellos, denn die Anatomie der Hymenopteren ist sehr verschieden von jener der Lepidopteren und Dipteren, und überdies sehen Andere in den Trichopteren Schalttypen von Neuropteren und Lepidopteren, vielleicht aber sind diese nur eine be- sondere Linie gemeinsamer Vorfahren und gewiss näher den Panorpen verwandt. Be- achtenswerth bleibt es, dass gerade bei Panorpen, Tenthrediniden, Uroceriden und Lepido- pteren raupenförmige Larven erscheinen, von denen die ersteren (Panorpen) näher mit den Larven der Trichopteren undSialiden, die Tenthrediniden mit jenen der Lepidopteren Aehnlichkeit zeigen, namentlich die Klammerbeine des Abdomens gemeinsam haben, während erstcre nur kegelförmige Kriechbeine besitzen (Panorpa, Bittacus). Es fehlen aber gänzlich bestimmte Anhaltspunkte über den Ursprung der Coleopteren, welche zuerst in der mesozoischen Zeit in der Trias und dem schwarzen Jura auftreten; während alle übrigen heteromorphen Insecten sich mehr nähern und von einander wenig- stens scheinbar ableiten lassen, bleibt für die Käfer nur die mit den älteren Neuro- pteren gemeinsame, f reigli edrige Nvmphe und eine gewisse Aehnlichkeit mit Corrodentien (Oligouephria) und Orthopteren (Blattidae: Eleiitherodea). Das Erscheinen der Insectenordnungen in den verschiedenen geologischen Perioden stellt sich im Ganzen so dar, wie es auch die biologischen Forschungen erwarten lassen: Im paläozoischen Zeitalter erscheint im Silur nur die als Blattide gedeutete Palaeo- blattiua Douvillei Brgt., also die Ordo der genuinen Orthopteren. Im Devon treten odonatenartige und sialidenartige Formen auf, also die Ordo Odonata und Neurnptera. Wahre Orthopteren sind hier nicht wieder gefunden. In der Kohle erscheinen diese aber zahlreich (Phasmiden, Mantiden, Blattiden), ferner Odonaten, Ephemeriden, Neuropteren (Sialiden), Homopteren (Fulgoriden) undThysanuren (Dasy- leptiis). — Im Perm erscheinen mantidenartige Formen, Eugereon. Im mesozoischen Zeitalter finden sich in der Trias Coleopteren und Neuropteren (sensu lat. Odonata), im Lias und schwarzen Jura Neuropteren, Orthopteren, Coleo- pteren, Hemipteren und Hymenopteren, im Oolith treten fragliche Lepidopteren hinzu, die aber nach Scudder Homopteren sind. Im weissen Jura, obere Lage Oolith, erscheinen auch Diptera und jene siricidenartigen Reste, für die die Ordo Rhipidorhahdi und Fabellovenae aufgestellt wurde, also mit Aus- schluss der Lepidopteren (mit Beziehung auf frühere zweifelhafte Formen) alle Ordnungen. In der känozoischen Zeit erscheinen bereits alle Ordnungen, auch Thysanoptera (Scudder) und viele in jetzt vertretenen Gattungen. Mit dem Auftreten der Blüthen- pflanzen erscheinen Hvmenopteren und Lepidopteren zahlreich. Viele Gattungen wurden zuerst fossil im Bernstein entdeckt und später als noch lebend nachgewiesen, z. B. Elephantomyia, Amphientomum, Epidapiis, Thermopsis u. a. 2. Allgemeines über die systematische Stelluno- der paläozoischen Insecten. Im Folgenden werden die von Scudder und Brongniart charakterisirten paläo- zoischen Insecten besonders aufgeführt und miteinander verglichen, wobei die ver- 98 Friedrich Brauer. schiedenen Ansichten beider Autoren und auch anderer Forscher /Air Geltung gebracht wurden. Ebenso haben wir uns die eigenen Meinungen auszusprechen erlaubt, die jedoch insofern mit Vorbehalt geäussert werden mussten, weil wir die fossilen Funde nur nach den Abbildungen beurtheilen konnten. Anders verhalt sich die Sache aber bei den von jenen Autoren aufgestellten Svstemen, zu deren Beurtbeilung wir uns im gleichen Rechte mit denselben befinden. Obschon wir in dieser Richtung unsere Arbeit getheilt haben, so war es doch nicht immer möglich, ausschliesslich den einen oder den anderen Autor isolirt zu betrachten. Mögen wir auch hie und da im grellen Widerspruch mit den Autoren stehen, so freuen wir uns doch, durch ihren Fleiss so Vieles über die Vorläufer der jetzigen Insecten gelernt zu haben. Im Ganzen schliessen sich unsere Ansichten näher an jene Brongniart's als an die Scudder's an. Fast aus jeder Insectenordnung, sowie auch in jeder Familie und Gattung können wir gewisse Gruppen ausscheiden und als ältere Formen betrachten, nicht immer weil sie weniger differenzirt erscheinen, z. B. die Hinterleibsringe fast gleich entwickelt, die Thoraxringe getrennt und homonom ausgebildet, die Flügel oft gleich gebaut haben etc., sondern weil einige derselben wahrscheinlich auch zuerst aufgetreten sind. So bilden unter den Hvmenopteren die Tenthrediniden und alle Symphyta gleich- sam die Palaeohymenoptera, unter den Lepidopteren die Tineiden die Palacolcpidoptera, unter den Dipteren die Ortliorhapha, insbesondere die Nemocera die Palaeodiptcra, unter den Coleopteren die Malacodermen die Palaeocoleoptcra, unter den Neuropteren die Sialiden die Palaeoneuroptera. Panorpen und Trichopteren gehen wohl als Seiten- linien der Neuropteren aus den Sialiden hervor und von letzteren sind die Isopalpen wohl die älteren. — Unter den Rhynchoten scheinen die Homoptera die Palaeorhj'uchota, unter d^n Corrodentien die Termiten die Protocorrodentia, unter genuinen Orthopteren die cursnria und gressoria (Blattidae, Mautidae, Phasmidae, Embidae?) und die Grvllotalpiden die Palacorthoptera, unter den Odonaten die Calopterygiden die Palaeo- d())iata zu sein. — Ephemeren, Peiiiden und Dermapteren lassen keine älteren Formen mehr unter sich erkennen und gehen letzteren voraus. Bemerkenswerth ist, wieTh. Fuchs hervorgehoben hat, dass auch bei den Insecten die Mehrzahl, der für die älteren angenommenen Formen jeder dieser Gruppen, Däm- merungs- oder Nachtthiere sind. — Dermaptera, Plecoptcra, Ephemeridae, G}yllotal- pidae, Blattidae, Mantidae, Phasmidae, Orthoptera saltatoria (die drei letzteren sind sowohl Tag- als Nachtthiere), Termiten, Hoinoptera (Fulgoriden), Sialidae, Malaco- dermen, Nemocera, Tineiden, Cossiden, Hepialidae, viele Tenthrediniden und Uro- ceriden. Wir schicken diese Ansichten voraus, um zugleich zu zeigen, dass ältere Formen, welche einfacher gebaut, d. h. deren homoplastische Organe, z. B. Gliedmassen, mehr weniger homonom gebildet sind, auch einander häufig weit ähnlicher sehen, als dies bei den in bestimmter Richtung tvpisch ausgebildeten Ordnungs- etc. Repräsentanten der Fall ist, und demzufolge der Weg zur Feststellung von Schalttypen zumeist zwischen den älteren Formen gesucht werden soll. — In eine natürliche Gruppe dürfen aber die älteren Formen nur dann vereinigt werden, wenn sie durch gemeinsame Merkmale von den anderen Formen abgetrennt werden können. Wenn eine Schalttype zwischen Orthopteren und Neuropteren aufgestellt wird, so muss .Teder fragen: zwischen welchen Orthopteren und Neuropteren? Wir haben gezeigt, dass die Orthopteren im Sinne Gcrstäcker's, nach welchem sie nebst den Pseudo- neuropteren und Corrodentien noch die Thysanuren enthalten, über den Ordnungs- A Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. gq begrirt" hinausgehen, und es wäre sehr schwer, sich eine Schalttyi>c zwischen diesen Formen und den wahren Neuroptcren vorzustellen oder diese aus fossilen P>agmenten zu erkennen. Verwandt erscheinen bekanntlich die Blattiden und Mantidcn, dann die Embiden, Blattiden und Plecoptercn, und letztere mit den beiden ersteren, sowie mit Ephemeriden und Odonaten. — Es gibt genuine Orthopteren (Mantiden und Grylloden) mit langen Ccrcis wde Plecopteren, mit ähnlichen Beinen wie Blattiden, kurzem und oft breitem Pronotum und mit dem Flügelgeäder der Blattiden und Embiden, bei welchen zwischen Je zwei convcxen Längsadern eine concave Schaltader verläuft (cfr. Periplaneta, Chac- tessa, Embia). Ebenso gibt es Blattiden (Paranauphneta riifipes^v\\nn.Tcvm.lQ.) , deren Hinterfliigel so geädert erscheint wüe bei Plecopteren, namentlich im Felde vor der con- caven Analader, die den I'ächer abgrenzt, in weichern bei beiden radiär auseinander- weichende Queradern liegen. Hier können Schalttypen gefunden werden, ebenso zwischen Plecopteren und Ephemeriden und diesen und Odonaten. — • Die Embiden schliessen sich durch die Basalzelle näher an die Plecopteren (Isopterj'x) als an die Termiten. Wichtig wäre die Zahl der Malpighi'schen Gefässe festzustellen. Ebenso zeigen sie Be- ziehungen zu Blattiden und Mantiden. Anders gestaltet sich daher die Sache, wenn wir zwischen zwei Reihen, deren Jede wirklich verwandte Formen enthält, z. B. zsvischen Odonaten und Ephemeriden, oder zwischen Perliden und Ephemeriden, oder zwischen Perliden und Orthoptera genuiiia, z. B. Mantiden, oder Mantiden und Blattiden eine Schalttype feststellen oder vermuthen. Wir werden später zeigen, dass wir in solchen Fällen auch berechtigt sind, eine morpho- logische Schalttvpe zu vermuthen, gerade so wie man zwischen Reptilien und Vögeln ein Zwischenglied ahnen konnte. Wir sind ferner überzeugt davon, dass Brongniart in der Folge die systemati- schen Ansichten Packard's aus dem Jahre i863 und Scudder's aufgeben wird, da wenigstens Packard selbst nicht mehr Jener verfehlten, durch Nichtbeachtung des inneren und äusseren Baues entstandenen Eintheilung in seinen späteren Arbeiten gedenkt und der Differcnzialcharakter der Mctabola und Heterometabola Packard's so viele Un- wahrheiten enthält, dass Niemand Insecten nach diesen Charakteren gruppircn könnte. Wenn auch der Charakter der Metabola für Lepidoptera (mit Ausschluss der Tineiden), Diptera und Hymenoptera so ziemlich passt, so haben die Autoren aber ver- gessen, dass unter den Heterometabolen, wohin Brongniart alle übrigen Ordnungen, mit Ausschluss der Coleoptera, stellt, die Cicadcn den Thorax der Dipteren, dass die Rhynchoten überhaupt saugende Mundtheile haben und die Larven der Hemerobiden gewiss der Image sehr unähnlich sind. — Kein einziger Charakter der HcterometabuJa ist für die angegebenen F'ormen wahr. — Wie nun die Coleopteren, welche nach Packard noch Heterometabola sind, eine zwischen diesen beiden vermittelnde Gruppe bilden können, ist nach dem oben Gesagten vollends nicht einzusehen, da sie nur den Metathorax vorwiegend entwickelt haben, oder wie sie dann Heterometabola mit gleich- entwickelten Thoraxringen und dem erwachsenen Zustande ähnlichen Larven sein sollen (nach Scudder). — Wir sehen daher nicht ein, wie diese niemals wahr gewesene Classi- Hcirung diejenige wäre, welche am besten mit den Annahmender Paläontologie, der Embryologie und Morphologie übereinstimmen sollte. — Wir brauchen nicht daran zu erinnern, dass wohl noch Niemand daran gedacht hat, eine Schalttype zwischen Coleopteren einerseits und Lepidopteren, Dipteren und Hymenopteren anderseits zu suchen, wohl aber sind zahlreiche Forscher, darunter auch Packard, dafür eingetreten, unter denTrichopteren und Neuropteren solche Verbindungen mit letzteren zu vermuthen. Q Friedrich Brauer. Der Ursprung der Coleopteren ist uns heute noch völlig unbekannt, und noch weniger sind wir berechtigt, andere, mit ihnen fast gleichzeitig erschienene. Formen daraus abzuleiten. Ich habe (Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., Bd. XCI, mat.-nat. GL, i885, p. 346) nachzuweisen gesucht, dass die Neuropteren, wie das bereits Andere angeführt haben, die differenten Charaktere der anderen metabolen Insecten in mancher Hinsicht vereinigt zeigen, was man von den Coleopteren nicht behaupten kann, deren Larven und Nvmphen nur einen Vergleich mit jenen der Neuropteren zulassen. Auch stimmen Scudder, Packard, Hagen und Brongniart darin üherein, dass unter den ältesten Funden von den heteromorphen Insecten die Neuropteren im Sinne Erichson's die einzig vorhandenen sind, und ebenso sind es wäeder die Pdlaeoneiiroptera (Sialiden), welche, wie wir gezeigt haben, einen Vergleich mit manchen homomorphen Insecten zulassen. Schon in meinen systematisch-zoologischen Studien (i885) habe ich hervor- gehoben, dass (p. i53) die Larve von Corydalis einen Kaumagen wie Orthopteren (Blatta) oder, weil weniger Harngefässe vorhanden sind, einen Darm wie die Corro- dentien, die Nvmphc den Saugmagen wie Megalopteren (Neuropteren) und die Imago einen Darm wie die Trichopteren besitzt. Wir müssen aber diese Neuropteren aus Packard's Heterometabola ausscheiden und als Metabola betrachten, weil der Thorax bei vielen ganz ähnlich gebaut ist wie bei Tineiden, und weil sie eine Verwandlung mit ruhender Nymphe etc. besitzen. Ueberdies ist die Trennung und Selbstständigkeit der Thoraxringe kein Charakter der Heterometabola Packard's; denn die Odonaten und Cicaden zeigen einen vollständigen Thoraxcomplex, jede Gruppe in ganz besonderer Art. Scudder geht von der Idee aus, dass die Insecten aus dem Devon und der Stein- kohle zw^ar in vieler Hinsicht manche Aehnlichkeit mit jetzt lebenden Insecten zeigen, aber in keine jetzt lebende Ordnung genau genommen gehören, etwa so wie sich bei höheren Thiercn in der Gruppe der Beutelthiere die Formen der Nagethiere, Raub- thiere etc. der placentalen Säugethiere wiederholen. Doch haben wir für die Beutelthiere, abgesehen von ihrer Gesammtform, bestimmte gemeinsame Charaktere, die sie von den placentalen Säugethieren trennen, während solche Charactere bei den Paläodictyopteren Scudder 's gar nicht erwiesen sind. Der von Scudder (Mem. Boston Soc. of Nat. bist. vol. III, Nr. XI, i885, p. 322) gegebene Charakter de.v Palaedictyoptera passt ganz auf die Orthopteren und ist insofern unrichtig, als bei manchen dorthin zu rechnenden Formen (Lamproptilia, Eiigereon) der Hinterflügel fächerfaltig erscheint. Ebenso kann derselbe aber auch auf die Sialiden und Fulgoriden angew^endet w^erden, bei denen auch der Fächer im Hinterflügel nicht sehr zur Entwicklung kommt. Einen Unterschied zwischen diesen jetzt lebenden Reihen und den Paläodictvopteren findet man aus der Beschreibung nicht. Man kann höchstens sagen, dass die hier zusammengefassten Orthopteren, Neuropteren und Hemipteren jenen einzelnen Gruppen in diesen Ordnungen entsprechen, welche wir oben als die älteren Formen erkennen zu sollen glaubten, nämlich den Paläorthopteren (Phasmiden, Man- tiden, Blattiden), denPaläoneuropteren (Sialiden) und den Paläorhynchoten (Fulgoriden), und der gemeinsame Charakter in nichts Anderem besteht als in dem gemeinsamen zeit- lichen Vorkommen, der dieser Zeitfauna einen Habitus verleiht, wie ihn Thiergesell- schaften eines Faunengebietes zeigen können, obschon sie systematisch nicht verwandte Formen enthalten. Nehmen wir an, dass alle unsere jetzt lebenden Insectenordnungcn von den Paläo- dictyopteren ihren Ausgang genommen haben, dann müssten letztere allerdings die Cha- raktere der heutigen homomorphen und heteromorphen Insecten vereinigt gezeigt haben, und ein den Phasmiden sehr ähnliches Insect der paläozoischen Zeit müsste durch einige Ansichten über die paläozoisclien Insecten und deren Deutung. wesentliche Charaktere von den jetzigen Phasmiden abweichen und hierin etwa mit mehreren heute lebenden anderen Ordnungen in Beziehung treten. Ebenso müsste das mit anderen paläozoischen Insecten der Fall sein, weil ja in denselben unsere heutigen differenten Ordnungen noch gleichsam enthalten waren, wie das in ähnlicher Weise in Archaeopteryx für Reptilien und Vogel der Fall ist. Solche Merkmale sind aber bis jetzt nicht nachgewiesen. — Es ist auch nicht zu sagen, warum alle diese alten Formen nur Eine Ordnung gebildet haben sollten. Wir müssen daher annehmen, dass die Insectenordnungen der paläozoischen Zeit, ebenso wie die Placophoren und andere Thiere, bis heute er- halten geblieben sind und jene Formen, von welchen die metabolen Coleopteren, Hymenopteren, Dipteren und Lepidopteren ihren Anfang genommen haben, noch nicht aufgefunden wurden. Eine einzige oder mehrere paläozoische Insectengruppen können es sein, aus deren in besonderer Richtung entwickelten Formen sich jene zuletzt ent- wickelt haben. Da nun die Differenzirung erst in der meso- und theilweise känozoischen Zeit bemerkbar wird, so liegen etwaige Schalttypen vielleicht noch sehr weit von den paläozoischen Formen entfernt, und wir finden sie viel früher zwischen den jetzt lebenden Insecten noch erhalten (Diptera, Lepidoptera, Trichoptera) als zwischen den, ganz differenten Gattungen angehörenden, paläozoischen Formen angedeutet, die wir in be- stimmte Familien einiger jetzigen Insectenordnungen einreihen können. Welche Arten oder Gattungen aus diesen Familien die Zwischengheder zu den später aufgetretenen Insectenordnungen gebildet haben, wissen wir nicht, jedenfalls aber gehören solche Schalt- tvpen nicht der paläozoischen, sondern erst dem Ende derselben und den folgenden Pe- rioden an. Wenigstens ist an den paläozoischen Insectengattungen noch keine Spurvon Merkmalen zu finden, um etwa aus dem einen eine Beziehung zu Hymenopteren, aus dem anderen zu Dipteren oder Lepidopteren oder Coleopteren festzustellen oder nur zu vermuthen. Einzig und allein die Neuroptcren im Sinne Erich son's treten als metabole Insecten auf, und wir haben einen Vergleich dieser mit den Plecopteren in Bezug auf eine Ver- wandtschaft für gewagt erklärt. Die Ordnung der Neuroptera enthält in dieser Periode aber auch noch keine anderen Formen, welche etwa besser als Schalttypen zwischen denselben und anderen Orthopteren im weiteren Sinne erklärt werden könnten als heute noch. Die jetzt lebenden Sialiden verhalten sich in Bezug der Analogien mit den Pleco- pteren ebenso wie damals, nach den Resten von Coiydaloides u. a. zu schliessen. Ebenso- wenig finden wir unter den paläozoischen Neuropteren mehr Beziehungen zu den späteren Insectenordnungen, als zwischen den lebenden und diesen, im Gegentheile bei letzteren viel wahrscheinlichere Schalttypen, und das deutet auf eine sehr späte Ab- trennung der höheren Ordnungen und für die paläozoischen nur auf ein ähnliches Aus- dauern wie etwa für die Gruppe der Chitonen, deren wahre Verbindung zu anderen Typen ebenfalls noch heute lebt. — Die Silur-Chitonen sind darum keine andere Ordnung. Die Merkmale der Ordnungen der Dipteren, Lepidopteren, Hymenopteren und Coleopteren haben also erst bei einigen Nachkommen der paläozoischen Formen zu keimen begonnen und diese Nachkommen sind nicht gefunden und werden es vielleicht mit Sicherheit nie werden, weil jene Körpertheile, welche zur Feststellung einer solcher Schalt- type nothwendig untersucht werden müssen, bei fossilen Insecten möglicherweise nicht erhalten geblieben, oder weil überhaupt solche morphologische Schalttypen nie als ge- schlechtsreife Thiere zur Selbstständigkeit gekommen sind. (Cfr. meine Arbeit p. 295. i885.) Die Untersuchung der lebenden Formen berechtigt aber, die Verwandtschaft gewisser Ordnungen aus anatomischen und vergleichend-morphologischen Befunden fest- zustellen und andere Zwischenformen zurückzuweisen. J02 Friedrich Brauer. Weil es etwa möglich wäre, dass im inneren Bau oeler an den Mundtheilen der paläozoischen Insecten Merkmale gelegen waren, die für diese Frage entscheidend wären, können wir doch nicht behaupten und uns einbilden, dass solche vorhanden sein müssen. Es dürfte auch nicht behauptet werden, dass die paläozoischen Insecten schon darum eine besondere Ordnung bilden müssten, weil einige Gruppen derselben den Ausgangs- punkt für die höheren metabolen Insecten gebildet haben müssen, da letztere erst in späteren Perioden gefunden werden. Wollten wir auch alle Bedenken gegen die Sicherheit solcher Behauptungen unterdrücken und dieselben gelten lassen, so würde es doch mit der Aufstellung einer besonderen Ordnung sein Bewenden haben; denn obschon wir wissen, dass aus Fischen Amphibien und Reptilien und aus diesen Vögel und Säugethiere ihren Ursprung nahmen, bleiben die ältesten Fische doch solche und ebenso Amphibien und Reptilien, Hat doch die Classe der Fische einst jene Reihen enthalten, welche die Keime der höheren Formen bildeten, und ebenso die der Reptilien, gewiss Eigenthümlichkeiten, welche der heute lebenden ganzen Classe abgehen, die aber theilweise sehr spät an morpho- logischen Schalttypen zur Erscheinung kamen (Theriodonten, Archaeopterj-x, Ich- thyornis etc.). Und so wie heute noch Repräsentanten von Fischformen aus früheren Erdperioden oder Kiemenmolche und alle diese früher genannten Classen noch gleichzeitig vorkommen, so ist das auch bei den Insectenordnungen der Fall. Es ist daher kein Grund vorhanden, die paläozoischen Heuschrecken für etwas Anderes als Orthopteren zu erklären; denn man findet an ihnen kein einziges Merkmal, welches diese Trennung rechtfertigen könnte, und ebenso verhält es sich mit den anderen Gruppen. Verwerfen wir die Ordnung Palaeodictyoptera Scudder's und sehen wir darin nur ein Gemische mehrerer, schon damals getrennter Insectenordnungen, dann erscheinen die als erloschen angegebenen Formen der Gruppe der Palaeodictyoptera noch durch viele Arten in der Jetztzeit, und zwar in mehreren Ordnungen (Orthoptera, Neiiroptera, Rhynchota) erhalten, und diese jetzt lebenden Ordnungen reichen eben mit ihren ältesten Formen nicht, wie Sc udder meint, nur in die mesozoische Zeit, sondern bis in die paläo- zoische. Nach den neuesten Entdeckungen Brongniart's liesse sich Jedoch verrauthen, dass eine (Familie) Gruppe innerhalb der Ordnung der Orthoptera genuina existirt habe, welche ein Zwischenglied der Orthoptera gressoria (Mantiden, Phasmiden) und Saltatoria bildete und neben diesen aus früherer Zeit her noch damals erhalten geblieben wäre, nämlich die Dictyoneuren Goldenberg's pro parte. Die Formen mit langen Cercis nähern sich jedoch sehr unseren jetzt lebenden Gryllen und Gryllotalpen. Innerhalb der heute lebenden Familien der Mantiden finden sich ja noch ver- mittelnde Formen zu den Cursorien (Blattiden) und Perlidcn, zu welchen wir Chaetessa ziehen möchten, und diese sind wahrscheinlich fossil durch Hemeristia vertreten. Warum für die Gruppe Palaeodictyoptera zusammenfassende Charaktere dennoch vorhanden sein sollen, ist nicht einzusehen, da nicht alle anderen Thiere aus dem Silur Vorordnungen und andere Classen etc. als die jetzt lebenden bilden, sondern höchstens verschiedenen F'amilien, Gattungen oder Arten angehören (Palaeophonus uunciiis Ldstr.). Wir haben ebenso gezeigt, dass man in jeder Insectenordnung und Familie etc. gewisse noch jetzt repräsentirte Formen als ältere auffassen kann, gerade so, wie das in anderen Typen und Classen, z. B. bei den Fischen und Amphibien (Palaeiehthyies, Pe- rennibranchiaten) der Fall ist. Als weiterer Beweis der Richtigkeit unserer obigen Ansicht erscheinen die höchst interessanten Funtie Brongniart's, nach welchen die typischsten Formen liei- Ortlio- Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Io3 ptera genuina, die Feldhcuschrecken (Saltatoria), schon in der Steinkohlenperiode reich- lich vertreten waren (Palaeacridiodea sieben Gattungen). Es liesse sich daraus schliessen, dass alle tiefer stehenden Familien (Phasmiden, Mantiden, Blattiden) und die Pseudo- neuropteren (OxdoOdonata, Plecoptera, Ephemeridae) weit früher vorhanden waren oder besondere Entwicklungsrichtungen oder Rückbildungen sind, die den Urformen dadurch wieder ähnlich geworden sind. Letzteres ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenigstens nicht für Ephemeren und Perliden, und ersteres wäre höchstens, wie wir bereits hervorgehoben, für die Odonaten anwendbar, weil letztere eine ebenso tvpische Form ausgebildet zeigen wie die Saltatorien. Die Ephemeren und Perliden sind aber in allen Beziehungen den niedrigeren Typen der Hexapoden (Thysanuren) sehr verwandt. Es ist ganz richtig, was Brongniart von dem in vielen Fällen zweifel- haften Werthe des Flügelgeäder s (p. 5i II.) und von der Beachtung des Körperbaues sagt,') aber das rührt wohl daher, weil die Insectenflügel der einzelnen wirklich verwandten Gruppen, wie erwähnt, erstens nicht vergleichend studirt wurden und zweitens bei allen Insecten nach einem Typus gebaut und auch darum homöophyle tisch erscheinen, weil sie stets an den nämlichen Körpersegmenten auftreten. Ein ur- sprünglich oder ein secundär einfaches Flügelgeäder werden sich daher in allen Ord- nungen ähnlich sehen, und daher eignet sich nur der für eine Entwicklungsrichtung tvpisch ausgebildete Flügel zum Erkennen einer Gruppe, weil die weitere Entwicklung desFlügelnctzes nach verschiedenen Richtungen heterophyletisch entsteht. Flügel mit com- plicirtem, aber dennoch ähnlich erscheinendem Flügelgeäder, zeigen bei näherer Unter- suchung nach Adolph 's Theorie sehr bald, dass die ähnlich verlaufenden Adern gewöhn- lich einander nicht homolog sind. Das ist der Grund, warum Homopteren- und Siriciden- flügel als solche von Lepidopteren etc. beschrieben wurden. — Den Untersuchungen fossiler Insectenflügel muss vor Allem eine umfassende Kenntniss der Flügel der lebenden Insecten vorausgehen, und diese müssen mit einander nach Adolph 's Theorie verglichen werden, denn ohne deren Beachtung läuft man Gefahr, bei ganz nahe verwandten Insecten die homologen Adern nicht zu erkennen und verschiedene Adern mit gleichen Namen zu belegen. In Eaton 's ausgezeichneter Ephemeriden-Monographie (Trans, of the Linn. Soc. i885), sind einige Adern des Vorder- und Hinterflügels für homolog gehalten und haben gleiche Namen, obschon sie es nicht sind. Einstmals hatte man keinen Anhaltspunkt für die Homologie zweier Adern, und so konnte Fischer die Adern bei Saltatorien und Mantiden ganz falsch auffassen. Wenn auch die Bestimmung der Homologie zweier Adern heute noch Schwierigkeiten macht, so sollte man doch nicht Convex- und Concavadern mit einander verwechseln. Brongniart führt das von ihm angenommene System Pack'ard's und Scudder's aber dadurch selbst ad absurdum, indem er, wie bemerkt, den Körper- bau der Insecten zur Bestimmung fossiler Formen für wichtiger hält, als jenen der Flügel. In Packard's Abtheilung der Heteromctabola sind aber die Körper fehlerhaft charakte- risirt, und wir müssten, ohne Rücksicht auf die Flügel, die Cicaden, ihrer Mundtheile und ihres Thoraxbaues wegen, zu den Metabolit, oder dieTineiden aus der letzteren Gruppe ausscheiden und zu den heterometabolen Trichopteren Packard's stellen, weil beide einen gleichen Thoraxbau zeigen. Haben ferner die Odonaten nach Packard keinen Thoraxcomplex? 1) Man vergleiche Diapliana Fieberi Brunn., Latindia sii^nata Brn. und Periplaneta nricntalis oder Deropeltis, sämmtlich Blattiden (Brunncr de Wattcnwyl, Nouv. Syst. des Blattaires, \'ienne 1Ö65, Zool.-bot. Gesellschaft, mit 13 Tafeln). I04 Friedrich Biauer. Bieten nun schon die ganzen rcccntcn Flügel Schwierigkeiten bei der Bestimmung, so muss das umsomehr bei den nur fragmentarisch erhaltenen fossilen der Fall sein, und es erklären sich hieraus die verschiedenen Ansichten Scudder's, Hagen 's und Brong- niart's namentlich über die Reste aus dem Devon. Es muss bei solchen Fragmenten vorerst hervorgehoben werden, dass es fast unmöglich ist bei vielen zu sagen, ob wir es mit der Ober- oder Unterseite des Flügels zu thun haben, und dieses ist zur Erkcnntniss der Adern sehr nothwendig, weil sich die Convex- und Concavrippen') oder Berg- und Thal- adern auf beiden Flächen gerade umgekehrt verhalten. 3. Specielle Besprechung einiget^ von Brongniart abgebildeten Formen. Palaeoblatfina Douvillei Brgt. Die Flügelreste dieses ältesten Insectes werden von Brongniart, nicht ohne Zweifel, für solche einer Blattide gedeutet, weil sie mit denselben viele Aehnlichkeiten zeigen, obschon sie mit keiner fossilen und lebenden Gattung eine vollständige oder auch nur zu- nächst die meiste Annäherung gestatten. Die Insectennatur dieses Restes vorausgesetzt, finde ich bei den vielen Vergleichen, welche ich nach der Abbildung gemacht habe, eine grössere Verwandtschaft mit den weiblichen Vorderflügcln der Grvlloden, speciell der Gryllotalpincn, namentlich kehren hier fast sämmtliche Adern im Mittel- und Hinter- felde die concave Seite ihrer Biegung nach vorne, und ebenso laufen in der Mitte vier bis fünf Längsadern parallel vom Grunde zur Flügelspitze. Jedenfalls muss die Auf- findung weiterer Exemplare abgewartet werden. (Confr. Scapteriscus oxydactyla Perty Brasil, und Gryllotalpa.) Es scheint mir nicht zu weit gegangen, wenn ich, durch den Bau des Kopfes und Hinterleibes (lange Cerci), ferner in der Stellung der Fühler (vor den Augen), dem Mangel der Sprungbeine etc., in den Gryllotalpincn eine Mischform von Blattiden, Man- tiden, Grylloden und auch anderen weiter entfernten Gruppen erblicke. Schon einmal (Verwandlungen der Insecten im Sinne der Descendenztheorie 1, 1869, p. 3 11, 3 12) habe ich auf die Beziehungen der jungen Gryllotalpen und Termiten hingewiesen. Ferner zeigt das Vorhandensein eines rudimentären Stimmorganes am Grunde des Hinterleibes die Beziehung zu den ebenso synthetisch aussehenden Pneumora-Ancn, bei denen das Organ ganz entwickelt ist, während es sonst nur als sogenanntes Gehörorgan erscheint (Landois). Die Körper der Neurorthopteren, welche Brongniart entdeckte, zeigen meist lange Cerci nach Art der Plecopteren und Gryllotalpen, und so haben wir viel- leicht in dieser abenteuerlichen Form den letzten Nachkommen der formenreichen Gruppe der Dictyoneuren, die demnach sicher Orthopteren gewesen wären. Die mit Gryllotalpen verwandten D-idactylus-Artcn (Oliv.) haben den Bau und die Stellung der Beine der Plecopteren und leben am Rande von Gewässern und auf dem Wasser. Plecopteren, Dennaptcra, Grvllotalpiden und Phasmiden haben die Fühler unter und vor den Augen, am Rande des Kopfes liegend, bei Blattiden und Grylloden rücken sie etwas aufwärts unter das Auge, bei Mantidcn und Saltatorien liegen sie zwischen den Augen oder über denselben. Wenn auch die Gryllotalpincn zumTheil als Anpassungsformen erscheinen, so zeigen sie doch anderseits Charaktere einer Collectivtype der Gruppen der Cursorien, Gressorien und Saltatorien und sind insofern nicht als reine Anpassungsformen der letzteren auf- ') Die gehobenen und gesunivenen Adern. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Io5 zufassen, wie aus der oben erwähnten Kopfbildung und Lage und der Stellung der Antennen (wie bei Phasmiden) und ebenso aus der Lage der Gehör- und Stimm- organe, worin sie Locus tinen und Acridier (da sie das Organ am Hinterleibe und an der Vorderschiene besitzen) verbinden, hervorgeht. Das grosse Präcostalfeld und die submarginale Costa haben sie mit Phasmiden und allen Saltatorien, die langen Cerci mit den Grylloden, vielen fossilen orthopteroiden Dictyoneuren und mit Mantiden gemeinsam, ausserdem charalvterisiren sie sich durch den Mangel einer Lege- röhre(9)- Woodwardia nigra Brgt. Betrachten wir die von Brongniart zu den Pseudoneuropteren gestellten Megase- copteriden, so finden wir allerdings im Flügelgeäder xonWoodwardia und Corydaloides eine gewisse Aehnlichkeit und können in der Heliographie der ersteren sogar Convex- und Concavfelder deutlich erkennen. — Als Pseudoneuropteren haben wir unsere Ord- nungen der Odonaten, Ephemeriden und Plecopteren in Betracht zu ziehen. Das Fehlen eines Nodus am Vorderrande schliesst die sonst ähnlichen Calopterygiden vom Vergleich mit Woodwardia aus, obschon sich die Flügelterminologie Selys' trefflich auf die Nervatur von Woodirardia nigra anwenden lässt. Deuten wir nach dem Bilde und dessen Beleuchtung die erste Ader am Rande als convex, die zweite helle, vorne und hinten von winkelig gegeneinander stehenden Queradern gesäumt, als concave Subcosta, so erscheint die vierte Ader, in der Mitte des Flügelvorderrandes betrachtet, concav. Diese würde demSector principalis (concav) der Odonaten entsprechen, der mit 8 (Sector medius) als gemeinsamer Stamm aus der Basalzelle entspringt. Hinter diesem geht aus der Mitte der Zelle der Sector brcvis (interno-media) hervor. Den Hinterrand der Basalzelle bildet der Sector trianguli superior (lo, subinterno-media) und auf ihn folgt der Sector trianguli inferior mit mehreren Gabelästen zum Hinterrand. Bei Plecopteren fehlt der Sector principalis und vom Sector nodalis ist nur eine Falte vorhanden, dagegen sind der Sector brevis mit zwei parallelen Gabelästen, der Sector trianguli inferior und eine Falte des Sector trianguli superior, sowie der Sector subnodalis entwickelt (confr. Fig. i 5, 4 und lo). Bei Isopteryx ist der Stamm des Sector subnodalis verschwunden und durch eine Concavader (? Sector medius) ersetzt und von ersterem nur die Endgabel erhalten. Von dem Geäder der Odonaten unterscheidet sich das der Woodipardia auch noch da- durch, dass der Vorderrand der Basalzelle nicht vom Radius gebildet wird, sondern durch eine Concavfalte oder Ader von demselben getrennt bleibt, deren Fortsetzung der Sector principalis ist. Bei Plecopteren wird der Vorderrand der Basalzelle auch nicht vom Radius, sondern vom Sector subnodalis (Vorderflügel) oder vom gemeinsamen Stamm des letzteren und des Sector radii (Hinterflügel) gebildet, weil die vorhergehenden Con- cavadern rudimentär geworden sind (nodalis, medius). Nur bei Isopteryx wird auch der Sector subnodalis am Grunde rudimentär und verschmilzt mit dem Radius (confr. Fig. lo), wodurch die Basalzelle, wie bei den Odonaten, auch vorne vom Radius begrenzt wird. Der Hinterflügel von Woodipardia gleicht fast ganz dem Vorderflügel, zeigt daher keinen Fächer am Hinterrande wie bei den meisten genuinen Orthopteren, von welchen Woodwardia auch durch das Auftreten einer Basalzelle abweicht, welche, mit Ausnahme von Grvllotalpiden, dort stets fehlt. Die Flügel von Woodwardia machen den allgemeinen Eindruck jener eines Ca- lopterygiden, sind aber, genau betrachtet, jenen der Orthoptera genuina ähnlicher und lassen auch einen Vergleich mit Perliden zu. — Wenn die beiden Abbildungen wirklich dieselbe Gattung und Art darstellen sollen, so würde zu diesen, einer Calopteryx Io6 Friedrich Brauer. (Vestalis) luctiiosa ähnlichen, Flügehi ein sehr plumper Körper und ein Hinterleih von der Form und mit der eigenthümlichen Lüngsstreifung einer Ephemera vulgata gehören, der mit zwei dicken, langen, genäherten Cercis endigt. Die flügeltragenden Thoraxringe erscheinen mehr getrennt, als dies bei Odonaten der Fall ist. Mit Rücksicht auf die von mir vorgeschlagene Auflösung der Ordnung Orthoptera sensu latiori in sechs Ordnungen erscheint gerade diese Form als eine wahrscheinliche Schalttype zwischen den Plecopteren, Fphemeriden und Odonaten. Halten wir an der alten Eintheilung fest, dann stellt sie nur eine heute nicht mehr vorkommende Gruppe der Orthopteren vor. Gorydaloides Scudderi Brgt. Die Form erinnert auffallend an Sialiden. Mit Woodipardia erscheint sie uns nicht ähnlich, ohschon dies Brongniart behauptet. Vielleicht zeigen die Abdrücke selbst eine grössere Aehnlichkeit, als dies aus den Abbildungen zu entnehmen ist. — Die gleiche Bildung der Vorder- und Hinterflügeln findet sich bei Plecopteren (Isopteryx) und Sia- liden. Es würde sich hier ferner darum handeln, ob die vierte Ader vom Vorderrande ein concaver Sector principalls, wie bei Woodivardia angenommen wurde, oder ein convexer Sector radii, wie bei Sialiden, sei. Plecopteren und Sialiden verhalten sich in letzterem Punkte merkwürdig gleich, namentlich ist es auffallend, dass der Sector radii bei beiden im Vorderflügel vom Radius abzweigt, während er im Hinterflügel als selbst- ständige Längsader vom Grunde zusammen mit der siebenten Ader (subnodalis) ent- springt oder fast stets diesen Ursprung durch eine Verbindung mit der siebenten Ader erkennen lässt, wenn er auch scheinbar aus dem Radius hervorgeht. Bei Corydaloides ist das ebenfalls in der Zeichnung ausgedrückt. In Betreff der genuinen Neuropteren bemerke ich Folgendes: Diese Verbindung fehlt bei Myrmeleonen u. a. m., oder der Sector entspringt wie eine Schaltader aus zwei Queradern (Megistopus). Für die Be- schreibung der Gattungen und auch mancher Arten scheint mir die Verbindung des Sector mit der folgenden Längsader am Grunde des Hinterflügels durch eine meist leicht S-förmig geschwungene Längsader von Wichtigkeit. — Ich rinde diese Verbindung bei Hemerobius, Polystoechotes, Dilar, Psychopsis, Sisyra, Osmylus, Chrysopa ; sie fehlt bei Porismus, Mantispa, Drepaniciis, Stenosmyhis, Nymphes, Myiodactylus, Myr- meleoniden und Ascalaphiden. Bei Nymphes sind im Hinterflügel Ader 5 und 8 am Grunde nur durch eine Falte verbunden, im Vorderflügel erscheint daselbst, verschieden von allen genannten Gattungen, eine Verbindung der fünften bis zehnten Ader durch starke coincidente schiefe Queradern. Bei Sialiden ist die Verbindung des Sectors(5) mit Ader 6 oder 7 im Hinterflügcl fast stets vorhanden, z. B. bei Corydalis, Neuromiis, Sialis und der Mehrzahl der Clhui- liodes-Ancn und Rhaphidien: Rhaphidia afßnis, 7wtata ¥hv., ophiopsis, laticeps., cognata Rbr. cf. Sie fehlt dagegen bei ChauUodes pcctinicornis L., bei Inocellia crassicornis Schum., aber nicht bei der fossilen Art im Bernstein und mehreren Rhaphidia-Artcn, z. B. Rhaphidia oblita Hg. (Californien), Rhaphidia Rat:{cburgi Brauer, Rhaphidia nov. sp. Frankfurt a. M. Rh. xauthostigma, Rh. cognata Rbr. 9 (nicht ^). — In allen diesen Fällen ist eine Verbindung so verstanden, dass die Wurzel des Sector radii gleich anfangs durch eine geschwungene Längsader mit der Wurzel der nächsten Längsader verbunden wird. — Ich bemerke das deshalb, weil bei einigen Rhaphidien diese Ver- bindung durch eine vielleicht homologe Querader hergestellt oder ersetzt wird, die aber den Stamm der nächsten Längsader erst weit vom Grunde ab trifft und nur schiel ver- Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. joy läuft. Solche Formen hätten dann zwar dieselbe Verbindung, aber in anderer Form (nicht der Basalenden beider Adern). Bei Inocellia fehlt aber diese vollständig, und eine quere Verbindung tritt überhaupt nur bei den vorhin genannten Rhaphidien, nicht bei anderen Neuropteren auf. Panorpen fehlt die Verbindung vollständig. Durch dieses Verhältniss entsteht am Grunde eine ähnliche Basalzelle wie bei Plecoptercn, deren vordere Grenze der Sector subnodalis ist. Auf den Sector radii folgt, bei Corydalis nur als Falte, bei Sialis aber als concave Längsader, der Sector medius (8) wie bei Corydaloides, ferner der Sector brevis und die Falte des Sector trianguli superior (Clavalfalte). Vom Sector subnodalis bleiben nur die Endgabeln erhalten, wie bei Isopterj'x (Fig. lo). Co?-)-da!()ides zeigt, ebenso wie Woodwardia, keinen Fächer im Hinterflügel. Von den Sialiden der Jetztzeit zeigt die Gattung Sialis das ähnlichste Flügelgeäder. Die fossile Gattung Corydaloides trennt sich aber davon durch das nicht geäderte leere Rand- feld und das Verschmelzen von Subcosta und Radius lange vor der Flügelspitze, wodurch die vorderen Zweige des Sector radii in den Radius selbst und nicht in den Vorderrand münden. Ferner bleibt die Basalzelle (nach der Abbildung) vorne nur vom Radius be- grenzt, weil der Stamrn des Sector brevis am Grunde einfach bleibt und der des Sector subnodalis ganz verschwunden ist. Doch kann hier ganz gut der concave Sector medius, der auch bei Sialis an die Stelle des Sector subnodalis tritt, übersehen oder undeutlich sein. — Im Radialstreifen zwischen Radius und Sector fehlen bei Corydaloides alle Queradern, nur ani Ende erscheinen die nach vorne gehenden Endgabeln des Sectors. Von allen Sialiden der Jetztzeit unterscheidet sich Corj'daloides durch die oben er- wähnten persistirenden abdominalen Tracheenkiemen und die langen Cerci. Ob letztere richtig gedeutet sind, wäre noch mit Rücksicht der bei Rhaphidien vorkommenden Lege- röhren zu erwägen. Die Analogien der Plecopteren und Sialiden sind jedenfalls zu beachten. Die fast gleich entwickelten Thoraxringe mit gleichen indirecten Flugrnuskeln nähern die Sialiden am meisten den homomorphen Insecten. Zu beachten ist hier allerdings die a. a. O. hervorgehobene Aehnlichkeit des Darm- canales der Co/^^<^//.?-Larve mit jenem von Blattiden und Corrodentien, mit welchen auch die Plecopteren Aehnlichkeit haben. Ich rnöchte daher beide Formen, Woodwardia und Corydaloides, nicht unbedingt in dieselbe Ordnung und Farnilie stellen. Jedenfalls haben die Sialiden mit Corydaloides früher ein Recht Neurorthopteren zu heissen als die Protophasmiden und andere unter diesem Namen vereinigte Familien. Brongniart reiht an diese Pseudoneuropteren sibi mit Corydaloides und zu den Megasecopteriden auch den als Breyeria borinesis beschriebenen Flügel. Derselbe lässt aber auf eine Verwandtschaft dieser Formen nicht schliessen und wurde von M' Lac hl an (siehe meine zool.-syst. Studien i885, p. 1 19) als Ephernerenflügel gedeutet, wofür indess auch keine genügenden Anhaltspunkte vorhanden sind. Vielleicht gehört derselbe einem Homopteron an, deren einige die Flügelform der Tagschmetterlinge haben. Meganeura (Dictyoneura) Monyi Brgt. Das Flügelgeäder erinnert durch die zahlreichen nach vorne strebenden Zweige der Vena interno-media (g) an das der Mantiden und Plecopteren, Bei letzteren sendet aber der vordere Ast der Vena interno-media diese Bogenäste ab. Bei A/(?^a;7ez< o X II > TJ ^ d -p ^ u nn u o o u d p o u d X o O II LO o. "R 5 > d 1 CS O u n o -£2 cn 3 _2: u O -p "cS i) :P u 0) .5 'x o II V u. o -p d P tri to P CO .'s s . £ ^ -^ d D d cS O cu CO 's tj CS u X d o CO o to 'u CS u c3 £ C/2 X P CO O CU CS d 'S CS u > ;— ^^ 1) i> ■o ■p ■p d (-• CS -p ■p d ; 'ri' O > a "cS J2 d o cS w ce P d P o o^ 1 u OJ u o > o C o d o W CS d O a W ■•« 1 5 d o CS w u. C 'j . .- "es Ig 'j CS X CO ■d p CO 1) u CS 'S . C3 t/1 o o u «1 c« .£ T3 O d d P X P O 1) CS CS o CS d < Mediana Brunner D x: u tn d d -d d d ttH II ü CQ "^ o d CS . II C3 .£ '5ß F d (3 o d O o o -p "^ d cAj o o g n _CS £ r1 u ,p "cS d > u 1) b^ C3 C 5 ''S 3 Oh 0) d d _d "cS S D .s <: <; fc oi cd Di 00 ^ "a 3 't ^u„ ; .^ *» Ut ^ J2 d d P U i ä ^ .2 ^ ^ £ ^ , d d "" -p Ut (D , 'J) j:: "^ [i. CQ o .-^ p O .De '-p c CO c3 Q C ."«3 'S 's i^ rt 0) .2 c x: il t^ -5 (u £ •- OJ X' P •P CS u O ^ •- =3 .S cS -U ;— ' '^ d XI ^ XI > 0) Ui "2 CS li :s u: :;:: -p 'S o ö d u. OJ d u d X P CO "cS d CS d 3 CS u I-< 1) > •8 o . E ^ d d oS d 0} in 1 '^ g i CS d CS d CS d Cu X :cS n, n. Ol. u m 5) i> > Di > f> > ^ fc^ 1 - o 'J 1) p d d p «2 Cß P CO .s ■| C3 u CQ Is CS to CS ■p CO 3 3 -yj d "-] O bß bn O O II d o .£ u CS d -p s u. > d d CO 3- £ d d -p o d X p in u X u. CS 'S u O .S u O O II O CS « o u O u ^ cn o o u o O o u ü 2 Ö O u ;-< P- ; C/l (/) Cfi CA) Cfi c/J m t/J >< > >< >■ >< > >< > >< > >< > >< > z 6 t-* fl r^ ■^ lÖ o l-^ c» c^ o (—1 " M r^ rf- 120 Friedrich Brauer. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Erklaruni,^ der Figuren. Fig. I. Defopeltis graiuilifera Krauss. Cap. h. sp. Vorderflügel. Die Punkte bezeichnen die Regionen nach Scudder. Confr. Fig. 8. (Blattidae.) Die Aeste: »false 7« sind solche von Ader Nr. 3, wie hei Fig. 8. Fig. 2. Paranauphoeta riifipes Burm. Molukken. HinterflUgel. (Blattidae.) Fig. 3. Mantis religiosa L. Vorderflügel. {Mantidae.) Fig. 4. Perla marginata P. Hinterflügel. (Plecoptera.) Fig. 5. Chaetessa filata Buvm. Brasil. Vorderflügel. (Mantidae.) Confr. Fig. i. Fig. 6. Protokollaria ingens Brgt. Steinkohlenperiode. Vorderflügel. Confr. Fig. 5 und y.v. [Protoperlidae Brgt.) Fossil. Nach Brongniart. F"ig. 7. Locitsta viridissima L. 9. Vorderflügel. Confr. Fig. 6 .v. (Saltatoria Locustina.) Fig. 8. Etoblattina manebachensisGldbg. Steinkohle. Fossil. {Palaeoblattariae. Ordo Palaeo- dictyoptera Scdd.) Nach Scudder. DieAderästc: »false 7« sind nur solche von Nr. 3. Fig. 9. Schema eines Calopterygiden-Flügels. (Odonata.) B: Basalzelle. Fig. 10. Isopteryx ßava. Hinterflügel. (Plecoptera.) B: Basalzelle. P^ig. I I. Embia Savignyi. Hinterflügel. (Enibidae. Orthoptet-a.) B: Basalzelle. Confr. Fig. 10. Fig. 12. ^^'oodn'ardia nigra Brgt. Nach Brongniart's Heliographie erklärend dargestellt. Confr. Fig. 9, 13 und 1 5. (Pseudoneuroptera. Megasecopteridae.) Fossil. Steinkohle. Fig. 13. Hierodiila pustiilata Ser\il. Q. Madagaskar. Abnorm geäderter rechter Vorderflügel. (Mantidae.) Fig. 14. Lamproptilia Grand' Eiiryi Brgt. Fossil. Steinkohle. Nach Brongniart 's Helio- graphie erklärend dargestellt. (Ordo Neurorthoptera, Subordo Palaeodictyoptera, Familia Platypteridae Brgt.) Vorder- und Hinterflügel. Fig. i5. Diamphipnoa viridescentipennis Blanch. Chile. (^::; lichenalis Gcrst., seciDid.M'l.achl.) Vorderflügel-Basis. Confr. Fig. 5, 6 und 12. (Plecoptera.) Fig. 16. Spilaptera Packardi Brgl. FossW. Steinkohle. Nach Brongniart's Heliographie er- klärend gezeichnet. [Neurorthoptera palaeodictyoptera, Platypteridae Brgt.) Confr. Fig. 14. Fig. 17. Henieristia occideiitalis Scdd. Foss,\\. Steinkohlcnf. Illinois. Nach Scudder 's Zeich- nung. Von der punktirten Linie zur Spitze sind die .Addern von Scudder er- gänzt. Palaeodictyoptera neiiropteroidea, P'amilia Heineristina Scdd., Pseudoneuro- ptera, Homothetidae Brgt. Confr. Fig. i und 5. Fig. 18. Acridium tataricuni I.. Vorderflügel. (Orthoptera saltatoria, Acridiodea.) Fig. I 9. Scapteriscus oxydactyla Perty. 9 . Brasil. Vorderflügel. Confr. Fig. 20. (Gryllotalpina.) Fig. 20. Palaeoblattina Douvillei Brgt. Fossil. Silurformation. Njch Brongniart skizzirt. Confr. Fig. 19. Blattidae? Brgt. ? Scudder. Fig. 21. Bittacus Blanchetti P'ict. Brasilien. Vorderflügel. Confr. Fig. 14. Bei sämmtlichen Figuren bezeichnen die gleichen Zahlen die einander homologen oder für homolog gedeuteten Adern und die Zahlen entsprechen den Nummern der Adern unserer Tabelle. Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. N'oii Dr. Victor Goldschmidt. Uass die Angaben über das specifische Gewicht der Mineralien unter sich so sehr differiren, liegt nicht sowohl in den Methoden der Bestimmung, als in der Auswahl des Materials. Hat man auch möglichst reines, homogenes Material nach dem Augenschein aus- gewählt, so zeigt es sich doch beim Eintragen in schw^ere Lösungen, dass die specifischen Gewichte der Einzelkörner in oft weiten Grenzen schwanken. Die Ursache liegt in manchen Fällen in isomorphen Verwachsungen, in der Regel in Einlagerungen und Hohl- räumen und endlich in Umwandlungen der Substanz (Zersetzungen). Im ersteren Falle ist nur möglich, selbst in dem Einzelkorn ein Durchschnitts- resultat für die verschiedenen isomorphen Bestandtheile zu haben. Will man mit einem solchen Resultat etwas anfangen, so muss es mit der chemischen Analyse, eventuell mit krystallographischen und optischen Restimmungen verbunden sein, und es empfiehlt sich, an gleichfälligen Körnern specifisches Gewicht und Zusammensetzung zu bestim- men, damit auch bei beliebiger Entnahme des Materials zu den weiteren Bestimmungen die Angaben, soweit sich das erreichen lässt, sich auf die gleiche Substanz beziehen. Bei der pyknometrischen Bestimmung, bei welcher man Durchschnittsresultate für verschiedenwichtige Körner erhält, ist eine solcheUebereinstimmungdem Zufalle ausgesetzt. Wichtiger und mit dem ersten Falle noch combinirt sind die Ungleichheiten durch fremde Einlagerungen, Hohlräume und Zersetzungen; fast kein Material ist davon frei, und es besteht die Aufgabe, bei der specifischen Gewichtsbestimmung diesen Einfluss zu eliminiren. Bei pyknometrischen Bestimmungen ist dies nicht möglich, wohl aber bei dem Suspendiren in schwerer Lösung. Nachdem das Material ausgesucht und zerkleinert ist, bringt man die Körner zur Suspension, und es zeigen sich stets in engeren oder weiteren Grenzen sich bewegende Differenzen. Man bestimmt nun das Gewicht der einzelnen Körner, wenn diese grob sind, von Gruppen, wenn sie feiner sind, und unterzieht das Resultat einer natur- gemässen Discussion, die sich darauf bezieht, welches Material zu den weiteren Unter- suchungen zu nehmen sei, und welches Gewicht ihm beizulegen sei. Als Hilfsmittel der Discussion dient die Betrachtung mit Loupeiuid Mikroskop. Zum Beispiel: Eine Substanz enthalte nach mikroskopischem Befund leere Hohl- räume und erscheine sonst homogen, so ist das Gewicht der schwersten Körner anzu- nehmen; es kann aber das ganze Material zur Analyse kommen. Eine andere Substanz enthalte Glaseinschlüssc, und zwar die leichtesten Körner die meisten, so ist wieder das höchste Gewicht anzunehmen, aber zur Analyse nur das schwerste Material auszuwählen. Ich will das Gesagte noch an einigen Beispielen aus der Natur erläutern, die zu- gleich zeigen sollen, in welchen Grenzen sich solche Gewichte bewegen, das heisst, welche Annalen des k. U. iiatuiiiistorisclicn Horin;isciims, Bd. I. Hoft 2, iSSö. 9 j 2g Victor Goldschmidt. Genauigkeit man derartigen Bestimmungen beimessen kann. Das Material ist nach dem Aussehen rein ausgewählt und so, wie man es direct der pyknometrischen Bestimmung unterziehen würde. Die Bestimmungen sind durch Wägen der Lösung in 2 5 Cc. Kölb- chen ausgeführt') und es beträgt die Genauigkeit derselben o-ooi bis 0-002. In diesen Beispielen bedeutet die angeschriebene Zahl das specifische Gewicht, die in Klammer die zugehörige Anzahl von Körnern. Beispiele der Disciission. Adular (Schweiz). Farblos, wasserhcll, theilweise mit weisslicher Trübung. 2-534(2) 2-562(1) 2-565(2) 2-569(2) 2-570(3) 2-571(1). Das specifische Gewicht ist herabgezogen durch die mikroskopischen Hohlräume, welche die milchige Trübung hervorbringen. Es ist das höchste Gewicht 2-571 als das richtige anzusehen. Aktinolith (Zillerthal). Etwa 6 mm. starke Säulen. 3-018(1) 3-020(2) 3-023 (i) 3-o3o(i) 3-o3i (i) 3-o34(i) 3-039(2) 3-O4i(0- Die Ursachen der Verschiedenheit können mehrfache sein, besonders Einlagerungen von Chlorit und Hohlräume, aber auch ungleiche Zusammensetzung durch isomorphe Mischung. Letzteres lässt Spielraum nach beiden Richtungen zu, doch dürfte bis auf specielle Untersuchung das höchste Gewicht 3-041 als das richtige anzusehen sein. Anhydrit (Stassfurt\ Wasserhelle, farblose Krystalle. 2-950 (i) 2-956(1) 2-957(2) 2-961 (i) 2-963 (9). Das Gewicht ist herabgezogen durch Hohlräume, daher das höchste 2-963 als das exacteste anzusehen. Aragonit (Herrengrund). Farblos, wasserhell. 2-919(1) 2-920(1) 2-927(1) 2-936(^2) 2-937(1). Die Ursache der Differenzen liegt in Hohlräumen, und es ist das höchste Gewicht 2-936 — 2-937 als das exacteste anzusehen. Aragonit (BiUn). Klare, weingelbe Krystalle. 2-927(2) 2-933(6) 2-934(6) 2-935(4) 2-936(3). Durch die zwei Körnchen 2-927 zieht sich ein schwacher Spalt, der allein als Er- klärung des niederen Gewichtes dienen könnte. Die anderen Körner sind dem Aussehen nach auch unter Loupe und Mikroskop vollkommen klar und gleich, und es kann 2-933 — 2-936, im Durchschnitt 2-935 als das richtige Gewicht angesehen werden. Dies stimmt sehr wohl mit Her^engrund. Calcit (Rathhausberg bei Gastein ?). Von rother Farbe, herrührend von mikroskopischen rothen Blättchen von Eisenglanz. Andere Partien sind dabei matt und weisslich, herrührend von mikroskopischen Hohlräumen, 2-723 — 2-725(3) 2-725 — 2-727(25) 2-728 2-729(12) 2-729 — 2-731(26) 2-731—2-733(31) 2-733—2-735(3). Die schwersten Partien sind die klarsten, und es ist wohl 2-733 als das richtige Ge- wicht anzusehen, unter der Voraussetzung, dass die eingelagerten Eisenglanzpartikcln I) Vgl. Goldschmidi. Jahrb. 1. Min. 1881, Beilagcb.. I, 196. Bestimmung des specitischen Gewichtes von Mineralien. I2q SO gering sind, dass sie das Gewicht nicht wesentlich hinaufziehen können, die Hohl- räume dagegen starke Veränderung bringen. Darnach wäre zu vermuthen, dass genannter Calcit Mg CO^, respective Fe CO, enthielte. Sicherheit in der Discussion des Gewichtes kann nur die Analyse geben, welche die Menge des F^c.^ O^, sowie des Mg CO^ und Fe CO.^ feststellt. Zu einer solchen kann das gesammte Material, auch das weisslichc verwendet werden. Die analytische Untersuchung ist noch nicht ausgeführt. Calcit (Rabenstein). Klar und wasserhell. 2715(171 Alle Körner gleichfällig. Der Calcit ist ganz rein und ohne Einlagerungen. Daher die schöne Uebereinstimmung. Calcit (Island). Farblos und wasserhell. 2713 (sehr viele Körner). Alle Körner gleichfällig. Vollkommen frei von Einschlüssen. Calcit (Nordmarken). Wasserhell und farblos. 2717 (sehr viele Körner). Alle Körner gleich fällig. Frei von Einschlüssen. Calcit (Lörtschenthal in Wallis). Grobstenglige, aussen gelbe Massen, die inneren Theile farblos, wasserhell und ganz gleichfällig. 2713 (sehr viele Körner). Fassen wir die letzten vier Calcitc zusammen, die alle als rein angesehen werden können, so dürfen wir in Anbetracht dessen, dass die Gewichtsbestimmung in der letzten Decimale um i — 2 Einheiten differiren kann, 'i-j\i\ als das Gewicht des reinen Calcits ansehen. Nordmarken, das um ein Geringes differirt, dürfte vielleicht etwas Mg Co,. oder Fe Co.. enthalten. Eläolith (Rrewig). Röthlich. 2-604(1) 2-6o8(i) 2-609 (i) -'613(1) 2-617(2) 2*620 (4). Die Differenz liegt in beginnender Zersetzimg. Die schwersten Körner erscheinen am frischesten und am stärksten glänzend. Ihr Gewicht 2*620 ist als das exacteste an- zusehen. Heulandit (Island). Farblose, wasserhelle Krvstalle. Sehr schönes Material. 2-201 (3) 2'202(3) 2-206(1). Die Differenz ist sehr unbedeutend, und es darf wohl das Mittel 2-202 als sicher angeschrieben werden. Labradorit (Küste Labrador). Grau mit blauem Farbenschiller. 2-682(1) 2-683(2) 2-685 i^i) 2-689(4) 2-694(2) 2-700(1). Die Körner 2-689 erscheinen als die reinsten und klarsten. Die Differenzen dürften durch Einlagerungen und Veränderungen zu erklären sein. Ob verschiedene Zusammen- setzung der Lamellen mitspricht, bedarf einer speciellen Untersuchung. Bis dahin ist 2-68g als das zuverlässigste Gewicht anzusehen. Leucit (Vesuv). Ziemlich klar, glasig. 2-440(1) 2-456(1) 2-461(1) 2-463(3)2-464(1) 2-465(3). Das erste Korn differirt stark, das zweite wenig von den anderen. Die ersteren bilden geschlossene Krvstalle, die letzteren sind Bruchstücke. Das erklärt die Differenz. Die 9* I 3o Victor Goldschmidt. ganzen Krvstallc bestehen aus einem Kern und einem Mantel, die beim Zerschlagen sich trennen. Die Fuge zwischen beiden zieht das Gewicht herab. Als richtig ist 2-464 an- zusehen. Natrolith (Brevig). Starke, klare Einzelkrystalle. 2*246(5) 2-249(1). Die Uebereinstimmung ist befriedigend, um die Körner für homogen zu halten. In Anbetracht der grossen Körnerzahl ist 2-246 der Vorzug zu geben. Pektolith (Bergenhill). Farblose, glänzende Massen aus feinen, dicht geschlossenen Fasern. 2-865 (i) 2-867(2) 2-870(2) 2-871 (2) 2-876(3) 2-880 (i 3). Die Discussion gibt hier ein besonders interessantes Resultat. Das Material ist durch zwei Ursachen verändert: 1. Verwitterung. Die Handstücke werden beim Liegen an der Oberfläche matt und specifisch leichter. 2. Zerdrückung. Ein Einfluss, der anderwärts nicht so deutlich hervortreten dürfte. Der Pektolith ist schwer zu zerkleinern, da die Fasern, die sich in radiale Bündel ordnen, unter sich, noch mehr aber mit den benachbarten Faserbündeln, mit denen sie verschränkt sind, zusammenhaften. Die Trennung kann nur durch starke Schläge er- folgen, ebenso die Befreiung vom Nebengestein. Nun hat der Pektolith noch die Eigen- schaft, sich bei Druck und Schlag gern in asbestartige Fasern aufzulösen. Tritt nicht vollständige Abtrennung ein, so entfernen sich die Fasern von einander; die Stelle wird matt, weiss und das specifische Gewicht sinkt herab. In der That zeigen die leichteren Körner solche matte Partien, und es bestätigt sich die Auflockerung dadurch, dass sich die gelbe Lösung in die gelockerten Theile hineinzieht. Auch das Mattwerden durch Ver- witterung zieht das Gewicht herab, und es ist deshalb das höchste Gewicht 2-880 als das richtige anzusehen. Quarz (Middleville). Einzelne, rundum ausgebildete wasserhelle Krystalle. 2-650 (6). Alle Körner gleichfällig. Vollkommene Uebereinstimmung wegen Reinheit und Gleichmässigkeit des Materials. Schwefel (Girgenti). Rein und klar. 2-068(6) 2-070(6). Gute Uebereinstimmung. Die leichteren Körner erscheinen etwas heller, doch muss das nicht eben von Bedeutung sein. Wollastonit (Finnland). Farblos, glasglänzend, mit Calcit verwachsen. 2-878 (i) 2-881 (i) 2-889(1) 2-897(2) 2-902(5) 2-904(1) 2-907(5). Die verändernden Einflüsse sind in diesem Falle*. Zersetzung, Einlagerungen be- sonders von Calcit und Faserung mit Hohlräumen. Alle diese Einflüsse suchen das specifische Gewicht herabzuziehen, und es ist das Gewicht der schwersten Körner 2-907 als das richtigste anzusehen. Diese Körner erscheinen auch nach ihrem Aussehen als die reinsten. Es ist jedoch möglich, dass die Zahl für die reine Substanz noch ein wenig zu nieder ist. Aus den angeführten Beispielen geht mit Klarheit hervor, wie die Annahme von Durchschnittswerthen, wie sie bei Pyknometcrbestimmungen nicht umgangen werden kann, unrichtig ist, dass man dagegen für solche Mineralien, die sich zur Suspension bringen lassen, oft sichere, in complicirteren F'ällen der Wahrheit stark genäherte Bestimmung des specifischen Gewichics von Mineralien. i 3 l Resultate erhalten kann. Es ist zu vermuthen, dass bei derartiger Discussion die weiten Grenzen in den Angaben der specifischen Gewichte, wie sie sich am besten in Websky's Zusammenstellung (Die Mineralspecies nach den für das specifische Gewicht derselben angenommenen und gefundenen Werthen. Breslau 1868) übersehen lassen, sich ganz ausserordentlich verengern werden und sich erst dann vergleichbare Zahlen gewinnen lassen. Berücksichtigung der Temperatur. Von manchen Autoren wird bei der Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien die Temperatur berücksichtigt, von anderen nicht. Es entsteht daher die Frage, wie weit die Temperatur von Einfiuss sei, um zu beurtheilcn, ob man diese ver- nachlässigen dürfe oder nicht. Die Bestimmungen werden in der Regel bei einer Zimmer- temperatur vorgenommen, die sich in den Grenzen von i3 — 23" C. bewegt. Als Mittel der Bestimmungen können wir 18" annehmen, und es erscheint vortheilhaft, exacte Be- stimmungen auf diese Temperatur zu reduciren, bei allen Bestimmungen aber, wo eine Angabe nicht gemacht ist, diese Temperatur vorauszusetzen. Wir können unsere obige Frage nun dahin präcisiren: Wie ändert sich das Resultat der Bestimmung des specifischen Gewichtes, wenn diese nicht bei 18", sondern bei i3", resp. 2 3'^ vorgenommen wird? Dieser Einfluss ist verschieden je nach der Methode der Bestimmung. Wir wollen nur die beiden wichtigsten Methoden untersuchen: mit dem Pyknometer und durch Suspendiren in schwerer Lösung. P y k n o m e t e r b e s t i m m u n g . Hierbei machen wir die folgenden Wägungen. Wir bestimmen: g =: Gewicht des Minerals, G =: Gewicht des Wassers im vollen Pyknometer, Qf) =r Gewicht des Pyknometcrinhalts von Wasser und Mineral. Ausserdem möge bedeuten: F= Inneres Volum des Pyknometers, V = Volum des Minerals, 3 = spec. Gewicht des Wassers bezogen auf das spec. Gewicht desselben bei 18'^ als Einheit, a = spec. Gewicht des Minerals, z = cubischer Ausdehnungscoefficient des Minerals, z ^= Differenz der Beobachtungstemperatur gegen 18" C. Lassen wir für diese Betrachtungen den untergeordneten Einfluss des Gewichtes der verdrängten Luft bei den Wägungen ausser Acht, so ist: Gewicht des Minerals Spec. Gewicht = Gewicht des verdrängten Wassers g ab ei ist: G =v:2 *•):? daher: a a — y,(V — V -^ ^)^ g 32 Victor Goldschmidt. Wir wollen nun Alles, was sich luil eine andere Temperatur als i8" C. bezieht, mit einem Index bezeichnen, und, wo von einer spcciellen Temperatur die Rede ist, mit der Temperaturzahl als Index, z. B. ^i^ = spec. Gewicht des Wassers für i3"C., bezogen auf 2f|g als Einheit. Es ist dann: und im spcciellen Fall; ffi:} = '13 t^'13 Nun ist r, = r ( i -f zr) = '^ ( i + x i) daher: o", 2,g{i-{-xr) 2, (i + xt) ö-, JS", (l -f 7.t) Der Einfluss des Werthes (i + /. /) ist dem von 3, entgegengesetzt, jedoch schwächer. Es steht daher die Formel = ö-, ^, 3 der W^ahrheit noch etwas näher als 4- Wir wollen an drei Beispielen den Einfluss sehen, den die Anwendung der Cor- recturformeln 2 und 3 gegenüber 4 hat. Bleiglanz. ff, 3 = 7'5 beobachlct ohne Correctur a = 7'5032 nach Formel 2 (7^ = 7'50 57 nach Formel 3 Flussspath. (rj3 = 3'i8 beobachtet ohne Correctur a = 3'i8i5 nach P'ormel 2 er, ■= 3" 1824 nach Formel 3 Calcit. ffj3 = 2'7I5 beobachtet ohne Correctur ff = 2*7 168 nach P'ormel 2 ffj =: 2"7i7i nach Formel 3 ff.,3 = 7'5 beobachtet ohne Correctur ff = /•4948 nach Formel 2 ff, = 7'4y-- r^'^^'h Formel 3 ff23 = 3'i8 beobachtet ohne Correctur ff = 3*1776 nach Formel 2 ffj = 3*1767 nach Formel 3 ff,3 = 2*715 beobachtet ohne Correctur ff = 2*7124 nach Formel 2 ff, =1 2*7122 nach Formel 3 Die cubischen Ausdehnungscoefhcienten sind der Arbeit von Kopp l^Pogg. Ann. i852, 86. i56) entnommen, und zwar: für Bleiglanz /. =. o*oooo68 Flussspath /. = o-oooo63 Calcit /. = o*ooooi8. Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass der Einfluss der Temperatur in den Grenzen der Beobachtung sich auf die dritte Decimale beschränkt. Er wächst mit dem speciflschen Gewicht des Minerals, und es beträgt die Differenz der nach Formel 2 corri- girten Werthe a gegen die uncorrigirten Werthe ff^g, also die Maximalditferenz für Bleiglanz o-oo52, » Flussspath 0*0024, » Calcit 0*0026. Formel 2 können wir als exact annehmen, durch Formel 3 ist eine Näherung er- zielt, die wohl dann zur Anwendung geeignet erscheint, wenn man den Ausdchnungs- cocfficienten des Minerals nicht kennt. Statt dessen könnte auch eine empirische Cor- rectur angebracht werden von der Formel, deren Resultat der Wahrheit näher kommt als das aus Formel 3. (7 = ff. -]- 0*0001 ffA wenn /;" unter 18" beobachtet wurde ff =^ ff. o'ooo 1 5 ff i r" über i8' ■3. Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. i33 Zum Beispiel: Beobachtet a^ = 3'i8 (Bleiglanz) bei 23"; a =^ 3"i8 — o'üooi5 . 3'i8 . 5 = 3-1784. Formel 2 würde ergeben haben 3-1776. In beiden Fällen ist zu schreiben 3-178. Es mögen hier noch die Werthe 2 mit ihren Logarithmen folgen für die Tempera- turen von i3 — 23'*, bezogen auf ^,^ = i, und zwar berechnet nach den Angaben von Volkmann (Wicdem. Ann. 1881, 14. 277, resp. Landolt und Born stein, Tabellen, S. 33). Temp. V" lg ^ Tcmp. Z lg ^ 13" 1-000768 00003334 19" 0-999812 99999182 14 1-00.0634 00002755 20 0-999608 99998299 15 I -000401 00002134 21 0-999401 99997099 16 1 -000241 00001482 22 0-999185 99996459 17 I -000176 00000765 23 0-998959 99995474 Bestimmung durch Suspendiren. Bei dieser Bestimmungsmethode (vgl. Jahrb. f. Min. 1881, Beilageb. I, ig6) erhält die Lösung genau das specitische Gewicht des Korns bei der Beobachtungstemperatur. Es wird dann ein Kölbchen mit der Lösung gefüllt, das bei 18" C. ein bestimmtes Volum, am besten genau 2 5 Cc. fasst. Die Temperatur ist insofern von Einfluss, als sie das Mineralkorn ausdehnt und leichter macht, anderseits das Glaskölbchen erweitert und daher mehr Lösung zum Abwägen braucht. Beide Einflüsse wirken einander entgegen. Es sei: a ■= spec. Gewicht des Minerals bei 18", bezogen auf Wasser von 18". ff, z= spec. Gewicht, bei einer andern Temperatur bestimmt, ohne Correctur. (j.^2 = spec. Gewicht, ohne Correctur, speciell bei 23" C. bestimmt. V := Volum des Kölbchens bei 18" C. F, = Volum des Kölbchens bei einer andern Temperatur, z. B. F^s " des Kölbchens bei 23" C. /. = Cubischer Ausdchnungscoefhcient des Minerals. 1 = Cubischer Ausdehnungscoefficient des Glases vom Kölbchen. c = Beobachtungstemperatur über (unter) 18" C. Volum Nun ist ff, ^=^ ff ( 1 — "/. r) F ffF(i — xr) (i \ li) ff (i — zr) (i + 1%) z= (j [i + (X — /.)'•] ffl I -\-il- X). ff = ff, [i -|-(x - i)A 6. Der Ausdehnungscoefflcient des Glases ist verschieden; man kann ihn aber im Durchschnitt = 0-00002 5 setzen. Nehmen wir dieselben Beispiele wie oben, so ist: Flussspath: x = 0-000062. Beobachtet: y, 3 =3 3- 18 ff = 3-1794 fj-.^.j ::::; 3-18 ff = 3-l8o5. Calcit: x = o-ooooi8. ffi, = 2-71 5 '13 '7-23 = 2-715 ff := 2-71 D02 ff ^= 2-71498. I 3a. Victor Goldschmidt. Bestimmung des specitischen Gewichtes von Mineralien. Die Ditieicnzcii zwischen den corrigirten Werthen a und den uncorrigirten (j,^, resp. a-,:i betragen: für Flussspath o-ooo6, » Calcit o*ooo2. Fassen wir die Resultate dieser Betrachtung zusammen, so ergibt sich, zugleich im Hinblick auf die oben dargelegten Schwankungen des specifischen Gewichtes der Einzel- körner, dass für allgemein mineralogische Bestimmungen bei der Methode des Suspen- direns der Einfluss der Temperatur entschieden ausser Acht zu lassen ist. Bei pykno- metrischen Bestimmungen mag er dann berücksichtigt werden, wenn das Material so gleichmässig rein ist, dass die dritte Decirnale gesichert erscheint. Liegt ein solcher Fall vor, so kann man die Correcturformel 2 anwenden, oder auch, wenn der Ausdehnungs- coefiicient des Minerals unbekannt ist, mit genügender Annäherung F'ormel 5. In den meisten Fällen jedoch kann man auch hier den Einfluss der Temperatur vernachlässigen. Dagegen empfiehlt es sich, der Gleichmässigkeit wegen, alle Angaben nicht auf 4" C, sondern auf eine mittlere Ternperatur von 18" C. zu beziehen. F"ür physikalische Special- untersuchungen muss nach Bedarf die Reduction auf 4" C. vorgenommen und eventuell das Gewicht der verdrängten Luft bei den Wägungen berücksichtigt werden. lieber die Krystallform des Tellurit. Von Dr. Äristidcs Breiina. Mit drei Fiiiurcn im Texte. Die nachfolgende Arbeit war bis auf die Nachberechnung einiger von Laspeyres am Valcntinit beobachteten Flächen im Juli 1884 druckfertig gemacht; mancherlei andere Arbeiten kamen dazwischen und verzögerten den Abschluss; unterdessen erschien im April des Jahres i885 die Untersuchung von D. Klein und J. Morel über den Dimor- phismus der tcllurigen Saure, worin eine tetragonale, dem regulären Oktaeder sehr nahe stehende, und eine rhombische, nahe tetragonale Moditication angegeben werden; vorher (December 1884) war eine Arbeit von Mallard erschienen, worin die eigenthümlichen Beziehungen der Formen der Oxyde zu einander besprochen und die Rückführbarkeit derselben auf ein tesserales Netz nachgewiesen wurde. Ich habe gleichwohl meiner Arbeit ihre ursprüngliche Form belassen und nur an den entsprechenden Stellen den Hinweis auf die vorerwähnten fremden Publicationen eingefügt. Die Arbeit von Klein und Morel bestätigt einerseits die von mir aus den Unter- suchungen von Bcrzelius geschöpfte Vermuthung, dass neben der rhombischen eine oktaedrische Modification der tellurigen Säure existire; dass diese aber nur pseudotesscral sei, könnte mit den von Mallard angenommenen Gesetzmässigkeiten der Anordnung zusammenhängen; es wäre aber auch andererseits denkbar, dass eine jede der in Frage stehenden Substanzen (Oxyde) polymorph sei und eine tcsserale ModiHcation besitze, was nach den Entdeckungen der letzten Jahre durchaus wahrscheinlich ist. Auf alle Fälle gehört diese Gruppe zu den interessantesten, welche bisher krystallographisch untersucht wurden, und verspricht bei genauerer Durchforschung reiche Aufschlüsse über die Beziehungen von Form und Mischung. In den letzten Tagen ist, veranlasst durch die Ankündigung meiner vorliegenden Arbeit im ersten Hefte der Annalen, eine Notiz von Krcnner »über den Tellurit von Facebaja« erschienen, worin für das ältere Telluritvorkommen Elemente bekannt ge- macht werden, welche nahe mit den von mir am neuen Anbruche gefundenen überein- stimmen. 1. Aeltere Beobachtungen. Die tcllurige Säure TeOo wurde zuerst von Berzelius ') untersucht, welcher angab, dass sie durch Verdünnen einer salzsauren Lösung des Tellursuperchlorüres mit kochen- dem Wasser in wasserfreien Krvstallen erhalten wird, deren Form oktaedrisch zu sein ') Berzelius, Untersuchung über die Eigenschaften des Tellurs. Pogg. Ann. XXXII, i — 3-» 577—627, 1834. l36 Arislides Brezina. schien. McssLiiigcn wurden nicht angestellt. Oppenheim,') welcher später die Versuche von Berzelius wiederholte, vermochte auf dem angegebenen Wege keine Krystalle zu erhalten. Inzwischen war durch Petz-) die tellurige Säure in Begleitung von gediegen Tellur in Faczebaja im natürlichen Zustande aufgefunden und erkannt worden; »ein Mineral in ganz kleinen Kugeln von feinfaserigem Gefüge, gelblichweisser, ins Grauliche gehender Farbe, welches vor dem Löthrohre, in der offenen Röhre sowohl als auf Kohle, ganz das Verhalten von telluriger Säure zeigte«. Offenbar hat jedoch schon im vorigen Jahrhundert Esmark-^) dieselbe Substanz unter den Händen gehabt, wenn er gelegentlich des sogenannten problematischen Gold- erzes, d. i. gediegen Tellurs, schreibt (a. u. a. O., Seite 91): »Bei ihm traf ich einige sehr kleine Krystalle von gelblichgrauer P'arbe an, welche längliche, sechsseitige Tafeln bildeten, stark glänzend, von Demantglanze und halbdurchsichtig waren, und deren übrige Kennzeichen ich, wegen ihrer Kleinheit, nicht bemerken konnte. Vor dem Löth- rohre verflüchtigten sie sich in Rauchgestalt. Ich halte sie für gelbes Spiessglaserz.« In neuerer Zeit wurde der Tellurit an drei Fundorten Colorado's, der Keystone, Smuggler und insbesondere in Spalten von gediegenem Tellur und als Ueberzug auf demselben auf der John Jay Grube durch F. A. Genth 1) aufgefunden: »kleine, weisse, gelblichweisse und gelbe Krvställchen, einige weisse Krvstallc scheinen spitze rhombische Pvramiden zu sein; meistens prismatisch; häurig der Länge nach gestreift, einzeln oder zu Bündeln vereinigt; Spaltbarkeit sehr deutlich in einer Richtung«. So dürftig die vorstehenden Angaben über die Formen des Tellurit auch sind, deuten sie doch auf eine Dimorphie der Substanz hin, eine rhombische (oder monokline, trikline) natürlich vorkommende und eine tesserale, künstlich erhaltene Modification, falls man nicht annehmen will, dass Berzelius eine oktaederähnliche rhombische Pvramide beobachtet hat.-"') 2. Neues Vorkonunen. Ich erhielt im Juni 1884 durch Herrn Adolf Genzsch eine Stufe gediegen Tellurs von Faczebaja, auf welcher derselbe ausgezeichnete Telluritkrvstalle aufgefunden hatte. Insbesondere zeigten drei miteinander verwachsene Individuen deutliche, gut spiegelnde Endflächen, welche eine genauere Untersuchung gestatteten.*^) Ausserdem fand ich bei Durchmusterung der älteren Tellurstufen des mineralogischen Hofkabinetes nicht nur zahlreiche Exemplare von Tellurit in der von Petz beschriebenen Form von zu Kugeln 1) Oppenheim, Ucbcr das Tellur und einige seiner Verbindungen. Journ. pr. Chem. LXXI, 20Ö— 282, 1857. -) Petz Wilhelm, Zerlegung einiger Siebenbürger Tellurerze. Pogg. Ann. LVll, 467 — 47S, 1842. -^) Es mark Jens., Kurze Beschreibung einer mineralogischen Reise durch Ungarn, Siebenbürgen und das Banal, P^reyberg 1798. I) Genth, F. A., On some Tellurium and Vanadium Minerals. Amer. Philos. Soc. XVll, 118 bis 128, 1877. Darin S. 123: »where it is found in minute white, yellowish-white and yellow crystals, mostly prismatic, often longitudinally striated, isolaled or aggregated in bundles; a fcw of ihe white crystals arc acute rhombic pyramids. Cleavage eminent in one direction«. Auch Zeitschr. lür Kry- slallogr. II, I — 13, 1878, woraus das obige deutsche Citat. ^) Unterdessen haben Klein und Morel (Sur le dimorphisme de I'anhydride tellureux etc. Compt. rendus C, 1 140— 1 143, 1885) eine oktaederähnliche tetragonale Form von der Dichte 5-67 und eine rhombische Form (Grenzform zum tetragonalen System) vom specilischen Gewichte 5-90 erhalten. •') Die Stufe, welche seither vom mineralogischen llofkabinete erworben wurde, trägt die Num- mer D. 196. Der grösste von den ch'ei erwähnten Krystallen beiludet sich noch auf der Stute. Ueber die Ki7stallform des Tcllurit. i 3 7 gehäuften Blättchen, sondern auch auf Stücken des neuen Anbruches (von i883) von Faczebaja ein paar wetzsteinähnliche, kleine Krystallstöcke, welche durch parallele Auf- einanderlagerung von nach aussen immer kleiner werdenden Tellurittafeln erzeugt sind. Die Krystalle sitzen entweder auf Tellurkrystallen oder unmittelbar in Hohlräumen des stark porösen Gesteines, eines spröden, stellenweise fast glasigen Qiiarzsandsteines, wie er als Muttergestein des gediegen Tellur von Alters her bekannt ist. Zuweilen sind die Hohlräume des Gesteines ganz mit blanken oder in den lebhaftesten metallischen Farben angelaufenen Tellurkrvstallen von meist geflossenem Aussehen bekleidet, über welche Baron Heinrich Fou Hon, welchem ich mein diesbezügliches Material zur Bearbeitung überlassen habe, genauere Nachrichten gebracht hat. Die einzeln ausgebildeten Tellurit- krvstallc scheinen mit Vorliebe in Hohlräumen dem Gesteine selbst aufzusitzen, während die (bei Weitem häutigeren) wetzsteinähnlichen Gebilde mehr auf Tellurkrystallen ge- funden werden, welche Höhlungen des Gesteines auskleiden. Die Identität dieser Kry- ställchen mit Tellurit konnte allerdings nur durch einen qualitativen Versuch, das Ver- halten im beiderseits offenen Glasrohr, erhärtet werden, wobei in strenger Rothgluth ein Schmelzen zu braunen Tröpfchen, sodann Verdampfen eintritt; doch stimmen sowohl das Vorkommen als auch alle anderen äusseren Eigenschaften so vollkommen mit den Beschreibungen des Tellurit von Petz und Genth, dass ein Zweifel über die Substanz kaum aufkommen kann. Angaben über die genauere F'undstelle verdanke ich Herrn Bergingenieur J. Heski, über dessen Anrathen Herr k. k. Baurath Friedrich Stach in Wien den seit den Jahren 1848 — 1849 darniederliegcnden Bergbau von Faczebaja wieder aufgenommen hat. Herr Heski schreibt mir über das neue Vorkommen: »Die erwähnten Stufen entstammen einer Bergveste der sogenannten Präpestyenerkluft, welche Bergveste in den Stollen: Präpestyene, Dreifaltigkeit und Sigmund bekannt, derzeit jedoch nur im Präpestyenerstollen bebaut w^ird und nahezu press gehauen ist. Die Stufen des Hof-Mineraliencabinetes stammen aus dem Dreifaltigkcitsstollen vom Jahre i883. Das Vorhandensein dieser Bergveste, sowie mancher kleinerer erklärt sich durch die in Faczebaja von jeher betriebene kunstwidrige Art des Abbaues und wohl auch durch den geringen Halt des Tellurerzes an Gold, speCiell in dieser Bergveste, während z. B. im Jahre 1773 auf der Querenduskluft Tellurerze erschrotten wurden, welche S^/^ Feingold hielten. Die jetzt im Gange befindlichen Arbeiten haben hauptsäch- lich den Zweck, die Querenduskluft mit dem Sigmundsstollen zu erreichen und zu be- bauen, da sie nur bis zur Sohle des Mathiasstollens abgebaut ist, während die Präpestyener- kluft bis 4 M. unter die Sohle des Sigmundsstollens press gehauen ist (abgesehen von einzelnen Bergvestcn und Rücklässen des alten Manns), und deren Aufschluss in weiterer Teufe ein sehr namhaftes Capital erfordern würde. Beide Klüfte streichen Nord - Süd, verflachen 80' morgenseitig und sind von i M. 5o bis 20 Cm. mächtig. Die Gangart ist Quarz (Hornstein), seltener Kalkspath. Accessorisch : metallisches Gold, gediegen Tellur (andere Tellurverbindungen?) und güldischer Pyrit.« Die Farbe der Tellurite ist zumeist honiggelb, nämlich die der schwach durch- scheinenden Stöcke, während die einzelnen Krvstalle durchsichtig und von strohgelber bis honiggelber Farbe sind. Im Ganzen sind die Farben dunkler als beim alten Vor- kommen, das meist stroh- in weingelb war; nur einzelne Kugeln gingen bis honiggelb in der Farbe. 3. Habitus. Flächcnbeschaffcnheit. Die untenstehenden Figuren i und 2 stellen, und zwar die erstere in gewendeter Stellung, b nach vorne, die wichtigsten Combinationcn der frei ausgebildeten Krystalle 38 Aiistides Brezina. Fls. I. dar, mit zonarcni Auf bau aus Schichten von abwechselnd hellerer und dunklerer Farbe, welche den Umrissen der flachen Tafeln, insbesondere deutlich aber den Spuren der Pyramiden p folgen; in Fig. i sind nur die stärker ausgebildeten Formen b, p und o dar- gestellt, nach unten durch die (nicht beobach- tete) Basis geschlossen und so den Habitus der mit dem unteren Ende aufgew^achsenen Kry- stalle wiedergebend; Fig. 2 zeigt die an den untersuchten Telluriten auftretenden Flächen in idealer Ausbildung und in der normalen Stellung (^ vorne, b seitlich). Herrschend ist immer die Fläche b, nach welcher die Krystalle dünntafelig sind, nach welcher auch ausge- zeichnete Spaltbarkeit vorhanden ist. In der aufrechten Prismenzone ab = [00 1 ] tritt ein nahe an b gelegenes Prisma o (3. 16.0) auf, dessen Kante zu (010) durch ein noch stumpferes Prisma }i (3.34.0) abgestumpft wird. Diese Flächen wurden nur einmal beobachtet, in allen anderen Fällen war die Tafel in der Richtung gegen a zu durch vollkommen unbestimmbare, reflexlose Flächen- elemente geschlossen, von denen sich nur angeben lässt, dass sie ausserordentlich steilen, prismaähnlichen Pyramiden angehören dürften, welche etwa als Vicinalflächen zu b und o oder b und n zu deuten wären. Die Umrandung der Tafeln nach oben zu geschieht durch die stets ebenflächig und glänzend ausgebildeten Flächen der Pyramide ^ (i 1 1), von welcher an jedem der beiden Krvstalle ^ und ji?" verhältnissmässig stark entwickelt sind (etwa o-ooi5 bis o'002 Mm. Breite), während p'" kaum ein Drittel dieser Breite hat (0-0004 ^^"<^ 0*0007 Mm.) und die vierte Fläche p' ganz fehlt; an der Unterseite des grösseren Krvstalles ist noch p äusserst klein ausgebildet. Die Gleichheit dieser zufälligen Eigenthümlichkeiten (es liegt keinerlei Grund vor, an eine monokline Symmetrie zu denken) ist eine Erscheinung, welche bei nahe nebeneinander gebildeten Individuen, oftenbar in Folge der gleichen äusseren Umstände, sehr häufig auftritt. In der Zone p b treten Vicinalflächen TT von b auf, deren Lage den Symbolen (1.42. i) entspricht, wie die weiter unten folgendenWinkelangaben zeigen; doch sollen Fi£ lll(3-3'l-0) ;of3-iG-oj diese, sowie die Svmbole der obigen Vicinal- flächen nur die Lage der Flächen darstellen, ohne dass damit gemeint ist, dass diese Flä- chen beständige Formen der Substanz seien. Die wetzsteinähnlichen Formen der durchscheinenden, nach b nicht so stark abgeplatteten Complexe bauen sich durch Aufeinanderlagerung zahlreicher solcher dünner Tafeln mit den Flächen b auf, wobei der Umfang der Tafeln nach aussen immer kleiner wird. Beim Losbrechen der Krystalle entstanden zahlreiche Vicinalflächen von b in der Zone bc ^ [100], für welche ich keine eigenen Symbole berechnet habe; ebenso zeigen Ueher die Krystallform des Tellur it. i 3g sich nahe an c Ansätze zu sehr stumpfen Pyramiden, für deren Symbolisirung keine Anhaltspunkte zu gewinnen waren. Die Flächenaushildung des Tellurit lässt eine EigenthümHchkeit erkennen, welche man an den meisten Substanzen mit ausgezeichneter Spaltbarkeit beobachten kann ; während die ebenflächigen echten Flächen von constanter Lage meist unter grossen Winkeln gegen die Spaltfläche geneigt sind (so wie hier die Pyramide^ mit bp = yi'^ 53), treten zahlreiche Vicinalflächen der Spaltungsebene in verschiedenen Zonen und mit schwankender Symbolisirung auf; denn dass die obigen hochzahligen Indices sich mit anscheinend grösserer Bestimmtheit ergeben, ist nur der geringen Anzahl von beob- achteten Fällen zuzuschreiben. Fig. 3 gibt die Lage aller symbolisirten Flächen in stereographischer Projection. 4. Winkel. Elemente. Die absoluten Dimensionen der beiden gemessenen Krystafle sind o-5 Mm., be- ziehungsweise 0-27 Mm. nach a, 0-02 Mm. nach b und o-8o Mm., respective o-5o Mm, nach c; die Flächen p geben in Folge ihrer Ebenheit und Glätte gute, jedoch durch Beugung langgezogene Bilder; insbesondere bei/»'", welches am schmälsten ist, reicht das Bild beiderseits über das Gesichtsfeld hinaus, woraus sich die grosse Abweichung des Winkels ^Tj»'" vom berechneten Werthe erklärt. Aus den am Krvstall Nr. i gemessenen Winkeln bp und p p" hatte ich zuerst die Parameter a : b : c = 0-4552 : i : 0-4686 berechnet; mit Hinzuziehung der am zweiten Krystafle beobachteten Werthe ergaben sich die genaueren Elemente a : b : c = 0-4566 : i : 0-4693. Kren n er fand für das ältere Vorkommen: a : b : c = 0-45954 : i : 0-46495 und die Formen b (010), m (i 10), r (120), 5 (140), /^ (i i i); (140) von schwankender Position, gegen (4. 17. o) neigend. Mit Zugrundelegung der Elemente des alten und des neuen Anbruches könnte man für den Teflurit das Axenverhähniss a : b : c = 0-458 : i : 0467 annehmen. Eine Abweichung der Symmetrie von der rhombischen war aus den Messungen nicht zu entnehmen; an den Elementen fällt die nahe Gleichheit der Parameter a und c auf, welche eine Annäherung der Elemente an ein tctragonales Axensystem mit b als Hauptaxe bedingt; der Flächenhabitus wiederholt jedoch diese Aehnlichkeit nicht, und demgemäss ist auch keine optische Analogie mit dem tetragonalen System vorhanden, indem auf /? kein Axenbild erscheint; Krenner fand am älteren Vorkommen die Orienti- rung (bnc), Axenebene parallel a (100), negative Mitteflinie senkrecht b (010). Klein und Morel beschreiben die von ihnen für rhombisch gehaltene Modification der künstlichen tellurigen Säure als rechtwinkelige, langgestreckte Nadeln mit den Formen h^ g^ a^ und den Winkeln /^^ a, =90'; 96 55-5-97 2 — bm (010) (110) 65 27-6 - . — — 65 19 — br (010) (120) 47 36-0 — — — 47 25 — bs (010) (140) 28 42-2 — — — 28 33 — bx (010) (4.17-0) 27 14-9 — — — 27 7 bo (010) (3.16.0) 22 19-6 22 26-5 I — — — bn j vT' s y mm' r.v (oiu) (1 .11 .0) (010) (3.34.0) (120) (120) (140) (120) (i lü) (iTo) (120) (4.17-0) II 15-7 10 56-3 84 48-0 18 53-8 49 4-8 20 2I-I iio 57-0 I — — 85 10 18 52 49 22 20 18 85 6 19 1 49 30 20 15 5. Vergleich mit anderen Substanien. Der Tellurit zeigt sowohl im Habitus seiner Combinationcn, als auch in Spaltbar- keit und Winkelverhältnisscn eine grosse Aehnlichkcit mit den rhombischen ModiHca- tionen der arsenigen und antimonigen Säure. Insbesondere mit der ersteren, dem Claudetit, ist die Uebereinstimmung eine ausserordentliche. Die ausgezeichnete Spaltbarkeit nach Z'(oio),') nach welcher dünntafc- lige Ausbildung vorhanden ist, die Vicinalflächen an b in der Prismen- und steilen Pyra- midenzone und die durch dieselben bedingte Krümmung gegen a zu, ferner die Aehn- lichkcit in der Lage der dominirendcn, ebenflächigen Pyramide o, wodurch eine Näherung der beiderseitigen Elemente bedingt wird, endlich die Dimorphie zwischen einer rhom- bischen und einer tesseralen Modificacion (welche allerdings bei der tellurigcn Säure nur mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf) machen die Analogie zu einer sehr vollständigen; die beiderseitigen Elemente sind: Tellurit a : b : c = 0-45 66 : i : 0-4693 {a : c = 0-9729) Claudetit a : b : c — o-S-SS : i : o-35oo {a : c — 1-0737) 1) P. Grolh, lieber die Isodimorphic lier arsenicen und der antimoiiii,'en Säure, Pogg. Ann. CXXXVII, 414—433, Taf. VII, Fig. 1 — 5, 1860. Ueber die Krystallform des Tellurit. 141 Die Unterschiede zwischen den beiderseitigen Parametern sind allerdings nicht unbeträchtlich; sie werden jedoch minder auffallend, w^enn man den Valentinit zum Ver- gleiche heranzieht. Ueber den letzteren hat kürzlich Laspeyres') zahlreiche Beobachtungen veröftent- licht, aus welchen er jedoch ganz unzulässige Schlüsse gezogen hat. Ich habe deshalb seine und die älteren Angaben über den Valentinit einer Discussion unterzogen, welche im Anhange ausführlich wiedergegeben ist; hier will ich nur als Resultat derselben anführen, dass sowohl den älteren Beobachtungen als auch denen von Laspeyres, soweit dieselben überhaupt in Betracht kommen können, am ungezwungensten ein Parameterverhältniss: a : b : c = 0*391 5 : 1 : o'42o5 (a : c = o-gSio) entspricht, auf welches bezogen die Formen nachstehende Symbole erhalten: a (100) h(oio) TT (3 10) m (210) ff (540) M (i 10) o (160) i)(o.i3.i) d(o.i 1.2) 0(092) e(o4i)/'(o.io.3)/(o95) ^(o53) g{o32) ;z(o54) .v(o98) i{oi i) /(o56) 6(405) ^(102) .v( 1.20. 19) »(4.13.5) 7^(122) Man sieht, dass die Grundform des Valentinit zwischen denjenigen des Claudetit und des Tellurit steht, mit Ausnahme des Verhältnisses a : c, in welchem die Reihen- folge Claudetit, Tellurit, Valentinit ist. Auf alle Falle steht die Form des Tellurit denen der beiden anderen ebenso nahe wie diese beiden einander. Wenn man also Claudetit und Valentinit isomorph nennt, muss man den Tellurit ebenfalls der Gruppe beizählen, umsomehr, als die Spaltbarkeit bei allen dreien dieselbe ist. Man könnte nun versucht sein, die auffallende Thatsache der Isomorphie von TeO,, As^ 0;j und Sb.j^ O;, mit den bekannten, durch A. E. Nordenskjöld-) zwischen der Mehrzahl der rhombischen Oxyde nachgewiesenen Beziehungen zu erklären; derselbe fand, dass CrO-^, V.j O^, MoO.^, WO.^, Sb^^ 0^,Bi^ (\, As.^^ O-^ und TiO.j, also Oxyde von ganz verschiedener chemischer Zusammensetzung sich durch Multiplication einzelner Para- meter mit 2, 3 oder — auf eine gemeinsame Grundform a : b : c =1 0*397 : i : 0*471 beziehen lassen, wobei die Spaltbarkeit zwar nicht für alle Glieder dieselbe, aber doch immer nach einer Fläche der Zone [001] gerichtet ist. Dagegen ist jedoch zu bemerken, dass nach den heute geltenden Anschauungen von einer Isomorphie dieser Oxyde unter- einander in morphologischer Beziehung nicht gesprochen werden kann. Eine Ueberein- stimmung der Elemente nach Multiplication eines oder gar zweier Parameter mit wenn auch einfachen Zahlen bei gänzlicher Verschiedenheit des Habitus und abweichender Spaltbarkeit reicht nicht hin zur Begründung der Isomorphie, wenn sie auch immerhin eine interessante Beziehung darstellt und vielleicht in späterer Zeit zu weiteren Schlüssen ■) H. Laspeyres, Mineralogische Bemerkungen, VIII. Theil, 15. Krystallographische Unter- suchungen am Valentinit. Zeitschr. für Krystallogr., IX, 162 — 185, 1884. 2) Om Vanadin-och Molybdensyrans Kristallformer. Öfv. 1860, Nr. 6, S. 299 — 302; auch Pogg. Ann. CXII, 160 — 163, 1861. In letzterer Uebersetzung sind alle Zehntelgrade irrthümlich als Minuten gesetzt; es ist zu verbessern: S. 161, Z. 13 von oben 133-8 statt 133^8' S. 162, Z. 3 von oben 157*7 statt 157^7' S. 161, Z. 15 » » 92*3 » 92 3 S. 162, Z. 4 » » 148*5 » 148 5 S. 161, Z. 10 » unten 00 p^j^ » p^i^ S, 162, Z. 5 » » 140*3 » 140 3 S. 161, Z. 9 £■ » 00 ;; » P S. 162, Z. 18 » » minder » einander Bidrag tili känncdomen om oxidernas Kristallformer. Öfv. 1860, Nr. 9, S. 439— 452 ; auch Pogg. Ann. CXIV, 612—627, 1861. Nordenskjöld schreibt Naumann 'sehe Zeichen, stellt aber Z vertical (Hauptaxe), X Makro-, Y Brachydiagonale, also c Basis, a Brachy-, b Makropinakoid. j^2 Aristides Brezina. verwendet werden kann. Zudem sind mehrere der obigen Substanzen nur ungenau unter- sucht, die Elemente sind zumTheile nur aus Messungen ebener Winkel unter dem Mikro- skope abgeleitet. Die einzige, wirklich in unsere Gruppe gehörige Substanz scheint, wie schon Breit- haupt') bemerkt hat, die von Letzterem untersuchte Modification der Molybdänsäure Mo O3 zu sein, an welcher derselbe ein Prisma (iio) von 43" 12, ein unbestimmbares Doma (okl), vollkommene Spaltbarkeit nach (i 10), sehr deutliche nach (010) beobachtete; aus dem Prismenwinkel ergibt sich a : b =z o-3g59 : i, auch die Biegsamkeit der Substanz entspricht der Cohäsion in unserer Gruppe. Hingegen scheint die von Nordenskjöld beobachtete Modification der Molybdänsäure mit der von Breithaupt untersuchten di- morph zu sein, er fand nämlich (a und b vertauscht) a : b : c = 0-3872 : i : 0-4792, Formen a (100) &(oio) c(ooi) ?n (430) r(2o3) 5(102) f(io3) Spaltbarkeit äusserst deutlich (010), minder deuthch (100) und (001). Man sieht, dass zwischen beiden Modificationen vollkommen die Beziehungen be- stehen, die man zwischen dimorphen Körpern zu finden gewohnt ist, eine Zone ähnlich (/7m — 73"48 Nord., bp = 68" 24 Breith.), Spaltbarkeit sehr verschieden, so dass beide Substanzen einen ganz anderen Modus der Anordnung besitzen. Es ist offenbar viel un- gezwungener, die von Nordenskjöld untersuchte Modification auf das Parameter- system a ; b : c = 0-2904 : i : 0-2396; in{\\o) r(ioi) .?(3o4) f(io2) zu beziehen. Jedenfalls erfordert die Molybdänsäure eine erneuerte krystallographische Untersuchung. Auch das Verhalten der Vanadinsäure V.^0-^ ist eigenthümlich. Nordenskjöld gibt die Elemente (^a und b vertauscht): a .- /? : c = 0-3832 : I : 0-9590 Formen rt(ioo) b{o\o) c(ooi) m{\ 10) »(1.20.0) r(oi i) ^(014) (.') Spaltbarkeit sehr deutlich (100), minder deutlich (010), (001). Diese Substanz liesse sich ebenso gut auf die Elemente a : b : c ~ 0-3832 : i : 0-4795; in (i 10) ?2 (1.20.0) r(o2i) /(012) beziehen und wäre dann mit unserer Gruppe vollständig isomorph bis auf den Umstand, dass die beste Spaltbarkeit nach (100) anstatt (010) ginge; diese vorzügliche Spaltbarkeit nach (100) ist aber auch aus dem Grunde befremdlich, als das gewöhnliche Prisma m(\ 10) zur besten Spaltbarkeit unter einem kleinen Winkel (am — 20" 58) geneigt ist, hingegen das seltene u, das eher den Charakter einer Vicinalfläche trägt, unter einem sehr grossen (afi = 82034), während es gewöhnlich umgekehrt zu sein pflegt; man könnte allenfalls an eine Verwechslung von a und b denken, allein andererseits stimmt wieder der Cha- rakter von a als dominirende Fläche, nach der die Krystalle abgeplattet sind, besser mit der vorzüglichen Spaltbarkeit nach dieser Hache, Also auch hier sind die Verhältnisse ungewöhnlich, jedoch nicht von der Art, um eine Isomorphic mit unserer Gruppe ohne- weiters annehmen zu lassen. Die Tantalsäure Ta^ (^:, entspricht weder der Vanadinsäure, noch unserer Gruppe dircct; Nordenskjöld fand (^a und /' vertauscht): 1) Aug. Breithaupl, lieber die natürliche Molybdänsäurc uml ihre Homöomorphie mit der natürlichen antimonigen Säure. Berg- und Ilüttenm. Ztg. XN'll, 125 — 126, 1858. lieber die Krystallform des Tellurit. 143 a : /? ; c = 0-8288 : 1 : 0*8239; m (i 10) ;z (loi) o(3oi) ^7(041) Spaltharkeit nicht angegeben. Hier ist die nahe Gleichheit von a und c sehr deutlich ausgesprochen, dagegen die Zurückführung auf die Gruppenwerthe nicht zulässig, obwohl die Verdoppelung von b zu einem entsprechenden Parametersystem 0-4144 : i : 0-4120 führen würde; nachdem jedoch die Formen dann lu (120) )i(ioi) o(3oi) t7(o8i), also minder einfach würden, kann eine solche Aufstellung ohne Kenntniss der Cohäsionsverhältnisse nicht angenommen werden. Auch das Bleioxvd Pb O hat durch nahe Gleichheit von a und c einen pseudo- tetragonalen Charakter, welcher hier in dem einen Typus (Fig. 8 in den Oefversigt, P^ig. 12 inPoggendorff'sAnnalen, zweite Arbeit Nordensk jöld's) auch durch die Flächenaus- bildung zur Geltung kommt. Vertauschen wir Norden skjöld's ^7 und c mit einander, um im zweiten Typus (Fig. g, beziehungsweise i3) die Längserstreckung aufrecht parallel Z zu erhalten, so wird a : b : c = 0-9764 : 0-6706 : i ; Formen b(oio) '"(iii) -^(545) ^(323) Typus I /'(oio) a(\oo) d(hio) L](4h.3.3h) r (2/?.!.//) Typus II Auch diese Elemente lassen sich inUebereinstimmung mit unserer Gruppe bringen, wenn man b verdreifacht; dann wird a : b : c ^= 0-9764 : 2-01 18 : i = 0-4853 : i : 0-4971 rt(ioo) ^(010) ;-(i3i) 5(5.12.5) ^(121) Die Zahlen für die Indices vereinfaclien sich noch, wenn man 5 als (252) annimmt, was mit der Beobachtung Nordenskjold's und den von Rammeisberg') gefundenen Zahlen auch noch vereinbar ist; in der That ist gemessen berechnet für (252) berechnet für (5.12.5) 5S 99" 36' N. aus by 98'i3o'-45'- Rg- 67040 Rg. fast sleich ss' 98" 4 65 25 63 41 100" 24 G6 4T H 55 Allerdings wäre auch hier der Fall denkbar, dass die von Norden skjöld und Rammelsberguntersuchten Krvstalle zwei dimorphen Modificationen angehören, indem die einzige von Letzterem gefundene Pvramide mit einer nicht ganz einfachen Form des anderen Typus und auch da nicht eben befriedigend übereinstimmt. Keinesfalls aber lässt sich eine dieser Formen ohneweiters in unsere Gruppe einreihen, da die obige Axen- wahl nur dann annehmbar wäre, wenn die Substanz eine ausgezeichnete Spaltbarkeit nach b besässe, welche für b einen grossen Parameter erfordern würde; von einer Spaltbarkeit ist aber weder bei Nordenskjöld noch bei Rammeisberg die Rede. Das Quecksilberoxyd Hs;0 wird zwar von Nordenskjöld als mit dem Bleioxyd vollkommen isomorph betrachtet, ist es aber wohl kaum, wenigstens müsste diese Iso- morphie erst durch Auffindung gleicher Cohäsionsverhältnisse erhärtet werden, welche von keiner der beiden Verbindungen angegeben sind; stellt man beide Körper mit der >) Rammeisberg, Krystallographische Chemie, Berlin 1855, S. 30. Aniialen des U. k. naturliistorisclien Hot'museums, Bd. I, Heft 2, i.SSo. 144 Aristides Brezina. Lüngenerstreckiing (nach welcher auch am Hg O alle Prismenflächen gestreift sind) auf- recht, so werden die Elemente Pb O . . . 0-9764 : o'öyoö : i Hg O . . . I : o*6522 : 0*9459 was allerdings mit Nordenskjöld's Annahme auch nicht unvereinbar wäre; aber auch der ganze Charakter der Combinationen ist ein anderer; mit unserer Gruppe hat das Quecksilberoxvd keinen wahrnehmbarenZusammenhang; wollte man es auf ein isomorphes Axensystem beziehen, so wäre b zu verdreifachen (also a : b : c ^^ o-5 1 1 i : i : 0-4834), wodurch die Prismen (welche allein ihr Zeichen ändern würden) anstatt (43o) (iio) (280) (120) (i3o) die Symbole (490) (i3o) (290) (160) (190) erhielten; eine solche Auf- stellung wäre kaum zu rechtfertigen. Das Wismutoxvd Bi^ 0,_ hat nach N o r d e n s k j ö 1 d die Elemente (a und b vertauscht) a : b : c = 0-81 65 : i : 1-0640; c(ooi) 711 (i 10) (034) 7-(oi i) .?(o32)(o3 um es mit dei" Gruppe isomorph zu machen, wäre /' zu veriloppeln, wodurch wir erhielten a : b : c = 0-4083 : i : o-532o; c(ooi) »2 (i2o)(o32) r(o2i) .>» (o3i) (061) Die Symbole würden also etwas complicirter, das einzige vorhandene Prisma er- hielte das Zeichen (120), was auch wieder nur zu rechtfertigen wäre, wenn eine ausge- zeichnete Spaltbarkeit nach b vorhanden wäre. Die Chromsäure CrO^ hat ein herrschendes Pinakoid /' (010) und die Elemente a : b : c =z i : 0-6920 : 0-6285; b(oio) vi (i 10) 1/(120) .v(i 1 1) r(33i) hier fällt wieder die nahe Gleichheit der Axen /' und c auf; während dies aber bei den meisten übrigen Oxvden von den zwei zum ausgedehntesten Pinakoide parallelen Axen gilt, ist dies hier anders; auch lässt die Chromsäure kaum eine mit der Gruppe isomorphe Aufstellung zu. Die Wolframsäure ^V'Oj hat nach Nordenskjöld die Elemente a : b : c ^= i : 0-6966 : 0-4026; b(oio) vi (i 10) n (210) (201) (301") (401) (5oi) (801) durch Verdreifachung von b und Verdoppelung von c erhielte man a : b : c ^=. I : 2-0898 : o*8o52 = 0-4785 : i : 0-3853 b{o\o) ?;2(i3o) » (23o) (loi) (3o2)(2oi)(5o2)(4oi) also eine unbedeutende Erhöhung der Zahlen für die Indices, dafür aber complicirte Ver- hältnisse in der Prismenzone. Auch hier ist eine Einreihung in unsere Gruppe nicht gut thunlich. Wie man sieht, bedürfen noch viele Umstände in der Gruppe der Oxyde eine ge- nauere Untersuchung; von vielen Gliedern derselben fehlen Angaben über die so wich- tigen Eigenschaften der Spaltbarkeit, und auch eine grosse Zahl von Formen sind nur sehr angenähert, durch mikroskopische Messungen festgestellt. Es wäre deshalb auch noch verfrüht, Schlüsse aus der anscheinenden Isomorphie des Tellurit mit den beiden oder drei anderen Gliedern, oder aus den Beziehungen zwischen den übrigen Oxyden und den genannten vier ziehen zu wollen. Es wäre aber eine lohnende Aufgabe, an reinem Materiale die so wichtigen Formen dieser Körper von Neuem zu bestimmen. Die Annahme Mallard's würde allerdings für die auffallenden Erscheinungen der obigen Elemente eine Erklärung geben. Ueber die Krystallform des Tellurit. 145 Anhang. Die Elemente des Valentinit. Im Nachfolgenden stelle ich chronologisch die auf die Formen und Elemente des Valentinit bezüglichen Publicationen zusammen; der Uehersichtlichkcit halber füge ich Flächensignaturen bei, und zwar, soweit dies möglich, die von den Entdeckern der be- treffenden Flächen gebrauchten. Die Originalaufstellungcn sind in den Axenlängen bei- behalten, die Axen aber immer so gedreht, dass das Spaltungsprisma als Prisma (hko), das Spaltungspinakoid (parallel der kurzen Diagonale des Prismas) als (010) erscheint. Behufs grösserer Uebersichtlichkeit stelle ich die für den Valentinit bisher angege- benen Formen in die untenstehende Tabelle zusammen; in erster Colonne steht die Flächensignatur, die folgenden Colonnen enthalten in chronologischer Ordnung die von den einzelnen Autoren gegebenen Formenreihen mit den von ihnen gebrauchten Signa- turen; ein Punkt (.) an Stelle einer Signatur deutet an, dass der betreffende Autor die Fläche erwähnt, ohne sie zu signiren; ein Strich ( — ), dass er eine vorher schon bekannt ge- machte nicht erwähnt. Aus der Anordnung der Tabelle ist sofort zu ersehen, welcher Autor eine Fläche zuerst bekannt gemacht hat. _0 ;o ^ '3 (010) (210) (012) (018) (III) M P (010) (110) (OII) (014) (121) (041) (013) (043) (012) ^^4 M P III (010) (110) (041) (Oll) (481) (0.16.1) (043) (0.16.3) (021) (032) (1.20. 15) (100) (310) (210) (540) (t6o) (071) r (0.27.4) (092) (073) (0.15.8) (054) (101) (508) (3-10.3) (5-10.8) IV (010) (HO) (0.10.3) (05^') (361) (0.13.1) (098) (092) (053) (054) (t.2o.i'); (100) (310) (210) (540) (160) (0.11.2) (O. II .2) (041) (095) (032) (on) (40 s) (102) (4.1 (i: S) (010) (HO) (052) (035) (241) (o . 1 o . I ) (05^^) (0.16.5) (054) (0.9.10) (i .20.25) (100; (310) (210) (540) ( 1 60) (041) ? (041) (031) (075) (098) (034) (305) (308) (3-10.5) (3f'8) 146 Aristides Brezina. Phillips Williams, An elementarv introduction. 3. ed. London i823. 33i. >-It yields to mechanical division parallel to the sides ofa rhomhic prism of i 37*^43' and 42" 17', bv the reflective goniometer, but the principal cleavage is parallel to the lesser diagonal of the prism.« Mohs Fr., Grundriss der Mineralogie. Dresden 1824. II, 168 — 171. Die Axen nach obiger Regel vertauscht, werden die Elemente: a : b : c = Y'l-11 • |^i2-5 : 10 = 07884 : i : 2-8283 h{o\o) = Pr \ 00; A/(2io) = {Pr -f- 00)^ Spaltungsprisma; /»(012) = Pr — i; P(i 1 1) := P =: io5"38 : 79" 44 : i55" 17; ferner die Winkel M =r (2io)(2To) — 43 "2 ('Normalenwinkel) Refl. gon.;/» = (01 2) (012) = 109^28 Annäherung. Spaltbarkeit M sehr vollkommen. Zu letzterer fügt Haidinger in der Uebersetzung hinzu: »scarcely traces parallel to Pr -f cc.« (Treatise on mincralogy by Fr. Mohs, translated by W. Hai- dinger. Edinburgh 1825. II, i52.) Beudant, Traite de mineralogie. 2 ed. Paris i83o. II, 61 5. »Masses clivables parallelement aux pans d'un prisme rhomboidal de 137" 43', et aussi suivant les diagonales de ce prisme.« Laspeyres führt unter den Angaben Beu- dant's nur die Spaltbarkeit nach [\\o) und (oio\ nicht die nach (100) an, während Beudant solche nach beiden Diagonalen angibt. Breithaupt, Vollständige Charakteristik. 3. Aufl., i832, S. 62 (damit überein- stimmend Vollständiges Handbuch, 1841,11, i85)gibtan: »Pc«o=^- o =io9"28 ib ; 3 ' ^ 8 " ooP = ^— ooO' = 43" 2' 21" (109" 28'; 43" 2' Hdgr). Spaltbarkeit prismatisch, voll- 36o kommen, brachvdiagonal unvollkommen.« Nachdem Breithaupt innere Winkel und für die Domen Polkantenwinkel verwendet, wäre obiges Doma allerdings ein flaches, während Mohs-Haidinger's Doma steil ist. Allein Breithaupt hat ohne Zweifel ein- fach übersehen, dass Mohs ein steiles Doma gemeint hat; dafür spricht vor Allem, dass er die Haidinger'schen W^erthe zum Vergleich neben seine ohne weitere Bemerkung setzt, also offenbar voraussetzt, dass sie dieselben Gestalten betreffen. Die Täuschung ist wahrscheinlich dadurch entstanden, dass er in Folge des Mohs'schen Zeichens Pr — i an ein flacheres Doma dachte und nicht bemerkte, dass bei der Länge der von Mohs ge- wählten aufrechten Axe auch das flachere Doma noch immer ein steiles ist. Der Irrthum war um so leichter möglich, als Breithaupt offenbar keine Messung vornahm; seine gegen Mohs veränderten Winkel beruhen auf Rechnung, er gab nämlich für das Doma den genauen Oktaederwinkel statt des auf Minuten abgerundeten, welcher bei Mohs er- scheint, und für das Prisma den aus seinem Svmbol .^-r^ 00 O' berechneten (43 "2 iq-5 ). .■>bo Nachdem also jedenfalls Breithaupt in einem Irrthum befangen war, ist seine Angabe einfach zu streichen. Es scheint mir deshalb auch nicht gut anzugehen, dass man, wie Groth gethan hat, die Angaben von Mohs in Zweifel stellt; Mohs kann ja nichts dafür, dass Breithaupt eine Confusion gemacht hat, und auch der zufällige Umstand, dass der Domenwinkel dem des regulären Oktaeders gleich gefunden wurde, lässt noch nicht mit Bestimmtheit die Deutung zu, dass diese Gleichheit nur auf Schätzung beruhe, wenn- gleich die Möglichkeit davon zugegeben werden muss. Und selbst wenn dies erwiesen wäre, kann man noch nicht daraus schliessen, dass die Schätzung eine ungenaue sei; sie kann im Gejientheil viel genauer sein als eine Messung mit dem Anlegegoniometer, Ueber die Krystallform des Tellurit. iaj welche man Ja ohne Bedenken als Grundlage einer Elementenbestimmung annehmen würde. Mohs, Leichtfassliche Anfangsgründe. 2. Auflage. Wien i83(). II, i55 fügt nach Beobachtung Haidinger's zu den früheren Flächen noch Pr — 3 = 38" 36 = (018) hinzu. Bis hierher sehen wir somit ausschliesslich die erste, Mohs-Haidinger'sche Aufstellung im Gebrauche: f Mohs-Haidinger. a : b : c ^= 07884 : i : 2-8283 ^" 1 /z(oio)/V/(2io)jL7(oi2)^(oi8) P(iii); /zM=68029'; /^^^ = 35" 16'; /i^ = 70^3-2' Senarmont H. de, Note sur l'antimoine oxvde naturel de forme octaedrique. Ann. chim. phvs. i85i, XXXI, 504 — Soy. Gibt keine neuen Messungen, welche zur Be- stimmung der Elemente beitragen könnten ; er bezeichnet die M o h s'schen Formen p{o\2) und P( I I O mit e^ = (01 1) und {b^/.^h^b'^') == (121), setzt also a : b : c = 0*3942 : i : i'4i42 und gibt die neuen Formen e^ = (014) mit 38'^ und (^V'i ^^Vi'2 ^0 = (1.3.24) mit der brachvdiagonalen Polkante 34*^ und dem Winkel zum Grundprisma 5 7" an; das Zeichen dieser Pvramide stimmt, wie schon Laspeyres bemerkt, nicht mit den zwei an- gegebenen Winkeln (es würde nämlich den Polkantenwinkel 22*^0 und den Winkel zum Prisma 77'^ 17' erfordern); Laspevres vermuthet deshalb, dass das Zeichen (b^/^ ^'Vi'i^O = (2.3.12) heissen sollte, was aber auch nicht zulässig ist, da dieses Zeichen den Pol- kantenwinkel 36" I 3' (nicht 32" 33', wie Laspevres angibt) und denW^inkel zum Prisma 52"48' erfordern würde, also Winkel, welche von den Senarmont'schen um 2 bis 4 Grade abweichen; der Winkel für das Doma e^ stimmt bei Senarmont zwischen Rech- nung und Messung auf einen Grad (38" gemessen, 38" 56' berechnet), und man darf nicht einen um so viel grösseren Spielraum bei den zwei Pvramidenwinkeln voraussetzen. Aus Senarmont's zwei Winkeln berechnet sich für die Pyramide das Zeichen (4.7.28), näm- lich k : h = 1-758 und l : h ^ 7'o83, oder (^'/ii ''* '2s ^'Z:?)' ^'^ dieses Zeichen keinerlei Beziehung zu dem von Senarmont gegebenen erkennen lässt, kann man heute nicht mehr entscheiden, ob sich dieser Autor in den Winkeln oder im Symbol geirrt hat, und es bleibt nichts Anderes übrig, als diese Form bis auf neuerliche Beobachtung zu streichen. Wir haben also Jetzt die zweite Aufstellung: f Senarmont. a : b : c =: 0-3942 : i : 1-4142 1 /;(oio) .\/(i 10) j7(oi i) (^(^014) P(i2i); Winkel wie unter I. Miller W.H., Elementarvintrod. London i852. S. 253 — 2 54 gibt die Fundamental- winkcl [a und b vertauscht) 01 i.ooi = 54"44'; 1 10.010 = 68"29 h (o 10) i- (o I 3) j7 (o I I ) r (04 1 ) A/ ( I I o) P ( I 2 1 ) Mi 11 er 's Signatur a 's r r lu x worunter ,s' und r neu, bezieht also die Krvstalle auf dieselben Elemente wie Senarmont; Miller gibt nur die aus den M oh s'schen W^erthen berechneten Winkel, so dass zur Dis- cussion der von mir gewählten Elemente nur die Svmbole seiner neuen Flächen ver- wendet werden könnten. Fellenberg E. v.. Neues Jahrb. 1861, S. 3o2 erwähnt Valentinit von Felsöbanya mit den Flächen 00 /*(i io\ o P (001), P 00 (01 1), 2 P 00 (021), 00 Poo (010), ooP 00 ? (100). Hievon wäre (021) neu; es ist zwar misslich, dass gar keine Messungen angeführt sind, was bei dem complicirten Baue der Valentinitkrvstalle die Vermuthung entstehen lassen könnte, dass die Zeichen nur auf Schätzung beruhen, umsomehr, als Fellenberg nicht einmal angibt, auf welches Axenverhältniss seine Svmbole bezogen sind; da jedoch 148 Aristides Bi'ezina. derselbe Uebelstand auch bei vielen anderen Formen des Valentinit vorliegt, wird man auch diese von Fellenberg angegebene nicht gut ausschliessen können. Dasselbe giltvonDescloizeaux, Nouvelles recherchcs (Savants etrang. XVIII, 568, 1867), welcher für Bräunsdorf die Formen c^''(oi3) und ^^(014) anführt, also offenbar auch die Senarmont-Miller'sche Aufstellung adoptirt, und ausserdem eine neue Form gibt, e-V4 = (0-^4)? Descloizeaux führt ausser dem Prismcnwinkel keinen weiteren an. Mit Hinzunahme der neu beobachteten Flächen lautet somit die zweite Aufstellung: II. Senarmont. a : b : c ~ 0-3942 : 1 : 1-4143 j li{oio) c(ooi) M{i 10) d{oi4.) ^(oi3) t'(o34) p{oi i) ^7(021) {'(041) P(i3i) \ JiM — 6S^2g;hd := 7ü'»32; /ks = 64'>4(3; he ^ 43" 19; /ii?^35"i6; liq=: i9"28; hv = 10" 2. Groth, Ueber die Isodimorphie etc. Pogg. Ann. CXXXVII, 414 — 433, 1869, be- spricht die Angaben von Mohs-Haidinger, Breithaupt, Dana und Descloizeaux; was die ersteren Autoren betrifft, wurde schon oben erwähnt; bezüglich Dana's vermisst Groth einen Nachweis über die Flächen (01 3) und (041); diese sind wohl aus Miller entnommen. Von Descloizeaux erwähnt Groth die neue Fläche - Pcc. Als neu beobachtet erscheint — auf Senarmont's Elemente bezogen Poo =/(oi2) mit dem Endkantenwinkel 110", also hf^ 55'^ (berechnet nach Mohs' Werthen 54" 44). Groth hat den Prismenwinkel neu gemessen und mit Beibehaltung des Mohs- schen Winkels hp ein neues Parametersystem gegeben (wobei c, wie Laspeyres be- merkt hat, durch einen Druckfehler verändert wurde); ich gebe seine Aufstellung, welche er zur Parallelisirung mit dem Claudetit vorgenommen hat und worin c ein Viertel des Senarmont'schen Werthes beträgt, mit Bezugnahme auf die Mohs-Haidinger'schen W' inkel : I Groth. a : b : c = 0-3942 : i : 0-3535 III. /;(oio;),M(iio),rf(oii),5(o43),/(o2i),e(o3i),^^(o4i),^(o8i),i'(o.i6.i),P(48i) I Winkel wie unter II, nebstdem /?/= 54" 44'. In seiner zweiten Veröffentlichung über den Valentinit (Tabellarische Uebersicht. Braunschweig 1874. S. 84—85) berechnet Groth auf Grundlage neuer Messungen (^M M' = 41" 5o, Mf = 78" 19) die Elemente a : b : c = 0-3822 : i : 0-3443, gibt ein neues Doma ^ Poo = g (o32) und eine Pyramide ^f P 20 =: .v ( i . 20 . i 5) und fünf ge- messene Winkel, gg', xx', xx'" nebst obigen Fundamentalwinkeln an; die Bemerkung Groth's, dass die in seiner früheren Arbeit nachgewiesene Fläche/ (021) mit dem Mohs'schen Doma identisch sei, hat nur dann Geltung, wenn man annimmt, dass Mohs Pol- und Scitenkantenwinkcl verwechselt habe, für welche Annahme jedoch, wie ich oben gezeigt habe, kein Grund vorliegt. Laspeyres, Mineralogische Bemerkungen VIII. Zeitschr. Kryst. IX, 162 - 195. 1884; darin krystallographische Untersuchungen am Valentinit, S. 162 — 1 85. Ich will nicht die sämmthchen Beobachtungen von Laspeyres hier einzeln be- sprechen, sondern gleich vorausschicken, dass unter allen von ihm gemessenen Formen nur zwei an einer grösseren Zahl von Krystallcn ausgebildet waren; das Grund-, resp. Spaltungsprisma M(p), für das sehr zahlreiche Werthe an allen Valentinitvorkommnissen ermittelt wurden, und das Doma /, das an acht verschiedenen Krystallen, welche zwei Stufen von Bräunsdorf entstammten, mit befriedigender Ucbereinstimmung gemessen Ueber die Krystallform des Tellurit. j^q werden konnte; unter den übrigen zwölf von Laspeyrcs angegebenen neuen Formen sind sieben, nämlich / (h), u, f, e, a, yf und vi nur je einmal beobachtet, (> und i^ je zweimal (g mit einem Unterschiede von i jGrad zwischen den zwei Messungen) und nur d viermal mit sehr nahe übereinstimmenden Werthen (b d zwischen 23" 47 und 23" 59). Schon hieraus geht hervor, dass die Mehrzahl der neuen Formen kaum Anspruch auf Selbstständigkeit besitzen, und dass daher bei der Wahl der Grundform wenig Rücksicht aul dieselben genommen werden kann. Es erscheint deshalb angezeigt, die zwei Formen p und / als Grundprisma und -Doma anzunehmen, keinesfalls aber der Fläche i ein so complicirtes Symbol (054) bei- zulegen, wie Laspeyres gethan hat, lediglich der von Groth ausgesprochenen Ver- muthung zu Liebe, dass eine (nicht beobachtete) Grundform (iii) des Valentinit von ähnlichen Abmessungen wie am Claudetit existire; denn solche Beziehungen zwischen den Formen haben nur dann einen Werth, wenn sie aus der Natur herausgelesen werden; in dieselbe hineininterpretirt sind sie bedeutungslos. Unter der Annahme M (i 10) und / (01 i) werden die Elemente des Valentinit (aus hM = 68" 37-3 und hi ^ 67" 1 1-5 berechnet) a : b : c =z o*3qi5 : i : o'42o5. Man sieht sogleich, dass die einzige Fläche, welche ausser Mund i an einer grösseren Zahl von Krystallen beobachtet wurde, das Doma d nicht gleichzeitig mit / ein einfaches Zeichen besitzen kann, da aus h d = 23" 53 (Mittel von vier Werthen) ein Svmbol (o . 16.3) folgt [h d berechnt 24*^ 2). Es ergibt sich nämlich das Verhältniss der Indices k : l = 5*3707, was, in einen Kettenbruch entwickelt, der Reihe nach die Näherungs- brüche — , — , -^, also die Svmbole (o5i), (o. 11. 2), (o. 16. 3) ergibt, denen die Winkel h d ^= 25" 26, 23" 23 und 24" 2 entsprechen. Da die gemessenen W^erthe zwischen 23" 47 und 23" 59 liegen, können die beiden Svmbole (o5 i) und (o . 1 1 . 2) nicht gut ge- wählt werden. Wollte man die Hochzahligkeit des Symbols von d auf die beiden Formen d und i vertheilen, so könnte man diese mit / (034) und (^(041) bezeichnen, wodurch die Elemente ^ (7 : £7 : c rzz o\"'9i5 : i : 0-5007 würden. Die letztere Annahme entspricht, wie weiter unten gezeigt werden wird, den Beobachtungen minder gut als die erstere und ist somit zu verwerfen. Bevor wir nun die den Formen unter den verschiedenen Annahmen zu ertheilen- den Symbole und die daraus berechneten Winkelwerthe mit den gemessenen zusammen- stellen, sind noch einige Bemerkungen über die Formen und Beobachtungen vorauszu- schicken. Wenn wir die Reihe der für den Valentinit angegebenen Plächen durchgehen, so sehen wir zunächst, dass die Formen der aufrechten Zone a ( 1 00) ;t (3 I o) m (2 1 o) ff (540) M ( i i o) ^) ( 1 60) h (o i o) in den Aufstellungen von Groth und mir gleiches Zeichen behalten, also für die Dis- cussion der Elemente ohne Belang sind. Von den übrigen Formen sind v (t) und .v fk) Miller, o Descloizcaux und P M o h s von den betreffenden Autoren ohne Angabe gemessener Winkel eingeführt, kommen also bei der Wahl der Elemente ebenfalls nicht in Betracht. Die von Laspeyres angegebene Fläche x(h) ist nur einmal beobachtet, mit einem gemessenen Winkel yi »von etwa 44"3u<. Derselbe Winkel für die viermal beobachtete j 5o Aristides Brezina. Fläche d ist di = 43" 26*5; da nun Winkelditferenzcn von ein bis anderthalb Graden am Valentinit etwas ganz Gewöhnliches sind, so ist ohneweiters klar, dass diese beiden Flächen vereinigt werden müssen, beziehungsweise dass die offenbar schlecht ausgebildete Fläche X(h) zu streichen ist. Bei den Formen u und _/" hat Laspeyres eine arge Verwirrung angerichtet. Er gibt Seite 174 als gemessen an: /i (^J Mfj^j = 68"^ 37 (68« 41 bis öS*' 3 3), uM(p) =45 "49 (45 "'S 8 bis 45 "45), uh(b) — 49 '^ 18 (49" 20 bis 49*" 16), »sowie unsicher«: M(p)f=z 75 "49 (76" 35 bis 75'' o) »daraus« /z< = 3o**o. Ferner wird die Tautozonalität von M (p) «/übereinstimmend mit der Zeichnung Fig. 9, Taf. V angegeben und für u das Symbol (3. 10. 3), für/ (0.20. 9) abgeleitet. Das ist schon an sich unmöglich, da aus der Zone M(i 10) 11 (3. 10. 3) für/ das Symbol (073) folgt. Ferner berechnen sich aus den obigen Winkeln liM, Mu, uh mit Rücksicht auf Zone Muf d\Q Winkel Mf = y6^ 52 (in hinlänglicher Uebereinstimmung mit dem un- sicher gemessenen Werthe 75'' 49), hf= 5i"26-5 und ff = 77"7- Hingegen gibt nun Laspeyres auf Seite 175 an: ///gerechnet 53'^ 18, was offenbar mit einem kleinen Rechen- fehler aus dem Symbol (0.20.9) abgeleitet wurde, da dieses Symbol unter Annahme der Laspevres'schen Grundform ergäbe A/= 53'^ ^^7 ff = 7^*^ -^4- Weiter aber (Seite i85) findet sich die Angabe// = 73" 36 berechnet, 73*' 24 beobachtet, was für/// die W'erthc 53*^12 berechnet, 53'^ 18 gemessen liefern würde. Bei dem vielfachen Widerspruch in den Angaben ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wie es sich mit diesen Flächen ver- hält, doch ist das Wahrscheinlichste, dass die ersten vier als gemessen angegebenen Winkel und die Tautozonalität Mz// Bestand haben, wonach/ mit (073) nach Laspevres'scher Aufstellung zu bezeichnen ist. Zur Discussion der Elemente kann aber/ unter solchen Umständen nicht benutzt werden. Die Formen/ q, g, n(q'), s (k) und / bilden eine Reihe, in welcher die benach- barten Glieder einander sehr nahe stehen; es ist hf = 5 i*' 26*5 (aus der Position von ii und der Tautozonalität A//// berechnet), hq =55" (aus qq' = 70"^ hg = 56''47 bis 58*^ i 5 (zwei Messungen von Laspeyres), lui — 62" 36*5 (aus nn' = 54''47), hs = 64'' 46, hi = by^^ 1 1-5. Eine solche Erscheinung zeigt sich häufig in Zonen, welche auf eine aus- gezeichnete Spaltfläche zulaufen, oder welche überhaupt zu Treppenbildung hinneigen. In einem solchen Falle ist doppelte Vorsicht bei Annahme von Flächen nothwendig, da die Abstände benachbarter Formen zuweilen auf das Maass der Ausbildungsfehler der Flächen herabsinken. Hiezu kommt, dass die obige Reihe um denjenigen Werth oscillirt, welchen der Winkel (010) (01 i) nach meiner zweiten Aufstellung besitzt, nämlich 6o"43. Damit soll natürlicherweise nicht gesagt sein, dass innerhalb des Abstandes f bis / nur diese eine Fläche anzunehmen sei; es ist vielmehr eine charakteristische Eigenschaft solcher oscillirenden Flächenfolgen, dass um eine Form von sehr einfachem Symbol (welche entweder wirklich beobachtet wird oder in Wirklichkeit nicht auftritt, so wie hier) Formen von complicirtem Zeichen in grösserer Zahl auftreten, deren Existenz aller- dings dem Bestreben des Krystalles zu entspringen scheint. Formen von einf